Burkhardtsgrün
aus hat man bei der Chausseegeldereinnahme eine Fernsicht auf das sogenannte sächsische Sibirien, welches diese Benennung in keinerlei Weise verdient. Hier und ringsumher ist der Vogelfang üblich und, wie in andern Gebirgsländern, zu einer Leidenschaftlichkeit ausgebildet, daß der Fang eines Stiglitz, Hänfling, Buchfinken u. s. w. gegen halb oder ganz erfrorne Hände und Füße viel höher steht. Nicht leicht wird es in der Gegend umher, und namentlich in Schönheide, Stützengrün, Hundshübel und mehreren Orten, eine bewohnte Stube geben, wo nicht eine Schaar Vögel in engen Käfigen gefangen gehalten werden. Besonders ist den Hammerschmieden der Krinitz oder Kreuzschnabel von hoher Wichtigkeit, und sie glauben, daß er, wie in andern Gegenden das Meerschweinchen, den Krankheitsstoff von siechen Kindern in sich aufnimmt, weshalb sie diesen Vogel mit seinem engen Häuschen, in welchem er sich kaum drehen kann, unter die Wiegen derselben stellen. Wer versichern will, daß er bei einem Hammerschmied gewesen sei, ohne einen Krinitz bei ihm gesehen zu haben, wird immer den Verdacht einer Lüge auf sich laden.
Das einsilbige Wörtchen »Grün« bezeichnet allezeit den geebneten und ovalrund zubereiteten Platz, auf welchem ein Vogelheerd eingerichtet ist oder werden soll, und da das Obergebirge und das Voigtland eine sehr bedeutende Menge von Ortschaften zählt, die sich mit – grün – endigen, so liegt es sehr nahe, daß in frühern Zeiten die vorgerichteten Stellen, welche man mit Wohnungen zu bebauen gedachte, ebenfalls das »Grün« geheißen, wie wir es von den Harzer und Fränkischen Uebersiedlern wissen, welche ihre Bauplätze ausrodeten, Steingerölle ausreutheten und dann die Namen Alberode, Wernigerode, Freireuth, Berreuth u. s. f. in Gebrauch setzten, wie es schon früher die Sorben und Wenden gethan hatten.
Doch wir verlassen dieses Dörflein mit seinem Läppchen Patrimonialgerichtsbarkeit und dem nachbarlichen Steinberg, welcher sich 2102 Fuß über das Meer erhebt, und steigen der Chaussee entlang hinab in das Thal der Mulde, wo wir noch einige Häuser als Ueberreste des ehemaligen Hammerwerks Wolfsgrün oder Rothenhammer treffen. Die Chaussee, welche in gerader und steiler Linie herabführt, hat mehrmals dem Fuhrwesen Unglück zugefügt, was die Straßenbaucommission bewog, sie theilweise an beiden Thalgehängen abzuwerfen und in sanfte Krümmungen zu bringen. Leider giebt es noch viele solche Straßenschnitzer, die hoffentlich nach und nach ausradirt werden, wie wir wegen der Thierquälerei hoffen dürfen.
Es ist der Mühe werth, wenn wir einen kleinen Abstecher machen und das kaum eine Viertelstunde von hier entfernte