XXI.

»Wann wollen sie denn Hochzeit machen?« fragte Syfritz.

»Sobald die Fehde ausgefochten ist,« erwiederte Loder.

»Und Du meinst immer noch, daß sie sich in die Haare fallen werden?«

»Wie ich den Rathsamhausen kenne, glaub ich fürwahr, daß der Hoppeltanz ehestens losgeht.«

Diese Fragen und Antworten wurden zwischen Loder und Syfritz gewechselt, als die Beiden mit einem Schreiben Schmasmans nach Schloß Rathsamhausen wanderten. Loder hatte sich seinen Freund Syfritz auf diesen Botengang zur Gesellschaft mitgenommen und ihm unterwegs ausführlich von dem Festmahl zu Ehren des neuverlobten Paares auf der Hohkönigsburg erzählt.

»Du bist in Alles gut eingeweiht, Hans,« sprach Syfritz, »nun sage mir doch: wenn Graf Schmasman mit dem Thiersteiner Frieden und Freundschaft schließt, könnte das Herr Burkhard doch auch thun; warum thut er es denn nicht?«

»Das will ich Dir sagen, Fritz,« entgegnete Loder. »Die Sache ist, daß Burkhard sich nicht bloß kampflich an dem Thiersteiner rächen, sondern ihn ganz von der Hohkönigsburg vertreiben will, um sich selber für alle Zeit darin festzusetzen.«

»Oho!«

»Ja, so ist es. Aber daß unser Graf dem künftigen Schwieger seines Sohnes das nicht anthun lassen will, na –«

»Das liegt am Tag wie der Bauer an der Sonne,« fiel Syfritz ein, »und das wird auch wohl in dem Briefe stehen, den Du bei Dir trägst.«

»Wahrscheinlich,« erwiederte Loder, »ich fürchte nur, daß Graf Schmasman mit seinen Vorhaltungen in einen kalten Ofen bläst. Viel Gefallens wird Burkhard nicht daran haben, und daß er daraufhin von seinem trutzlichen Fürnehmen stillschweigend abstehen und das Maul hängen lassen wird wie der Gaul an der Schmiede, das glaub ich für mein Theil so wenig, wie daß man fliegen kann, wenn man keine Federn hat.«

»Was soll er denn machen in seiner ohnmächtigen Wuth darüber, daß er mit seinen boshaften Schlichen durchschaut ist? Was krumm ist, kann er nicht gerade machen. Aber wenn er sieht, daß es ihm mit seinen heimlichen Anschlägen so überzwerchs geht, wirst Du mit Deiner Botschaft übel bei ihm zu Platz kommen, Hans,« meinte Syfritz.

»Soviel das belanget, besorg ich mir selber mehr Wagniß als Gewinn,« sagte Loder. »Er wird mir nicht groß Ehr anthun, obzwar ich meines Schirmherrn Abgesandter bin, dem er das Schienbein nicht reiben darf.«

»Willst ihm aber auch seinen viellieben Ofenheizer, den Seppele, wieder wegnehmen und einstecken.«

»Das hab ich gesagt und will es auch thun, aber das ist noch nicht einmal die Halbscheid von meinem Vorhaben, weßwegen ich mich zu dem Gange nach Ottrott erboten habe. Die Hauptsach ist mir ganz etwas Anderes.«

»Du sagst das so grimmig, Hans! was ist denn nachher die Hauptsach?« fragte Syfritz neugierig.

»Der verfluchten Hexe, der Zigeunerin den Hals umdrehen!«

»Was? der Haschop, der hübschen Tänzerin?«

»Ja! sie soll mit den vier Winden zu Tanz gehen am eichenen Kirschbaum, die Giftmischerin!« rief Loder wild in seinem Zornerguß. »Ich habe Grund zu vermuthen, daß sie sich in Ottrott aufhält oder dort in der Gegend herumtreibt. Wir müssen auf sie fahnden, und wenn wir sie erwischen, muß sie sterben, und wenn ich sie mit diesen meinen Händen erwürgen soll!«

