c) Das Rad an der Welle.

Der Name klingt gelehrter, als die Maschine in Wirklichkeit aussieht. Tatsächlich kennt sie jeder, der einmal eine Wäscherolle gedreht oder einen Eimer Wasser aus einem Windebrunnen emporgehoben hat. Auch das soeben behandelte chinesische Hebezeug zeigt das Wesen des Wellrades, wie es ebenfalls genannt wird, in bester Weise.

Das Wellrad besteht danach aus einem um seine Achse drehbaren Zylinder oder einer Welle, auf der ein Rad von größerem Durchmesser befestigt ist. In der chinesischen Maschine stellt die stärkere Welle das größere Rad dar; sie zeigt zugleich die entgegengesetzte Wirkung der um beide Wellen geschlungenen Seile.

Bei den Naturvölkern sucht man das Wellrad in dieser Form vergebens; außer beim Bohrer, dem Kreisel, der Spindel, der bei ihnen noch immer umstrittenen Schraube und dem später ebenfalls noch zu behandelnden Drall sind sie überhaupt nicht zur Rotation wellenförmiger Körper gelangt. Eine Ausnahme bildet lediglich die Baumwollentkernungsmaschine, wie sie bei den Batta auf Sumatra, in Hinter- und Vorderindien und einzelnen Teilen Hochasiens gebräuchlich ist. [Abbildung 26] gibt eine solche Maschine wieder.

Abb. 26. Südasiatische Baumwoll-Entkernungsmaschine.

Wie wir sehen, ist von einem größeren Rad oder auch nur einer stärkeren Welle bei ihr keine Rede, man muß das Wellrad vielmehr in einem anderen Bestandteil suchen. Das ist nun die Kurbel, mit der die untere Welle gedreht wird, worauf sie durch das Schraubensystem am anderen Ende auch die obere Welle in Umdrehung versetzt. Indem man die Baumwollflocken zwischen beiden Wellen hindurchtreibt, quetscht man die Samenkörner heraus.

Diese Kurbel läßt sich als zweierlei auffassen: als Hebel und als der ideelle Teil einer Rolle, die man sich ja auch ohne Schwierigkeit als voll denken kann. In diesem Augenblick hätten wir dann das wirkliche Wellrad vor uns. Die Bewegungsübertragung von einer Walze auf die andere durch horizontale Schraubenräder ist deswegen merkwürdig, weil solche Schraubenräder, wie Horwitz meint, in der europäischen Technik erst sehr spät, wahrscheinlich erst seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, verwendet worden sind, während sie in Indien vermutlich auf ein hohes Alter zurückblicken. In ihnen hätten wir damit also endlich einmal eine Erfindung höheren Grades, die nicht von unserer sonst alles überragenden Rasse vorweggenommen worden ist. Im übrigen hat bei dieser Maschine auch der Keil sehr reichlich Verwendung gefunden: zunächst bei der Befestigung der Kurbel an der unteren Welle selbst; sodann bei dem unter dem Walzenpaar befindlichen Brett, welches mit ihrer Hilfe in die Höhe getrieben werden kann. Die Wirkung überträgt sich dann durch zwei im Innern der Pfosten laufende Gleitstücke auf die untere Walze, die damit fester gegen die obere gepreßt wird.


[8. Schiefe Ebene, Keil und Schraube.]

Auch von dieser zweiten Gruppe der einfachen Maschinen sind uns bereits vereinzelte Anwendungsarten begegnet. Die schiefe Ebene tritt in doppelter Weise als Maschine auf: als Rampe und als Keil. Der Unterschied besteht darin, daß bei der Rampe die schiefe Ebene stehen bleibt, während das Gleitstück, indem es gehoben wird, die Ebene entlang gleitet; beim Keil hingegen wird die schiefe Ebene selbst verschoben, so daß das Gleitstück gehoben wird.

Die Rampe spielt in unserem unendlich vielgestaltigen Verkehrsleben eine bedeutsame Rolle. Keine Überführung einer Landstraße oder einer Eisenbahn über die andere, kein Güterbahnhof ohne ihre mehr oder minder gleichmäßig geneigte Fläche; ja selbst Wasserfahrzeuge befördert man, wie das bekannte Beispiel des Oberländischen Kanals in Westpreußen beweist, auf diese bequeme Weise von einer Höhenlage auf die andere. Ohne die Rampe wären der moderne Massen- und Schnelltransport überhaupt nicht zu denken. Man kann sie daher als ein Kind der Gegenwart bezeichnen.

Das hindert indessen nicht, daß sie auch schon in alter Zeit und sogar auch bei den Völkern niedrigerer Kulturstufe ihre Würdigung gefunden hat. Wer sich den Transport jener Steinkolosse vorstellt, wie sie zu den gigantischen Bauten der alten Ägypter, den Pyramiden und Tempelanlagen, sowie zu den Denkmälern der Babylonier und Assyrer verwendet worden sind, kommt ohne die theoretische Zuhilfenahme von Anrampungen gar nicht aus. Tatsächlich hat die Fortbewegung denn auch auf solchen bis zu den Spitzen der Pyramiden hinauf stattgefunden, wobei die Blöcke selbst auf Schleifen oder Kufen ruhten, die man entweder ohne ein anderes Hilfsmittel als die Zugkraft ungeheurer Menschenmassen oder aber auf untergelegten Rundhölzern weiter schaffte.

Etwa gleichzeitig mit ihrer Rolle im Zweistromland und am Nil hat die Rampe eine Blütezeit auch im Westen des Mittelmeeres und in Westeuropa erlebt. Das ist die Zeit der Megalithen (megas = groß, lithos = Stein) oder, wie wir volkstümlich sagen, der Hünengräber. Auch wer diese gewaltigen Steinplatten sieht, wie sie die Dolmen und Ganggräber Norddeutschlands, Nordhollands, Englands, kurz der ganzen Umrandung der Nordsee, auch Portugals und des Nordrandes von Afrika von Marokko im Westen bis zur Halbinsel Barka im Osten überdecken, oder jene ebenso wuchtigen langgeformten Blöcke, wie sie unter dem Namen Menhir und Bautasteine als stimmungsvolle Zeugen eines heroischen Kultus oder einer ebenso kraftvollen Pietät aus dem Boden derselben Erdstellen in eine ganz, ganz anders geartete Gegenwart hereinragen, der wird sich fragen müssen, wie anders jene alten Baumeister diese Massen hätten bewegen und aufrichten sollen als eben auch wieder unter Zuhilfenahme der Rampe. Belege haben wir meines Wissens nicht, doch bleibt keine andere Vorstellung übrig. Mit Platten von mehreren Dezimetern Dicke und mehreren Metern Länge und Breite und Blöcken von Hunderten von Zentnern an Gewicht hantiert man vor dem Zeitalter hydraulischer und elektrischer Krane und Hebezeuge nicht ohne weiteres.

Außerhalb des europäisch-mittelmeerischen Kulturkreises sind Megalithen über alle Erdteile außer dem Festland Australien verbreitet; sie finden sich in reicher Anzahl in Vorderindien, wo gewisse Völkerschaften sie bis in die Neuzeit hinein errichtet haben, und sind auf zahlreichen Inseln Mikro- und Polynesiens festgestellt worden, wo im allgemeinen kein Mund mehr Kunde über Alter, Zweck und Herstellungsart der Steinbauten zu geben vermag. Dort finden sich gewaltige, viele Meter lange und breite, meist aus zyklopisch schweren, viele Tonnen wiegenden Steinblöcken errichtete Terrassen und Plattformen, Pyramiden und straßenähnliche Anlagen, menhirartige Steinobelisken und Nachbildungen der menschlichen Gestalt u. a. mehr. Auf der Karolineninsel Ponape gibt es eine ganze heilige Stadt, die nur vom Adel und den Priestern betreten werden darf und eine Fläche von nicht weniger als 1½ bis 2 qkm bedeckt. Sie besteht aus 92 Gehegen aus Korallensteinplattformen, die mit Basaltmauern von 3 bis 10 Meter Höhe eingefaßt sind. Von ihnen allein wissen wir, daß man die Steine auf Flößen von weither herbeigeschleppt und mit Hilfe richtiger Baugerüste, Rampen und Hebel an Ort und Stelle gebracht hat. Wie dagegen die alten Bewohner der Osterinsel die riesigen Massen ihrer berühmten Steinidole bewegt und aufgerichtet haben mögen, entzieht sich wohl für immer unserer Kenntnis. Da es sich um Monolithe handelt, die im Durchschnitt 7–8 Meter aus dem Erdboden herausragen, so kann auch hier keine andere Möglichkeit als die Beförderung des langen Steinblocks eine schiefe Ebene hinauf in Frage kommen, die unmittelbar neben der Vertiefung lag, in der man das Idol aufrichten wollte. Theoretisch erscheint dann das Hinabkippen des freien Steinendes in die Baugrube sehr leicht; in Wirklichkeit wird es den polynesischen Baumeistern arge Kopfschmerzen verursacht haben.

In seinem kleinen, aber gedankenreichen Buch »Kultur und Mechanik« (Stuttgart 1915) meint der Physiker Ernst Mach, man dürfe die zwangsweise Verwendung ungeheurer Mengen von Sklaven, wie sie bei den Riesenbauten Mesopotamiens und Ägyptens zum Transport jener Steinmassen üblich war, nicht ohne weiteres verdammen, so drakonisch auch die Strafen bei der mühseligen Arbeit mit den rohen Hilfsmitteln gewesen sein möchten; ja sie könne neben einem ethischen sogar auch ein kulturhistorisches Verdienst für sich in Anspruch nehmen. Vordem habe man kriegsgefangene Feinde entweder gepfählt oder geblendet; jetzt, nach ihrer Heranziehung zu nutzbringender Arbeit, sei man ohne weiteres dazu übergegangen, die haarsträubenden Grausamkeiten zu mildern, bis sie schließlich verschwinden. Auf technischem Gebiet aber sei das Zusammenschweißen vieler Kräfte zu einem Zweck die erste größere Erfindung orientalischer Machthaber gewesen.

Mit seinen beiden Beobachtungen singt der seither verstorbene Historiker und Philosoph der Mechanik das Loblied sowohl der Arbeit wie der Organisation; ohne beides wären in der Tat weder die altägyptischen noch die mesopotamischen Kulturen möglich und denkbar gewesen, denn hier wie dort zwang die ungleichartige Wasserführung der lebenspendenden Ströme zu Eingriffen in die Natur, die nur mit der organisierten Arbeit ganzer Arbeiterheere durchzuführen waren. Auf der damit gewonnenen materiellen Grundlage hat sich die Zivilisation beider Gebiete dann ganz von selbst aufbauen können.

Erhebt ein Gesetz auf Geltung Anspruch, so muß es Allgemeingültigkeit besitzen; die Machsche Beobachtung muß sich demnach bestätigen, wo immer gleiche oder ähnliche Voraussetzungen gegeben sind; auch unter den Naturvölkern. Nehmen wir ein paar Stichproben vor.

Bauten von unerhörter Großartigkeit sowohl in den räumlichen Abmessungen wie dem Gewicht der verwendeten Steinkolosse erregten das Erstaunen der Spanier bei ihrer Ankunft im alten Peru. Befestigungsanlagen wie die Burg Sacsahuaman in Cuzko, Ollantaytambo und andere an der Waldgrenze gegen die wilden Indianerstämme gingen über alles, was die Conquistadoren in dieser Art gesehen hatten. Erklärlich werden sie auch nur durch die politischen und sozialen Verhältnisse des Inkareiches, dessen Sonnenkönig über die Arbeitskraft schlechthin jedes Untertanen und vor allem jedes Unterworfenen gebieten konnte, trotzdem Tahuantinsuyu, das »Reich der vier Teile der Welt«, im Grunde genommen ein rein sozialistisches Staatswesen war, in dem es weder Privateigentum an Grund und Boden, noch Geld, weder Reichtum noch Armut, dafür allerdings auch ein alles durchsetzendes Beamtentum und keinerlei innere und äußere Freiheit gab. Darf man den überraschend schnellen Aufstieg dieses Reiches mit einigem Recht auf die kraftvolle Zusammenfassung aller militärischen Machtmittel durch eine Reihe starker Herrscher zurückführen, so ist sein jäher Zusammenbruch vor einer Handvoll hergelaufener Abenteurer mit um so größerem Recht durch diese Überorganisation auf der einen, den Mangel an Persönlichkeit auf der anderen Seite bedingt.

