I.

O Ponte molle, du treffliche Bruck,
bei der ich geschlürft schon manch tapfern Schluck
aus strohumflochtener Flaschen,
o Ponte molle, was ist mit dir?
Als einsamer Trinker sitz' ich allhier,
kaum mag ich des Weines naschen.

O Ponte molle, 's war seltsam heut,
die süße verklungene Jugendzeit
und die alte Liebe kam wieder,
es zieht ein heißer Scirocco durchs Land,
im Herzen lodert der alte Brand,
es regt sich wie Sänge und Lieder.

O Tibrisstrom, o Sankt Peters Dom!
O du ganzes gewaltig allmächtiges Rom!
– Mögt allsamt gestohlen mir werden.
Wohin auch die unstäte Fahrt mich trieb,
die stille, holdselige Schwarzwaldlieb
bleibt doch das Schönste auf Erden.

O Ponte molle, – wie war sie schön!
Und müßt' ich viel tausend Fräulein noch sehn,
ich priese doch stets nur die Eine.
Und käme sie jetzo des Wegs vorbei,
dir selbst, du solides Quadergebäu,
durchzuckte es Mark und Gebeine.

Doch vergeblich die Sehnsucht, vergeblich das Leid,
die Sonn' ist zu glühend, der Weg zu weit
und das Fliegen noch nicht erfunden.
Padrone, noch eine Flasche herein!
Der perlenreiche Orvietowein
mag auch dem Traurigen munden.

O Ponte molle, du treffliche Bruck,
ich glaube, du lohnest mit bösem Spuk,
daß ich mich in Träume verloren!
Es wirbelt ein Staub an der Heerstraß' auf;
jetzt sperrt mir ein Ochsen- und Büffelhauf'
den Heimweg zu Romas Toren!