An Venus.
Große Venus, mächtge Göttin!
Schöne Venus, hör mein Flehn.
Nie hast du mich
Über Krügen vor dem Bachus
Auf der Erden liegen sehn.
Keinen Wein hab ich getrunken
Den mein Mädchen nicht gereicht.
Nie getrunken,
Daß ich nicht voll güt'ger Sorge
Deine Rosen erst gesäugt.
Und dann goß ich auf dies Hertze,
Das schon längst dein Altar ist,
Von dem Becher
Güldne Flammen, und ich glühte,
Und mein Mädchen ward geküßt.
Dir allein empfand dies Hertze
Göttin gieb mir einen Lohn.
Aus dem Lethe
Soll ich trinken wenn ich sterbe,
Ach befreye mich davon.
Laß mir Gütige — dem Minos
Sey's an meinem Todt genug —
Mein Gedächtniß!
Denn es ist ein zweytes Glücke
Eines Glücks Erinnerung.
16. Nur für dich empfand dies Herze (Muse).
Goethes Briefe
an
Chr. G. und J. G. E. Breitkopf.
I.[152]
Gebe dir Gott einen guten
Abend Bruder Gottlob.
Daß du ein rechtschaffner Mensch bist, und brav, und dich herausmachst, das sagen mir alle Leute die von Leipzig kommen, und das freut mich höchlich, daß du dich nicht außer zu deiner Avantage änderst, du warst von ieher ein guter Junge, und hattest Menschenverstand, und Gedanken wie ein Mensch der eine Sache begreifft, und Einfälle nicht wie ieder; besuche uns doch einmal, die Mädgen sind hier sehr auf deiner Seite, ich hab ihnen so allerley von dir erzählt, und es sind einige muntre Köpfgen unter ihnen, die meynen es wäre was mit dir anzufangen; schreibe mir doch einmal, lieber Bruder, in was für Umständen du ietzo bist.
Ich lebe erträglich. Vergnügt und still. Ich habe ein halb Dutzend englische Mädgen die ich offt sehe, und binn in keine verliebt, es sind angenehme Kreaturen, und machen mir das Leben ungemein angenehm. Wer kein Leipzig gesehen hätte, der könnte hier recht wohl seyn; aber das Sachsen, Sachsen! Ey! Ey! das ist starcker Toback. Man mag auch noch so gesund und starck seyn, in dem verfluchten Leipzig, brennt man weg so geschwind wie eine schlechte Pechfackel. Nun, nun, das arme Füchslein, wird nach und nach sich erholen.[153]
Nur eins will ich dir sagen, hüte dich ia für der Lüderlichkeit. Es geht uns Mannsleuten mit unsern Kräfften, wie den Mädgen mit der Ehre, einmal zum Hencker eine Jungferschafft, fort ist sie. Man kann wohl so was wieder quacksalben, aber es wills ihm all nicht thun.
Adieu lieber Bruder. Habe mich lieb, und vergiss mich nicht. Aufs Früjahr geh ich nach Strasburg. Wer weiß wann wir da wieder was von einander hören. Schreibe mir doch die Zeit einmal, und wenn Bruder Bernhard nicht schreiben will, so lass dir sagen, ob er mir was zu melden hat und setze es mit in deinen Brief. Grüsse Stocken und seine Dame, und sag ihm er machte recht artige Sachen.
Goethe.
[152] Gedruckt in den Fragmenten aus einer Goethe-Bibliothek. S. 3.
II.[154]
Sie werden es dem Vertrauen, das ich zu Ihrer Güte habe, zuschreiben, wenn ich mich in einer kleinen litterarischen Angelegenheit an Sie wende.
Im Jahre 1752 ward eine Ausgabe des Reineke Fuchs bey Ihnen gedrukt. In derselbigen sind Kupfer, um die es mir eigentlich gegenwärtig zu thun ist. Da sie sehr ausgedrukt, und an einigen Stellen aufgestochen sind, so läßt sich vermuthen, daß sie schon zu einer oder mehrern ältern Ausgaben gedient haben. Die älteste nun von diesen zu erfahren und, wo möglich, zu besizen, wünschte ich gar sehr, indem ich auf die Werke des Aldert van Everdingen, der sie verfertiget, einen großen Werth lege.[155] An wen könnte ich mich mit beßerer Hoffnung wenden, als an Sie, und bin wenigstens gewiß, daß ich einige sichere Nachricht durch Ihre Güte werde erhalten können. Sie verzeihen aus alter Neigung und Freundschaft der Freyheit, deren ich gebrauche, beehren mich mit einer baldigen Antwort und halten Sich versichert, daß ich Ihnen iederzeit mit vorzüglicher Hochachtung ergeben bleibe. Weimar den 20. Febr. 1782.
Goethe.
[154] Die folgenden Briefe sind an den Vater Joh. Gottlob Immanuel und an die Handlung gerichtet.
[155] „Wo du etwas von Everdingens Radirungen auftreiben kannst, schicke es doch ja. Seit ich diesen Menschen kenne, mag ich weiter nichts ansehen.“ Briefe an Merck II. S. 183 vgl. S. 181 f. 188. I. S. 213. 252. 258. 278. 284. an Frau v. Stein II. S. 60. 76. 118. 141.