Wiesenburg.
Von Silberstraße aus verläßt man die Mulde und wandert der Chaussee entlang nach dem eigentlichen Obergebirge und seinen Fernsichten. Doch wer eben nicht mit der Zeit geizig zu sein braucht, wird sich auch vielfach belohnt finden, im Muldenthale fort zu schlendern und die alten Burgen und Schlösser zu Wiesenburg, Wildenfels, Stein und Hartenstein zu betrachten, die, wie alte willkürlich aufgerichtete Wachtthürme, wahrscheinlich unter Kaiser Heinrich dem Vogler gegen den Andrang der rebellischen Wenden zu Ende des neunten Jahrhunderts erbaut worden sind und später die Bestimmung erhielten, durch Burggrafen von Reisenden einen Zolltribut oder wohl auch die ganze Baarschaft einfordern zu lassen.
Die alte Wiesenburg mit ihren Zubehörungen erkaufte den 2. Nov. 1663 der Churfürst Johann Georg II. um 65,000 Thlr. von Philipp Ludwigen Erben zu Norwegen. Die Ueberbleibsel von der ehemaligen, vielleicht sehr stattlichen Burg wurden bis vor etlichen Jahren für den Sitz des Justizamtes benutzt, welches in einem finstern Parterrneste sich im Sehen übte, wie die Eulen in der Dämmerung. Ein alter unbehülflicher Thurm und ein niedriges, aber langgestrecktes Mauerwerk konnte mit einem gummiguttifarbigen Staubmantel, mit dem man denselben wunderlicher Weise vor mehreren Jahren bekleidete, nur verlieren. Die Gebäude des fiscalischen oder sogenannten Kammergutes, das ehemalige von Nostitzische Sommerhaus, so wie daß hier der rühmlich bekannte Dichter und Defensor Döhnel seine Lieder singt und Vertheidigungen schreibt – lassen eine angenehme Erinnerung zurück.
Zu der Menge von Burgen und Schlössern, welche sich an den Ufern der Mulde erheben, gehört auch