Rudolph von Habsburg.


[Erster Gesang.]

[1] Vers 9.

Drahomira war die Gemahlinn Vratislavs, Herzogs von Böhmen, der die Heidinn in der Hoffnung, daß sie sich zum Christenthume bekehren würde, im Jahr 907 ehlichte. Sie gebar ihm zwei Söhne, Wenzel und Boleslav, und als er im Jahr 916 starb, und seine Mutter, die heil. Ludmilla, die vormund­schaftliche Regierung übernehmen wollte, stand sie in der berufenen Stände­versammlung zu Prag dagegen auf, zog sich mit ihrem jüngeren Sohn, Boleslav, auf das feste Schloß Wischehrad zurück, und wüthete beinahe durch vier Jahre, mit Beihülfe des heidnischen Stadtrichters Palhog, gegen die Christen mit Feuer und Schwert. Darauf ließ sie die Kirche zu Bunzlau zerstören, und endlich auch ihre Schwiegermutter auf dem Schlosse Tetin hinrichten. Wenzel, obgleich nur ein Jüngling, kam hierauf nach Prag, berief die Stände im Jahr 921, und entsetzte sie der Regierung. Doch ruhte die unmenschliche Mutter nicht, bis ihr jüngerer Sohn den älteren im Jahr 938 auf ihr Anstiften durch Brudermord auf die Seite schaffte. Nach der Sage soll sie auf dem Hradschin die Erde lebendig verschlungen haben. S. Cosmas Pragensis L. I. Hist.Pulkawa Hist. Boh. C. 13. Dubrav. Hist. Boh. L. 5. Sylvius, Hagek etc.

[2] Vers 68.

Margareth, die Tochter des babenbergischen Leopold des Glorreichen, Herzogs von Oestreich, war die Wittwe Kaisers Heinrich VII, und bereits an Jahren vorgerückt, als Ottokar, wohl nur in der Absicht, mit ihrer Hand Oestreich und die Steyermark zu erlangen, sie im Jahr 1252 heirathete, aber schon im Jahr 1261 sich von ihr, wegen beschuldigter Unfruchtbarkeit, wieder scheiden ließ. Sie starb zu Krems im Jahr 1267 im Kloster, und zwar, wie Einige behaupten, durch Gift, mit welchem sie Ottokar aus der Welt geschafft haben soll. Doch hat Hanthaler Fast. Campilil. T. I. P. II. Dec. VII. §. I. C. XXXIV. diese Behauptung widerlegt. Sie liegt in dem Kloster Lilienfeld, das ihr Vater stiftete, ihm zur Linken, vor dem Hochaltar, begraben.

[3] Vers 117.

Durnkrut. Siehe den merkwürdigen Aufsatz „Die Entscheidungs­schlacht im Marchfelde zwischen Rudolph und Ottokar 1278“ im Archiv für Geographie, Historie &c. Nr. 1 und 2 des J. 1814. Der vortreffliche Geschicht­schreiber, Chorherr Kurz, sagt in seinem Oestreich unter Ottokar und Albrecht I.: „In Rücksicht des Schlachtfeldes stimmen die Berichte nicht ganz überein, welches wohl nicht anders möglich ist, da zwei Heere nothwendig eine große Strecke einnehmen, und während einer so entscheidenden Schlacht an mehreren Orten gestritten wird. Daß an dem Marchfluß gekämpft ward, in welchem viele Böhmen den Tod fanden, bestätigen alle Chroniken. Der Bezirk von Stillfried bis Idungspeugen hinauf, war der eigentliche Kampfplatz, Chrutterfeld, das ebenfalls genannt wird, liegt in der Mitte. Die Schlacht muß sich von Stillfried gegen den Weidenbach und bis Marcheck ausgedehnt haben, da Rudolph in seinem Stiftsbrief sagt: „Gott habe ihn nicht fern der Kirche von Marcheck aus Todesgefahr errettet“. In loco ab ecclesia eadem non longe distante nos quasi in angustiis mortis positos liberavit ab hostibus: et prostratis eisdem liberavit gloria triumphali. Bodmann cap. I. p. 100. Wahrscheinlich deutet er auf die Gefahr, die ihm drohte, als ihm das Pferd unter dem Leib’ erstochen ward. Calles T. II. p. 552-562 hat alle hierher gehörigen Stellen gesammelt“.

[4] Vers 284.

Siehe über dieses Gespräch Hornecks Reim-Chronik, Cap. 132-136

[5] Vers 351.

Rüdiger Waldram nennt Fugger, in seinem Ehrenspiegel des Erzhauses Oestreich, den Bürgermeister Wiens, der an Rudolph mit dem König der Böhmen einverstanden, heimlichen Verrath sann. Bei andern Schriftstellern heißt er Paltram Vazo. Der Sänger Rudolphs fand jenen wohlklingender zu seinem Zwecke (S. auch Wolf. Lazius Chron. Vienn. Lib. IV. und Gerard. Roo Hist. Austr. Lib. I.)

[6] Vers 360.

Die Erzählung von der Huldigung Ottokars auf der Donau-Insel Kamberg, wo er, nachdem die täuschenden Zeltvorhänge gefallen waren, auf den Knieen vor dem Kaiser liegend, den beiden, durch die Donau geschiedenen Heeren gewiesen ward, ist von vielen gründlichen Geschichts­forschern als unstatthaft verworfen worden.

[7] Vers 375.

In einem der anmuthigsten Gebirgsthäler Unter-Oestreichs, am Fuße der Alpen, und an dem Ufer des Traisenflusses, liegt das Cisterzienser-Stift Lilienfeld, von dem babenbergischen Leopold VII., oder Glorreichen, im Jahr 1202 gestiftet, dem der Sänger Rudolphs durch acht und zwanzig Jahre angehörte, und demselben in den letzten sieben Jahren als Abt, k. k. Rath und nieder­östreichischer Landesstand, vorgesetzt war.

[8] Vers 397.

Masovien (Masuren), eine Landschaft in Polen, welche an Preußen, an Groß- und Klein-Polen und an Lithauen gränzte, früher durch eigene Herzoge regiert, und unter König Sigismund I. mit Polen vereiniget ward. Ihre vornehmsten Städte waren Warschau und Plozk. (Hartknoch de Republ. Pol. L. I. c. 10.)

[9] Vers 403.

