Beengung

Die Welt wird zu enge. Die Städte langweilig.

So schmal alle Länder. Die Meere zu klein.

Die Körper, in giftigen Räuschen entheiligt,

Sie welken und stürzen zu Schutthaufen ein.

Da ahnen wir Himmel wohl gischtenden Blutes.

Ekstasen trommeln wach Hölle und Grab.

Wir stöhnen verkommend in kalkfeuchter Bude,

Daß uns der Zusammenbruch rette und lab!

Was sollen wir noch? Die Welt wird zu enge.

Der Polizei gelingen unglaubliche Fänge

Und humpeln verzweifelt wir über den Strich:

Die Mädchen ausgepreßt, fade und trocken.

In Cafés und Cinémas Spießbürger hocken

Und Goethe glänzt, aufrecht und widerlich.

Verflucht sei der Straßen einförmige Strenge,

Die strecken sich grinsend in endlose Länge.

Oh, daß doch ein Brand unsere Haupte bewölb!

Es rascheln gewitternd Horizonte fahlgelb.

Daß auf der Galeere wir duldsam bald schwitzten,

Daß wälzten wir uns auf der Ruderer Bank!

So aber wir faulen an hohen Pultsitzen

Und bröckeln zu Mehlstaub in Wartsälen bang.

Wir horchen auf wilder Trompetdonner Stöße

Und wünschten herbei einen großen Weltkrieg.

In unseren Ohren der Waffen Lärm töset,

Kanonen und Stürme in buntem Gewieg.

Erreget Skandale! Die Welt wird zu enge.

Es johlt vor Palästen die ärmliche Menge.

Es trümmern die Tore. Es klirren die Fenster.

Die Mauern, sie wanken, die schüssedurchsiebten.

Vergessen wir unsere schmerzlich Geliebten!

Wir bleiben am besten zurück als Gespenster.

Wie funkelt das Dunkel! Der Abend voll Gräuel.

Die Wagen und Nachtmenschen waten in Schmutz.

Kinder, aber Kinder in flammender Bläue

Flehen zur ewigen Mutter um Schutz.

Nicht ehren wir Gott mehr. Er hat uns geraubt

Die Kräfte. Verwarf uns zu Fetzen und Scherben.

Er hat uns mit Wolken des Zornes belaubt.

Erpresser mit Krankenhaus, Hunger und Sterben.

Die Nerven gepeitschet! Die Welt wird zu enge.

Laßt schlagen uns durchs Gestrüpp und Gedrängel!

Es wackeln Soldaten mit schiefen Hüten.

Die Welt wird zu enge. Wir zittern und frieren

In Domen und modrigen Schauerrevieren . . .

Und poltern und würgen und drohen und wüten . . .