Im stillen Ozean sprechen die Verhältnisse noch klarer im Sinne Machs. Mikronesier und Polynesier sind malaiische Einwanderer von Westen her. Sie waren Seefahrer von einer Kühnheit, daß nicht einmal Weiten von der Länge des halben Erdumfanges — so viel und mehr beträgt der Abstand von Madagaskar, ihrem äußersten Westpunkt, bis zur Osterinsel — sie zu schrecken vermochten. Wenn solche kraftvollen Menschen zur Errichtung zyklopischer Baudenkmale schritten, die nur durch ein Zusammenwirken aller zustande kommen konnten, so kann das niemand wundern; ebensowenig, daß in den neuen, engen Verhältnissen auf den kleinen Eilanden dieses Stärkebewußtsein verbleichen und dahinschwinden mußte, sobald die Erinnerung an die nautischen Großtaten schwand. Tatsächlich fanden James Cook und die übrigen Entdecker des 18. Jahrhunderts die Bevölkerung im unverkennbaren Zustande des sittlichen und kulturellen Rückganges vor.

Mit einigem Recht können wir das Machsche Gesetz selbst beim Festlandaustralier und damit einer Menschengruppe verfolgen, die nach allgemeiner Anschauung am wenigsten von der Kultur beleckt sei. Heute ist das unglückselige Volk allerdings eine jammervolle Ruine, dem unter den grausamen und harten Maßnahmen der englischen Eindringlinge über kurz oder lang die letzte Daseinsmöglichkeit genommen sein wird. Aber auch schon bei Beginn der Kolonisation am Ende des 18. Jahrhunderts entbehrten sie alles dessen, was ein wirkliches Volkstum ausmacht: des strammen Rassegefühles und des politischen und sozialen Zusammenhangs. In kleinen und kleinsten Trupps durchzogen sie jahraus, jahrein ihre Jagd- und Schweifgebiete.

Diese selben Leute nun besitzen ein Monument, welches Zeugnis ablegt, daß es einstmals weit besser um den Australier gestanden haben muß. Das ist das Steinlabyrinth von Brewarrina im oberen Darling, etwa 100 Kilometer oberhalb der Stadt Bourke in Neusüdwales. Es besteht aus einem etwa 90 Meter langen Steinwehr, das sich auf felsiger Unterlage quer durch den Fluß erstreckt. Von diesem Quergang aus ist dann ein ungefähr 100 Meter weit stromaufwärts reichendes Labyrinth von Steinmauern erbaut, das den Fang der den Fluß hinauf- und hinabziehenden Fische erleichtern soll. Die Mauern bilden zu dem Zweck kreisförmige Becken, die zumeist durch stark gewundene Gänge miteinander verbunden sind. So fest sind diese Mauern gebaut, daß die gewaltigen Fluten, die zu Zeiten in einer Höhe von 7 Metern darüber hinwegrauschen, höchstens die obersten Lagen der Steine zu verschieben imstande sind.

Und was lehrt uns dieses Brewarrina-Wehr? Nun, doch wohl nichts anderes, als daß es auch im Leben dieser Ärmsten von heute einmal eine Periode gegeben haben muß, wo die Bevölkerung dichter und wo sie vor allem organisations- und arbeitsfähig gewesen ist. Australische Horden der Gegenwart wären solcher nur durch gemeinsames, zweck- und zielbewußtes Zufassen erreichbarer Leistungen um so weniger fähig, als auch bei Brewarrina der Baustoff aus großer Entfernung hat herbeigeschafft werden müssen. Ob dieses Aufflackern einer großen Energie aus der Mitte der alten Australier selbst geboren ist, oder ob es auf eine fremde, kraftvollere Völkerwelle zurückgeht, die später in das australische allgemeine Elend heruntergezogen worden ist, läßt sich einstweilen nicht entscheiden, wäre aber aus kulturhistorischen Gründen der Untersuchung wert.

Mit dem Begriff der Rampe verbinden wir uneingestandenermaßen den Begriff der Beförderung schwerer Lasten. Weil diese für das einfache Leben der Naturvölker und Halbkulturvölker von heute überhaupt nicht in Betracht kommen, darf man sich nicht wundern, daß auch die Rampe so stark zurücktritt oder ganz fehlt. Lediglich in Hochgebirgsgegenden mit ihren besonderen Naturbedingungen hat das Verkehrsleben zu einer eigenartigen Verwendungsart der feststehenden schiefen Ebene geführt, bei jenen Seilbahnen und Gleitbrücken nämlich, die unter dem Namen Tarabiten aus den Kordilleren Südamerikas bekannt sind, und ganz gleichartigen Seilbahnen aus den Hochgebirgsländern Zentralasiens. Das Prinzip ist einfach das der im stabilen Gleichgewicht aufgehängten Last, die an einem geneigt verlaufenden Seil über tiefe Schluchten und reißende Bergströme nach der niedrigeren Seite hinübergleitet. Ob die Last aus Menschen oder aus in Gurten schwebenden Pferden oder sonstigen Dingen besteht, ist dabei belanglos. Das Titelbild des Kosmosbändchens »Urgesellschaft« zeigt eine solche Tarabite in vollem Betrieb.

Die bewegte schiefe Ebene oder ihre Verdoppelung, den Keil, in ihrer kulturhistorischen Bedeutung zu schildern, ginge weit über unseren Rahmen hinaus. Wie bereits betont wurde, fällt die gesamte unübersehbare Schar aller Hieb-, Schneid- und Stechgeräte physikalisch unter den Begriff Keil. Nur auf eine Form der einfachen bewegten schiefen Ebene sei noch hingewiesen, schon deshalb, weil sie vielleicht die kulturförderlichste aller menschlichen Erfindungen überhaupt darstellt.

Das ist der Pflug. Über seine Ausgangsform oder Ausgangsformen gehen die Ansichten noch weit auseinander, trotzdem sichtlich alles dafür spricht, daß er mit der quergestellten Feldhacke zusammen seinen gemeinsamen Ausgangspunkt in der Astgabel besitzt. Auch in der uranfänglichen Wirkung stimmen beide überein, indem bei beiden das Erdreich nicht gewendet, sondern nur gehoben und dadurch gelockert wird. Insofern stellen beide bewegte schiefe Ebenen dar. Mit dem Aufkommen der Metalle nimmt die Pflugschar, unter Beibehaltung der horizontalen Grundfläche, die bekannte geschweifte Form an, die erst das Wenden der Scholle und damit bestimmte biologische Vorgänge in der Ackerkrume ermöglicht. Vom mechanischen Standpunkt aus kann man diese Bewegung als eine Art Drall oder auch als eine Art Schraubenbewegung auffassen, womit wir von neuem zu ein paar in der Völkerkunde vielumstrittenen physikalischen Erscheinungen gelangen.

Abb. 27. Materialversteifung.
a b Versteifung afrikanischer Eisenklingen, c Versteifung des bekannten Papiergeschosses unserer Knaben.

Was Drall ist, weiß jeder, der einmal durch einen gezogenen Gewehr- oder Geschützlauf hindurchgesehen hat. Die in dessen Wandung eingeschnittenen Rillen sollen dem Geschoß während des Fluges eine Drehung um seine Längsachse verleihen, so daß, es sich nicht überschlägt, kein Querschläger wird, sondern unter dem geringsten Luftwiderstand seine einmal begonnene Bahn möglichst weit verfolgt. Die Beibehaltung der im gezogenen Lauf gewonnenen Drehbewegung ist unmittelbar die Wirkung des uns bereits geläufigen Beharrungsvermögens, das erst durch irgendeine andere Kraft, den Aufschlag oder sonst eine Störung, unterbrochen oder aufgehoben wird.

In der Völkerkunde hat man in früheren Jahrzehnten eine solche Drallvorrichtung gern bei Wurfspeeren und Pfeilen der Naturvölker gesucht. Zunächst in Form und Querschnitt gewisser afrikanischer Eisenspitzen. In diesem Erdteil findet man deren beide Hälften innerhalb ihrer Längsachse häufig scharf gegeneinander abgesetzt, so daß ein Querschnitt von der nebenstehenden Form ([Abb. 27] b) entsteht. Selbst der Altmeister der modernen Ethnologie, Adolf Bastian, hat in dieser Form die Ursache einer Rotationsbewegung vermutet. Das ist nun physikalisch unmöglich, zumal keine der beiden Flächen im geringsten flügelartig geschweift verläuft, was Vorbedingung für die Rotationsbewegung wäre. Beide stellen vielmehr vollkommene, wenn auch etwas zueinander geneigte Ebenen dar.

Die Frage nach dem eigentlichen Endzweck dieser abgesetzten Klingenform gehört in das Kapitel der Festigkeitslehre, für deren Behandlung durch den Neger diese Erfindung einen sehr hübschen Beitrag liefert. Es handelt sich kurz gesagt um eine Versteifung der Klinge, um deren Umbiegen beim Auftreffen auf den menschlichen oder tierischen Körper zu verhindern. In meiner Arbeit über den afrikanischen Pfeil (1899) war mir diese Erklärung entgangen. Kurz nach deren Erscheinen übersandte mir der damalige Kieler Geograph Prof. O. Krümmel in einem Brief ein Stück Papier, das schon beim ersten Blick durch seine kunstvolle Faltung oder Kniffung in der Mittel- oder Höhenlinie dasselbe Prinzip wie die afrikanischen Klingen offenbarte ([Abb. 27] c). Es war dasselbe Geschoß, das wir als Knaben so oft erfolgreich in die Luft entsendet hatten. Das afrikanische Eisen ist von Haus aus sehr weich; Härteverfahren sind dem Neger nicht bekannt; da ist man durch Zufall auf diese Art der Versteifung gestoßen, die nun über weite Strecken Allgemeingut geworden ist.

Andere haben den Drall in der Befiederungsanlage der Pfeile gesucht. Dort wäre er leicht möglich, indem man die einzelnen Fahnen der längshalbierten Federn derart am Schaft befestigte, daß die Flügel schiffsschraubenartig geschweift verlaufen; dann muß sich das Geschoß förmlich in die Luft hineinbohren, wodurch das Überschlagen vermieden würde. Nun finden sich unter den Tausenden von Pfeilen unserer Völkermuseen zwar vereinzelte Beispiele dieser Art, doch wäre es immerhin gewagt, bei ihnen an eine bestimmte Absicht zu denken, zumal dann doch in jedem Fall auch eine pfriemenförmige Spitze zu einem solchen Rotationspfeil gehörte. Das ist jedoch keineswegs der Fall. Jede flächenförmige Pfeilspitze aber würde den Drall der Fiederung in seiner Wirkung aufheben.

So scheint es denn wirklich, als ob die Naturvölker es bis zu dieser Errungenschaft nicht gebracht haben. Mir persönlich ist nur ein einziges, noch dazu der Welt der Kinderspielzeuge angehöriges Beispiel bekannt, das ich der Vollständigkeit wegen mitteilen will, trotzdem es für die Herrschaft des Menschen über die Natur vollkommen bedeutungslos ist.

