Vierter Auftritt.

Diener des Kaisers. Vorige.

Diener.

Weh, Wehe! mußt ich diesen Tag erleben!

Officier.

So bleiche Stirn, Was trug sich Schlimmes zu?

Höfling.

O nennt es, daß ichs weiter mag verkünden!

Diener.

Die Priesterschaar, von Hadrian befragt,

Wie die Geschicke noch sein Leben wenden?

Ach offenbart: es muß der Kaiser sterben,

In naher Frist

Wenn nicht ein Wesen ist

Ihm theuer, das ihn liebt,

und frei sich hin zum Todesopfer giebt.

Officier.

Wie? — In die offne Schlacht den Muth zu wagen,

Das thut der Krieger gern, der Kriegsgott lenkt,

Davon kann er das süße Leben tragen,

Und büßt ers ein, starb er in dem Beruf,

Der Lorbeer sinkt auf seinen Rasen nieder.

Doch grade hin in sichern Tod zu gehn,

Das wollen nicht des Lebens milde Götter.

Höfling.

Ihm soll er theuer sein, der für ihn stirbt,

O warum muß ich seine Kälte tragen?

So darf ich nicht, wozu das Herz mich ruft.

Officier.

Nicht wahr, jetzt wäre selbst dir Haß willkommen?

Diener.

Auch mich, mich Armen liebt der Kaiser nicht.

Höfling.

Wahrsagern glauben, welche eitle Schwäche!

Officier.

Der gute Kaiser ist nicht frei davon,

So würd es immer Ruhe ihm erziehn,

Wenn jener Priester Spruch gesühnet wäre,

Und immer Anlaß für die große That.

Gleich Curtius würd er in der Nachwelt leben,

Gleich Cokles, Scävola und Regulus,

Der hin es würfe, das geliebte Leben.

Höfling.

Und wähnest du, daß jene Männer waren?

Nur Fabel sind sie, die den Bürgersinn

Des Römers übermächtig reitzen sollten.

Ach armer Hadrian, du findst ihn nicht,

Der hier des Busens Zagen heilen könnte.

Officier.

Wohl glaub ichs euch, todt ist die alte Zeit.

Diener.

Gern giebt man viel, will nicht der Freund das Leben,

und braucht der Kaiser seiner Stärke Macht,

So ist es nimmer der Geschicke Sühne

Zur Seite, Freunde, unser Imperator.