602. Die alte Mordgrube bei Freiberg.
(Moller, Theatrum Freibergense Chron. II, S. 61. Wilisch, Kirchen-Historie von Freiberg etc., II, S. 301.)
Eine der größten Zechen Freibergs war bereits vor Jahrhunderten diejenige, welche später die Mordgrube genannt wurde. Der Grund zu dieser Benennung schreibt sich von folgender Begebenheit her: Als die Gruben mit einer großen Menge Berghäuer belegt waren, welche an Feiertagen gewisse Zusammenkünfte, und dabei an den Zechenhäusern gemeine Tänze abhielten, geschah es, daß an einem solchen Orte, zwischen Berthelsdorf und Erbisdorf, als gerade ein öffentlicher Reihetanz abgehalten wurde, ein Priester mit der Monstranz vorüberging, um einen Kranken zu berichten. Als der voranschreitende Meßner das gebräuchliche Zeichen mit dem Glöckchen gab, hat unter den Tanzenden und Zuschauenden niemand desselben wahrgenommen, außer der Spielmann, welcher zum Tanze gefiedelt; derselbe ließ sich auf das eine Knie nieder, um dem heiligen Sakrament Ehre zu erweisen. Da soll sich alsbald die Erde geöffnet und die ganze anwesende Gesellschaft lebendig verschlungen haben, ausgenommen den Spielmann, welcher sich auf einem kleinen Hügel erhielt, bis man ihm zu Hülfe kam. Darauf ist auch der Hügel niedergegangen, so daß man weder Tänzer noch Tänzerinnen mehr gesehen. Man hat lange Zeit darauf an diesem Orte nicht weiter bauen können und erlangte auch den Schmuck und das Geschmeide der Vergrabenen nicht wieder, so viel man sich Mühe gegeben. Was man des Tages bewältigte, das ist des Nachts wieder eingegangen. In der Kirche zu Erbisdorf soll früher die ganze Begebenheit bildlich dargestellt gewesen sein.