Das Spiel heißt Bulbul und wird im nördlichen Neu-Mecklenburg und auf Neu-Hannover, beides Inseln im Bismarck-Archipel, gespielt. Hauptmann Friederici berichtet darüber (Mitt. a. d. deutschen Schutzgebieten, Erg.-Heft 5, Berlin 1912, Seite 98–99) wie folgt: »Die Knaben hocken am Strande dort, wo die über das flache Riff kommenden Ausläufer der Brecher den Sand andauernd benetzen. Aus diesem feuchten Stoff (in der Hauptsache Kalksand) formen sie durch Drehen und Streichen außerordentlich regelmäßige und recht feste Figuren etwa von der Form einer Runkelrübe ([Abb. 28] a). Mit einem starren Halm wird dann dieser Figur das spitze Ende so abgedreht, daß ein flacher Kegel nach innen entsteht. Die Abdrehung geschieht ganz in der Weise unserer Drechsler, indem der starre Halm festgehalten wird, während man die Sandfigur drehend gegen sein Ende drückt. Dem so entstandenen flachen Kegel wird schließlich durch dieselbe Manipulation noch ein kleiner, nach innen gerichteter Spitzkegel aufgesetzt ([Abb. 28] b). Hat der Kanake eins, zwei oder drei dieser Kunstwerke fertiggestellt, so tritt er, die eine Figur in der rechten und zwei in der linken Hand, stolz in das Wasser hinein, wobei er nicht vergißt, sich vergewissernd nach mir umzuschauen, ob ich auch die bevorstehende Kunstleistung beobachte. Nun wird eine Figur nach der andern mit einer drehenden, wirbelnden Bewegung aus der rechten Hand hoch in die Luft gestoßen, das dicke schwere Ende nach oben, das spitze, durch den Doppelkegel ausgehöhlte nach unten. Der beabsichtigte Enderfolg ist nun der, daß die oben dicke und schwere Figur, ohne die senkrechte Richtung ihrer Längsachse zu ändern, hoch in die Luft steigt und ohne umzuschlagen auch wieder herunterfällt. Sie schlägt dann mit dem spitzen ausgehöhlten Ende auf die Wasserfläche auf, wodurch das mit Gewalt in die beiden Kegel hineingepreßte Wasser eine Art Sprengwirkung hervorbringt. Mit dumpfem Knall löst sich die Figur auf, um als schmutzige Masse unter dem Wasser zu verschwinden. Das Spiel verlangt eine nicht geringe Kunstfertigkeit und Übung, wenn es gelingen soll. Einmal müssen diese Figuren aus Seesand sehr sorgfältig und symmetrisch hergestellt werden, und dann erfordert das Hochstoßen eine ganz erstaunliche Beherrschung von Arm, Hand und Finger. Wird die Figur nicht genau senkrecht, mit genügender Kraft und hinreichender Umdrehungsgeschwindigkeit aus den Gelenken emporgeschleudert, so schlägt sie um oder fällt auf die Seite. Sowie ferner der Wurf nicht genau in der Längsachse der Figur erfolgt, bricht das dicke Ende genau in dem Augenblick ab, wo das Spielzeug die ungeschickte Hand des Knaben verläßt.«

Friederici knüpft an diesen lebensvollen Bericht noch Betrachtungen aus seiner Leutnantszeit, wo er als Rekrutenoffizier die jungen Soldaten in die Geheimnisse des Dralls bei unserem Dienstgewehr einweihen mußte. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß die schwarzen Knaben von Neu-Hannover das Problem spielend in der Praxis zu lösen wußten, während manchem braven Bauernsohn und Rekruten von damals die Theorie des Schießens bis zu den letzten Diensttagen nicht recht klar geworden sei. Friederici schließt endlich mit dem kulturgeschichtlich bedeutungsvollen Hinweis, daß dieses Bulbul mit seinem durch die Handbewegung erzeugten Drall, sodann unsere gezogenen Gewehre und Geschütze und schließlich der Wurfriemen der Alten, die αγκυλη der Griechen und das ammentum der Römer, zusammen eine Erfindung darstellen, die ganz offenkundig mehrfach und unabhängig voneinander gemacht worden sei. Den Bulbul Melanesiens und den Riemenspeer des weit entfernten, 2000 Jahre älteren mittelmeerischen Kreises werde ernsthaft wohl niemand in kulturhistorischen Konnex miteinander bringen wollen, und daß auch die Theorie der gezogenen Kanonen nicht auf den Riemenspeer des klassischen Altertums zurückführe, gehe schon daraus hervor, daß dieser von uns erst 1868 in seinem Wesen erkannt worden sei, wo man gezogene Geschütze und Gewehre längst eingeführt habe.

Abb. 28. Bulbulspiel von Neu-Mecklenburg.

Friederici hätte der Aufzählung seiner unabhängigen Drallprovenienzen noch eine vierte hinzufügen können, die der Neukaledonier nämlich, die bis zu ihrer Europäisierung den dort üblichen langen Wurfspeer ebenfalls mit Hilfe einer Drallvorrichtung schleuderten. Das Prinzip bei diesen allen, den antiken wie auch dem modernen ozeanischen, bestand in einem Riemen oder einer geflochtenen Schnur, deren eines Ende man am Daumen der rechten Hand befestigte, während der übrige Teil spiralig um die Mitte des Speerschaftes gewickelt wurde ([Abb. 29]). Verließ dann der Speer im Wurf die Hand, so rollte der Riemen ab, wodurch der Speer selbst in Rotation um seine Längsachse geriet, was ein Überschlagen verhinderte.

Abb. 29. Neukaledonier, den Speer mit der Wurfschlinge werfend.

Die schiefe Ebene wirkt um so günstiger, je länger die Basis im Verhältnis zur Höhe ist. Das legt den Wunsch nahe, stets sehr lange schiefe Ebenen zu benutzen. Dadurch würde indessen die Maschine sehr unhandlich. Um sie in ein bequemeres Format zu bringen, empfiehlt es sich, sie auf einen Zylinder aufzuwickeln. Dann entsteht einerseits die Wendeltreppe, andererseits die Schraube. [Abbildung 30] stellt diesen Vorgang dar.

Die Elemente der Schraube sind die Schraubenspindel und die sie umhüllende Schraubenmutter. Bei Anwendung der Schraube handelt es sich fast immer darum, durch eine drehende Bewegung der Spindel eine in der Richtung der Achse fortschreitende langsame Bewegung der Mutter, oder durch eine drehende Bewegung der Mutter eine in der Richtung der Achse fortschreitende langsame Bewegung der Spindel mit stark vergrößerter Kraft hervorzubringen.

Eine seltenere Verwendung der Schraube besteht darin, daß man die Schraubenmutter fortschreitend bewegt, um dadurch eine drehende Bewegung der Schraubenspindel zu bewirken. Das geschieht z. B. bei unserem Schraubendrillbohrer, bei dem durch die Ab- und Aufwärtsführung der handlich geformten Mutter auf der Triebstange diese abwechselnd nach beiden Richtungen rotiert. Die Schraubengänge müssen hier sehr steil sein, damit der auf Reibungsarbeit entfallende Bruchteil der aufgewendeten Arbeit nicht zu groß wird. Wer sich jemals mit Laubsägearbeiten befaßt hat, kennt das bequeme Instrument aus eigener Erfahrung.

Unter den Naturvölkern hat dieser Drillbohrer eine Form angenommen, bei der die Mutter nicht so ohne weiteres zu erkennen ist. Das ist die in [Abb. 31] wiedergegebene Maschine, wie sie manche Bewohner des Stillen Ozeans zum Durchbohren von Muschelschalen und Schildkrötplatten verwenden, und wie sie von den alten Indianern am St.-Lorenz-Strom zum Feuerquirlen gebraucht worden ist. Die Schraubenmutter ist hier nicht von Anbeginn vorhanden, sondern bildet sich erst in der Form der sich um die Triebstange wickelnden Doppelschnur. Zur Inbetriebsetzung des Bohrers dreht man die Triebstange mit der Hand, so daß die Doppelschnur sich schraubenförmig um sie herumwickelt; sodann drückt man die horizontale Druckstange nach unten, wodurch die Triebstange in rasche Drehung gerät. Durch die Trägheit der Schwungscheibe setzt sich die Drehung über den Nullpunkt, d. h. den Moment des Ablaufens der Schnur, hinaus fort, so daß sich die Schnur wohl oder übel von neuem um die Triebstange wickelt und die Druckstange wieder nach oben führen muß. Sodann wiederholt sich das Spiel von neuem. Dem Schwungrad begegnen wir hier in der Welt der Naturvölker wohl zum ersten- und einzigenmal, sofern es nicht auch schon unsere Neolithiker bei einer allerdings fast hypothetischen Bohrmaschine (anderer Konstruktion als der in [Abbildung 17] wiedergegebenen) verwendet haben sollten. Diesen Pumpenbohrer vermag sich jeder selbst leicht zu konstruieren. Trotzdem nehmen die Ethnologen an, daß er im stillen Ozean und im Malaiischen Archipel erst neuerdings von Europa her eingeführt sei, während er bei den Algonkin und Irokesen vermutlich autochthon ist. Das Schwungrad hat die Aufgabe, infolge seines Beharrungsvermögens Unregelmäßigkeiten im Gang einer Maschine auszugleichen und die Rotationsbewegungen der Welle über den sogenannten toten Punkt hinwegzuführen. Zur Erfüllung dieser Aufgaben muß es möglichst massiv sein, was bei dem Pumpenbohrer mit seiner unverhältnismäßig schweren Holzscheibe ja auch der Fall ist.

Abb. 30. Entstehung der Schraubenlinie aus dem aufgewickelten Schnitt der schiefen Ebene.

Abb. 31. Ozeanischer Drillbohrer.

Abb. 32. Die Eskimo-Schraube.
a Schraube und Mutter bei einem Pfeil, b Hautpflock.
(Nach Horwitz und M. Porsild.)

Die Erfindung der technisch richtig ausgebildeten Schraube durch die Naturvölker ist noch umstritten, trotzdem diese Frage neuerdings eine ziemlich umfangreiche Literatur gezeitigt hat.[8] Von Indien abgesehen, wo wir die merkwürdigen Schraubenräder mit parallelstehenden Achsen bereits kennengelernt haben und wo die Schraube vermutlich auf ein hohes Alter zurückblickt, kommen als möglicherweise selbständige Erfinder lediglich die Eskimo in Betracht. In welch sinnreicher Weise sie die Schraube verwenden, geht aus den [Abbildungen 32] a b hervor. Bei a sind Spindel und Mutter zwar schon beide vorhanden, doch noch nicht geometrisch vollkommen ausgebildet. Den Pflock aus Holz (b) oder Walroßzahn verwenden die Eskimo zum Verstopfen der den Seehunden durch die Harpune verursachten Wunden, einesteils um das Ausbluten zu verhindern, andernteils um das Bugsieren des toten Körpers zu erleichtern. Die Schraube wird in die Wunde eingebohrt; sie schafft sich also hierbei ihre Mutter in der Tierhaut selbst, ganz in derselben Weise wie unsere Holzschrauben das in dem vorgebohrten Loch auch tun. Auf die zahlreichen sonstigen Verwendungsarten der Schraube bei diesem technisch so hochstehenden Volk können wir nicht eingehen. Man hat ihm, möglicherweise mit Recht, ihre Erfindung abgesprochen, die Bekanntschaft der Eskimo mit der Schraube vielmehr auf die lange Berührung mit den in Grönland ansässigen Europäern zurückgeführt. Aber selbst in diesem Fall bleibt die Geschicklichkeit und Vielseitigkeit in der Verwendung des neuen Kulturgutes noch höchst bemerkenswert.

Der eigenartigsten Schraube begegnen wir jedoch wieder im armseligen Australien. Das ist der berühmte Bumerang, den jeder kennt und der ballistisch doch vielleicht mehr Geheimnisse birgt als irgendeine andere Geschoßart. Einen ethnographischen Abriß über ihn habe ich in den »Kulturlosen« (S. 26/28) gebracht; physikalisch stellt seine geschweifte Gestalt das Segment einer Schraubenmutterwindung dar, die sich während des Fluges um eine imaginäre Spindel dreht, während des Anstiegs aufwärts, beim Fall darauf abwärts. Die merkwürdigen unberechenbaren Kurven gerade während dieses Abstiegs scheinen auf Unregelmäßigkeiten im Bau dieser merkwürdigsten aller Schrauben zurückzugehen.


[9. Das Beharrungsvermögen.]

Ernst Mach nennt als wichtigstes und anregendstes Werkzeug dem in der Kulturgeschichte die größte Rolle zugefallen sei, den Feuerbohrer. Er deutet damit zunächst auf die grundlegende Wichtigkeit hin, die dem jederzeit künstlich erzeugbaren Feuer in der menschlichen Kulturentwicklung zugefallen ist, sodann aber doch auch auf die nicht minder folgenreiche Erfindung der Rotationsbewegung, zu der kein anderes Geschöpf auch nur den geringsten Auftakt gefunden hat. In der Tat ist der Mensch mit dem Gewinn der Wellenbewegung in den Besitz der entwicklungsfähigsten aller einfachen Maschinen, ja zur Grundlage aller zusammengesetzten Maschinen überhaupt gelangt. Ohne Rotation wäre die Vollkultur einfach nicht zu denken.

Wenn wir bei den Naturvölkern aller Zeiten diese urtümliche Wellenbewegung so unverhältnismäßig wenig weiter gebildet vorfinden, so gibt uns dieser Umstand eine ungeheuer wichtige Handhabe, ja vielleicht direkt den Schlüssel für das Zurückbleiben so vieler Völker auf niedrigen Stufen in die Hand. Sie haben, wie die bisherigen Ausführungen lehrten und die weiteren noch lehren werden, die mannigfaltigsten Vorrichtungen gefunden und erfunden, um ihre Lebenshaltung über die Höhenlage einfach tierischer Wirtschaft emporzuheben. Dadurch indessen, daß sie die unbegrenzte Ausbaumöglichkeit jener Drehbewegung nicht erkannt, ausgenutzt und weiter verfolgt haben, sind sie aller jener ungezählten Vorteile verlustig gegangen, die die glücklichere weiße Rasse zur Beherrscherin des Erdballs und aller seiner Bewohner gestempelt haben.