»Giftmischerin? wen hat sie denn vergiftet?«

»Frage mich nicht, ich darf es nicht verrathen,« erwiederte Loder. »Sie hat auch gewahrsagt,« fügte er nach einer Weile hinzu, »wenn Graf Egenolf und Gräfin Leontine sich mit einander verbänden, so würde groß Unglück und Blutvergießen daraus kommen. Und es kommt schon, es kommt schon, Fritz! Du sollst sehen, zwischen unserem Herrn und Burkhard giebt es dieses Verlöbnisses wegen heiße, blutige Fehde.«

Unter solcherlei Gesprächen waren sie allmählich in Ottrott angelangt und hielten hier in der Herberge zum lustigen Rebmann eine kurze Rast, um sich durch einen Trunk zu stärken.

»Willst Du hierbleiben und auf mich warten, bis ich oben im Schloß meine Sach erledigt habe?« fragte Loder.

»Nein, Hans, ehrbare Biederleut verlassen sich nicht,« erwiederte Syfritz. »Ich gehe mit Dir, würde mich hier um Dich sorgen und Dich in großen Gefährden sehen. Dem Rathsamhausen trau ich Alles zu, garnichts ausgenommen und hintangesetzt.«

Loder schüttelte den Kopf: »Es wäre ja wider allen deutschen Brauch, wenn er mir etwas anthäte.«

»Ich bleibe, wo Du bleibst,« erklärte Syfritz nochmals.

»So komm denn!«

Auf Schloß Rathsamhausen fanden sie ein lebhaftes Treiben von reisigem Volk und eine große Menge von Gewaffen und allerhand Rüstzeug aufgestapelt. Sie ließen sich beim Burgherrn anmelden, der den Befehl gab, ihm Loder sofort vorzuführen, seinen Gesellen aber bis auf Weiteres nicht aus dem Thor heraus zu lassen.

Burkhard empfing Loder sehr unwirsch, riß ihm das dargebotene Schreiben aus der Hand und erbrach es mit einer ungeduldigen Hast.

Erstaunen und heftiger Unwille drückte sich beim Lesen des sehr langen Briefes auf seinen Zügen aus; er stampfte mehrmals mit dem Fuß auf den Boden und stieß mißmuthig unverständliche Worte aus. Dann warf er den Brief verächtlich auf den Tisch und höhnte: »Schöne, herrliche Klugreden, – Narrenspossen, über die ich lachen muß!«

»Ich hab Euch beim Lesen nicht lachen sehen, Herr von Rathsamhausen,« sprach Loder unverfroren.

Burkhard maß ihn von unten bis oben mit einem finstern Blick und sagte mit scharfem Ton: »Du antwortest nicht unbehend, weißt auch wohl, was in dem Geschreibsel drinsteht, das halb bettelt, halb trutzt.«

»Wissen thu' ich's nicht, aber denken kann ich's mir.«

»Hat Dein Herr mehr solche Briefe versandt? auch an Andere?«

»Meines Wissens nicht, und ich glaub's nicht.«

Da flog ein Ausdruck der Befriedigung über Burkhards Gesicht. »Ich soll mit dem Thiersteiner Frieden machen,« sprach er, »ist das etwan nicht lächerlich?«

»Meines Dafürhaltens nicht.«

»Aber meines Dafürhaltens ist es schimpflich und schmachvoll, wenn ein Rittersmann dem andern sein verpfändet Wort bricht.«

»Da habt Ihr Recht, Herr! Man muß den Stier bei den Hörnern, die Frau beim Rock und den Mann beim Wort fassen,« erwiederte Loder. »Wer aber selber nicht Treu und Glauben hält, darf sich nicht wundern, wenn sich der Betrogene von ihm abkehrt.«

»Wer ist betrogen, und wer hat betrogen?« fuhr Burkhard auf.

»Ich habe einmal eine Mär von einem Rittersmann gehört, der sich mit einem andern unter einer gewissen Bedingung zu einer Fehde verabredet hatte, diese Bedingung aber nicht einhielt, sondern seinen Bundesgenossen nur zu seinen eigenen ehr- und habsüchtigen Zwecken hinterrücks ausnutzen wollte.«

»Was Du sagst! ein ganz verzwickter Fall! Schade, daß Du den Rittersmann nicht vor Dein Pfeifergericht ziehen und einsperren kannst wie den armen Seppele seines lustigen Schelmenliedes wegen.«

»Ja, sehr Schade! ich thät' es gar zu gern,« lachte Loder.

