Karlsfeld.

Frostig und anmuthlos liegen etwa 80 Häuser, in welche ohngefähr 1000 meist mittellose Leute eingepackt sind, wie Schwalben auf einem Blitzableiter, mager und kalt an einem Bächlein hin, welches sein Dasein Moorboden und Torflagern verdankt und die Wilzsch genannt wird. Das Auge findet ringsumher keinen Punkt, auf welchem es mit Wohlgefallen ruhen könnte; dunkles Nadelholz umringt das kärgliche Eigenthum und das undankbare Areal der Einwohnerschaft, welches vor etlichen und dreißig Jahren noch keine Furche Feld hatte, die der Dürftigkeit Kartoffeln für den Hunger liefern konnte. Diese bezog man von Eibenstock und der Nachbarschaft. Für die ersten Ansiedler mußte es daher eine Art Verwegenheit sein, Nahrung hier zu suchen und sich in das Dunkel der Fichten einzuhüllen, welche mit keinem Laubholz wechseln und so der Einförmigkeit einen wohlthuenden Anstrich verliehen.

In der Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts erhielt der in der obergebirgischen Geschichte eben so rühmlich bekannte als reiche Veit Hans Schnorr zu Schneeberg durch Cession von Herrn von Carlowitz auf Alten-Schönfels die Gerechtsame zu Anlegung eines Eisenhüttenwerks und bekam dafür 1679 ein landesherrliches Privilegium. Schnorr soll zu Ehren des frühern Grundbesitzers und Cedenten von Carlowitz seinem neuen Anbau den Namen Karlsfeld gegeben haben. Ein Eisenhüttenwerk bedarf viel fleißige Hände und zu allen Zeiten eine Schaar Wagen für die An- und Abfuhre der Materialien und der fertigen Waare; daher bauten sich sehr bald eine Menge Menschen in hölzernen Hütten an, eben groß genug für den einfachen Hausstand, der noch gegenwärtig allenthalben sichtbar ist. Besonders mehrten sich auch die Nagelschmiede, weil sie sich das Eisen auf der Achsel an ihren Schmiedstock tragen konnten. Die Volksvermehrung bestimmte den Besitzer des Hammerwerks, eine Kirche zu erbauen, die den einzigen Gegenstand der Ueberraschung im Orte ausmacht, weil sie eine wohlgefällige Rotunde bildet, die man in einem solchen verkümmerten Orte nicht vermuthet.

Gedachter Schnorr hatte im Obergebirge viele Besitzungen, besonders von Hammerwerken und andern entopischen Fabriken, und fabelhaft würde seine Theilnahme an dem vaterländischen Bergbau genannt werden müssen, wenn er nicht die Anzahl Gruben und Grubenantheile selbst genannt und aufgezählt hätte, die er gleichzeitig baute. Der Seltenheit halber mag das von ihm gefertigte Verzeichniß diesem Schriftchen als Beilage dienen.

Gegenwärtig ist das Hammerwerk Karlsfeld eingegangen, weshalb die Einwohnerschaft zum größern Theil in eine Verkümmerung der Mittel zur Forthilfe gerathen ist, welche schon lange her zum ernsten Gegenstand der Berathung Seiten der Verwaltungsbehörden erhoben worden sind, ohne daß der Nothstand nur genüglich und beharrlich abgedämmt werden konnte. Denn wenn schon für den Kartoffelbau durch Urbarmachung von Waldboden, welchen das Finanzministerium unter billigen Bedingungen an die Einwohnerschaft seit einigen Jahren überlassen hat, nicht ungünstige Resultate erlangt worden sind, sich auch eine Wanduhrenfabrik durch wohlwollende Unterstützung des Herrn Kammerrath Anger in Leipzig organisirt und unter Aufsicht des Herrn Oberförster Thiersch und des Herrn Kaufmann Friedrich Dörffel in Eibenstock entfaltet hat: so wird der Erfolg des Ackerbaues immerhin nur von günstigen Jahrgängen in dieser rauhen Gegend abhängig bleiben und letztere, wenn sie auch jetzt gegen 40 Personen beschäftigt, in den Versuchen zum größern Aufschwunge in der Concurrenz mit den Schwarzwäldern um so leichter verkümmern, als sie bei aller Sorgfalt ihrer Vorsteher Mangel an hinlänglichen Buchen und Ahorn oder den für ihr Geschäft tauglichen Hölzern leidet und die Zufuhre aus entfernten Gegenden nicht füglich gestattet.

Nicht uninteressant ist das Vorkommen von Haselnüssen und Resten von Laubhölzern in den Torflagern unmittelbar bei Karlsfeld, wo gegenwärtig außer den kümmerlichen Vogelbeerbäumen (Sorbus aucuparia) jene Holzarten kein Gedeihen finden. Es scheint das dortige Klima vor vielen Jahrhunderten jenen Hölzern günstiger gewesen zu sein.

Ohnfern des tristen Karlsfeld, wo es keinem Sperling gefällt, liegt die sogenannte Weitersglashütte, wo aus Mangel an tauglichem Material für die Fabrikation des Krystallglases nur Hohlglas und Flaschen gefertiget werden. Ihre Lage ist der von Karlsfeld gleich; rings umher eine dichte Verschanzung von Schwarzwald, gestattet sie durch Hinzukommen von Waldhutung eine eben nicht sehr lohnende Viehzucht; nur Preißel- und Heidelbeere gedeihen im Ueberfluß und werden in dortiger Gegend häufig für den häuslichen Gebrauch als für den Handel eingesammelt.

Wendet man sich von hier aus gegen Nordost, so kommt man allmälig oberhalb Rehhübel, wo sich ein Eisensteinbergbau befindet, nach einem anderweiten Torfstich, der den prosaischen Namen »Sauschwemme« trägt, und von hier aus bequem auf den