Das Gesetz der Beharrung oder der Trägheit ist, wie wir wissen, durchaus nicht auf rotierende Körper beschränkt, betrifft vielmehr jeden Körper in jeder Lage. Ist er in Ruhe, so bleibt er darin, bis ihm Geschwindigkeit von außen erteilt wird. Ist er in Bewegung, so verharrt er in seiner Geschwindigkeit, bis ihm diese von außen genommen wird. Auch die Bewegungsrichtung kann er nur ändern infolge einer von außen wirkenden Kraft. Aber für den Laien verknüpft sich der Begriff der Beharrung in erster Linie unleugbar mit dem anderen der Bewegung und insonderheit der Rotation. Im Zeitalter der tausenderlei Fahrzeuge und vor allem des Fahrrads ist das kein Wunder. Wodurch erhält sich denn z. B. der Radfahrer im Gleichgewicht, und zwar um so leichter, je schneller er fährt? Doch nur durch das Trägheitsgesetz; denn jeder rotierende Körper hat die Eigenschaft, daß er einer Änderung der Lage der Rotationsebene und damit also auch der Rotationsachse einen Widerstand entgegensetzt, der nichts als die Folge der Trägheit ist. Es bedarf einer Kraft, um die Achse des rotierenden Körpers aus ihrer Lage zu bringen, die um so größer sein muß, je schneller er sich dreht. Für den Radfahrer ist es daher schwieriger, sehr langsam zu fahren und doch das Gleichgewicht zu erhalten. Auch beim Kreisel ist es die Rotation, die ihn in aufrechter Lage erhält, und beim Diabolo seligen oder unseligen Angedenkens war es nicht anders.

Zu dieser Erkenntnis sind die Naturvölker also nicht gelangt, womit sie sich ihre Aufstiegsmöglichkeit bis zu einem sehr hohen Grade verscherzt haben. Das Schwungrad am Feuerquirl der alten Anwohner des Lorenzstromes und der kanadischen Seen und der seiner Herkunft nach zudem noch zweifelhafte Drillbohrer Ozeaniens bestätigen als einsame Ausnahmen nur die Regel.

In diesem Zusammenhang klingt es fast wie ein Witz der Kulturgeschichte, daß gerade nur jene soeben erwähnten beiden Spielzeuge des Kreisels und des Diabolos ein paar weitere, für den Fortschritt völlig bedeutungslose Belege bilden. Der Kreisel ist heute sicher allgemeines Besitztum der Jugend aller Zonen; woher er ursprünglich stammt und ob er nur ein- oder mehrmals erfunden worden ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Im Malaiischen Archipel besitzt er ganz ungefüge Abmessungen, so daß ein ruhiger Gang gewährleistet ist. In Afrika tritt er allein schon im Rovuma-Gebiet in vier verschiedenen Formen auf, die in den [Abbildungen 33] a bis d wiedergegeben sind. Die eine, kegelförmige (a) gleicht ganz der unsrigen; sie wird auch in ganz derselben Weise in Bewegung gesetzt. Bei den beiden weiteren (b und c) ist keine Schnur nötig, bei ihnen genügt das Schnellen zwischen Daumen und Mittelfinger zur Inbetriebsetzung. Das Schwungrad, denn um ein solches handelt es sich doch offensichtlich, besteht aus Scheiben vom Flaschenkürbis. Die vierte Art ist mir in zwei Varianten bekannt: der in d abgebildeten vom Rovuma und der in e wiedergegebenen aus Urundi am nördlichen Ostufer des Tanganyika. Bei beiden tritt zum erstenmal ein neues mechanisches Element auf: die gleitende Reibung, indem sich die Kreiselwelle beim Abrollen der Schnur gegen ein von der linken Hand gehaltenes Widerlager legt. Wir haben hier in der Tat den Anfang unseres Wellenlagers. Das Widerlager besteht am Rovuma aus einem durchlochten abgegessenen Stück Maiskolben, in Urundi aus einem 15–30 cm langen Stück Hirsehalm, aus dem ein fensterartiger Rahmen herausgeschnitten ist. Beide Kreisel arbeiten vortrefflich, manche von ihnen sogar unter Hervorbringung gar nicht übler Töne.

Abb. 33. Afrikanischer Kreisel. a-d Rovumagebiet, e Urundi.
(Nach Weule.)

Als das Diabolospiel 1907 bei uns auf der Bildfläche erschien, war es für alle lebenden Deutschen etwas Neues, und es bedurfte erst literarischer Studien, um festzustellen, daß eine gleichartige »Seuche« schon einmal, vom Herbst 1812 bis etwa 1825 bestanden hat. Der modernen Wiederholung ist bekanntlich eine weit kürzere Lebensdauer beschieden gewesen, indem der interessante Doppelkegel schon nach 1 bis 2 Jahren wieder verschwand. Wir sind schnellebiger geworden. Feldhaus führt das Wiederaufleben des Spiels auf den Kricketspieler Frey zurück. Frey hat es vermutlich aus der Literatur über jene erste Diabolowelle entlehnt. Woher es jedoch die Pariser Modedamen und Modeherren von 1812 genommen haben, kann ich nicht entscheiden.

Abb. 34. Afrikanisches Diabolospiel.

Im Sommer 1906 habe ich Gelegenheit gehabt, das Diabolospiel auf dem Makondeplateau im Südosten von Deutsch-Ostafrika kennenzulernen. Inmitten der großen Menge von Eingeborenen, die gekommen waren, mir ihre Tänze und Spiele vorzuführen, vergnügte sich ein Mann damit, einen in der Mitte gerillten schweren Holzzylinder mit Hilfe einer an zwei Stöcken befestigten Schnur in die Höhe zu werfen und auf dieser Schnur immer von neuem aufzufangen. Bei genauerem Zusehen stellte ich als das wirksame Prinzip des ganzen Vorgangs die rasend schnelle Rotation fest, in die der Holzzylinder durch bestimmte Armbewegungen des Spielers versetzt wurde. Jenes Original befindet sich heute im Leipziger Völkermuseum. Es ist in der obenstehenden [Abbildung 34] abgebildet.

Gebührt dem Makonde-Diabolo unstreitig die Priorität vor dem europäischen von 1907, so ist das noch mehr der Fall bei zwei anderen Vorkommnissen, von denen das eine ebenfalls auf Afrika, das andere auf Vorderindien entfällt. Von jenem erzählt der englische Reisende V. L. Cameron, der von 1873 bis 1875 Afrika von Osten nach Westen durchquerte, während der indische in einem kompilatorischen Werk vermerkt ist. Cameron sollte damals dem berühmten Missionar und Reisenden David Livingstone neue Hilfsmittel nach dessen Arbeitsgebiet südöstlich vom Tanganyika bringen; ihm begegnete indessen in Tabora nur die Leiche des am 1. Mai 1873 verstorbenen großen Menschenfreundes, so daß Cameron seinen Plan änderte und durch den ganzen Süden des heutigen Kongostaats bis zur Westküste zog. In der Nähe des Tanganyika unterhielt eines Tages ein Sklave eines Häuptlings Djonmah die Reisenden durch seine Geschicklichkeit, indem er ein Stück Holz von der Form einer Sanduhr vor und hinter sich in die Luft warf, es auffing und wieder warf, so daß es immerfort weiter spann. Cameron sagt kein Wort von den beiden Stöcken und der sie verbindenden Schnur, die ihm also gar nicht aufgefallen sein müssen, ein Beweis entweder für sein nur geringes Interesse oder für eine wenig scharfe Beobachtungsgabe, in jedem Fall aber doch für seine Unbefangenheit. Ihm war das Spiel vollkommen neu.

Das indische Diabolo wird nach Thurston (Castes and Tribes of Southern India; Madras 1909, III. S. 502–504) von den Korava seit undenklichen Zeiten gespielt. Die Korava sind einer jener niedrigen Stämme, die seit vorarischer Zeit unstet im Lande schweifen. Sie sind so geschickt mit dem Diabolo, daß sie es selbst beim Seiltanzen bis zur Höhe von Kokosnußbäumen in die Luft schleudern, und daß manche Künstler es auffangen, ohne überhaupt hinzusehen. Das Diabolo besteht bei ihnen, ganz wie das afrikanische, aus festem Holz, ist aber nur ebenso groß und schwer wie das europäische.

Die Übereinstimmung im Material könnte, zumal bei den übrigen engen Kulturbeziehungen, für einen Zusammenhang zwischen Indien und Afrika sprechen. Aber woher haben dann die Korava diese ihrem sonstigen Kulturbilde doch sehr wenig angepaßte Maschine? Ist sie ein Überlebsel aus der Seuchenwelle, die Europa erstmals 1812 überflutete und vielleicht auch nach Südasien hinübergebrandet ist? Oder liegt bei den Korava etwa gar selbständige Erfindung vor? Ganz unmöglich wäre das nicht, wenngleich sehr unwahrscheinlich.

Von einwandfreierem Alter im Gebrauch der Menschheit, nämlich neolithisch, ist das Zurückgreifen auf das Trägheitsgesetz in der Form des Wirtels auf der Spindel; in ihr haben wir zugleich einen weiteren höchst wichtigen Ausgangspunkt für die ganze spätere Rotationsmechanik. Den Gebrauch der Spindel kennt unsere Generation nur noch aus Büchern; selbst in Ostafrika fand ich sie 1906 nur noch bei zwei sehr alten Leuten. Der eingeführte Kattun hatte die eigene Weberei auch dort bereits gemordet. Form und Gebrauch unserer alteuropäischen Spindel zeigt [Abbildung 35]. Man wand den Spinnstoff um einen hölzernen Stock, den Rocken, den die Spinnerin neben sich aufstellte oder in den Gürtel steckte. Jetzt legte sie die einzelnen Fasern durch Zupfen mit der einen Hand einander parallel, ordnete sie zu einer Art Vorfaden, während sie mit der andern die Spindel an ihrem oberen Ende in Drehung versetzte. An der Spindel war der Faden mit einer Schlinge in einem Häkchen oder einem schraubenförmigen Einschnitt so befestigt, daß die Drehung der Spindel auf ihn übertragen wurde. Die Spindel selbst bestand aus einem meist hölzernen, seltener knöchernen oder elfenbeinernen oder metallischen, pfriemenförmigen Stäbchen, dessen stärkerem unterem Teil eine scheibenförmige Schwungmasse aus gebranntem Ton, Stein, Horn, Holz oder Metall, der sogenannte Wirtel, aufgesetzt war. Durch dieses kleine Schwungrad wurde die Drehbewegung der Spindel ausgiebiger und gleichmäßiger, was sich ohne weiteres auf den Faden übertrug, der sich bei ihrem rotierenden Absinken zur Erde bildete. War die Bewegung abgelaufen, so wurde der Faden vom oberen Spindelende abgelöst, auf diese aufgerollt und von neuem festgehakt. Sodann begann der Vorgang von neuem.

Abb. 35. Spinnrocken und Spindel.

In Europa reicht diese Spinntechnik, wie gesagt, bis in die jüngere Steinzeit zurück. Bei den Naturvölkern ist sie nur lückenhaft verbreitet, wobei Australien, Polynesien und die Arktis ganz ausscheiden, während in Afrika und Amerika im allgemeinen nur die niedriger stehenden Völkergruppen nicht bis zu ihr fortgeschritten sind. Zu einem maschinellen Betriebe höherer Art, wie ihn schon unser Handrad und noch mehr das anheimelnde Trittrad unserer Spinnstuben darstellen, ist indessen keins von ihnen vorgedrungen, so vollendet uns im übrigen z. B. der westafrikanische horizontale Webstuhl entgegentritt. Der unterscheidet sich von unserem, nunmehr allerdings auch überholten Handwebstuhl lediglich durch dessen Festigkeit und Eleganz des Aufbaues, keineswegs aber durch die innere Einrichtung.

