XVII
Trink! Es ist ja nur Wein! Trink ihn zur Neige.
Mehr als Wein: es ist mein einsamstes Leid
Nicht in mir, nicht in dir zur Erlösung
Meiner irdischen Qualen gelangt.
Trink! Es ist ja nur Wein, trink ihn, mein Leben!
Trink ihn, Geliebte, es ist ja nur Wein!
Doch tiefer denn alles. In ihm funkelt die Sonne,
Spiegel der Sterne, des Monds, Abglanz des Alls,
Traumschein des Ewigen, Lippen Gottes . . .
Trink, es ist ja nur Wein, oh, wär es mein Blut,
Wäre es mein Herz, o wären es jubelnde Ströme!
Schlösse den Mund auf ewig ein einziger Kuß,
Der von den blühenden Lippen Gottes käme! —
Ewige Liebe du, Licht der Lebendigen!
Schattenumrissen droht der glühende Schlund,
Letzten Verhängnisses voll, im Antlitz des Todes.
Nur im Bann des strahlenden Leibes,
Nur in der Kraft des Sehnsuchtgedankens
Kehrt das Heimweh über die Stätte der Erde
Zu den Gefilden der Heimat, selig und klar . . .
Sieh: eine Seele verblutet, eine Seele entfacht
Blutige Leuchten in den Stürmen der Nacht!
Gellende Jubel, so schreien geängstigt die Glocken,
Wo nur Verderben die menschliche Hoffnung birgt.
Heilige Himmelfahrt du! Im Brausen des Feuers
Tiefste Ergriffenheit und wie ein Segen von Gott
Kindliche Trauer im flackernden Taumel des Herzens.
Heilige Himmelfahrt du, die Toten erwachen,
Ihre Macht, die lebendiger ist als menschlichen Sinnen
Je nur verständlich. Die gnadlos walten!
Heilige Himmelfahrt du! Einer der Reinsten, die je
Auf dem Wege zu Gott die Hände erhoben:
Sende die Engel des Friedens gütig herab,
Daß die Marter der Zeit und unsere Leiden
Golden verklärt an deinem Herzen entruhn!
Sieh, wie diese glühenden Flammenschwerter
Schlägt unsere Inbrunst zu dir, Gott,
Ewige Liebe du, Licht der Lebendigen!
Sende die Engel des Friedens gütig herab! —
Wenn unser Leib zu Asche — sende die Engel herab!
Vater! Sende die Engel herab!