238. Große Menschengebeine in Preßnitz.

(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.)

Als im Jahre 1753 zur Erbauung des neuen kostbaren Preßnitzer herrschaftlichen Amthauses das alte Hassenstein'sche Schloß niedergerissen und der Grund gegraben worden, hat man viele, zum Teil ungeheure große Menschengebeine gefunden; es soll auch öfters daselbst, bis diese Gebeine wieder begraben wurden, sehr gepoltert haben.


IV.
Teufelssagen.

Als die christliche Bekehrungsarbeit bei den Deutschen und später den Slaven begann, war es Klugheit, das Vorhandensein der heidnischen Götter nicht in Frage zu stellen. Die christlichen Bekehrer bequemten sich vielmehr der festgewurzelten Überzeugung an, daß jene Wesen wirklich existierten, nur lehrten sie, daß dieselben Unholde und teuflische Gewalten seien, welche dem Gott der Christen widerstrebten und die Menschen irre führten. Die alten heidnischen Götter und Dämonen sind demnach im Volksglauben zu Teufeln geworden. Der aus der griechischen Sprache entlehnte Name Diabolos ging in die lateinische und später auch als Diufal, Tiuvel, Tüvel u. s. w. in die deutsche, sowie als djabel in die slavische Sprache über; in letzterer wurde er später durch das Wort czert, welches den Begriff eines schwarzen Wesens in sich schließt, ersetzt.

Daß die Neubekehrten dem Teufel und allen Unholden entsagen mußten, ersehen wir aus fränkischen Taufgelöbnissen des 8. und 9. Jahrhunderts, welche bei den Sachsen und Thüringern in Anwendung kamen und worin es heißt: »Forsachistu diabole? Ec forsacho diabole«, oder: »Forsahhistu unholdun? Ih forsahu.«

Dem Teufel, der in verschiedenen Gestalten den Menschen entgegentrat, wurde später alles Ungewöhnliche und Unheimliche zugeschrieben. Verbreitet war der Glaube, daß der einzelne Mensch mit ihm ein Bündnis eingehen könne, um dann mit seiner Hülfe gewisse irdische Vorteile zu erlangen. Dafür mußte er sich jedoch dem Teufel mit Leib und Seele ergeben, und zum Zeichen, daß er dies gethan, sich ihm mit seinem Blute verschreiben. Zur Erklärung dieses mit dem Blute Verschreibens weist Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch, I., S. 55.) darauf hin, daß nach dem früheren Volksglauben nicht nur alle verstorbenen Menschen, sondern auch die entthronten Götter und der Teufel, als ein gestürzter Engel, an Blutmangel leiden, und daß deshalb besonders der letztere geizig auf ein Tröpflein Bluts desjenigen Menschen besteht, der sich zu ihm in ein Schutzverhältnis begeben will. – Wenn der Teufel einem Menschen dienstbar geworden ist, so erscheint er vielfach nach dem slavischen Volksglauben als Drache. – Zahlreich sind die späteren Sagen, nach denen er sich in seiner Ohnmacht und Kraftlosigkeit darstellt, so daß er von menschlicher List überflügelt wird. Dies geschieht z. B., wenn er junge Mädchen, wie auch im Erzgebirge erzählt wird, heimsuchen will.[4] Ein gläubiges Bekenntnis Christi jedoch vertreibt ihn; gottlosen Säufern und Fluchern aber dreht er die Hälse um; hier hat er Macht über den Menschen. Obschon der Teufel ein natürlicher Feind der Menschen und unter diesen besonders der Müller ist, vielleicht weil diese das ernährende Mehl liefern, so baut er auch wieder unter gewissen Bedingungen Mühlen auf. Bei Wehrau in der Oberlausitz wurde er von einem Müller betrogen, so daß er in seinem Zorne dessen Mühle, von welcher nur noch ein Wehr, »das Teufelswehr« vorhanden ist, zerschmetterte. Ein »Teufelswehr« giebt es auch in der Mulde oberhalb Auerhammer; doch scheint eine dazu gehörige Sage verloren gegangen zu sein. – Teuflische Tiere sind Katze, Kuckuck, Rabe u. a.; über dieselben werden noch einige Bemerkungen bei den einzelnen Sagen folgen.

Felsen, welche gegenwärtig die Bezeichnungen »Teufelsstein« und »Teufelskanzel« tragen, waren vielleicht heidnische Opferplätze. Einen Teufelsstein, mit welchem eine Wundersage verknüpft ist, giebt es bei Lauter. Teufelskanzeln kennt man an der Göltzsch zwischen Auerbach und Mühlgrün und zwischen Waldkirchen und Grün bei Lengenfeld. Denselben Namen führt auch der obere Teil des Friedrich-August-Steins in Schöneck.

[4] In Böhmen sagt man, wenn der Wirbelwind dahin fährt, darin fahre die Braut, welche sich der Teufel von der Erde holt. (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 35.)