Zum Schluß sei noch einiger Gerätschaften gedacht, deren Wirkung zwar ebenfalls auf dem Prinzip des Beharrungsvermögens beruht, die sich aber im Gegensatz zu der friedlich anmutenden Spindel der Hackbauern vorwaltend bei reisigen Steppen- und Reitervölkern finden. Das sind die Bola und der Lasso. Ihre Gemeinsamkeiten und ihre Unterschiede sind bekannt. Bei beiden wirbelt der Reiter das ganze Riemensystem um das Haupt; während er aber die dreikugelige Bola im geeigneten Augenblick ganz fliegen und um sich rotieren läßt, damit sich ihre durch Stein- oder Metallkugeln beschwerten Riemen dem unglücklichen Opfer um Hals oder Beine schlingen, behält er beim Lasso das eine Ende fest in der Hand, so daß sich nur die gleitende Schlinge über das Opfer legt. Indem er im selben Augenblick hält oder in scharfem Winkel abbiegt, wirkt die Masse von Pferd und Reiter als äußere Kraft auf die Schlinge ein, die sich nunmehr schließt und den Gegner wehrlos macht. Beide Wurfwaffen stellen wahrhaft fein durchdachte Anwendungen mechanischer Prinzipien dar.


[10. Das Parallelogramm der Kräfte.]

Von allen Sätzen der Mechanik wird keiner so oft unbewußt verwendet wie dieser, denn in Wirklichkeit kann man zwei an einem Punkt unter einem Winkel angreifende Kräfte stets durch eine einzige ersetzen, wie auch eine gegebene Kraft stets in zwei Seitenkräfte zerlegen, die zusammen dieselbe Wirkung hervorbringen wie jene allein. Der gesamte Komplex unserer menschlichen Betätigung steht im Zeichen des Kräfteparallelogramms von seinen Anfängen an bis zur Gegenwart hinauf.

Aus dieser Fülle Beispiele herauszugreifen hält schwer. Wir wollen uns mit einigen wenigen begnügen, die das Hineinwachsen unseres Geschlechts in die Herrenrolle dafür um so beredter predigen.

Da ist als uralte und nahezu allgemein menschliche Kunstübung das Rudern zu nennen. Jeder, auch der wasserfremdeste Großstadtbewohner, bildet sich ein, es zu können. Die Unfallstatistik bringt leider den Gegenbeweis. Auch von den Naturvölkern verstehen es nicht alle, ein Zeichen, daß der Mensch das Rudern wirklich erst hat lernen müssen. Die Kulturvölker rudern anders als die Naturvölker; wir streichen, diese »paddeln«, d. h. tauchen, im Boot stehend oder hockend und das Gesicht nach vorn, ihr kurzes Ruder aus freien Händen etwas nach vorn, aber parallel der Kielebene in die Flut und drücken das Boot so vorwärts. Physikalisch handelt es sich in beiden Fällen um die Arbeit von Hebeln, und zwar einer Kombination je des ein- und des zweiarmigen Prinzips. Da das Boot weiterkommen soll, liegt der eigentliche Drehpunkt am unteren Ruderende im Wasser. Beide Hebelarme liegen dann innerhalb der Ruderlänge selbst. Den kürzeren Arm stellt der Widerstand des Wassers dar, der überwunden werden muß; den längeren das Ruder bis zu den Händen seines Meisters. Die Zweiarmigkeit wird uns klar, wenn wir sehen, mit welcher Leichtigkeit unsere Wettruderer in ihren Booten mit den weitausladenden Dollen große Geschwindigkeit erzielen. Das ermöglicht ihnen der inseits der Dolle liegende längere Hebelarm, der dafür allerdings auch eine größere Streichweite erfordert. Daher die auf Rollen laufenden Gleitsitze. Beim Paddeln liegt der Drehpunkt des zweiarmigen Hebels in der unteren Hand.

In welch einschneidender Weise ein zu weites Ausholen die Arbeitsleistung schädigt, zeigt uns die dem Pfaundlerschen Werk entnommene [Abbildung 36]; zugleich auch, in welcher Weise die Zerlegung der Kräfte vor sich geht. »Wenn wir,« sagt Pfaundler, »wie das auf der rechten Bootseite gezeichnet ist, das Ruder aus der Stellung OR in die Stellung OR′ bringen, wobei ein Bogen von 120° beschrieben wird, so stelle zu Beginn des Ruderschlages ad die Kraft dar, mit der er auf das Wasser wirkt. Diese Kraft zerfällt in die für uns nutzlose Komponente ab und in die Komponente ac. Nur die letztere bringt das Schiff vorwärts. Ebenso ist gegen Ende des Ruderschlags nur die Teilkraft a′c′ für unsern Zweck dienlich. Nur in dem Moment, wo das Ruder senkrecht auf die Mittellinie des Schiffes gerichtet ist, wirkt die volle, ungeteilte Kraft des Ruderschlages vorwärtstreibend auf das Schiff. — Beobachten wir dieselben Konstruktionen auf der linken Seite, wo der Bogen des Ruders nur 60° beträgt. Hier sind die wirksamen Teilkräfte zu Beginn und am Ende des Ruderschlages wieder ac und a′c′. Während nun auf der rechten Seite ac und a′c′ nur ungefähr die Hälfte der vollen Kraft betragen, sind auf der linken Seite die wirksamen Teilkräfte nur wenig kleiner als die volle Kraft. Das zu weite Ausholen ist also unökonomisch; zwar bringt der doppelt so weite Ruderschlag das Boot weiter vorwärts als der weniger weit ausholende, aber durchaus nicht doppelt so weit, während unsere Anstrengung doppelt so groß ist. Rationeller ist es also, kleinere, aber dafür zahlreichere Schläge auszuführen, allerdings auch nur bis zu einem gewissen Grade, da ja auch das Ausheben und Einsenken des Ruders Arbeitskraft erfordert.«

Abb. 36. Das mechanische Prinzip des Ruderns.

Das Paddeln erfolgt nach genau den gleichen Gesetzen, nur daß die Ruderebene um annähernd 90° gedreht ist. Da es bei der Kürze der Ruder keine großen Ausschläge gestattet und der Ruderer sein Gesicht dem Ziel zuwendet, besitzt es einige Vorteile vor unserer Art des Ruderns. In der geräumigen Kamerunbucht äußerten sie sich jahrzehntelang in der Weise, daß bei den Wettrudern der deutschen Matrosen die buntbemalten großen Einbäume der Duala-Neger in der Regel schneller fuhren als unsere langrudrigen schweren Plankenboote, was für jenen an sich schon nicht sehr bescheidenen Volksstamm stets ein Grund lärmendsten Triumphes war. Tempi passati!

Über den Anfängen des Segelns lagert ein tiefes Dunkel. An sich erscheint seine Entdeckung oder Erfindung leicht, da der Wind ja schließlich jeden flächenhaften schwimmenden Gegenstand vor sich hertreibt. Trotzdem ist es unter den Naturvölkern nur sehr lückenhaft verbreitet, beim Neger von Haus aus gar nicht, in Amerika nur bei den Inkaperuanern und den Maya, während es die Inselkaraiben Westindiens und die Tupí und Guaraní des östlichen Südamerika vermutlich erst in nachkolumbischer Zeit von den Europäern gelernt haben. Nur bei der malaiischen Rasse ist es seit unvordenklichen Zeiten Allgemeingut; wie hätte sie sonst ihre Wanderung um mehr als den halben Erdball vollführen können!

Auf diese seetüchtige Rasse ist nun auch das Lavieren oder Kreuzen gegen den Wind beschränkt. Für Nordwest-Europa wird diese schwierigste aller nautischen Künste zum erstenmal für das Jahr 1189 erwähnt,[9] ist also eine recht junge Errungenschaft. Wie alt sie bei den Malaien und insonderheit den Poly- und Mikronesiern ist, und ob diese ihre Durchdringung des Stillen Ozeans bis Hawaii im Norden und der Osterinsel im Osten bereits der durch das Kreuzen bedingten Unabhängigkeit von den Windrichtungen verdanken oder dem bloßen Segeln mit dem Winde, läßt sich wohl kaum noch entscheiden. Heute, wie gesagt, beherrschen sie diese Kunst, wenngleich sie dabei auch ein ganz klein wenig anders verfahren, als das bei unseren Segelmanövern geschieht. Der Gegenstand ist schon aus diesem Grund einer näheren Betrachtung wert, wobei wir uns wiederum an Pfaundler anschließen wollen.

Aufkreuzen ist in allen den Fällen nötig, wo der Wind vom Ziele her weht. Um es trotzdem zu erreichen, drehen wir das Boot so, daß seine Kiellinie KK′ gegen einen andern Punkt Z′ gerichtet ist, und stellen die Segelfläche in die Richtung SS′, also zwischen die Windrichtung und die Kiellinie ([Abb. 37]). Nun sucht der Wind den Punkt A des Segels in der Richtung nach D zu bewegen. Die Strecke AD stelle uns die Kraft dar, mit der das geschieht. Diese Kraft zerlegt sich in zwei Komponenten AB und AC. Die erstere läßt die Luftmassen längs des Segels abstreichen, ohne weitere Wirkung zu äußern; die letztere Teilkraft, die senkrecht auf der Segelfläche steht, sucht Segel und Schiff in der Richtung AC mit der Stärke AC zu bewegen. Aber das Schiff kann nur in der Kiellinie fahren, da der Widerstand des Wassers sonst zu groß ist. Somit zerfällt die Kraft AC wiederum in zwei Teilkräfte Ab u. Ac. Ab übt keine Wirkung wegen des Widerstandes des Wassers aus, Ac aber treibt das Schiff in der Richtung des Kiels mit einer Kraft, die durch die Strecke Ac vorgestellt wird. Somit segeln wir in der Richtung nach dem Ziele Z′. Nach einiger Zeit wenden wir mit dem Steuer das Boot rechts herum in der Richtung nach Z″ und stellen das Segel wieder nach SS′, zwischen die Windrichtung WD und die Kielrichtung K′K. Nun wiederholt sich wie früher die doppelte Zerlegung, und wir segeln gegen Z″. An dem Punkt Z″ angekommen, wenden wir wieder nach links, so daß das Boot in die gleiche Stellung kommt wie bei der Abfahrt. So müssen wir unser Ziel Z erreichen.

Abb. 37. Das mechanische Prinzip des Kreuzens gegen den Wind.

Das ist der Vorgang rein schematisch betrachtet. In der Praxis kompliziert er sich bei uns durch die Blähung des Segels, noch mehr aber in der Südsee, wo zunächst der Ausleger in Rechnung zu ziehen ist, wo aber auch, wie auf den Marshall-Inseln, der Mast nicht mittschiffs, sondern außenbords auf der Auslegerbrücke steht. Dieser Ausleger, ein durch Querhölzer mit dem Boot verbundener balkenförmiger Schwimmer, ist der Grund, warum die Mikronesier nicht über Stag gehen oder halsen, d. h. durch einfaches Wenden des Schiffes aufkreuzen können. Er muß nämlich stets an der Windseite bleiben, um den Segeldruck auszugleichen.[10] Deshalb wird an der Wendestelle das Boot mit dem Heck nach vorn gedreht — sie sind hinten wie vorn gleich scharf gebaut — und das Segel von hinten nach vorn getragen. Also ein in Einzelheiten urtümliches, als Ganzes aber doch großartiges Verfahren, dem kein anderes Naturvolk etwas Gleichwertiges an die Seite zu setzen hat.

Der Ausleger kompliziert das Fahren aber auch noch in einer anderen Beziehung. Er bietet dem Wasser einen Widerstand, der auf die Fahrtrichtung des Bootes selbst nicht ohne Wirkung bleiben kann. Sie äußert sich in Reibung, die das Schiff nach seiner Seite hin ablenken und theoretisch im Kreis herumführen muß. Um dem zu begegnen, haben außer den Nikobaresen vor allem die Marshall-Insulaner die dem Ausleger zugewandte Bootseite erheblich gewölbter gestaltet als die andere Seite, die beim Marshallboot eine fast gerade Fläche bildet. Auf diese Weise wird der ungleiche Wasserwiderstand so gut ausgeglichen, daß die Fahrt nunmehr in der gewünschten geraden Linie erfolgt.

Abb. 38. Drachenfischerei auf den Salomonen.

