Greifenstein

näher zu betrachten und, da er auf einer Stelle zugänglich ist, auch zu besteigen. Die Gestalt und Structur dieser Granitfelsen, sagt D. Naumann im 2. Heft der Erläuterungen zur geognostischen Charte des Königreichs Sachsen pag. 174, – ist so grottesk und abentheuerlich, daß der ehemals unter den Bewohnern der Umgegend vorkommende Glaube, es seien Trümmer eines verwünschten Schlosses, nicht befremden kann. Wie Wollsäcke oder dick ausgestopfte Betten thürmen sich die Granitmassen übereinander in isolirten oder wenig zusammenhängenden phantastischen Pfeilern, welche theilweise eine Art Gehöfte bilden, in welche man nicht leicht hinabklettert, weil überhangende Massen scheinbar herabzustürzen drohen. Dieses Felsen-Wrak ist wahrscheinlich in präadamitischen Zeiten, als glühend flüssige Masse, aus dem Erd-Innern hervorgebrochen und hat die früher erstarrten Schiefer und Gneusschaalen, wovon im Granite selbst eine Menge Fragmente eingehüllt sind, durchbrochen, worauf sie in dicken Polstern allmählig erkaltete.

Von dieser Granitparthie aus ist die Fernsicht nach den Gebirgsknoten, dem Fichtelberg, vorzüglich schön, weil das Auge in den Thälern, welche von ihm auslaufen, ohne Unterbrechung hinaufirrt und ihn in einer größern Höhe beobachtet, als es sonst geschehen kann. Bis dicht an die Wände des Granites ist der Greifenstein mit Schwarzwald umgeben, in welchem sich zur bessern Jahreszeit eine Tabàgie befindet, wo Erfrischungen und Sicherheit bei plötzlichen Gewittern zu erlangen ist. Diese dankenswerthe Vorsorge weist zugleich auf den häufigen Besuch dieses Felsens hin. An seiner nordwestlichen Abdachung beschäftigen sich mehrere Steinmetze, die für Bauten sogenannte Werkstücke liefern. Das nachbarliche Bergstädtchen