552. Der Name des Fleckens Bockau.
(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, No. 579.)
Die Bewohner des Bergfleckens Bockau bei Schneeberg ernährten sich sonst vorzugsweise durch den Anbau von Arzneikräutern und den Handel damit. Sie zogen damit, sowie mit Pulvern, Tropfen, Pillen und dgl. mehr auf Jahrmärkte und waren einst wie die Königsseer häufig im deutschen Vaterlande anzutreffen. Die Sage erzählt, es habe sich einst in jenem Thale, in welchem jetzt der Flecken Bockau liegt, ein Bock, das einzige Eigentum eines armen Gärtnersohns, verlaufen. Sein Herr, der ihn gesucht, habe ihn endlich mitten unter den kostbaren Arzneikräutern wohlbehalten wieder gefunden, habe sich den Platz genau gemerkt und sei dann durch das Sammeln und den Verkauf jener Kräuter sehr bald wohlhabend geworden. Nach und nach hätten sich daselbst mehrere niedergelassen und den neuen Wohnort zur Erinnerung an seinen Ursprung Bockau genannt.
Historisch ist, daß der Kräuter- und Medikamentenhandel der Bockauer erst gegen das Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts begann. Die in dem Orte wohnenden Schachtelmacher, und unter diesen zuerst zwei Brüder Weiß, füllten ihre Schachteln anfänglich mit gedörrten medicinischen Wurzeln und Kräutern, welche sie an Apotheker und Laboranten und später auch als Hausmittel an andere Leute verkauften. (Körner, Nachrichten von Bockau, S. 346–355).
In der Einleitung zum ersten Abschnitte des Sagenbuchs wurde bereits darauf hingewiesen, daß der Name des Ortes nicht von dem slavischen bóh, d. i. Gott, sondern von dem slav. buk, die Buche, und dem davon gebildeten Adjektivum bukowy abzuleiten ist. Aus bukowy entstand Bockau, was wir demnach mit Buchwald oder Buchholz zu übersetzen hätten. Dasselbe gilt auch von dem Ortsnamen Bockwa bei Zwickau. Bockau und Bockwa wurden in früherer Zeit mit u geschrieben. (Immisch, a. a. O., S. 8.)