556. Der Name der Stadt Falkenau.

(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 169.)

Die Stadt Falkenau soll ihren Namen dadurch erhalten haben, daß ein Bürger aus Eger einen Falkenhof erbaut und dadurch eine Ansiedelung hervorgerufen hat, die sich allmählig zu einem Dorfe und schließlich zu einer Stadt emporhob. Die über dem Röhrbrunnen am Marktplatze in Falkenau sich erhebende Bildsäule stellt einen Falkner dar, der ein Hüfthorn am Schulterbande und einen Hund zur Seite hat. Es soll dies die Statue jenes Falkners sein, der als Gründer der Stadt gilt und dessen Name im Volksmunde »Wastel« (Sebastian) heißt.

Fr. Bernau (Comotovia 4, S. 98) hält es zwar für nicht unmöglich, daß auf dem am rechten Egerufer sich hinziehenden Wiesenlande vielleicht im 12. Jahrhunderte, da sich in Böhmen nicht bloß Edelleute, sondern auch selbst Geistliche dem Jagdvergnügen mit Leidenschaft hingaben, eine Falkenbeize errichtet war, doch hält er mehr dafür, daß zu obiger Sage bloß der Ortsname den Stoff geliefert habe. In dem Stadtwappen von Falkenau wurde seit ältester Zeit ein Falke geführt und es ist daher jedenfalls die in der Stadt in jetziger Gestalt erst 1724 errichtete Falknerstatue nur eine Ausschmückung des Stadtwappens.

Vom »Falken« abgeleitete Ortsnamen treten überhaupt häufig sowohl in deutschen, als auch slavischen Gebieten auf; der historische Ursprung dieser Benennungen ist aber wohl immer unbekannt. Nur von dem Dorfe Sokolec (Sokol = Falke) bei Podiebrad wird erzählt, daß man daselbst noch im 16. Jahrhundert für die Podiebrader Jäger Falken abgerichtet habe. Dieses slavische Dorf besitzt also zu seinem Namen eine gleiche Sage wie unser im deutschen Gebiete liegendes Falkenau.