Wir können von der Südsee nicht scheiden, ohne noch einer halb nautischen, halb aëronautischen Großleistung ihrer Bewohner zu gedenken. Das ist der Fischdrachen, dessen Verwendung ich bereits im »Kosmos-Handweiser« von 1917, Seite 65, kurz geschildert habe. Er wird heute in drei Gebieten gebraucht, vom Westende von Neuguinea bis zur Bandasee und vereinzelt sogar bis zur Sundastraße, vom Ostende Neuguineas bis zu den Santa-Cruz-Inseln und den nördlichen Neuen Hebriden, und schließlich im nördlichen und westlichen Bismarck-Archipel. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist er nicht einheimisch, sondern über Indonesien von irgendwoher eingewandert.

In Form und Handhabung ähnelt der Fischdrachen unserem heimischen Papierdrachen sehr, nur ist er aus leichten Pflanzenblättern zusammengestellt und gegen den Winddruck durch dünne Stäbchen versteift. Wie man aus der [Abbildung 38] ersieht, paddelt der Fischer kräftig gegen den Wind; der Drache steigt, schleppt aber am Ende seines Schweifes einen Köder in Form eines Bündels zusammengewickelter Spinnwebfäden, in denen sich große Fische, wie Hornhechte, beim Hineinbeißen mit den Zähnen verfangen sollen. Der Köder hüpft bei der frischen Brise lustig über die Wellen dahin, so daß er die Aufmerksamkeit der Hornhechte sehr wohl erregen wird.

Bis hierher sind die Literaturangaben klar und unmißverständlich. Wie aber bringt der Fischer, falls er allein auszieht, den Drachen zum Steigen, und wie zieht er ihn, nachdem er am Zucken der Schnur das Anbeißen des Fisches festgestellt hat, ein, ohne daß der Drache ins Wasser fällt? Selbst die eingehenden Studien meines Mitarbeiters Dr. Plischke, der dem Fischdrachen zurzeit eine Monographie widmet, haben in den meisten dieser Punkte bisher keine Klarheit zu schaffen vermocht.

Abb. 39. Das mechanische Prinzip des Luftdrachens.

Physikalisch stellt der Luftdrache eine solche Häufung von Gesetzen dar, daß wir auf eine ausführliche Darlegung verzichten, uns vielmehr mit einer groben Analyse begnügen müssen. In der [Abbildung 39] stelle sp den horizontal im Schwerpunkt p der geneigten Drachenfläche bb angreifenden Winddruck dar. Nach dem Satz vom Kräfteparallelogramm zerlegt sich die Resultante pa in die Teilkraft pd, die wirkungslos an der Fläche entlang gleitet, und die Teilkraft pc, die senkrecht gegen die Fläche aufwärts drückt. Dorthin würde also der Drache gehoben, wenn er ohne Gewicht wäre. Da das nicht der Fall ist, setzt sich der Druck pc mit der in p senkrecht abwärts wirkenden Schwerkraft zu der Gesamtresultante pg zusammen. Die bei p befestigte Schnur ep nimmt die Richtung dieser Resultante an und hält ihr durch ihre Spannung das Gleichgewicht, d. h. der Drache schwebt beim Festhalten und steigt beim Nachlassen der Schnur. Die besonderen Einwirkungen des Schweifes auf Schwerpunkt, Schnurbefestigung usw. müssen wir hier als zuweit führend beiseite lassen.


[11. Licht und Schall.]

Zu dem Fischer mit dem Drachen gesellt sich der andere mit Wurfspeer und Bogen und Pfeil; während aber jener nur auf die angegebenen Teile Ozeaniens und Indonesiens beschränkt ist, kehrt dieser in allen Erdteilen wieder. Zudem muß zum mindesten der Speerwurf nach dem Fisch uralt sein, denn er wird gerade von den allertiefststehenden Völkern gern geübt. Der Bogen hingegen ist eine verhältnismäßig junge Erfindung, die bei uns einwandfrei erst von der jüngeren Steinzeit an nachweisbar ist.

Die naheliegende Frage ist nun: Wie hat sich der Schütze bei seinem Beginnen zu verhalten? Zielt er auf den Fisch selbst, oder über oder unter ihn? Daß ein Stock, wenn man ihn schräg ins Wasser hält, nach oben geknickt erscheint, beobachtet jedes Kind, es kann sich jedoch die Erscheinung nicht erklären. Später hört es dann im Unterricht von der Brechung des Lichts beim Übergang von einem Medium in ein anderes und sieht nunmehr die Sache schon mit etwas mehr Verständnis an. Ein gefälliger Erwachsener zeigt ihm schließlich den von dem alten griechischen Mathematiker Euklid schon vor 2200 Jahren angestellten Versuch mit der Silbermünze in der undurchsichtigen Schüssel, worauf es keinen Augenblick länger im Zweifel sein wird, daß der Gegenstand selbst sich tiefer befindet als es den Anschein hat. Jener Versuch besteht bekanntlich darin, daß man die Münze in der leeren Schüssel so legt, daß der etwas abseits stehende andere sie eben gerade nicht mehr sieht. Füllt man dann die Schüssel vorsichtig mit Wasser, so taucht die Münze für den Beobachter nach und nach über dem Schüsselrand auf, bis sie schließlich vollkommen sichtbar ist, während sie in Wirklichkeit noch unverrückt in ihrer alten Tiefe liegt.

Den Urmenschen hat niemand weder mit Versuchen beglückt noch über Brechungsgesetze unterrichtet, und doch haben er und seine Nachfahren gelernt, mit Brechungsquotienten zu rechnen. Wie ungezählt viele Fehlwürfe und Fehlschüsse ihn das gekostet hat und noch heute jeden angehenden Wasserschützen kosten mag, ist gar nicht auszudenken. Hier hat die Empirie, die Erfahrung, das Maximum an Arbeit verlangt, aber auch einen ihrer größten Triumphe gefeiert.

Wie sich der Vorgang im einzelnen abspielt, läßt sich bequem aus der [Abbildung 40] ersehen. Die Brechung der von Gegenständen unter dem Wasser ausgehenden Lichtstrahlen hat zur Folge, daß sie uns näher der Wasseroberfläche zu liegen scheinen, als es in Wirklichkeit der Fall ist. So erscheint der Fisch F, wenn wir ihn von a aus erblicken, in F′ zu sein. Ist aber das Auge in a′, so scheint er uns in F″ zu stehen. Die scheinbare Erhöhung wird also immer größer, je schiefer wir auf die Wasserfläche schauen; auch nimmt sie dabei immer rascher zu. Will man daher Fische schießen, so muß man stets tiefer zielen, und zwar um so mehr, je geneigter die Schußrichtung ist. Die »wilden« Jäger wissen das ganz genau, sind auch sonst über die Schwierigkeiten gut unterrichtet, vor allem über die Notwendigkeit, ein festes »Abkommen« zu haben. Daher das häufige schräge Eintauchen des Pfeils in das Wasser, um den Grad der Lichtbrechung zu prüfen; daher bei vielen Indianern Südamerikas auch das Hineinwerfen einer leuchtend roten Beere in den Fluß, um in dem Augenblick, wo ein von unten zuschnappendes Fischmaul sie verschlingen will, den Pfeil zu entsenden.

Abb. 40. Erklärung des Fischschießens. Die scheinbare Höhe der Fische unter Wasser.

Abb. 41. Ostafrikanisches Telephon. (Nach Weule.)

Auf dem Gebiet der Akustik besteht die höchste Leistung der Naturvölker in der Besiegung des Raumes durch den sozusagen artikulierten Schall, durch die Signal- oder Trommelsprache. Vollendeter zwar ist das niedliche Telephon, das sich ostafrikanische Kinder konstruieren. Es ist in der Literatur schon seit den 1890er Jahren bekannt, doch fehlt es in den meisten Sammlungen. Im Süden von Deutsch-Ostafrika habe ich 1906 ein paar Belegstücke erlangen können. [Abb. 41] zeigt ein solches Telephon, bei dem es sich ganz offenbar um eine allerdings sehr geschickte Entlehnung aus europäischen Spielwarenläden handelt. Wie man sieht, besitzen diese Telephone die Form einer kleinen Trommel aus Holz oder Flaschenkürbis, deren obere Öffnung mit der feinen enthaarten Haut eines bestimmten Nagetieres überspannt wird. Die Leitung, eine sehr dünne, gut gearbeitete Pflanzenfaserschnur, wird durch ein enges Löchlein in der Mitte der Membran gezogen und durch einen Knoten am Durchgleiten verhindert. Die Apparate arbeiten ausgezeichnet; man kann sich bei straff angespannter Schnur auf 100 Meter und mehr — länger sind die Leitungen nicht — sehr gut durch sie verständigen. Welches Gesetz für das Leitungsvermögen einer solchen Schnur in Frage kommt, entzieht sich meiner Beurteilung; dazu bin ich nicht Physiker genug.

Alle übrigen akustischen Verständigungsmittel, soweit sie auf der Trommel beruhen, haben den Vorzug, ureigenes Gut der Naturvölker zu sein. Die Erfindung einer Signalsprache ist nicht schwer, denn die Beobachtung, daß die stärkere Holzwand eines ausgehöhlten Holztroges einen tieferen Ton gibt als die schwächere, liegt nahe. Die konventionelle Einführung einer Art Morsesystems in Gestalt tieferer und höherer Töne für bestimmte Begriffe unter den Stammesgenossen bringt die Erfindung dann ebenso leicht zum Abschluß.

Zu einer wirklichen Trommelsprache gehört allerdings doch wohl noch mehr. Ihre höchste Entfaltung hat sie in den küstennahen Gegenden Äquatorial-Westafrikas gefunden, wo die Eingebornen sich mühelos die längsten Geschichten über weite Entfernungen hin erzählen. Das ist nun ein Gebiet, wo manche Sprachen von sogenannten Tonhöhen oder musikalischen Akzenten durchsetzt sind, wo mit anderen Worten die Bedeutung der Silben mit der Art der Aussprache wechselt, ganz wie im Chinesischen auch. An diesen Umstand knüpft Prof. v. Luschan an, indem er meint, daß gerade erst dieser besondere Sprachcharakter die wesentlichste Vorbedingung für jene Vollentwicklung der Trommelsprache gewesen sei. Ob diese Vermutung durch weitere phonetische und linguistische Untersuchungen über Bord geworfen oder bestätigt werden wird, muß die Zukunft lehren; in jedem Fall hatte die vollendete Durchführung jener Errungenschaft ihren Besitzern ein bedeutendes Übergewicht über ihre Nachbarn eingetragen, bis die Herrschaft der Europäer das alles wieder ausgeglichen hat.

Die allerfeinste Heranziehung der Akustik durch Naturvölker findet sich jedoch im tropischen Südamerika. In Ethnologenkreisen ist sie unter dem Namen Cambarysu bekannt und berühmt. Das sind ebenfalls Schlitztrommeln aus Holz, die von den Eingebornen so untergebracht und aufgestellt werden, daß ihre Töne ausschließlich an den gewünschten Punkten, nämlich gleichartigen »Stationen«, vernommen und gedeutet werden können. Zu dem Zweck baut man bei den Catuquinaru besondere Häuschen und stellt die Trommel darin in eine mit Holzstücken gefüllte Grube, die bei anderen Stämmen wegfällt. Trommeln nun die Männer in der Morgenstille, so werden die Zugänge zum Aufstellungsraum verschlossen gehalten, damit die Tonwellen nicht vom Walde verschluckt werden, sondern sich konzentrieren, durch die Giebel des Hauses entweichen und sich erst über den Wipfeln der Bäume in der freien Luft ausbreiten. Also eine leibhaftige Telephonie ohne Draht!


[12. Schlußbetrachtung.]

Mit dem Cambarysu wollen wir den Rundblick auf die physikalischen Errungenschaften der Naturvölker einstweilen beschließen. Dieser kleine Wunderapparat wendet sich bewußt an die nur geringe Schar der Eingeweihten. Das ist falsche Bescheidenheit, denn ein kurzer Überschlag alles von uns Gebrachten beweist doch unzweideutig, daß die Naturvölker keineswegs jene halb- oder ganztierischen Lebewesen sind, für die sie in Laienkreisen so oft gehalten werden. Alle Völker der Erde sind, wie wir in den Kosmosbändchen so oft betont haben, gleich alt, und alle haben genugsam Zeit und Gelegenheit gehabt, Erfahrungen zu sammeln und Entdeckungen und Erfindungen der verschiedensten Art zu machen. Wenn die weiße Rasse dabei ungleich erfolgreicher gewesen ist als alle übrigen, so haben ihr dabei zahlreiche Umstände geholfen, auf die hier einzugehen wir um so weniger Veranlassung haben, als der Unterschied keineswegs dem Wesen, sondern lediglich dem Grade nach besteht. Ganz ohne Errungenschaften ist nicht einmal das primitivste Völkchen geblieben, ja die Mehrzahl kann sich sogar eines oft nicht einmal unbeträchtlichen Schatzes an technischen Mitteln rühmen.