Königsberg, die zweite Residenzstadt Preußens an der Pregel, von mehr als 60,000 Einwohnern, und einer Universität, die in der neueren Zeit durch Kant berühmt geworden ist, soll Ottokar im Jahr 1254 gegründet haben.

[10] Vers 421.

Daß Rudolph in seinem sieben und dreißigsten Jahre an den Hof Ottokars, der übrigens als ein großer Feldherr jungen Fürsten allerdings zum Muster dienen könnte, berufen, und zu seinem Hofmarschalk ernannt worden sey, daß er dann mit ihm die, bei dem Einfall der Tartaren wieder heidnisch gewordenen, Preußen bekämpfte, im Jahr 1260 einem Kriegszug gegen die Ungern beigewohnt, und wegen ausgezeichneter Heldenthaten von ihm den Ritterschlag erhalten habe, sind Erzählungen aus seinem Leben, deren Wahrheit hie und da bestritten worden ist.

[11] Vers 484.

Tabor. Ein an dem linken Ufer der Donau, Wien gegenüber liegendes Dorf.


[Zweiter Gesang.]

[1] Vers 28.

Die Veste Mödling, deren Ruinen über dem Städtchen gleiches Nahmens, nicht fern von Wien, in dem Brühler Thal zu sehen sind, war das Eigenthum mehrerer Fürsten eines Zweigs des babenbergischen Herrscher­stammes, die sich Herzoge von Modeling nannten, und das zuletzt auch Gertrud, die Tochter Heinrichs, Herzogs von Mödling, und Bruders Friedrichs des Streitbaren, zu ihrem Antheil erhielt, nachdem ihr Gatte, Herman, Markgraf von Baden, gestorben war.

[2] Vers 35.

In einem eng umschlossenen Thal’, am Fuße des Tannberges, welches der Sattelbach durckfließt, stiftete Leopold der Heilige im Jahr 1135 das Cisterzienser-Kloster Heiligen-Kreuz, welches nebst andern merkwürdigen Grabmäälern im Kreuzgang auch jenes von Friedrich dem Streitbaren, letzten Sprossen des babenbergischen Stammes, zur Schau stellt.

[3] Vers 91.

Ueber Jacob Müllers, des Zürcher Kriegers, lustige Mähre siehe Alb. Argent. Cap. 18 und Fuggers Spiegel der Ehren des Erzhauses Oestreich. Nürnberg, 1668, erstes Buch 7. Cap. S. 66.

[4] Vers 110.

Der Traisen-Fluß in Unteröstreich, der bei Traisenmauer in die Donau fällt, entspringt hinter der Lilienfelder Alpenkette aus dem sogenannten Traisenberg, und ergießt sich in zwei Bächen, wovon der eine hinter Tirnitz aus der Süd- und der andere hinter Hohenberg aus der Nordseite des Berges hervordringt, so, daß beide erst oberhalb Lilienfeld sich wieder vereinigen, und die eigentliche Traisen bilden. Wechselweise wird der eine, und der andere Arm die unechte Traisen genannt, je nachdem der Bewohner des einen und des andern Bezirks Kunde darüber geben soll.

[5] Vers 115.

Lilienfeld, das Cisterzienserkloster in Unteröstreich, welches am Fuße der Alpen, in einem der reizendsten Thäler, nicht weit von der, auf der Hauptstraße nach Wien liegenden Stadt St. Pölten entfernt liegt, wurde durch den babenbergischen Leopold den Glorreichen, Herzog von Oestreich, im Jahr 1202 gestiftet, erhielt, wie schon weiter oben im Gedichte gesagt wird, die ersten Mitglieder aus dem Kloster Heiligen-Kreuz, und besteht nun schon 640 Jahre. In dieses Kloster trat der Dichter Rudolphs von Habsburg, in seinem zwanzigsten Lebensjahre, im Jahre 1792, und hatte ihm gegen 28 Jahre lang angehört, nach welchen er zu höhern Stellen berufen ward; es ist ihm daher wohl zu guten zu halten, daß er es zu einem der Schauplätze seines Gedichtes gewählt, und mit besonderer Liebe und Ortskenntniß beschrieben hat.

[6] Vers 171.

Ob Rudolph vor, oder während der Schlacht das Gelübde gemacht habe: so er den Sieg gewänne, ein Kloster zu Ehren des heil. Kreuzes zu erbauen, ist aus den vorhandenen Nachrichten nicht völlig erweisbar. So viel ist gewiß, daß er, nach jenem erhaltenen Sieg über seinen Gegner, das adelige Frauenkloster zu Tuln, zu Ehren des heil. Kreuzes erbaut, und auch seine, und seiner Gemahlinn aus Stein gehauene Statuen dahin geschenkt habe, die leider zur Zeit der Aufhebung desselben, auf eine unverant­wortliche Weise, vernichtet worden sind!

[7] Vers 176.

Die hier bezeichneten Fürsten sind: Albrecht I., Friedrich der Schöne, Maximilian I., Carl V., Maria Theresia, Joseph II., Leopold II., Franz I.

[8] Vers 320.

Nach Fugger geschah diese Handlung zu Mainz, als Kaiser Rudolph das Reich bereisete, im Jahr 1273. (Siehe Spiegel der Ehren. S. 84.)

[9] Vers 372.

Wiener-Neustadt — erhielt den Titel der Allzeit Getreuen schon von Herzog Friedrich dem Streitbaren, wie es aus einer ihr im Jahr 1242 ertheilten Privilegien-Urkunde erhellet. Kaiser Leopold I. schenkte ihr im J. 1708 eine Fahne mit der Aufschrift: Semper fidelis civitas Neostadiensis — pro Caesare et Religione — wie solches nebst andern historisch merk­würdigen Selten­heiten in dem Rathhaus-Archive daselbst zu ersehen ist.

[10] Vers 410.

Ein Meisterwerk der gothischen Baukunst, das alle Fremden durch seinen majestätischen Umfang in Erstaunen setzte, das sogenannte Dormitorium, oder Schlafhaus zu Lilienfeld, welches ursprünglich den Klosterbrüdern zur gemeinschaft­lichen Wohn- und Schlafstätte diente, als noch, außer dem Chorgebeth, das Ausräuten und Urbarmachen der Wildniß umher ihr hauptsächliches Geschäft war, ging durch den großen Brand (13. September 1810) völlig zu Grunde, so daß keine Spur mehr von seiner Herrlichkeit übrig blieb.

