Der Freund

Er streichet wieder durch die blauen Nächte leis,

Verstöret mich mit langem Flüsterwort.

Er ist beständig auf der Weltenreise.

Er fährt mit heller Lüfte Wolken fort.

Er saß in Trümmertempeln plötzlich ungeheuer,

Wo rote Düsterlampen schwelten ganz allein,

Und Rillensäulen sich aufbäumten, Feuer

Verbreitend, leuchtend ungemein.

Bald hockte er in spitzer Felsen Höhle,

Von schräger Sonne gänzlich ausgebrannt,

Die Kinderhände um die Hälse jammernder Kamele.

Brennender Dorn in Sturm und Wüstensand.

Bis gelben Strom er ward hinabgetrieben,

Der fiel ins Meer der vielen Inseln licht.

Von bösen Wintern unberührt geblieben,

Er wandte sein unwirkliches Gesicht.

Aufschlug ein Wald mit rauhen Blätterzungen

Und grüne Wiese hob sich halb und sang wie Flöte süß,

Von großer Liebe Himmel blau durchdrungen,

Der niederfuhr und Goldposaunen blies.

Auf einem Esel grau durchritt er weite Städte,

Wo schlanke Palmen bauten wieder Tempel kühl.

Die Frauen rauschten. Er ward aller Nacht und Bette,

Dann Sonnenglanz und buntes Marktgewühl.

Nun treibt er wieder mit Gesang und weißen Schafen

Durch wirre Öde, Fels und düsterer Trauer Hain —

(. . . Du mögest einmal bei mir schlafen!

Das enge Bett wär nicht zu klein . . .)

Du bist es, den ich nächtlich oft auf Bänken

In Parkanlagen oder unten tief am Flusse finde,

Du armer Bettler, den ich denke,

Wenn ich den aufgegangenen Schuh mir binde.

Ein wenig gleichst du der Geliebten auch.

Bist Duft von ihr und Hauch von ihrem Hauch.