Nasenbildungen.

Die rhinoplastischen Operationen, welche ich bereits unter Anwendung der Aetherdämpfe gemacht habe, sind die folgenden.

Otto K., ein 15jähriger Knabe, welchem der vordere Theil der Nase durch scrophulöse Geschwüre zerstört war, kam in die Klinik, um durch die Neubildung des verstümmelten Theiles der menschlichen Gesellschaft wiedergegeben zu werden. Am Tage vor der Operation wollte ich die Aetherdämpfe auf ihn prüfen. Nachdem er dieselben nur eine Minute lang geathmet hatte, wurde er so tief betäubt und bewußtlos, daß man ihn schnell der frischen Luft aussetzen und belebende Mittel anwenden mußte. Bald darauf war er wieder vollkommen hergestellt. Am nächsten Tage äußerte sich der Aether bei diesem jungen Menschen, welcher noch nie geistige Getränke genossen hatte, welchem Umstande wohl die schnelle Einwirkung des Aethers zuzuschreiben war, schon minder stark; er wurde erst nach 2 Minuten empfindungs- und bewußtlos, behielt aber, auf einem Stuhle sitzend, die aufrechte Stellung bei. Ich schritt zur Operation. Zuerst wurden die Ränder der verstümmelten Nase abgeschnitten, um an sie den neuen Ersatztheil anheften zu können, darauf spaltete ich den Rest des Nasenstumpfes zur Aufnahme der ernährenden Brücke, und endlich umschnitt ich an der Gränze des Haarwuchses, im höchsten Theile der Stirn anfangend, nach abwärts mit dem Messer gehend, ein dem Defect der Nase entsprechendes Stirnhautstück, welches vom Stirnbein gelöst, umgedrehet und herabgelegt, durch Nähte mit dem Nasenstumpf in genaue Verbindung gebracht wurde. Bei der ganzen Operation, welche, mit Inbegriff von 16 Nähten, 15 Minuten dauerte, selbst bei ihrem schmerzhaftesten Theile, der Abtrennung der überhäuteten Ränder des Nasenstumpfes, saß der Knabe regungslos auf dem Stuhle, ohne einen Schmerzenslaut von sich zu geben. Nachdem er ganz wieder zu sich gekommen war, wollte er kaum glauben, daß die Operation schon geschehen sei, und überzeugte sich erst durch das Hinfühlen mit den Fingern nach der neuen Nase, von der glücklichen Wirklichkeit. Als ich ihn fragte, ob er auch Schmerzen empfunden habe, versicherte er, daß er vom Augenblick des Berauschtwerdens bis zu seinem Wiedererwachen durchaus nichts von sich gewußt habe.


Louise D., ein schönes, 16jähriges Mädchen, welches in frühester Kindheit den vorderen Theil der Nase nebst der Nasenscheidewand durch skrophulöse Geschwüre eingebüßt hatte, so daß man in die unheimliche Tiefe der inneren Nase hineinblicken konnte, unterzog sich in der Klinik der Operation des Wiederersatzes des Fehlenden. Es schmerzte mich zwar, aus der schönen Stirn, so viel als ich gebrauchte, zu nehmen, doch da kein sehr großes Hautstück nöthig war, die dünne welke Armhaut sich nicht zum Bilden eignete, so durfte ich hoffen, die Ränder der Stirnwunde wieder dicht zusammenzubringen, so daß nur ein fadenförmiger Streifen den Ort bezeichnete, woher die Nasenspitze genommen war. Nachdem die Kranke zuvor drei Minuten lang die Aetherdämpfe eingeathmet hatte, trat der Zustand der Empfindungslosigkeit ein. Jetzt begann ich das Wundmachen der Ränder des Nasenstumpfes und des oberen Theils der Oberlippe zur Einpflanzung der Scheidewand, spaltete dann den Nasenrücken, löste einen zollbreiten Streifen aus der ganzen Höhe der Stirnhaut, drehte den heruntergelegten Lappen um und befestigte ihn mit Nähten an dem Bestimmungsorte. Dies, was auf dem Papier so leicht aussieht, ward ziemlich schnell unter Stürmen, wie ich sie noch nicht erlebt habe, vollendet. Eine Reihe höchst seltsamer Erscheinungen hatte ich nämlich während der Operation bei der Kranken in Folge der Einwirkung des Aethers zu überwinden. Nachdem sie drei Minuten lang denselben eingeathmet hatte, wurde das Mädchen empfindungslos. Unter den ersten Messerzügen sprach sie von einem schönen Traume, den sie eben gehabt habe, von glänzenden Gesichtern und Gewändern, von hellen, schönen Lichtern und sanfter Musik. Dann schrie sie über ein Wehe, sie werde gekratzt, und mit jedem Augenblick wurde die Aufgeregtheit stärker und steigerte sich bis zur größten Wildheit mit herzzerreißenden Ausdrücken, als wolle man sie morden. Nur durch neue Einathmungen konnte sie besänftigt werden. Der glänzendste Erfolg der Operation belohnte das junge Mädchen für den Muth, mit welchem sie sich derselben unterzogen hatte.


Mad. K., 56 Jahre alt, ließ sich wegen einer Zerstörung des oberen Theils der Nase in die Klinik aufnehmen. Von der Nase war nur noch die knorpelige Spitze erhalten, diese jedoch eingefallen. Schon nach drei Minuten der Einathmung der Aetherdämpfe wurde sie empfindungslos. Nachdem ich die Einschnitte zur Aufnahme des einzupflanzenden Stirnhautlappens in die Gesichtshaut gemacht hatte, umschnitt ich in der Mitte der Stirn ein Hautstück von der erforderlichen Größe und der Gestalt einer umgekehrten Pyramide, löste dieses vom Knochen, drehte es um, und nachdem ich es heruntergelegt hatte, befestigte ich es mit Nähten an die zu seiner Aufnahme eingerichteten Wundränder des Nasenrestes und der Gesichtshaut. Die Stirnwunde wurde durch Nähte verkleinert und mit Charpie verbunden. Als ich die Kranke, welche jetzt allmählig zu sich kam, fragte, ob sie auch Schmerzen ausgestanden, verneinte sie dies, wohl aber erinnerte sie sich aller Umstände bei der Operation und auch jedes Wortes, welches bei derselben gesprochen wurde.