[11] Vers 478.

Der Lasingfall, in den Lilienfelder Gebirgen, ist seit dem Jahr 1815, wo ihn der Verfasser des gegenwärtigen Gedichts, als damaliger Stiftsvorsteher, zugänglich, und dadurch erst bekannt machte, der Gegenstand der Aufmerksamkeit der Reisenden, die ihn jährlich in großer Anzahl besuchen. Seine Schönheit übertrifft jede Vorstellung. Die Felsenschlucht, durch welche sich die Lasing herabstürzt, hat drei Hauptabsätze, die nach Wiener Maß:

a =107Fuß
b =408”
c =1232”
27010”

senkrechte Höhe, und

a =145Fuß 2”
b =1267”
c =1234”
3951”

horizontale Länge des Wasserfalls bewirken. Auch das Felsenthal am Fuß des Oetschers, durch welches sie sich ergießt, gewährt einen ergreifenden Anblick.


[Dritter Gesang.]

[1] Vers 3.

Marbod, Marobodus, wie ihn Tacitus nennt, König der Marcomannen, eines schwäbischen Stammes (Mark-Mannen, Hüther der Gränze, oder wie Andere wollen: Marich-Mannen, Roßtummler, von dem alten deutschen Wort Marich, Stute, Mähre, equa), lebte gleichzeitig mit Herman dem Cherusker. Entschlossen, sich in einer entfernteren Stellung den Römern furchtbar zu machen, sammelte er ein Heer von mehr denn siebenzig tausend Mann, zog immer weiter an der Donau herab, und nachdem er den Catualda (Gothwald oder Katwald), einen Anführer der Gothen, aus dem Lande der Bojen, dem heutigen Böhmen, verjagt hatte, gründete er dort den Sitz eines neuen Reichs, das sich von der äußersten Spitze der Ostmark, und der Gränze Pannoniens, bis an das Riesengebirge hin erstreckte. Inguiomar (wahrscheinlich Hinkmar), der Ohm Hermans, der zu ihm flüchtete, verwickelte ihn in einen heftigen Streit mit seinem gewaltigen Neffen, und als nach einer unentschiedenen blutigen Feldschlacht seine Krieger auf Hermans Seite traten, und Catuald mit Hülfe römischer Scharen seine Burg erstürmte, faßte er den Entschluß, sich in Roms Schutz zu begeben. Er wurde nach Ravenna verwiesen, wo er nach einem zwei und zwanzigjährigen Aufenthalt sein Leben — das er, wie Tacitus sagt, zu sehr liebte, in unrühmlicher Abge­schiedenheit endete. Catuald hatte ein gleiches Schicksal, denn er wurde von den Römern nach Frejus in Frankreich verwiesen.

[2] Vers 16.

Das Schloß Hainburg mit dem Städtchen gleiches Nahmens, an der Gränze Ungerns in Unter-Oestreich, soll, der Sage nach, von Attila, dem König der Heunen, wie die Deutschen der Vorzeit die Hunnen nannten, erbaut worden sein: daher Heunenburg, Heunburg, geheißen haben. Was hier von dem Umfang, und der Lage des markomannischen Reichs unter Marbod, und weiter unten Vers 25 von der durch ihn gekämpften Schlacht auf dem Marchfeld gesagt wird, gründet sich, nicht mit historischer Gewißheit, sondern in poetisch genommener scheinbarer Möglichkeit, auf folgende Stellen aus dem Werke: Hist. opus in IV. T. divisum, quorum T. I. Germ. ant. illust. continet. Basileae 1574 ed. Tencterus.

Sub Martungis erant Curiones, inde Chetuari, et Parmecampi, ubi hodie pars est Austriae Cis-Danubianae juxta Krembs, Znaem et Niclaspurg. Inde habitabant Marcomanni; hodie regio illa Moravia est, quae se ad Sudinos extendebat, et Danubium usque, ubi hodie civitas est Prespurgium. — Gessit haec gens maxima bella cum Romanis etc. etc. Bilibaldi Birkheimeri Locor. per German. explicatio pag. 209.

Ferner: Nariscos Marcomannos et Quados haud dubie ea loca tenuisse putamus, ubi nunc agunt Moravi, Merherlandt. De Marcomannis nemo dubitare potest, qui Vellejum legerit. Henr. Clareani in P. C. Taciti de Mor. Germ. comment. p. 188.

Und endlich: Marcomanni sedes habuerunt in ea parte, quae spectat ortum versus Moraviam et Austriam. Enituit autem virtus Marcomannorum in multis asperrimis bellis, in quibus patriam adversus Romanos fortissime defenderunt etc. Philip. Melanchtonis Vocabula Regionum et Gent. quae recens. in libello Taciti de mor. Germ. p. 193.

Daß aber Rudolph aus Marbods Stamm entsprossen seyn soll (siehe unten V. 48) gründet sich in besagtem Sinn auf folgende Stelle:

Andreas Alciatus in suis annotationibus in Tacitum, etiam in Helvetiis consedisse Marcomannos quadosque putat. Exstat enim, inquit, adhuc in eis Vallis Marcomanna nomine.

Andreae Althameri Scholia in Cornel. Tacit. de Germ. pag. 61 desselben Werks.

[3] Vers 23.

Marobudum hieß die Residenzstadt Marbods, des Königs der Marcomannen, die er sich in dem vormahligen Bojenheim erbaute, und die an der Stelle, wo jetzt Prag — nach Andern — wo jezt Budweis, gestanden haben soll.

[4] Vers 106.

Das Wapen der Grafen von Habsburg enthielt im goldenen Felde einen rothen Löwen mit einer blauen Krone auf dem Haupt.

[5] Vers 107.

Das böhmische Wapen zeigt einen weißen gekrönten Löwen im rothen Feld. Kaiser Friedrich I. ertheilte selbes, nach dem Mailänder Krieg, Uladislav II. im Jahr 1159.

[6] Vers 108.

Kaiser Friedrich II. erhob Wien im Jahr 1237 zu einer freien Reichsstadt, ertheilte ihr den doppelten Adler zum Wapen, und stiftete eine hohe Schule daselbst. S. Lazius. Auch diesem wird widersprochen.

[7] Vers 295.

