267. Das Schmatzen der Toten in den Gräbern.

(Moller, Theatrum Freiberg. Chron. II., S. 254. Wilisch, Kirchen-Hist. v. Freyberg etc. II., S. 378.)

Im Jahre 1552 hat in den Dörfern um Freiberg die Pest grassiert, sonderlich starb viel Volk zu Hermsdorf, Claußnitz und Dittersbach. Das Volk glaubte dabei, daß die toten Körper in den Gräbern anfingen zu essen und einer den andern nachholete. Etliche, die auf den Gräbern gestanden, erzählten, daß sie gehört, wie die Toten unter der Erde schmatzten. Deswegen hat man den Verstorbenen die Köpfe mit einem Grabscheite abgestoßen oder sie ganz verbrannt und dabei gemeint, so das Unheil und Sterben abzuwenden. Es hat aber nichts geholfen, denn die Pest hat als Strafe Gottes noch heftiger überhand genommen, so daß einzelne Dörfer fast ausstarben.

Das Schmatzen der Toten in den Gräbern ist nur eine besondere Form des besonders im Aberglauben slawischer Völker herrschenden Vampyrismus. Der Vampyr wird meist als die Seele eines Verstorbenen gedacht, welcher im Grabe keine Ruhe findet, letzteres verläßt und sich auf schlafende Menschen, besonders Blutsverwandte legt und ihnen auf körperlich kaum wahrnehmbare Weise das Blut aussaugt. Nach der Lausitzer Sage wird ein solcher Vampyr gebannt, wenn ein Priester den Leichnam ausgraben läßt, ihm den Kopf abschneidet, das Herz mit einem Pfahl durchsticht, selbiges sodann verbrennt und die Asche auf das Grab streut. (Haupt, Sagenbuch d. L., No. 69.) Der Pfahl mußte bei den Slaven von Eichenholz oder vom Weißdorn sein. (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche in Böhmen, S. 191.)

Nach Görres ist der Vampyrismus, welcher sich bereits bei den alten Griechen vorfand, nur eine besondere Form des Alpdrückens. (Nork, Sitten und Gebräuche etc., S. 686.) Er beruht auf dem Glauben, daß der Verstorbene des Blutes entbehrt und darum sein Grab verläßt, um einem noch Lebenden Blut auszusaugen. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch I., S. 55.)