Aber die Herrschaft über die Natur? Besitzen sie auch die? In dem Sinn, wie wir sie auffassen, sicherlich nicht; weder verfügen sie so souverän über die Kräfte der Luft und des Wassers, noch über die der Tierwelt, des Dampfes, der Elektrizität und der explosiblen Gase, wie wir das von uns rühmen. Aber Herrscher sind sie bei alledem doch, wenn auch nur über ihren eigenen, mehr oder weniger beengten Lebensraum. Und auch das verstehen wir zuweilen falsch. Wie bedauern wir den unglückseligen Buschmann in seiner kargen Heimat! Kaum jemals fühlbarer Überfluß, dafür aber um so häufiger der bitterste Mangel an allem, was uns zur bloßen Fristung des nackten Daseins erforderlich dünkt. Dabei fühlt sich dieser Wilde in seinem Dasein entschieden geborgener als mancher Großstadtbewohner in dem seinigen. Das Nahrungsbedürfnis? Als Sammler und Jäger kennt er alle Schliche und Methoden, die seiner Umwelt angepaßt sind. Die in jenen Regionen doppelt brennende Wasserfrage? Auch sie hat er zu lösen verstanden allezeit, vom Völkchen der Buschmänner lebte sonst längst nicht einer mehr. Wie im wahrsten Sinn souverän deren Herrschaft über ihre Heimat ist, lehrt nichts besser und einwandfreier als die noch immer zu wenig beachtete Tatsache, daß alle die Herero, die nach der Schlacht am Waterberg im August 1904 nach Osten in das Sandfeld zogen, sich nur dadurch vom sicheren Untergang haben retten können, daß sie sämtliche Lebensgewohnheiten der vordem von ihnen so verachteten Vorbewohner dieser Region, eben der Buschmänner, sklavisch angenommen haben.

So ist es allerorts; in allen Zonen hat der Mensch sich förmlich erst seine Lebensbasis geschaffen, sowenig das scheinbar rein vegetative, pflanzenähnliche Dahindämmern so manches Naturvolkes dafür zu sprechen scheint. Um das im einzelnen zu beweisen, müßte man eine umfassende Völkerkunde größten Umfanges schreiben. Einige wenige Belege rein physikalischen Charakters haben wir in den vorstehenden Ausführungen gebracht, die gleichsam nur als Stichproben aus dem gesamten Kenntnisschatz der Naturvölker betrachtet sein wollen. Den auf vorwaltend chemischer Grundlage beruhenden Errungenschaften soll das nächste Kosmosbändchen gewidmet sein. Somit bleibt uns heute nur noch die Aufgabe einer mehr andeutungsweisen, unsystematischen Übersicht wenigstens der Hauptsache dessen, was unsere so oft falsch beurteilten Freunde an weiteren physikalischen Leistungen und Kenntnissen zu verzeichnen haben.

Wie weit reicht die künstliche Beleuchtung der menschlichen Wohnung zurück? Nun, sicher doch ebensoweit, wie das Feuer im Dienst unseres Geschlechtes steht; das Herdfeuer seiner Urhütte diente am Abend zugleich auch zu deren Erhellung. Auf dieser Stufe stehen seltsamerweise die meisten Naturvölker noch heute; sie haben kein höheres Lichtbedürfnis, sondern sitzen bis zum frühen Schlafengehen malerisch um ihr Universalfeuer herum. Kienspan, Fackel und Lampe sind unter diesen Umständen nur dünn verteilt zu finden, jener im alteuropäischen Kulturkreis, die Fackel aus Pflanzenharzen und stark ölartigen Früchten bei westafrikanischen und malaio-polynesischen Völkerschaften, die Lampe endlich bei den Eskimo und im alten Südeuropa. Schalenförmige Steine, die man als Lampen deutet, hat man neuerdings in südfranzösischen Höhlen des ausgehenden Paläolithikums gefunden; sie wie auch die Specksteinlampe der Eskimo brennen nur mit Hilfe eines Dochtes, und bestehe er auch nur aus einem zusammengedrehten Pflanzenflöckchen; sie beruhen also auf dem Gesetz der Kapillarität, deren wenn auch unbewußte Heranziehung in die menschliche Wirtschaft damit bis in überraschend ferne Zeiten zurückreicht. Unter Kapillarität verstehen wir die Erscheinung, daß in engen Röhren, die man in eine Flüssigkeit taucht, diese höher oder tiefer steht als außerhalb. Die Erscheinung erklärt sich aus der molekularen Anziehung zwischen den Flüssigkeitsteilchen unter sich (der Kohäsion) und zwischen den Teilchen der Flüssigkeit und der festen Wand (der Adhäsion). Ihre Wirkungsweise kann jedes Schulkind tagtäglich an seinem Löschblatt feststellen. Badeschwamm, Handtuch, Pinsel und Docht beruhen auf demselben Prinzip.

Für den einzelnen Mitteleuropäer gibt es insofern keine Trinkwasserfrage, als er bloß an die Wasserleitung oder an den Brunnen zu gehen braucht. Beim Primitiven liegt die Sache so einfach nicht; in Trockengebieten bedroht ihn ständig die Frage der Beschaffung schlechthin; in Sumpfregionen oder solchen des Brackwassers muß er sich fragen: Wie mache ich die Flüssigkeit genießbar und bekömmlich? Beide Zwangslagen haben selbst schon die einfachsten Menschheitsgruppen zu den mannigfachsten Maßnahmen und Einrichtungen veranlaßt, so daß ein Ethnologe neuerdings ein ganzes Buch über den Gegenstand schreiben konnte.[11]

Uns galt das Seewasser so lange für gänzlich unbenutzbar, bis wir es destillieren lernten. Wenn den Andamanesen und den Mikronesiern auf ihren langen Seefahrten das Süßwasser ausgegangen ist, springen sie morgens und abends je für lange Zeit in die salzige Flut, wodurch der Körper durch die Hautporen Wasser aufnimmt. Das rettet sie immerhin eine ganze Zeitlang vor dem Verdursten. Von den Polynesiern wird berichtet, daß sie neben Wasservorräten stets auch solche von bestimmten Pflanzen mitnehmen. Das Kauen dieser Blätter soll die Wirkung haben, daß man Seewasser genießen kann, ohne Schaden zu erleiden. Sickerlöcher für Brack- und Sumpfwasser finden sich vielerorts; im Gebiet des Schari südöstlich vom Tschadsee liegen sie bis zu 2 Kilometer vom Fluß ab, und im Lande Bornu umsäumen sie ganz systematisch die modrigen und brackigen Seen des Landes. Man hat also Sand und Kies als treffliche Filter erkannt. Für die Filtrierung des Meerwassers dienen auf vielen Südseeinseln ganz gleichartige, im Innern des Landes abgeteufte Anlagen. Selbst das von vielen Ethnologen als besonders primitiv angesehene Völkchen der Wedda auf Ceylon greift zu ihnen, da man das Wasser von Tümpeln und selbst dasjenige klarer Flüsse für giftig hält.

Eine recht niedliche Erfindung wird von den Australiern berichtet. Diesen fehlt die Töpferei, so daß sie sich mit flachen Rindenmulden für den Wassertransport behelfen müssen. Um ein Ausschwappen und Ausspritzen des in diesem Lande doppelt kostbaren Inhalts zu verhindern, bedecken sie ihn mit buschigen Zweigen. Bei den Völkern des südlichen Deutsch-Ostafrika traf ich dasselbe Verfahren an; es entspricht vollständig der Verwendung jener kleinen Bretterkreuze, die bei uns zu Lande auf die gefüllten Wasser- oder Milcheimer gelegt werden. Physikalisch fällt die Erscheinung unter den Begriff der Interferenz, d. h. der gegenseitigen Einwirkung zusammentreffender Wellen. Begegnen sich auf einer Wasserfläche zwei gleiche Wellensysteme, so wirken sie bei ihrer Durchkreuzung derart aufeinander ein, daß an allen Stellen, wo die Wellenberge des einen Systems mit den Wellenbergen des andern zusammentreffen, das Wasser zu doppelter Höhe erhoben, an den Stellen, wo zwei Täler zusammenkommen, zu doppelter Tiefe herabgedrückt wird, während es dort, wo je ein Wellenberg mit einem Wellental zusammenfällt, seine ursprüngliche Höhenlage beibehält. Das Entstehen solcher überhohen Wellenberge durch Einlegen von Fremdkörpern zu verhüten, ist der Zweck der einfachen, aber sinnreichen Einrichtung.

Mit dem Begriff des spezifischen Gewichts ist der Mensch vertraut geworden, seitdem er zum erstenmal selbst ins Wasser gegangen oder sich ihm auf einem schwimmenden Fremdkörper anvertraut hat. Hätte er sein absolutes Gewicht feststellen können und es durch sein Volumen dividiert, so würde er haben feststellen müssen, daß er leichter war als das Wasser, trotzdem sein erster Schwimmversuch dem Anschein nach das Gegenteil erwies.

Neben Schwimmen und Schiffahrt spielt das spezifische Gewicht im Leben der Naturvölker wohl nur dort eine Rolle, wo es auf das Abscheiden fester Bestandteile aus Flüssigkeiten ankommt. Bei dem Auspressen des Maniokmehls mit dem Tipití unter den Amazonasindianern nimmt der abfließende Saft noch eine Menge feinverteilter fester Teilchen mit, die sich in der untergestellten Schale sammeln. Die Indianerfrau läßt das volle Gefäß ruhig stehen; die festen Teilchen setzen sich ab, werden abgegossen und ergeben getrocknet ein Mehl, das von den Indianern weit höher geschätzt wird als die ausgepreßte Masse selbst.

Weit allgemeiner findet sich der gleiche Prozeß überall dort, wo der Sago den Grundstock der Nahrung bildet, also in ganz Hinterindien, im Malaiischen Archipel und auf Neuguinea. Die Sagopalme hat die angenehme Eigenschaft, in ihrem ganzen Innern aus der geschätzten Speise zu bestehen, nur daß sie einstweilen noch innig mit holzigen Bestandteilen durchsetzt ist. Hat man den übermannsstarken Baum gefällt, so gilt es, dieses durchwachsene Mark herauszuschlagen und zu zerkleinern, was mit stumpfen Hacken oder Klöpfeln verschiedener Konstruktion geschieht. Dann endlich erfolgt der Abscheidungsprozeß. Wie er am Kaiserin-Augusta-Fluß in Kaiser-Wilhelms-Land durchgeführt wird, zeigt [Abbildung 42]. Man wählt einen Trog, nämlich den unteren konischen Teil einer der gewaltigen Blattscheiden des Sagobaumes selbst, legt ihn etwas schräg auf Böcke und baut in das tiefer liegende Ende ein Gitter aus feinen Stäben ein, gegen welches sich ein Stück getrockneter Kokosblattscheide als eigentlicher Filter legt. Im Troge selbst knetet man nun die rohe Masse mit Wasser durch, wobei die Späne zurückbleiben, während das Sagomehl mit dem Wasser durch eine vorgesetzte steile Rinne in einen auf dem Boden stehenden Behälter abfließt. Der weitere Vorgang gleicht dem der Behandlung des Maniokmehls.

Die letzten, hier noch eben zu streifenden Errungenschaften ragen gewissermaßen schon in die höhere Technik herein; sie eignen sich demgemäß auch vortrefflich zu einem natürlichen Abschluß. Die eine ist die Töpferscheibe; andere hängen eng mit den Anfängen der Metalltechnik zusammen; die letzten schließlich fallen unter den Begriff der Elastizität.

Abb. 42. Sagoschlämmen am Sepik, Neuguinea. (Nach Reche.)

Die Töpferscheibe ist eine senkrecht stehende Achse mit einer schweren Scheibe in Tritthöhe unten und einer kleineren auf dem oberen Achsenende. Der Töpfer versetzt die Maschine durch Treten der unteren, zugleich als Schwungrad dienenden Scheibe in Rotation, während er mit den Händen auf der oberen die Tonmasse formt; also eine höchst einfache Vorrichtung. Trotzdem — vielleicht auch gerade deshalb — ist man über Alter und Herkunft noch immer nicht unterrichtet. In Ägypten ist sie uralt, bei uns erscheint sie erst mit den Slawen, also vor noch nicht 1½ Jahrtausenden; bei den Naturvölkern existiert sie gar nicht oder doch nur in leisen Anfängen in Gestalt von Topfscherben, die die Töpferin bei ihrer Modellierarbeit als immerhin schon drehbare Unterlage benutzt. Die Rotation hat unserm Geschlecht, wie man immer wieder sieht, überraschend viele Schwierigkeiten bereitet.