Der schmale Donau-Arm, der, unterhalb Nußdorf von dem Hauptstrom geschieden, die Stadt Wien von der Leopoldstadt trennet, und hiermit ein großes Eyland bildet, auf welchem nebst besagter Vorstadt, auch die anmuthigsten Spaziergänge in der Brigittenau, dem Augarten und dem berühmten Prater sich befinden.

[8] Vers 308.

Amtner, dieses im Verlaufe des Gedichtes einigemal vorkommende Wort, bezeichnet (wie Schaff-ner, Zöll-ner u. s. w. geformt) ganz entsprechend die französische Benennung Offizier; wo sodann Offizier-Corps, durch Amtnergilde gegeben werden könnte.

[9] Vers 350.

Die Kumanier (ein sarmatisches Volk), die aus ihrem Land, welches zwischen den Alpen und der Donau, gegen die Tartarei zu, lag, von den hinterhalb wohnenden Tartaren gedrängt, unter Bela IV. Jahr 1239 nach Ungern kamen, und von diesem eine große Strecke Lands zwischen der Donau und der Theyß eingeräumt erhielten, vereinigten sich dann mit den bald nachfolgenden Tataren, über Ungern die schrecklichste Verwüstung zu bringen, weßwegen sie dem Unger, der sie in seiner Sprache Kun nennt, auch nachdem jene schon abgezogen waren, noch lange verhaßt blieben. (Bonfinii Decad. II. Lib. 8.)

[10] Vers 358.

Dschengis Khan brachte durch die Gründung seines großen Reichs in Asien auch die europäische Tartarei, welche die Halbinsel Krimm, Beßarabien und das Land zwischen dem Dniester und Dnepr in sich faßte, in Bewegung. Seine Horden drängten die vor ihnen liegenden Kumanier, und als diese, unter ihrem König Kuthen, sich nach Ungern zurück zogen, folgten sie ihnen dahin nach, und verwüsteten unter ihren beiden Anführern, Vathos, der über Reußen, Polen und Mähren, und Kadan, der aus der Moldau hereinbrach, beinahe durch zwei Jahre das Land mit Feuer und Schwert.

[11] Vers 517.

Rudolphs Zug nach dem Gelobten-Lande; auch daß er Hofmarschalk König Ottokars gewesen (siehe weiter unten Vers 602) gehört unter die bestrittenen Ereignisse seines Lebens.

[12] Vers 581.

Ueber das Faustrecht siehe Dr. Gerhards Abhandlung. Jena 1711.

[13] Vers 595.

Fugger erzählt: „Auf dem Reichstag zu Nürnberg Jahr 1274 ist beschlossen worden, daß forthin alle Reichsabschiede, Freiheitsbriefe, Befehle, Verträge, letzte Willen, und dergleichen öffentliche Urkunden, nicht mehr wie zuvor, in lateinischer, sondern in deutscher Sprache sollten ausgefertigt werden, damit also die Ungelehrten, die das Latein nicht verständen, nicht ungefährt bleiben, und die bürgerlichen Geschäfte in mehrere Richtigkeit kommen möchten. Wiewohl es noch bei dem damaligen Unform der Sprache (!!) mit der deutschen Rednerei etwas hart herginge, so wäre doch diese löbliche Sorgfalt K. Rudolph ein guter Anfang, und eine kräftige Anreizung zur Ausübung unserer Muttersprache gewesen.“ (Siehe Ehrenspiegel S. 87.)


[Vierter Gesang.]

[1] Vers 58.

Lug, Lueg im Oberdeutschen eine Warte, Specula, welche demnach dem französischen Loge entspricht. Siehe Theuerd. Cap. 47.

[2] Vers 131.

Alles, was hier, und weiter unten von Turnier und Turniergebräuchen gesagt wird, mag in Rüxners Turnierbuche; in Du Cange dissertations sur l’histoire de St. Louis, und in Menestrier (Claude Franç.) Traité des Tournois, Joustes etc. Lyon 1669. IV. seine Belege finden.

[3] Vers 428.

Zawiß von Rosenberg, der Geliebte, und nachher Gemahl der Wittwe Ottokars, Kunegunde, übte, während der Minder­jährigkeit Wenzels, Herrscher­gewalt über Böhmen aus. Dieser, nach ihrem Tod König geworden, trug ihm tiefen Haß im Herzen, welchem zu entgehen, und sich zugleich an dem feindseligen Herrscher zu rächen, Zawiß, durch eine Heirath mit der Base des Ungernkönigs Ladislav, sich gegen ihn zu verbinden suchte. — Doch, in dem Augenblick der Abfahrt ward er zu Prag durch List festgenommen, und nach mehr als Jahresfrist im Kerker zu Budweis enthauptet.


[Fünfter Gesang.]

[1] Vers 131.

Die Schlacht von Kressenbrunn (Kroissenbrunn) im Marchfeld, in welcher Ottokar über Bela IV. König der Ungern, einen entscheidenden Sieg davon trug, ereignete sich im J. 1260. Siehe die höchst anziehende Beschreibung derselben in Hornecks Reim-Chronik vom 58. bis 64. Cap.

[2] Vers 153.

Nach jenem Sieg von Kroissenbrunn über die Ungern, zog Ottokar mit seinen Scharen, wie im Triumph, durch Kärnthen und Krain. Als die Böhmen an der Gränze von Italien die Steinwände von Canale ersahen, fragten sie den König: „ob Rom nahe sey? denn sie hätten öfters von ihren Vorfahren sagen gehört, daß sie durch eine solche Felsenpforte auf die Straße nach Rom gekommen seyen.“ Ottokar antwortete ihnen, „Böhm’ und Pole sollen sich einst hier wie zu Hause finden, denn, so er noch einige Zeit lebte, würde sich seine Gewalt noch viel weiter erstrecken.“ Horneck Reim-Chronik Cap. 90.

[3] Vers 162.

Arpad, der erste Anführer der Ungern (Magyaren), die, kommend von den Ufern des Tanais her, im neunten Jahrhundert Pannonien in Besitz nahmen, stand seinem Volk (nach Anonym. Belae Not. 52. Cap.) beiläufig von 889 bis 907 vor, und war der Stammvater einer Reihe von Königen, unter welchen der heil. Stephan zuerst, im J. 1000, diesen Titel annahm, bis mit Andreas III. im J. 1301 sein Stamm ausstarb. Erst Ferdinand I. hat dieses Reich auf immer mit Oestreich vereinigt, obschon dasselbe vor ihm zwei Fürsten seines Hauses, Albert II., und Ladislaus Posthumus, besaßen.

