14. December.

 Besichtigung der hauptsächlichsten »Löwen«,erstes Frühstück bei Stockinger unddann unter seiner Leitung zum heiligen BramanendorfeValkeshwar mit seinem berühmtenTeich, zu den »Thürmen des Schweigens«,der Begräbnissstätte der Parsees, zum Hindu-Verbrennungsortauf Malabar Road, – nachmittagszum Victoriapark und dem interessantenMuseum. Vom Yachtclub aus wohnender Gesandte und ich der Abreise des Marquessof Dufferin bei; am Apollo Bunder istein rothes, mit Gold verziertes Zelt errichtet,alle Notabilitäten, Natives in grosser Galaund Civilbeamten und Militärs in Uniform,sind versammelt – Reden und Kanonensalute,auch seitens eines im Hafen liegendenrussischen Kriegsschiffes. Abends Expeditionmit Coudenhove und Sapieha zu den »Hind-Bibis«in Byculla; – einige der kleinen Hindumädchensind hübsch und wie aus Bronzegegossen, besonders eine Namens Jumna,welche sofort das Herz des leicht entflammbarenCoudenhove gewann; so ziehen wirvon Haus zu Haus, suchen vergebens eine»Nautch« (Bajaderentanz) zu arrangieren undhören blos ohrenzerreissende Musik. – Die»Thisbe« ist beschädigt, ihr Schaft soll gebrochensein, wir reisen daher erst Dienstagden 18. mit unserem alten Schiffe »Poseidon«weiter.
 Mit Sapieha zu dem Victoria Market, wodie merkwürdigsten Fische, Pflanzen undFrüchte feilgeboten werden. Uns sind soziemlich alle unbekannt, – dann grosseBummelei in den Bazars, im sogenanntenBlack Town. Bei Vuccino lassen Biegeleben,Sapieha und ich uns photographiren, – beider herrschenden Wintertemperatur eineHöllenarbeit, – der Compagnon Vuccino'shat Sapieha schon in Krakau photographirt;merkwürdiges Zusammentreffen! Nachmittagsmit dem Chef nach Byculla zum Race-Course,wo Stockingers in einem sehr feschenFour-in-hand ankommen. – Die Rennenselbst sind schwach, aber das Publicum, besondersdas ganz abgesonderte einheimischeElement, ist amusant; bei den Rennen, anwelchen Natives gehörige Pferde theilnehmen,sind keine englischen Pferde zu sehen.Abends wieder im Yachtclub, der sehr hübscheingerichtet, grosse kühle Halle und angenehmeVeranda mit Blick auf den Hafen hat.– Das Hôtel ist zwar billig, aber schlecht, dieBedienung unter aller Kritik, man soll schonin Indien immer seinen privaten »Servant«haben, der auch bei Tisch bedienen muss.

TURM DES SCHWEIGENS

NAUTSCH GIRL