Alttestamentliche Vorbilder der Taufe.
Bevor die Taufe in der Christenheit als neutestamentliche Verordnung zur Anwendung kam, wurde dieselbe schon im A. Testament
durch mancherlei Waschungen vorgebildet.
So z. B. mußte sich der Aussätzige in reinem Wasser baden. „Der Gereinigte aber soll“, so lautete des Herrn Befehl, „seine Kleider waschen.... und sich mit Wasser baden, so ist er rein.“[6] Auch bei sonstigen Verunreinigungen, wie sie uns in 3. Mose 15; 17, 15. 16; 22, 6 und 4. Mose 19, 19 beschrieben werden, war Waschung und Baden vorgeschrieben. Am besten wird uns aber die Taufe durch die Priesterweihe vorgebildet und veranschaulicht. Gott gebot Mose: „Und sollst Aaron und seine Söhne vor die Tür der Hütte des Stifts führen und mit Wasser waschen.“[7] So wie wir als Priester des N. Bundes (1. Petri 2, 5. 9) durch die Taufe in die Gemeinde des Herrn aufgenommen werden (1. Kor. 12, 13; Gal. 3, 28), so mußte der Einzuweihende, ehe er in das Heiligtum zugelassen werden durfte, vor der Tür der Stiftshütte erscheinen, wo dann die Waschung an ihm vollzogen wurde. Nach der Waschung wurden die Priester mit Öl gesalbt. Auch diese Handlung war eine vorbildliche, und sie bezeichnet so recht die Erteilung des hl. Geistes nach der Taufe im N. Testament.[8] Und wie im N. Bunde nur gläubige und getaufte Glieder am Abendmahl teilnehmen dürfen, so konnte der Priester des A. Bundes erst dann sich dem Tische der Schaubrote nahen und davon genießen, wenn er der Verordnung der Waschung nachgekommen war. Der Gewaschene oder dem Herrn Geweihte sollte von nun ab ein anderer, ein höherer Mensch sein. Er mußte neue Kleider anlegen (2. Mose 40, 13; 3. Mose 8, 7) zum Zeichen, daß er auch seiner Denkart nach ein neuer Mensch geworden sei. Um den neutestamentlichen Ausdruck zu gebrauchen, mußte er von nun an „in einem neuen Leben wandeln“.[9] Er mußte sich mit all seinen Gaben dem Dienste des Herrn weihen. Das Weltliche und Irdische, der Reiz und Tand dieser Welt durfte in seinem Herzen keinen Raum finden, er sollte vielmehr für diese Dinge tot und empfindungslos sein. Sein Dichten und Trachten mußte höher und idealer, nämlich auf das gerichtet sein, „was droben ist, da Christus ist, nicht nach dem, das auf Erden ist“.[10]
Diese verschiedenen Waschungen nennt Paulus in Ebr. 9, 10 „mancherlei Taufen, die bis auf die Zeit einer besseren Verfassung“ bestanden,[11] d. h. bis Christus kommen und an Stelle der Schatten und Vorbilder das Wesen, das Wahrhaftige, setzen würde. Durch das Ritualgesetz konnte nur eine fleischliche, äußerliche und sinnbildliche Reinigung und Heiligkeit bewirkt werden. Das Sinnbildliche war notwendig, um den Menschen an daß Wahrhaftige zu erinnern, an sich konnte es das nicht wirklich mitteilen, denn es war ja nur ein Schatten, ein schwacher Schimmer und Abglanz der vollkommenen Offenbarung des Wesens und der wirklichen Dinge.[12] Daher heißt es in Ebr. 10, 9: „Da sprach er [Jesus]: „Siehe, ich komme, zu tun, Gott, deinen Willen.“ Da hebet er das erste [den Schatten, die Vorbilder] auf, daß er das andre [das Wesen und das Wahrhaftige] einsetze.“
Vorbild und Wesen.