[4] Vers 358.

Das Schicksal beider fürstlichen Jünglinge, Konradins von Schwaben (Sohn Konrads IV.) und Friedrichs von Oestreich (Sohn Markgraf Hermans von Baden, und Gertrud, Tochter Heinrichs, Herzogs von Mödling) die im Jahr 1268 zu Neapel durch das Bluturtheil Carls von Anjou hingerichtet wurden, ist bekannt. Horneck beschuldigt Ottokarn an mehr denn einer Stelle, daß er, als Mitwerber um Oestreich und Steyermark, ihren Tod befördert habe. S. Reim-Chronik Cap. 164.

[5] Vers 361.

Gertrud, die Mutter Friedrichs von Oestreich, ließ Ottokar, nachdem er Steyermark in seine Gewalt bekam, aus allen ihren Besitzungen, zuletzt auch aus Judenburg und Feistritz, durch den grausam gesinnten Propst von Brünn, vertreiben. Zur Nachtzeit, im Regen und Sturm, mußte sie die Reise antreten. Sie begab sich nach Meißen. (Horneck Reim-Chronik Cap. 55 und 56.)

[6] Vers 364.

Ueber Margarethens, der verstoßenen Gemahlinn Ottokars, Schicksale, siehe oben Anmerkungen zum ersten Gesange [2] zum Vers 68.

[7] Vers 365.

Otto, Herrn von und zu Meißau, den Stolz des östreichischen Adels, hatte Ottokar, wegen geargwohnter Anhänglichkeit für den Sohn der babenbergischen Gertrud, im Schloß Eichhorn festsetzen, und dort Jahr 1265 im Hungerthurm verbrennen lassen. (Chron. Austral. Neob. et Leob. apud. Hieron. Pez T. I.)

[8] Vers 366.

Der scheelsüchtige Ritter Friedrich von Pettau hatte Ottokars argwöhnisches Gemüth gegen einige seiner Mitstände in der Steyermark aufgeregt, der dann mehrere von ihnen, als: Ulrich von Lichtenstein, Hartneid von Wildon, Wülfing von Stubenberg, und Heinrich und Bernhard von Pfannberg, auf verschiedene Vesten gefangen setzen, und sie aus diesen nach einer zweijährigen Haft nicht eher entließ, bis sie ihm ihre Burgen ausgeliefert hatten. Horneck Cap. 85 und 86.

[9] Vers 372.

Seyfried von Merenberg, der steyrische Ritter, versäumte dem König Ottokar, auf seinem Siegszug an der Drau mit den übrigen Herrn entgegen zu kommen, und fiel durch Einflüsterung eines bösen Menschen bei ihm in Verdacht. Er ließ ihn in der Folge heimlich greifen, und gebunden nach Prag abführen. Als er vielfältig gemartert, Gott zum Zeugen seiner Unschuld rief, und dem, nach Geständnissen einer Verschwörung in Kärnthen und Krain gierigen König, keine Lüge für Wahrheit geben wollte, wurde er durch ein Pferd zum Galgen geschleift, und dort, das Haupt zu den Füßen gebunden, aufgehenkt. Noch in der zweiten Nacht lebt’ er in diesem qualvollen Zustand, bis ihm endlich einer der böhmischen Szupane die Scheitel mit einem Kolben einschlug, weil er, auf wiederholte Aufforderungen, schon halbtodt, aber standhaft, der Wahrheit getreu gewesen zu seyn betheuerte. (Horneck Cap. 99.)

[10] Vers 378.

Ottokar ließ den Bruder Milota’s, Beneß, Kämmerer von Mähren, dessen Tochter er geschändet haben soll, zugleich mit Otto von Meißau im Jahr 1265 in dem Hungerthurm zu Eichhorn verbrennen. Milota’s Haß gegen Ottokar, und der Verrath, den er in der Marchfelder Schlacht 1278 an ihm beging, soll dadurch veranlaßt worden seyn. (Siehe Hanthalers Fast. Campil. Lib. I. Dec. VII. §. 26. S. 1017 und Fuggers Ehrenspiegel &c. S. 104.)


[Sechster Gesang.]

[1] Vers 96.

Odin, der Gott der Götter, nach der nordischen Mythologie. (Siehe Ryerups Wörterbuch der scandinavischen Mythologie von Sander, Copenhagen 1817.)

[2] Vers 516.

Die Gemahlinn Rudolphs, Anna, verschied zu Wien am 23. Hornung des Jahrs 1281, von wo ihre Leiche nach Basel abgeführt, und in der Domkirche beigesetzt worden ist.

[3] Vers 538.

Daß sowohl Ottokar, als auch Rudolph schon zu ihrer Zeit eine Art Pontonsbrücke über Flüsse zu schlagen verstanden, erhellet aus Hornecks Reim-Chronik Cap. 92., wo es heißt:

Chostleichen hiez er machen

Von Holczwerich ein Prukken

Dew waz von manigen stuckchen

Chluegleichen gevalten.

und dann

Bey der Tunawstaden

Do sich das Her vol gelait,

Do waz dew Prukken berait

Vber die Tunaw weit;

Die Prukken muesten alle Zeit

Wohl hundert Wegen tragen,

Wo des Kunigs Helfer lagen,

Da ward nach gesannt &c. &c.

In diesem 92. Capitel ist von der Einnahme des Preßburger Schlosses im letzten Krieg Ottokars gegen Ungern die Rede.


[Siebenter Gesang.]

[1] Vers 25.

Ueber Hainburg, und ihre vermeintliche Erbauung durch Attila, siehe oben Anmerkungen zum dritten Gesang [2] Vers 16.

[2] Vers 110.

Die Sage von der Burgfrau, welche grausam eitlen Sinnes das Blut der Kinder vergoß, zeigt auf die Ruinen des Schlosses * * *, an dem rechten Waag-Ufer, nicht fern von Trentschin, welches sie bewohnt hat.

[3] Vers 244.

Die Waffe, eine Art kurzer Streitkolben, von welcher hier die Rede ist nennt der Unger Buzogány, wo der Buchstabe z wie beim italienischen zero ausgesprochen wird; das y verliert sich aber im Druck der Zunge an den Gaumen.

[4] Vers 309.