»Unverschämter!« rief Burkhard zornroth, »es ist mir noch in frischem Gedächtniß, wie Du Dich in Deinem Lumpenkönigthum trotzig gegen mich aufgespielt und mein Angebot einer erklecklichen Buße für Seppele schnöde zurückgewiesen hast.«

»Mit Fug und Recht, Herr! und den Seppele hole ich mir doch und sperre ihn so lange wieder ein, bis er seine Zeit abgesessen hat, mit oder ohne Eure gnädige Erlaubung.«

»Blähst Dich ja schon wieder ganz hochmüthig auf und bist doch hier in meiner Gewalt.«

»Eine Gans bückt sich, wenn sie durchs Scheunenthor geht. Im Übrigen stehe ich hier als Abgesandter des Grafen Maximin von Rappoltstein,« sprach Loder nachdrücklich im Bewußtsein seiner Würde.

»Hoher Sendling,« spottete Burkhard, »könntest Dir ein gutes Botenbrod verdienen, wenn Du mir sagtest, wer meine Eule hat, die sie mir in Rappoltsweiler gestohlen haben. Ich will sie wiederhaben, und der sie mir vom Kopfe geschlagen, an dem will ich mich rächen, o – blutig rächen, keine Ruhe hab ich, bis ich an dem Menschen meine Rache gekühlt habe,« schrie er voll Gift und Galle. »Gesteh es! wer hat die Eule?«

»Ich weiß es nicht, einer von meinen Herren gewiß nicht.«

»Hast Du sie nicht auf der Hohkönigsburg gesehen? bist doch wohl oben gewesen und hast für Deinen Junker den Freiwerber bei der rothmähnigen Grafentochter gemacht. Oder hat sich Gräfin Imagina damit ein Paar rothe Kuppelschuhe verdient?«

»Dazu bedurfte Graf Egenolf keines Vermittlers; er hat selber um die schöne, junge Gräfin geworben,« entgegnete Loder. »Bei dem Brautschmaus auf der Hohkönigsburg war ich zu Gaste, aber wenn ein Rappoltstein einen Fürsprecher nöthig hätte, würde er sich dazu einen Mann von Stand und Rang aussuchen.«

»Ihr Rappoltsteiner, Herr wie Knecht, bildet euch wohl ein, die Eier, die eure Hennen legen, hätten zwei Dotter?«

»Das nicht, aber zwei Zungen haben die Rappoltsteiner auch nicht im Munde.«

Wieder traf den Kühnen ein drohender Blick, doch Burkhard bezwang sich noch, und mit gespannt lauerndem Ausdruck sprach er: »Jetzt sage mir einmal, wenn Du es weißt, welche Klatschzunge es gewesen ist, die Deinem Herren meine Absicht auf die Hohkönigsburg verrathen hat.«

»Die selbe Zunge, Herr, die hier zu Euch spricht.«

»Du? – Du hast das gethan?« rief Burkhard mit weit aufgerissenen Augen und, die Hand auf dem Tische, sich wie zum Sprunge vorbeugend.

»Niemand anders. Erinnert Ihr Euch, daß ich Euch bei Eurem Abreiten vom Pfeifergericht in Rappoltsweiler den Bügel hielt? Ihr sahet mich nicht, weil ich auf der anderen Seite Eures Pferdes stand, aber ich hörte das Gespräch, das Ihr vor dem Aufsitzen mit Herrn Jost von Müllenheim über meinen Lehnsherrn und die Hohkönigsburg führtet.«

