1. December.

 Das Rothe Meer rechtfertigt seinen Ruf, es ist wirklich warm, schon 32° C. im Schatten. – Das Anziehen zum Speisen ist schon eine Corvée, und der Gesandte ist so correct! Das Leben am Bord ist recht einförmig: um 7 Uhr gehe ich auf Deck, trinke dort in Gesellschaft des guten Mersa Kaffee, rauche, plausche und lasse mich vom Winde anwehen; um 8 Uhr Bad, und zwar im Privatbadezimmer des Commandanten, dann Toilette, – um 9 Uhr Frühstück, hierauf ruht man sich von den Strapazen des Morgens aus, liest, spricht mit den Damen, schläft ein wenig und erwartet geduldig 1 Uhr nachmittags, da man zum Tiffin hinabgeht. – Einige Stunden vergehen wieder mit Plauschen, Lesen und Schlafen, – um 3 Uhr wird »Tauende« (Quoits) gespielt, um 4 Uhr Thee mit Butterbrot verzehrt und dadurch der Weg zum Diner um 6 Uhr geebnet. Vorher wird noch ganz Toilette gemacht, – nachher wird zur Abwechslung auf Deck geplauscht, geraucht und geschlafen! Man sucht das »südliche Kreuz« und freut sich, noch drei Sterne des grossen Bären zu sehen. – Um halb 10 Uhr wird Thee mit Butterbrot eingenommen, und dann eilt man ins Bett, um sich auszuruhen von den harten Mühen des Tages! Meine Cabine ist die erste bei der Treppe an der Backbordseite, also mit Morgensonne, gross, bequem und verhältnissmässig kühl, – die mir anfangs unangenehm aufgefallene pyramidale Härte des Bettes ist mir jetzt erklärlich; bei dieser Hitze könnte man auf weicher Matratze gar nicht schlafen. Coudenhove ist so wie ich ein fanatischer Bewunderer Arabiens, wir sprechen stundenlang von Palgrave und Lady Blunt, vom Nedschd und dem Emir Ibn Reschid; dies auf der Höhe von Dschedda!
SÜDKREUZ

2. December.

Unseres Kaisers 40jähriges Regierungsjubiläum: bei Tische erscheinen wir Oesterreicher alle im Fracke mit Orden, auch der Commandant hat sich in Gala geworfen. Biegeleben hält auf deutsch und französisch eine kurze, aber sehr gute, kernige und fesche Rede; auch einer der Anglo-Indier spricht einen Toast, und so kommt mit Hilfe des Sects eine sehr gehobene Stimmung in unsere kleine Kaiserfeier, – dies bei der angenehmen Temperatur von 35° C. in dem Speisesaale. – Nach Tisch erzählt mir der liebe Pertile wieder seinen Streit mit Brand!

GEBEL TÜR

Sapieha weiss nicht, wohin er eigentlich reisen soll; jagen kann er nicht, da er nur mit einem kleincalibrigen Express ausgerüstet ist; er spricht kein Englisch, dürfte demnach allein schwer fortkommen; ich schildere ihm die Wunder des Hofes von Siam und bitte den Gesandten, ihn zur Mitreise als Honorar-Attaché aufzufordern; dies geschieht, und so ist allen geholfen. Sapieha ist glücklich, auf so bequeme Weise nach Ostasien zu kommen, Biegeleben hat für die Mission ein sehr schätzbares Mitglied und ich habe einen angenehmen jungen Collegen erworben! Wir passirten heute den Gebel Tür, einen aus dem Meere aufragenden unbewohnten vulcanischen Felsen; bald darauf eine ganze Reihe solcher dunkelbrauner Inseln, lauter erloschene Krater, einige mit üppiger Vegetation, die sogenannten »zwölf Apostel«. – Dr. Walther hatte einige hübsche Skizzen derselben gemacht, als ein unerwarteter Windstoss sein Zeichenbuch davonträgt!

DIE 12 APOSTEL

Bei Nacht ist die Hitze in den Cabinen unerträglich; ich schleppe meine Matratze auf das obere Deck, wo es erträglicher ist, und entdecke, dass viele andere auch so klug waren!