Die Zips (Zipß), lat. Scepusium, eine Gespannschaft in Ober-Ungern am Fuße der höchsten Karpathen gelegen, und wohl eines der höchsten bewohnten Gebirgsthäler der östreichischen Monarchie, aus welchem nach allen Welttheilen bedeutende Flüsse sich ergießen: g’en Westen die Waag; g’en Süden die Hernath; g’en Osten die Tarza; g’en Norden die Poprad, die in dem angränzenden Polen, mit der Dunajez vereint, in die Weichsel fällt. Diese Gespannschaft zeichnet intellectuelle und landwirth­schaft­liche Cultur vor mancher andern Ungerns aus, so, daß viel Wohlstand sowohl in den zwei königlichen Städten Leutschau und Käßmark, als auch in den XVI. Städten, unter den munteren und fleißigen Bewohnern zu sehen ist. Der Verfasser gegenwärtigen Gedichts trennte sich schwer von diesem Ländchen, worinn ihm 1819 und 1820 eine ehrenvolle Bestimmung geworden war.

[5] Vers 312.

Ueber Katwald und Inguiomar siehe oben die Anmerkungen zum dritten Gesange [1] Vers 3.

[6] Vers 474.

Daß die Könige von Ungern, zur Zeit Hornecks wenigstens, in der Schlacht nicht selber mitfochten, sondern von einer Anhöhe nur Zeugen derselben waren, erhellet aus Cap. 153, wo von der Marchfelder Schlacht die Rede ist:

Kunig Ladißla den jungen

Sy furten von Streit dan

Auf den Perikch ob dem Plan

Da er wol hört und sach

Alles daz, daz da geschach

Auf dem Veld prait.

Ez ist der Vnger Gewonhait

Vnd jehent auch offenbar:

Ir Kunig sey jn zu achpar

Darezu, daz er schull streiten &c. &c.

Auch sagt Haselbach Chron. Austr. Lib. III. ap. Hier. Pez. T. II. Ladislao, juvene Ungariae, cuncta de monte prospectante; nam Ungarorum mos habet, ut Rex propria persona bellum intrare non debeat.

[7] Vers 536.

Die Sitte, des Gegners Heer zum Kampf herauszufordern, und sogar von beiden Seiten dazu Tag und Ort zu bestimmen, war den alten Deutschen gemein. Ein Beispiel davon findet man auch bei Horneck Cap. 60, wo Ottokar den König Bela durch Otto von Meißau zum Kampf auffordert, und bald darauf auch Bela den Gegnern sagen läßt, sie sollen sich auf eine bestimmte Strecke zurückziehen, damit die Ungern über die March setzen, sich aufstellen, und die Schlacht liefern mögen.

[8] Vers 550.

Sowohl bei Horneck, als auch bei den spätern Geschichtschreibern, wird Schörlins und seines unbändigen Rosses erwähnt, welches das erste Zeichen zur Marchfelder Schlacht gegeben habe.


[Achter Gesang.]

[1] Vers 31.

In der Jägersprache heißt das Bluten des verwundeten Wildes: das Schweißen; daher die Benennung einer Gattung der Jagdhunde.

[2] Vers 55.

Tyr, nach der nordischen Mythologie, der Sohn Odins, des höchsten der Götter, und ein Beschützer der muthigen Krieger, soll die einzige Gottheit der scythischen Völker gewesen seyn, die ohne Zweifel unter einem andern Nahmen bei ihnen in Verehrung stand. Bei seinem Scheiden von der Erde soll er sein Schwert in die Erde vergraben haben, welches erst später Attila auffand.

[3] Vers 386.

Vor der Schlacht sollen Einige aus dem östreichischen Heere den König Ottokar, aus alter Anhänglichkeit, schriftlich vor Untreue der Seinigen gewarnt haben; da nun auch die Meißner und Thüringer heimlich aus dem Lager abzogen, so habe er sich wehrlos in die Mitte seiner Feldherrn gestellt, und sie aufgefordert, ihm die Brust zu durchbohren, ehe noch viele Tausende auf dem Schlachtfelde gefallen seyn würden. (Siehe Hanthaler Fast. Camp. T. I. Pars II. Dec. VIII. §. 80. Arenpeckii Chron. Austr. ad An. 1278.)

[4] Vers 428.

Heinrich I. der Städte-Erbauer, hat ungefähr im J. 930 die Stadt, und das Schloß Meißen an der Elbe erbaut, und ihr von dem Flüßchen, das sie eben dort aufnimmt, und Meiße heißt, den Nahmen gegeben.

[5] Vers 459.

Constanzia, Tochter des babenbergischen Leopold des Glorreichen, war die Gemahlinn Markgrafs Heinrich von Meißen, des Sieghaften, die ihm die beiden Söhne Dietrich und Albrecht gebar. Einen von diesen beiden verlangten die Stände von Oestreich, nach dem Erlöschen des babenbergischen Stammes, und der kurzen Regierung Hermanns von Baden, zu ihrem Herrscher, und fertigten von Tuln, wo sie ihre Versammlung hielten, Gesandte nach Meißen ab, die hernach der König von Böhmen unterwegs aufgehalten, von der Fortsetzung der Reise abgebracht, und sich durch Hindeutung auf eine Heirath mit der verwittweten Herrscherinn Margareth den Weg zur Erwerbung von Oestreich und der Steyermark eröffnet hat.

[6] Vers 473.

Daß die Meißner und Thüringer vor der Schlacht heimlich aus dem Lager Ottokars abgezogen seyen, ist geschichtlich. (S. oben Anmerkung [3] zum 386 Vers.) Die Ursache dieses Abzugs ist unbekannt.


[Neunter Gesang.]

[1] Vers 71.

Die Krieger, gewöhnlich leichte Reiterei, die vor einem feindlichen Heere daherzieh’n, heißen in der bestehenden Kriegssprache: Eclaireurs.

[2] Vers 436.

Venezia. Ueber die merkwürdige Eroberung Constantinopels im Jahr 1202 (also 76 Jahre vor der Marchfelder Schlacht) durch vorzügliche Mitwirkung des 90jährigen Greises, Heinrich Dandolo, Doge von Venedig, siehe Raumers Geschichte der Hohenstaufen III. B. und Daru’s Histoire de Venise I. Der Sänger Rudolphs von Habsburg wollte hier, jener herrlichen Stadt, der einstigen Königinn des adriatischen Meeres, deren Andenken ihm auf immer theuer bleiben wird, dankbar erwähnen.

