430. Blutende Geweihe in Schneeberg.
(Meltzer, Hist. Schneebergensis, S. 1159.)
Im Jahre 1564 hat zu Schneeberg in Bastian Fischers Stube ein angenageltes Hirschgeweihe geblutet und übel gerochen, gleichwie ein anderes in der nächsten Woche darauf, welches gegen 12 Jahre in der Stube gewesen, vom Fette getrieft, also daß ein schwarzer Gischt am Horn zu sehen gewesen ist, weswegen es aufs Rathaus gebracht werden mußte. Man hat sich darüber allerlei Gedanken machen müssen.
Ein Hirschgeweih führt das würtembergische Haus in seinem Wappen. Als Sophie, die Tochter des Schwabenherzogs Christoph, starb, soll ein solches Geweih an ihrer Zimmerwand geblutet haben.
Erinnert mag noch daran werden, daß während der Hirsch Eikthyrnir den Gipfel der Weltesche Yggdrasil benagte, aus seinem Geweihe eine große Honigfülle durch den Wohnsitz der Asen und zu den Menschen und bis in die Unterwelt floß. Wer von solcher Honigfülle trank, wurde hirschtrunken, d. h. selig. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I., S. 7.)