»Und das Gespräch hast Du Deinem Herrn hinterbracht?«

»Wort für Wort.«

»O Du Schelm! o Du Hund von einem Schelm, das will ich Dir ankreiden!« knirschte Burkhard und schüttelte die geballte Faust vor Loders Gesicht. »Also Du bist der Schmied gewesen, der den Pfeil gegen mich geschmiedet hat. Ich weiß, Du bist Deinem Herrn soviel und vielleicht noch mehr werth als mir der Seppele, für dessen ungebührliche Verfestung ich Dir den Habedank auch noch schuldig bin. Jetzt sperre ich Dich ein für Deinen Verrath, und bei der ersten feindlichen Bewegung Deines Schutzherrn gegen mich sollst Du des Henkers Tauben füttern.« Dabei beschrieb er mit dem Zeigefinger einen Kreis um den Hals und wies nach oben in die Luft. »Weil Du aber ein König bist,« fuhr er höhnisch fort, »sollst Du ritterlich Gefängniß haben. Deinen Spießgesellen, den Du mitgebracht hast, schicke ich morgen heim, damit er eurem wortbrüchigen Herrn meldet, wie gut und sicher Du hier aufgehoben bist und was Dir bevorsteht, wenn er nur eine Hand gegen mich rührt.« Dann schrie er zur Thür hinaus, der Vogt sollte kommen.

»Ob Ihr mir ritterlich und königlich Gefängniß gebt, Euer Handeln ist unritterlich und ehrvergessen,« warf ihm Loder mit stolzer, unerschrockener Haltung ins Gesicht.

»Reize mich nicht zum Äußersten, Mensch!« schnob ihn Burkhard wüthend an. »Kein Wort mehr! oder ich lasse Dir den Kopf abschlagen und schicke ihn Deinem Herren als einzige Antwort auf seinen Freundschaftsbrief.«

Dem Alten lief es kalt über den Rücken; der Tobende war in seinem rachsüchtigen Jähzorn zu Allem fähig, seine Augen rollten und funkelten unheimlich.

Der Schließer trat ein, und sein Gebieter befahl ihm: »Losiere den Pfeiferkönig oben in dem Jeratheusgemach ein, und seinen Gesellen sperrt ihr in den Thurm, aber hungern soll er nicht.«

»Komm mit!« sprach der Schließer und legte seinem Gefangenen die Hand auf die Schulter.

An der Thür wandte sich Loder noch einmal zu Burkhard um und fragte: »Schickt Ihr morgen den Syfritz nach Rappoltsweiler zurück?«

»So hab ich gesagt,« erwiederte Burkhard, »und so wird es geschehen.«

Als er allein war, verbrannte er Schmasmans Brief. »Kein Mensch darf erfahren, was darin gestanden hat,« sprach er zu sich selber.

Der Schließer führte Loder in dem gewaltigen, vierstöckigen Burgbau noch zwei Treppen höher in ein Gemach, das einen großen, von schönen romanischen Säulen getragenen Kamin hatte. Sie nannten es im Schloß das Jeratheusgemach, weil vor langen Jahren ein Ritter von einem anderen Zweige des Geschlechts, ein Herr Jeratheus von Rathsamhausen zum Stein, als Gefangener dort gesessen hatte und in dem Zimmer an seinen im Kampf erhaltenen Wunden gestorben war.

Es war allerdings ein ritterliches Gefängniß, in dem sich Loder hier befand, und noch nie und nirgend hatte er einen so behaglichen Wohnraum zur Verfügung gehabt, wie diesen, den man ihm zwangsweise angewiesen hatte. Aber der Freiheit beraubt, zur Einsamkeit verdammt litt er unsäglich, und seine alte, sonst so lustige Spielmannsseele war wie geknickt und gebrochen. Das graue Haupt schwer auf die Hand gestützt saß er am Tische und sann über seine Lage, in die er ohne Schuld verstrickt war, nach. Wenn jedoch Burkhard Wort hielt und Syfritz am nächsten Tage freiließ, so würde dieser auf der St. Ulrichsburg das Schicksal seines Genossen melden, und dann wußte Loder ganz genau, daß Schmasman seinen alten Trumpeterhans nicht im Stich lassen, sondern Alles zu seiner Befreiung aufbieten würde, auch Waffengewalt, um die Mauern seines Kerkers zu stürmen und zu brechen. Aber gerade darin lag die größte Gefahr für ihn, denn er mußte darauf gefaßt sein, daß Burkhard dann mit seiner Drohung Ernst machte und ihn aufknüpfen ließ. Und that er dies auch nicht gleich beim ersten Angriff, so würde er doch seinen Gefangenen die Erstürmung und Übergabe der sehr widerstandsfähigen Burg gewiß nicht überleben lassen.