[3] Vers 600.

Al-rune. Runen, Runenschrift, ein den alten Germanen und Scandinaviern eigenes Alphabet, nach welchem im nördlichen Deutschland noch einige Denksteine beschrieben gefunden werden. Wahrscheinlich hatten sie selbes von den Phönikern erhalten, und was sich davon hie und da auf verwittertem Gestein vorfand, diente in späterer Zeit zu manchen vorgeblich zauberischen Künsten, das Schicksal der Menschen von den Nornen, den Schicksals­göttinnen, zu erfragen. Diese drei schönen Jungfrauen, heben sich stets aus Mimers Brunn, der himmlischen Quelle, herauf bei welcher die Götter Rath halten, und ihre Urtheile offenbaren, und heißen: Urda, Werandi, Skulda: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. (Ryerups scandinav. Mythol. &c.)


[Zehnter Gesang.]

[1] Vers 35.

Rheinau, Augia major, ein kleines Städtchen zwischen Schaffhausen und Eglisau, wo eine Brücke über den Rhein führt. Dort befand sich vormals ein reiches Benedictiner-Stift, das Funtan der Heilige, aus dem königlichen Geblüt Schottlands, erbaut haben soll, da er aus höherer Eingebung einen Platz dazu suchen mußte, wo der Rhein nach Osten fließt, und solcher an dieser Stelle allein gefunden wird. Stumpf. Schw. Chron. p. 360.

[2] Vers 84.

Hartmann, der jüngste der Söhne Rudolphs, ertrank, mit noch andern dreizehn Jünglingen, adeligen Geschlechts, am 20. Dezember des Jahrs 1280, im achtzehnten seines Alters, als er mit selben den Rhein hinabfuhr, und das Schiff bei Rheinau von dem Grundeis umgestürzt wurde. — Seine Leiche ward nach Basel geführt, und im dortigen Münster begraben.

[3] Vers 138.

Woldan hieß ein Raubritt, den öfters der oberste Anführer eines im Krieg begriffenen Volks, mit einer Schar Freiwilliger, in dem Lande des Feindes, Beute zu holen, unternahm. Bei der Belagerung Peterlingens forderte Rudolph sein Volk zu einem solchen Woldan auf; er streifte bis gen Lausanne, und es heißt da;

Si namen da so viel

Daz Ich fürwar sagen wil,

Daz in langer Zeit

Nahent, noch weit,

Nie wart geritten noch gethan

Ain so schedleicher Woldan.

(Horneck R. Chr. C. 319.)

[4] Vers 140.

Iwan von Günß (Sohn des Grafen Heinrich) empörte sich erst gegen seinen eigenen König, fiel dann, häufig plündernd, auch in Oestreich und Steyermark ein, und verübte unzählige Grausamkeiten. Im Jahr 1286 schlug er den gegen ihn gesandten Abt von Admont; später auch Herman von Landenberg, der sich ihm mit seinen östreichischen und steyerischen Kriegern ergeben mußte. Herzog Albrecht, von Truppen entblößt, verschloß sich in Neustadt, und ging sogar den Vertrag von Hainburg ein, vermöge welchem die Gefangenen ausgewechselt, und in einem Krieg mit Ungern sie sich beide gegenseitige Hülfe leisten sollten. Iwan setzte seine Verheerungen in Oestreich bald wieder fort, bis endlich im Jahr 1280 ihn Albrecht mit starker Macht bekriegte, ihm Oedenburg nebst vielen andern Vesten, Burgen und Märkten abnahm, und ihn endlich, nach einer hartnäckigen Belagerung, in Günß bezwang. Ueber diese Belagerung siehe Horneck R. Chron. von Cap. 312 bis 315.

[5] Vers 228.

Ueber dieses historische Faktum siehe Fugger Ehrenspiegel S. 75. Cap. VIII.

[6] Vers 236.

Antwerk war ein Wurfgeschütz, aus welchem Steine von bedeutender Schwere, ja auch zuweilen Schwefelfeuer nach den Erkern, und auf die Häuser der Veste geworfen wurden. (Ueber diese und die folgenden Kriegswerkzeuge des Mittelalters, siehe: Schachts vortreffliches Werk über Hornecks Reim-Chronik, Mainz 1821, S. 388.)

[7] Vers 238.

Katzen nannte man die mit Erde gedeckten Werke, welche inwendig mit Stoßbäumen versehen, nach Ausfüllung der Gräben, bis an die Mauern vorgeschoben wurden, und gegen welche man sich durch Minen, und Geschosse von den Mauern herab, zu wehren suchte. S. oben.

[8] Vers 245.

Ebenhoch hießen eine Art Thürme, die, wahrscheinlich auf Rädern, an die Mauern geschoben, verschiedene Geschosse in die Veste zu schleudern, dienten. Ihr Nahme zeigt, daß sie hoch genug waren, um das Innere der ummauerten Städte und Vesten übersehen zu können. S. oben.

[9] Vers 297.

Dem Verfasser der berühmten Reim-Chronik, die zuerst von dem gelehrten Benediktiner von Melk, Hieronymus Pez, im Jahre 1745 zum Druck befördert ward, hat Lazius Comment. Geneal. p. Auster. 233 außer dem Nahmen Ottakcher (Ottokar), den er sich selber R. Chr. Cap. 177 beilegt, unbekannt aus welcher Quelle, auch den von Horneck, aufgefunden. Er lebte unter Rudolphs I. und Albrechts I. Zeiten; war in Steyermark geboren; hatte den berühmten Meistersänger Kunrad von Rotenberg, der vorher an Manfreds Hofe lebte, zum Lehrmeister; stand, man weiß nicht, in welcher Eigenschaft, im Gefolge Ulrich und Otto Lichtensteins; wohnte der Marchfelder Schlacht 1278 bei, und starb erst nach dem Jahr 1309, da er noch von dem Aufruhr einiger aus dem Adel, und der Wiener Bürger, gegen Friedrich den Schönen spricht, und damit sein Werk beschließt. Die Reim-Chronik Hornecks, die mit dem Tode Friedrichs II. röm. Kaisers beginnt, und um das Jahr 1309 der Regierung Friedrich des Schönen endet, enthält über 83,000 kurze gereimte Verse in 830 Capiteln.

