11. December.

Heute Nacht sollen wir in Bombay einlaufen, – es ist schon höchste Zeit, da meine gesammte Wäsche erschöpft ist und ich nothwendig einer Neuausrüstung bedarf. – Wir erscheinen auch bei Tisch in den abenteuerlichsten Aufzügen, z. B. Lackschuhe, weisse (?) Flanellhosen, Seidenhemd, schwarzes Smokingjacket, Atlascravatte, u. s. w. – Die Fahrt war im Ganzen äusserst angenehm, die vollkommene Ruhe, das prachtvolle Wetter, die nette Gesellschaft, die zuvorkommenden Officiere, dies Alles wurde nur durch die grosse Hitze beeinträchtigt, die mich so wie die meisten Mitreisenden stark hergenommen hat. –

12. December.

Bombay. – Der »Poseidon« hat vor dem Apollo Bunder Anker geworfen, von Passagieren und Officieren wird herzlicher Abschied genommen, auch von dem eben erscheinenden Oberst Mackenzie (Bruder des Leiters der East African Co.); – ein dicker Parsee, dem ich ein Trinkgeld geben will, der aber, wie ich höre, der Besitzer von 4 Lacs (400.000 Rupien) sein soll, bringt unser Gepäck in Ordnung, und endlich um 7 Uhr dampfen Biegeleben, Sapieha, Coudenhove und ich in der Barkasse der Lloyd-Agentie ans Land und sind bald darauf in dem riesigen, aber im Umbau begriffenen Watson's Esplanade Hôtel einquartiert. Nun beginnt ein harter Tag. Sapieha und ich stürzen uns sofort in die verschiedensten Läden; es ist keine Zeit zu verlieren, da wir in drei Tagen mit der »Thisbe« weiter fahren sollen; also zuerst zu Asquith & Lord um Solar Topees, grosse Sonnenhüte mit blauen golddurchwirkten Puggarees, um seidene Hemden und Cravatten, zu Treacher & Co. im Rampart Row um Patronen, zu Badham Pile um weisse Leinenschuhe, zum Hinduschneider Lacka in Medow Street um drapfarbige Kháki-Anzüge und Pujamees, zum Zahnarzt Walton und zum Haarschneider u. s. w. Im öst.-ung. Generalconsulat treffen wir den charmanten Stockinger und dessen Viceconsul Prumler, sowie zwei tagsvorher angekommene Landsleute, Grafen Géza Széchényi und Grafen Ernst Hoyos, beide von ihrer amerikanischen Reise aus mir wohlbekannt, – sie kommen zur Tigerjagd und sind mit über 70 Empfehlungsbriefen ausgerüstet, darunter vom deutschen Kaiser, der Königin Victoria u. s. w. Nach dem Tiffin fahre ich mit Biegeleben nach dem wundervoll gelegenen Malabar Point, um beim Gouverneur Lord Reay Karten abzugeben, und dann zum monumentalen Victoria-Terminus, wohl dem schönsten Bahnhofe der Welt, eher einer gothischen Kathedrale gleich, um die Ankunft des aus Indien scheidenden Lord Dufferin mitzumachen. Tausende von Zuschauern, alle Farben in Costümen und Haut, weisse, schwarze, gelbe, braune, röthliche Gesichter, Parsees mit ihren schwarzen Schornsteinhüten, Guzeratees, Bengalees in weissen enganliegenden Mousselinkleidern, Punjabees in Blau und Gold, Afridis in Braun, kurz der Regenbogen in allen Schattirungen, wie Mantegazza sagt: »eine Orgie von Menschenfleisch«. – Vicekönig und Gouverneur rollen in sechsspännigen Wagen vorbei, von prächtigen roth und goldenen Lanzenreitern umgeben, dahinter Punjabees in Roth, Nachkommen der Sikhs, und Ghoorkas zu Fuss in braunen Uniformen und riesigen Turbans, gedrungene kräftige Gestalten von ausgeprägt mongolischem Typus. – Der erste Eindruck Indiens ist überwältigend, viel mehr so als Egypten, da hier die tropische Vegetation beiträgt, die riesigen Banianen, Ficus religiosa, die Cocospalmen, die Toddypalmen, die Arecapalmen, die prachtvollen rothen Blumen, grüne Papageien, welche die Rolle der Spatzen zu übernehmen scheinen, die Flederfüchse, die von den Aesten herabhängen. – Abends Diner im Royal Yachtclub mit Biegeleben, Hoyos und Széchényi und dann mit ersterem zum Theater, wo eine Amateurtruppe zu wohlthätigem Zwecke die »School for Scandal« aufführt. Vicekönig und Marchioness of Dufferin, Maharajas mit Diamanten und anderen Edelsteinen besäet, Reays, enfin »tout Bombay«. – Um 12 Uhr Rückkehr zu Watsons, – ein schöner Arbeitstag! Noch viele solche und ich gleite ins »kühle Grab«, wohl der einzige Ort, der hier kühl ist.