Burkhard hielt Wort. Am andern Morgen kam der Schließer zu Syfritz und zeigte ihm seine Freilassung an mit dem Auftrage, dem Grafen von Rappoltstein zu verkünden, was Burkhard für den Fall einer feindseligen Haltung Schmasmans über Loder beschlossen hatte. In der Hand hatte er einen in einen Lappen gewickelten Gegenstand, den er jetzt vor Syfritz' schreckstarrenden Augen enthüllte. Es war ein menschliches Ohr. »Damit Dein Herr gleich sieht,« lachte der Vogt, »daß wir hier nicht spaßen und fackeln, schickt ihm Herr Burkhard dieses Ohr, das wir dem Pfeiferkönig gestern Abend noch abgeschnitten haben. Da, nimm es hin und bring es Deinem Herrn als Wahrzeichen.« Mit Schaudern steckte Syfritz das wieder eingehüllte Ohr ein. »Nun trolle Dich und mach, daß Du heimkommst!« fügte der Schließer hinzu.

»Schinder und Schinderknechte! Gott verdamm' euch!« sagte Syfritz, wofür er zum Abschied einen Schlag ins Genick bekam.

Mit welcher fürchterlichen Botschaft ging nun Syfritz dahin! Er eilte nach Leibeskräften, aber in den Städten und Dörfern, durch die sein Weg ihn führte oder die er auf kleinen Umwegen erreichen konnte, hielt er an, erzählte das schreckliche Begebniß, zeigte das abgeschnittene Ohr des allbekannten und allbeliebten Pfeiferkönigs und rief überall Abscheu und Entrüstung über die nichtswürdige That hervor. Wo er Spielleute antraf oder ausfindig machen konnte, da stachelte und hetzte er sie auf und verpflichtete sie, die Kunde von Ort zu Ort weiterzutragen und in der ganzen Pfeiferbruderschaft zu verbreiten. Das versprachen sie gern und thaten es ungesäumt. Sie liefen umher, Einer sagte es dem Andern und dieser wieder einem Dritten, der dann noch ferner Wohnenden die grausige Mär überbrachte: Hans Loder liegt mit Ketten gebunden im Thurm von Rathsamhausen und ist mit dem Tode bedroht, die Ohren haben sie ihm schon abgeschnitten. Einige schlossen sich Syfritz sofort an, und immer mehr gesellten sich auf dem Wege zu ihm, so daß er Abends mit einem Trupp von fahrenden Leuten in Rappoltsweiler ankam, die das fast Unglaubliche in allen Gassen ausschrieen. Bald war es in der ganzen Stadt bekannt, und Jammern und Wehklagen, Wuthausbrüche und Verwünschungen wurden laut.

Syfritz begab sich an dem Abend noch zur St. Ulrichsburg hinauf, wo seine Meldung bei Herrschaft und Gesinde das größte Entsetzen erregte. Graf Schmasman, der sich so gut zu beherrschen verstand, gerieth vor tiefinnerster Empörung über Burkhards ruchlose Behandlung seines Abgesandten ganz außer sich und machte sich bittere Vorwürfe, Hans Loder die erbetene Erlaubniß zur Bestellung des Briefes ertheilt zu haben. Mit zornbebender Stimme erklärte er den Seinigen: »Jetzt einen Strich durch die alte Freundschaft! die ist für mich todt und abgethan. Kein Zaudern, kein Schwanken und keine Schonung mehr! Das Schwert soll entscheiden, und wehe dem verblendeten, gewaltthätigen Pocher, wenn er dem Hans noch das geringste Leid zufügt! Morgen sollen die Boten fliegen, und der Fehderuf soll Herren und Mannen in den Harnisch treiben, die eine Faust zum Dreinschlagen für die drei rothen Schildlein im weißen Felde haben.«