Der Erfolg der Operation war vollkommen günstig, der Lappen heilte überall an und bildete binnen Kurzem ein schönes Oval. Nach 6 Wochen war der Zeitpunkt der weiteren Formirung der Nase gekommen. Vorher wurden die Aetherdämpfe 4 Minuten lang angewendet, worauf völlige Bewußtlosigkeit eintrat. Ich nahm aus der linken Seite des Lappens durch zwei elliptische Einschnitte ein längliches Oval heraus, und entfernte durch zwei Querschnitte eine tiefe Furche, welche sich zwischen dem angesetzten Nasenrücken und dem erhaltenen, knorpeligen, vorderen Theile der Nase gebildet hatte. Hierauf wurden sowohl die Seiten als auch die Querwunde mit abwechselnden Knopf- und umschlungenen Nähten vereinigt. Während der fünf Minuten, der Dauer dieser Nachoperation, war sie vollkommen regungslos, gab keinen Laut von sich und erklärte später, nichts von der Operation wahrgenommen zu haben. Die Kranke ist bereits vollkommen hergestellt und über das natürliche Aussehen ihrer Nase höchst beglückt.


Ein 60jähriger, sehr empfindlicher Herr aus Schlesien, dem durch Krebs ein Theil der rechten Seite des Nasenrückens bis in den inneren Augenwinkel hinein zerstört war, wurde durch eine früher unternommene Ausschneidung des Krankhaften und eine allgemeine Behandlung nicht geheilt. Ich sah kein anderes Mittel, als die durch Krebs umgewandelten Theile auszuschneiden und ein gesundes Stück wieder einzusetzen. Vor der Operation athmete der Kranke nur drei Minuten lang Aetherdämpfe ein, dann wurde er empfindungslos. Ich konnte die Ausschneidung des entarteten Nasentheiles und des inneren Augenwinkels bis in die Augenhöhle hinein, so wie eines Theiles der Augenlider, vornehmen, ohne daß der Patient es merkte. Selbst als ich dann ein achtgroschengroßes Hautstück aus der Stirne löste, dies zum Ersatz der fehlenden Theile verwendete, und mit einer Anzahl Nähte befestigte, blieb er immer noch in einem völlig bewußtlosen Zustande. Erstaunt erfuhr er beim Erwachen, daß die Operation schon vollendet sei.


Israel L., 22 Jahr alt, hatte durch Skropheln den vorderen knorpligen Theil der Nase verloren. Ich ersetzte denselben kurz vor der Aetherzeit (noch unter Schmerzen) durch einen pyramidalischen, gestielten Lappen, nach Spaltung des Nasenstumpfes, aus der Stirnhaut. Der Lappen war überall genau angewachsen, und es bedurfte nur der gewöhnlichen Nachoperation zur Vollendung der Gestalt der noch unförmlichen Nase. Der Kranke wurde jetzt ätherisirt und sehr bald betäubt. Ich umgab die auf dem Rücken befindliche, erhabene Brücke mit zwei langen, concaven Schnitten, trennte das Stück ab und vereinigte die Wundränder auf dem Rücken der Nase durch eine Reihe von umschlungenen feinen Insectennadeln, deren Enden kurz an den Fäden abgeschnitten wurden. Der Kranke ertrug die Operation ohne alle Empfindung und erwachte dann aus seinem Rausche. Die Heilung gelang, und es blieb nur noch die Verbesserung der zu langen Scheidewand übrig.


Carl V., Landmann, hatte durch Herpes exedens (fressende Gesichtsflechte) die Nase großentheils verloren, nur der obere Theil war stehen geblieben und mit einer speckig entarteten, feuerrothen, mit Pusteln und Schuppen bedeckten Haut überzogen. Ein gleiches Aussehen hatten die Wangen. Der Patient wurde vor der Operation einer längeren Cur unterworfen, und jene dann vorgenommen. Nachdem er vier Minuten lang ätherisirt worden war, verschwanden die Empfindung und das Bewußtsein, es war der Zustand einer tiefen Ohnmacht. Ich konnte alle die nöthigen Einschnitte zur Aufnahme des Lappens machen, die Oberlippe innen vom Kiefer lösen, die kranke Haut von den Nasenbeinen abtrennen und einen so großen Lappen, als zum Ersatz der ganzen Nase und der Scheidewand nöthig war, aus der Stirnhaut ausschneiden, ohne daß der Kranke es fühlte oder nur merkte. Eben so regungslos blieb er bei dem Anheften der neuen Nase durch 20 umschlungene und Knopf-Nähte, so wie beim Vereinigen der Stirnwunde, welches nur so weit fortgesetzt werden konnte, als dies der Substanzverlust zuließ. Erst nach völliger Beendigung der Operation erwachte der Kranke und war verwundert, daß Alles vorüber sei. Er versicherte, durchaus keine Schmerzen empfunden zu haben. Der Erfolg war höchst günstig, und der Lappen heilte ungeachtet der Schlechtigkeit des Bodens überall an. Auch verbesserte sich in kurzer Zeit die üble Beschaffenheit der Wangen durch die Einpflanzung des gesunden Hauttheiles aus der Stirne, – eine Erfahrung, welche ich unter ähnlichen Umständen oft gemacht habe.