17. December.
In unserem bequemen Coupé konnten wir bis ½5 Uhr morgens die 78 Meilen ruhig verschlafen, d. h. die Anderen konnten es, ich dagegen musste fortwährend auslugen, um die Station Khamballa nicht zu übersehen. Dort angelangt, werfen wir schnell unser spärliches Gepäck einigen Coolies zu und marschieren in der finsteren Nacht zu dem eine Meile entfernten Dack Bungalow, – prachtvolle kühle, würzige Gebirgsluft, wie wir schon lange keine eingeathmet. – Das Bungalow ist offen, aber leer, in einem Zimmer brennt eine Lampe, wir dringen hinein, legen uns auf die zwei Betten und einen Lehnstuhl und setzen schleunigst den unterbrochenen Schlaf fort. – Um 7 Uhr weckt uns der portugiesische Khitmatgar, bestellt Pferde, servirt uns ein copioses Frühstück, und um 8 Uhr traben wir schon lustig auf netten kleinen Ponnies den Carli Caves zu – 7 Meilen – d. h. 5 Meilen auf der Heerstrasse, dann noch zwei über Felder und dann etwa ½ Stunde Fusskletterei. Der grossartige in den Felsen gehauene Jain-Tempel erinnert lebhaft an eine Kirche, die Schnitzereien sind superb, das daneben ausgehauene Kloster höchst merkwürdig. – Unter Bakschisch- und Salaam- und Sah'b-Rufen der zahllosen Bettelkinder treten wir den Rückweg an und gelangen um 1 Uhr heiss und staubig wieder in Khamballa an, wo ein famoses Tiffin unser harrt. An der Bahn treffen wir einige Tiroler Jesuiten, darunter einen früheren Lehrer Biegeleben's, jetzt Rector der katholischen Universität in Bombay, – und dampfen um 2 Uhr wieder ins Tiefland hinab. – Die Bahn ist herrlich, die Berge prachtvoll, die Aussicht auf die in Sonnengluth liegende Ebene und das glitzernde Meer im Hintergrunde wundervoll. – Um ¾7 Uhr nachmittags rollen wir in den Victoria-Terminus ein, und sofort stürzen wir ins Hôtel, denn um 8 Uhr ist Diner bei Lord Reay, also verdammt wenig Zeit zu verlieren. – Die Einladerei war komisch: Samstag war Sapieha, Sonntag war Biegeleben, Montag war ich (und zwar per Telephon) zu demselben Festessen eingeladen worden! In grösster Eile wird gewaschen, rasirt, angezogen, und um ½8 Uhr fahren wir die schon wohlbekannte Strasse um die Back Bay nach Malabar Point – grosser Park, riesiges einstöckiges Bungalow, an der Treppe roth und goldene Lanzenträger mit blauen Turbans; oben Empfang durch verschiedene Aide-de-Camps mit roth ausgeschlagenen Fräcken. Vorstellung bei Lord und Lady R., grosse Versammlung, Széchényi, Hoyos, ein russischer Admiral mit seinen Officieren und viele Andere; solennes Diner mit Tafelmusik und hinter den Stühlen stehenden, roth und goldene Fächer wedelnden Schwarzen, – alle Diener in Roth und Gold mit weiss und goldenen Turbans, aber ohne Fussbekleidung! Toast Lord Reays auf unseren Kaiser, Volkshymne, kurzer Spruch Biegeleben's auf die Gesundheit der »Queen Empress«, und die Damen räumen endlich das Feld und lassen uns mit Cigarren, Kaffee und etwa 40° C. zurück! Von der grossen, das ganze Haus abschliessenden Veranda entzückender Blick auf die Tausende von Lichtern der Stadt. – Gegen 11 Uhr brechen wir auf, d. h. wir wollen es thun, aber dafür bricht an unserem Wagen die Deichsel, und wir müssen eine halbe Stunde auf die Reparatur warten, indessen uns der erste Aide-de-Camp Captain Bruce Hamilton sehr nett die Honneurs macht und uns mit Wisky pegs überschütten möchte. Der Chef und Sapieha gehen noch zu einem im Yachtclub stattfindenden Ball, ich aber suche erschöpft das wohlverdiente Bett auf.