Das Leben.

Ein Anfang ohn’ Ende;

Ein Schleier ohne Bild;

Ein Träumen und Sehnen,

Das nimmer gestillt;

Ein Blühen und Duften;

Ein schmeichelndes Lied;

Und Alles nur Täuschung,

Die lockt und entflieht.

Ein Wollen und Können,

Und nie ein Vollbracht;

Ein Lernen und Wissen,

Das klüger nicht macht.

Ein Drängen und Treiben

Bergauf und bergab;

Ein Sorgen und Mühen

Für’s wartende Grab.

Für Herren und Knechte

Ein wunderlich Spiel,

Als Ernst gar zu wenig,

Als Scherz gar zu viel:

Und dennoch zum Leben

Die Liebe so groß? —

Gern sitzen die Narren

Der Narrheit im Schooß.

Was zürnst Du dem Leben,

Dem gaukelnden Spiel?

Du fragst nach dem Ziele?

Der Weg ist das Ziel!

Dein Hoffen und Wagen,

Und wär’s ohne Lohn; —

Im Hoffen und Wagen

Genießest Du schon.

Entströmt ohne Lorber

Dem Helden sein Blut;

Doch freut sich im Streite

Des Kämpfenden Mut.

Der Rätsel so viele?

Die Antwort so kahl?

Frag’ nicht nach den Reben

Den vollen Pokal.

Vergessen ist Freude,

Und Denken nur Pein;

Und gilt er Dir Wahrheit,

Ist Wahrheit der Schein.

So nutze das Leben,

Und nimm es, wie’s ist,

Eh’ kalt Dich im Grabe

Das Leben vergißt.

O, kindisches Treiben!

O, ärmlicher Wahn!

So schaukeln die Wellen

Den herrnlosen Kahn!

Das Leben ein Schleier,

Den Keiner durchschaut;

Doch ehre den Schleier;

Er wallt um die Braut,

Die wüstem Verlangen

Nur keuscher sich hüllt,

Den Glauben mit froher

Verheißung erfüllt.

Es wehet ihr Odem

Dahin und daher,

So grüßet von Küste

Zu Küste das Meer.

Und wandelt der Pilger

Nach Süd und nach Nord,

Sie ladet ihn liebend

So hier und so dort.

Sie blickt von den Sternen

Ihm freundlich herab;

Und lächelt weissagend

Auf Wiege und Grab;

In Kämpfen, in Stürmen,

In wolkiger Nacht,

Von Weisen gescholten,

Von Spöttern verlacht,

Schmück’ kühn Dir mit Kränzen

Hochzeitlich das Haupt,

Vom Baume der Hoffnung,

Der nimmer entlaubt.

Wer streitend und fallend

Dem Siege vertraut,

Der hat sich errungen

Das Jawort der Braut.

Sie führt dem Altare

Der Heimat ihn zu.

Sein Glauben wird schauen;

Der Staub ist zur Ruh.