Ehrenfriedersdorf
mit seinen 270 Häusern, welche etwa 2300 Menschen bewohnen, wegen seiner ungemeinen großen Menge an einander liegender Bergwerkshalden am Sauberge, Erwähnung finden. Das Städtchen selbst bietet, außer der Königl. Klöppelschule, die in der That als Muster für andere dasteht, nichts Interessantes in seiner hölzernen Ausdehnung dar. Die gedachte Halden-Menge hat etwas ähnliches von einem vielfach durchwühlten felsigen Bette eines in's Trockne gerathenen Wasserfalles – steril und immer kahl. Das Zinn kommt hier im Sauberge in schmalen Schnürchen nahe bei einander vor, und der Bergmann kann dasselbe nicht andere gewinnen, als daß er immer taubes Gebirge mit absprengt, zu Tage fördert und dann durch Auskutten den Zinnstein absondert. Diese schmalen Zinnmittel, deren der Bergmann immer gleichzeitig mehrere vor Ort hatte, werden dort – Risse – genannt. Das Auskutten nun mußte jene Schaar von Halden in der Art zur Folge haben, wie man sie zur Stunde noch sieht. Die Apatite, Topase und andere interessante Fossilien von Ehrenfriedersdorf sind bekannt, eben so, daß in neuerer Zeit die Chemnitz-Annaberger Chaussee durch das Städtlein gelegt und diesem dadurch eine nützliche Lebendigkeit verliehen worden ist.
Zwischen hier und Annaberg sonnet sich in nachlässiger Behaglichkeit das freundliche Dorf Schönefeld bis hinab in die jugendliche Zschopau. In demselben liegt die einladende Villa oder besser »Beatus ille etc.« des Herrn Regierungsraths Reiche-Eisenstuck. Als dieser in seinem frühern Wirkungskreise dem Obergebirge mehr angehörte, konnte man dieses Rittergut als eine Wohlthätigkeits-Anstalt für eine Schaar guter Freunde betrachten, welche sich von Zeit zu Zeit zusammen fanden, um daselbst ex officio zu essen, zu trinken und fröhlich zu sein. Selbst ein vornehmer Sträfling hat in neuerer Zeit sein Strafübel hier verlebt ohne ein Liber tristium zu schreiben.
In züchtiger Zierlichkeit ruht