I
Auftritt Sängerin im ganz verschlissenen Kleide,
Wangen grabgehöhlt, der Haare Stroh gescheitelt.
Tänzelnd schwebend über rosenem Schwall von Rauch.
Heimatlieder zirpend. Ventilator faucht.
Vorgebeugt. Jetzt rückwärts stürzend zum Klavier.
Strahlenden Blicks, als ob sie Himmel offen säh.
Heulend auf, als ob sie Todes Schatten rühr . . .
Blonder Engel, schenkst dich aus im Cabaret! . . .
Gift und Küsse haben jauchzend dich zerstückt!
Schreite wie ein Pilger hinter dir gebückt,
Reih mich ein demütig in die Brüderschar,
Die um dich einst, tollverzückt, entglommen war.
Deine Vogelaugen kränzet Lilaflor.
Ach, wir fallen nieder unter jedem Tor,
Auf den nassen Bänken. Steil wächst goldenes Licht.
Fliederschleier wallen um dein Schmerzgesicht.
In den großen Kirchen sind wir gern zuhaus.
Selig uns durchströmet flammender Orgel Braus.
Blasse Jungfrau, hast du die Verkommenen lieb?
Überstreich mit Salbe kranken Leibes Sieb! . . .
Fremde Stadt mit der Paläste gradem Bau!
Krümme mich zerpeitscht von spitzen Regen grau.
Daß vielleicht ich Näh und Linderung fühl,
Eilt ich spät ans Ufer düsteren Flusses kühl.
Von Pistolen, unter Messern hingestreckt
Springende Wunden deiner Hände Schale deckt,
Schleppe mich, auf dich gestützt, in dein Gemach,
Wo ich etwas noch, verblutend, bleibe wach . . .
Krankenhaus und Haft und Hungers Pein,
Kavaliere, Schlägerei, gebrochener Wein . . .
Flattere ängstlich durch die Nächte, schäbiger Fetzen,
Den der Winterstürme kläffende Meute hetzet.
Der Kasernen Mauern wanke alt entlang!
Kauere Bettelweib in Wirtschaft schmalem Gang!
Würg aus trockener Kehle dein „A la Villette“!
Dreh dich schlaflos in Hotels verdrecktem Bette!
Schluchz bei sanften Schwestern, wächsernes Mädchenkind!
Spucke Lungenblut! Langer Eiter rinn!
Löse die Verbände fiebernd! Mach dich frei!
Bäum empor dich! Reiß dich los mit brennendem Schrei! . . .