Deutschland

Ein Gymnasialdirektor stelzt im Grunewalde.

Ein Weib spaziert im Dunkel, grünlich und zernagt.

Ein kleiner Fürst kommt an, ganz Wichs und Bügelfalte.

Der Reichstag ward zum fünften Male heut vertagt.

Es steigen weiße Straßen, jubelnd im Geglänze

Erwachten Frühjahrs. Finster streift Napoleons

Schatten. Starr im Schein der fahlen Flammenkränze

Bewachen Batterien einen Hügelthron.

Schwer wirds, sich als Deutschen zu bekennen,

Nicht nach den Landschaften Frankreichs zu brennen,

Nach Paris nicht, unserem rosenen Kindheitstraum.

Wir leben in einem kalten rechteckigen Raum.

Ein Kritiker hat einen Dichter totgeschwiegen.

Kleists Dämon höhnisch aus verworrenem Schilfrohr grinst.

In wüsten Knäueln kotzend die Betrunkenen liegen,

Derweil ein grüner Mond in schwarze Lachen blinzt.

Auf vollem Platze sich die dumpfen Trommeln rühren.

Es ziehen bunte Haufen johlend zur Bastille.

Die Priester hetzen auf die Schar zu blutigen Schwüren.

Die weiße Dame reicht mit spitzen Fingern Pillen.

Schwer wirds, sich als Deutschen zu bekennen,

Nicht nach den Landschaften Frankreichs zu brennen,

Nach Paris nicht, unserem rosenen Kindheitstraum.

Wir leben in einem kalten rechteckigen Raum.

Mit Richard Wagner heult ein arges Pack besessen.

Die plumpen Autobusse zeigen wenig Eile.

Die Schildwache entschläft. Das Volk hat nichts zu fressen.

Ein blonder Staatsminister starb an Langerweile.

Die Fahne aber flattert stolz der Republik.

Paris beschließt der heiligen Städte ewigen Bund.

Ihr fabelhafter Ruhm erschallt von Mund zu Mund.

Paris springt auf, ein Tier, ertötend mit dem Blick.

Schwer wirds, sich als Deutschen zu bekennen,

Nicht nach den Schönheiten Frankreichs zu brennen,

Nach Paris nicht, unserem rosenen Kindheitstraum.

Wir leben in einem kalten rechteckigen Raum.