den Rockenstein

erreichen. Schüchtern, wie das böse Gewissen, schaut durch mit Bartflechten behangene Fichten in die Tiefe hernieder ein Granitklumpen mit einem dergleichen Kegel, den er auf seinen Achseln trägt, und droht diesen auf den Wanderer herabzuschleudern. Die Mythe sagt, daß einst ein tugendhaftes Mädchen mit ihrem Spinnrocken dem zudringlichen Gelüst eines rohen Jünglings entflohen und Sicherheit auf diesem in Wald gehüllten Granitknoten gesucht, hier aber von ihrem Verfolger entdeckt und von dem Felsen hinabgestürzt worden, indem nur der Rocken zurückgeblieben sei.

N. d. Nat. v. F. König.

Lith. Anst. v. Rudolph & Dieterici in Annaberg.

DER ROCKENSTEIN

Ein jäher Rand läuft vom Rockenstein tief hinab in ein enges felsiges Thal, wohin ohne Gebrauch der Hände nicht füglich zu gelangen ist. Die Mulde polirt allenthalben Granitbrocken für Straßenpflaster, ohne Abnahme zu finden. Am linken Ufer derselben thürmen sich amphitheatralisch riesenhafte Gestalten von Granitkegeln auf und erinnern an Liebethal in der sächsischen Schweiz. Bald reihen sie sich wie Zähne zusammen, bald lassen sie Zwischenräume und locken zu der Vorstellung hin, daß die ganze Parthie ein Bruchstück von der Kinnlade des fabelhaften Drachen sein möge. Der grünsammten Wiesenstreif, welcher diesem wunderlichen Felsenkabinet zur Einfassung dient, das Herumklettern dürftiger Nadelhölzer an den Seitenflächen und das muntere Waldgeflügel, welches in den Rissen und Spalten sein Eldorado für seine Nachkommenschaft gefunden hat, machen aus dieser Einsamkeit ein liebliches Bild, über welches nur ein dünner Schleier von Schauerlichkeit gewoben ist.

Von dem Hammerwerk