Ein anderes noch ungedrucktes Werk Hornecks: Von den Monarchen und Kaisern der Welt bis auf Friedrich II. röm. Kaiser, in ähnlichen Versen verfaßt, ist im Besitze der k. k. Hofbibliothek zu Wien. (Siehe die Vorerinnerungen des Hieronymus Pez zu Hornecks Reim-Chronik in seinem Werke: Scriptores rerum Austriacarum III. Band; und obiges treffliche Werk: Aus- und über Ottokars von Horneck Reim-Chronik, von Th. Schacht, Mainz 1821.)

[10] Vers 305.

Ulrich von Lichtenstein, aus der steyerischen Linie der Lichtensteine — ein trefflicher Ritter und Minnesänger zugleich, der die beiden merkwürdigen Gedichte: Frauendienst, und: Ytwitz oder der Frauen Puech, verfaßte, mag kurz vor der Marchfelder Entscheidungs­schlacht gestorben seyn. Das erstere Werk enthält ein prächtiger Codex in München, und wurde herausgegeben durch Ludwig Tieck. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Cotta’schen Buchhandlung 1812. Das zweite befindet sich in der Ambraser Sammlung zu Wien, Bl. 220-225 noch ungedruckt. (S. die Beschreibung Primißers — Seite 279.)


[Eilfter Gesang.]

[1] Vers 38.

Siehe oben Anmerkungen zum dritten Gesang [8] Vers 308.

[2] Vers 73.

Was hier von den Vorbereitungen zur Schlacht, als: von der Feier des Abendmahls im Lager; von der Beicht’ und Communion, und weiter unten: von dem Mustern der Gurt’ und Steigbügel; von den Aufträgen, welche die Ritter im Fall, daß sie dem Feinde erlägen, an ihre Daheim­gebliebenen den Knappen ertheilen; von dem Zusammenhalten der Freunde in der Schlacht u. s. w. gesagt wird, ist durchaus der damaligen Rittersitte gemäß, und in Hornecks Reim-Chronik Cap. 147, 329, 330 und 530 begründet.

[3] Vers 135.

Die ausgezeichnetsten Ritter wetteiferten um den Vorzug, das Hauptbanner, oder die Sturmfahn, dem Herrscher selber in der Schlacht vorzutragen. Horneck Reim-Chronik C. 148.

[4] Vers 181.

Ueber die Sitte, sich gegenseitig die Schlacht anzukündigen, und dazu Tag und Stunde zu bestimmen, siehe oben Anmerkung zum siebenten Gesange [Vers 536].

[5] Vers 184.

Im Jahr 1289 überzog Kaiser Rudolph den Herzog von Burgund mit Krieg, eroberte Mömpelgard, und zwang ihn zum Frieden. Vor der Schlacht sandte er einen Bothen mit der Frage an ihn: „ob er zum Streiten bereit sey?“ und der Herzog ließ ihm sagen: „er seye darum hergekommen.“ (Siehe Horneck Reim-Chronik C. 329.)

[6] Vers 211.

Den Ritterschlag auf Schild und Schwert ertheilte Rudolph also vor der Schlacht: S. Horneck R. Chr. C. 149.

[7] Vers 542.

In den Gebirgsthälern Tirols, Steyermarks und Oestreichs, ist das sogenannte Scheiben­schießen eine beliebte und mitunter nützliche Unterhaltung des Volks. Zu Hauptschießen werden von nahe und ferne die Schützen geladen: das Kreisschießen ist das gewöhnliche an Sonn- und Festtagen; das Beste, ist der Preis dessen der den besten Schuß gethan.


[Zwölfter Gesang.]

[1] Vers 54.

Ueber diesen Klaggesang Hornecks siehe dessen Reim-Chronik Cap. 163 und 164. Hier nur Einiges aus demselben:

Sieh Welt aller Untrew Chron,

Daz ist auch ainer deiner Lon!

— — — — — —

Auf der Erden lag er par

Sein eigen Pluts naz.

Wo waren die Matraß,

Und die gulter Seydein,

Darauf er sollt gelegen sein?

Wo waren die ihn sollten chlagen?

Von Mannen und von Magen, (Anverwandte)

Pelieb er Trostes frey.

Wo waren Erzt und Erzeney,

Damit man seine Wunden

Solt han gepunden?

— — — — —

Er hat so viel Guts,

Wer er gewesen des Muts,

Daz er tegleich wolt

Von edlem Gestain und Gold

Haben tragen Kleider an,

Daz hiet er wol getan.

Dez liez er ihm so gar zerrinnen

Daz man im muest gewinnen

Ain Graz, daß man ihn mit pedackt,

So gar pelieb er nakht.

— — — — — —

Ungetrev Welt, die spielt

Du von im so gar,

Daz aus dainer Schar

Im Niempt volgt nach.

— — — — — —

Sieh Welt daz ist dein Sold.

We im! der dir ist hold

Und We im den du trewtest.

Mit dem Mund du im pewtest

Honig an dem Anwang,

Und hechst als ein Gift-Slang

An dem End— —

— — — — — —

Wer nicht will Gottes Haz

Und seinen Zorn leiden,

Der muß die Welt vermeiden.

Dann die Werich, die sy geert

Die sind vor Gott unwert.

Dez vermaid nit der wakcher

Von Pehaim Kunig Ottakher:

Wann er vollfurt mit Gelust

Der Welt Achust, (unordl. Begierden und Laster.)

Und rang hier also ser

Nach der zergenklichen Er,

Daz er sich dez nicht liez befillen

Damit er nach irm Willen

Möcht gewerben, und geleben,

Daz sol im Gott vergeben!

[2] Vers 209.

Die Stephanskirche, nachdem sie vorher zweimal abgebrannt war, hat Ottokar beinahe in derselben Gestalt, wie sie noch heut’ zu Tage zu sehen ist, während er über Oestreich herrschte, hergestellt.

[3] Vers 347.

Daß Rudolph den König Ladislav adoptirt habe, meldet auch Fugger I. Buch 12. Cap. S. 101.

[4] Vers 401.

Die Belehnung Albrechts mit Oestreich, Steyer, Krain, der Windischmark und Portenau geschah eigentlich zu Augsburg während des Reichstags daselbst im Jahr 1282, wo, im sogenannten Frohnhof, ein kaiserlicher Thron, umgeben von den Churfürsten und Fürstensöhnen, zu sehen war, und die Feierlichkeit nach denen, von Friedrich I., Heinrich IV. Friedrich II. ertheilten Privilegien geschah.