Die vorkolumbische Menschheit schied sich in zwei große Teile: den metallverarbeitenden Westen, aus Europa, Asien und Afrika bestehend, und den metallosen Osten, der aus Australien, Ozeanien und Amerika bestand. Wer das erste Kupfer geschmolzen und verarbeitet, die erste Bronze legiert und das erste Eisen verhüttet hat, ist noch immer eine Streitfrage, doch denkt man bei Kupfer und Bronze einheitlich wenigstens an den vorderasiatisch-europäischen Kulturkreis. Beim Eisen ist man nicht einmal so weit, da für seine Entdeckung und erste Verarbeitung auch die Neger Afrikas in Frage kommen können; ja, Professor v. Luschan hat direkt den Beweis zu führen versucht, daß unsere Eisentechnik aus Afrika komme, also beim Neger älter sei als selbst im alten Orient. Träfe das zu, so bedeutete es einen ungeheuern Triumph für diese Rasse, zugleich allerdings auch einen ebenso niederschmetternden Beweis für ihre technische Unfähigkeit, etwas nicht einmal ohne Geschick Errungenes nun auch zielbewußt weiter auszubauen.

Abb. 43. Afrikanische und malaiische Blasebälge beim Verhüttungsprozeß.

Die Anfänge sind in der Tat vollkommen sachgemäß und einwandfrei: richtige Hochöfen vom Prinzip unseres älteren rheinischen Ofens mit Gicht, Schachtraum, Rast, Schmelzraum und Herd und vollkommen rationeller Beschickung mit abwechselnden Lagen von Holzkohle und Eisenstein; dazu Einlaßdüsen für Gebläse, die das Erz zwar nicht bis zum Schmelzfluß bringen, wohl aber zum Zusammensintern, so daß es sich mit leichter Mühe aus der entstandenen Luppe herausschmieden läßt. Also alles in allem ein vortrefflicher, vielversprechender Auftakt, nur schade, daß das Stück nicht weitergeführt worden ist.

Genau dasselbe Bild zeigen die Gebläse. [Abbildung 43] zeigt die beiden afrikanischen Typen kombiniert mit dem malaiischen. Von jenen besteht der eine aus einem abgezogenen Tierbalg mit drei zugebundenen Beinen, während in das vierte die zum Hochofen oder Schmiedefeuer führende Düse eingefügt ist. Ventil ist der oben belassene Schlitz, der beim Herunterdrücken mit Hilfe zweier angebundener Längsstäbchen geschlossen, beim Hochziehen geöffnet wird. Das ist der Schlauchblasebalg. Der andere Typ besteht aus einer Art großen Doppellöffels aus Holz oder Ton, dessen beide Aushöhlungen mit Fell oder großen Blättern überspannt sind, in deren Mitte je ein langer Stab eingebunden ist. Das ist der Gefäßblasebalg. Die Handhabung geschieht durch abwechselndes Heben und Senken beider Stäbe, wodurch ein annähernd gleichmäßiger Luftstrom entsteht. Der malaiische Blasebalg endlich gleicht im Aufbau unserer Saug- und Druckpumpe, wie sie jedermann von der Feuerspritze her kennt: in den Bambuszylindern laufen an Stöcken befestigte Kolben auf und nieder und pressen die Luft in die seitlich angesetzte Düse.

Abb. 44. Schwippgalgen, in ganz Mittel- und Südafrika angewandt.
(Nach Weule, Negerleben in Ostafrika.)

Allen drei Systemen gemeinsam ist der Mangel an eigentlichen Ventilen, d. h. Klappen, durch welche die Luft beim Hub von unten her oder seitlich zugeführt werden könnte; überall muß sie sich vielmehr einen Weg durch die Düse selbst oder, wie beim malaiischen Blasebalg, an der Undichtigkeit der Stempel entlang suchen. Hier sind wir also an der oberen Grenze des Schlußvermögens jener Rassen angelangt; darüber hilft auch der Umstand nicht hinweg, daß der Malaie sich die Elastizität der eingespannten Bambusstange zunutze macht, die ihn wenigstens des Stempelhubs überhebt und dadurch nicht unerheblich entlastet.

Mit der Elastizität haben sich sowohl der Arktiker wie der Südasiat und der Neger ungleich besser zu stellen verstanden als mit so knifflichen Fragen wie der des Ventils, was aus der unendlich langen Holzzeit, welche die junge Menschheit hat durchlaufen müssen, durchaus erklärlich erscheint. Das Hauptverwendungsbereich liegt natürlich da, wo es auf die Auslösung plötzlicher Energie ankommt, also beim Bogen und der Armbrust und den unterschiedlichen Tierfallen. Alle drei sind so späte Errungenschaften, daß sie nicht Zeit gefunden haben, den Weg um die ganze Erde zurückzulegen. Mehrfach erfunden zu werden, sind sie aber bereits zu kompliziert, so einfach sie uns verwöhnten Europäern auch erscheinen mögen. [Abbildung 44] zeigt den indonesisch-afrikanischen Haupttypus, [Abbildung 45] eine in Hinterindien heimische Form dieser Tierfallen. Jeder halbwüchsige europäische Knabe wird imstande sein, die Konstruktion alsbald nachzuempfinden und zu erläutern; wieviel Generationen sich aber dort unten am Äquator den Kopf an dieser immerhin nicht ganz kleinen Häufung physikalischer Probleme zermartert haben mögen, bis das Werk zu der heutigen Vollendung heranreifte, das ist nicht auszudenken.

Abb. 45. Selbstschuß bei den Senoi, Malakka.


[Fußnoten:]

[1] K. Weule, Die Kultur der Kulturlosen. Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde Franckh'sche Verlagshandlung. Stuttgart 1910. S. 51–60. Auch die beiden anderen einschlägigen Kosmosbändchen »Kulturelemente der Menschheit« und »Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge« sind in den folgenden Ausführungen oftmals herangezogen worden.

[2] Illustrierter Führer durch die vorgeschichtliche Abteilung des Weimarer Städtischen Museums. Herausgegeben im Auftrage der Stadt Weimar von Armin Möller, Kustos. Verlag des Städtischen Museums.

[3] L. v. Pfaundler, Die Physik des täglichen Lebens. 3. Auflage. Stuttgart und Berlin 1913. S. 272. Auf das ausgezeichnete Buch hat oftmals zurückgegriffen werden können.

[4] A. Heilborn, Allgemeine Völkerkunde. I. Aus Natur und Geisteswelt Nr. 487. S. 64.

[5] H. Th. Horwitz, Beiträge zur außereuropäischen und vorgeschichtlichen Technik. Jahrbuch des Vereins deutscher Ingenieure. 1916. Bd. 7. S. 181; F. M. Feldhaus, Über die Saftpresse der Guayana-Indianer. Zeitschrift für angewandte Chemie. Jahrgang 31. Nr. 53 vom 2. Juli 1918; K. Weule, Zusammenhänge und Konvergenz. Petermanns geograph. Mitteilungen. 1920. S. 70.

[6] O. T. Mason, The human beast of burden. Report of the United States National Museum 1887, S. 255.

[7] Berthold Laufer, Chinese pottery of the Han Dynasty. Leiden 1909, S. 72 ff.

[8] Globus, Band 79 und 80; M. P. Porsild, The principle of the screw in the technique of the Eskimo. American Anthropologist. N. S. Vol. 17, Nr. 1; B. Laufer, The Eskimo screw as a Culture-Historical Problem, ebenda, Nr. 2; Horwitz, a. a. O.

[9] Vgl. Walther Vogel, Geschichte der deutschen Seeschiffahrt. I. Berlin 1915. S. 515.

[10] Vgl. Dr. P. Hambruch, Die Schiffahrt auf den Karolinen- und Marshall-Inseln. Meereskunde. Sammlung volkstümlicher Vorträge. 6. Jahrgang, 6. Heft. S. 10.

[11] Dr. A. Haberlandt, Die Trinkwasserversorgung primitiver Völker. Petermanns geogr. Mitteilungen. Erg.-Heft 174. Gotha 1912.


[Freude am Leben]

und sichere Grundlagen

für eine moderne Weltanschauung findet jeder in der Natur.

Zum Beitritt in den »Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde«, laden wir

alle Naturfreunde

jedes Standes sowie alle Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw. ein. — Außer dem geringen

Vierteljahresbeitrag von nur M 7.50

(Dazu durch den Buchhandel Bestellgeld, etwaige Postgebühr besonders)

erwachsen dem Mitgliede keinerlei Verpflichtungen; dagegen werden ihm folgende großen Vorteile geboten:

Die Mitglieder erhalten laut § 5 der Satzung als Gegenleistung für ihren Jahresbeitrag im Jahre 1921 kostenlos:

I. Die Monatsschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde. Reich bebildert.

II. Die ordentlichen Veröffentlichungen. 4 Buchbeilagen.

Prof. Dr. K. Weule, Die Anfänge der Naturbeherrschung
Hanns Günther, Radiotechnik
Dr. Kurt Floericke, Würmer
Wilh. Bölsche, Im Bernsteinwald

III. Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden naturwissenschaftlichen Werken


Jedermann kann jederzeit Mitglied werden.

Bereits Erschienenes wird nachgeliefert.

Anmeldungen bei jeder Buchhandlung oder durch die Geschäftsstelle des Kosmos, Stuttgart, Pfizerstraße 5.

Folgende seit Bestehen des Kosmos erschienene Buchbeilagen
erhalten Mitglieder, solange vorrätig, zu Ausnahmepreisen:

1. Gruppe 1904–1907. Broschiert M 65.60, gebunden M 101.20.

1904 Bölsche, W., Abstammung des Menschen. — Meyer, Dr. M. W., Weltuntergang. — Zell, Ist das Tier unvernünftig? (Dopp.-Bd.) — Meyer, Dr. M. W., Weltschöpfung.

1905 Bölsche, W., Stammbaum der Tiere. — Francé, Sinnesleben der Pflanzen. — Zell, Dr. Th., Tierfabeln. — Teichmann, Dr. E., Leben und Tod. — Meyer, Dr. M. W., Sonne und Sterne.

1906 Francé, Liebesleben der Pflanzen. — Meyer, Dr. M. W., Rätsel der Erdpole. — Zell, Dr. Th., Streifzüge durch die Tierwelt. — Bölsche, W., Im Steinkohlenwald. — Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes.

1907 Francé, Streifzüge im Wassertropfen. — Zell, Dr. Th., Straußenpolitik. — Meyer, Dr. M. W., Kometen und Meteore. — Teichmann, Fortpflanzung und Zeugung. — Floericke, Dr. K., Die Vögel des deutschen Waldes.

2. Gruppe 1908–1911. Broschiert M 65.60, gebunden M 101.20.

1908 Meyer, Dr. M. W., Erdbeben und Vulkane. — Teichmann, Dr. E., Die Vererbung. — Sajó, Krieg und Frieden im Ameisenstaat. — Dekker, Naturgeschichte des Kindes. — Floericke, Dr. K., Säugetiere des deutschen Waldes.

1909 Francé, Bilder aus dem Leben des Waldes. — Meyer, Dr. M. W., Der Mond. — Sajó, Prof. K., Die Honigbiene. — Floericke, Kriechtiere und Lurche Deutschlands. — Bölsche, W., Der Mensch in der Tertiärzeit.

1910 Koelsch, Pflanzen zwischen Dorf und Trift. — Dekker, Fühlen und Hören. — Meyer, Dr. M. W., Welt der Planeten. — Floericke, Säugetiere fremder Länder. — Weule, Kultur der Kulturlosen.

1911 Koelsch, Durch Heide und Moor. — Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken. — Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit. — Floericke, Vögel fremder Länder. — Weule, Kulturelemente der Menschheit.

3. Gruppe 1912–1915. Broschiert M 65.60, gebunden M 101.20.

1912 Gibson-Günther, Was ist Elektrizität? — Dannemann, Wie unser Weltbild entstand. — Floericke, Fremde Kriechtiere und Lurche. — Weule, Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge. — Koelsch, Würger im Pflanzenreich.

1913 Bölsche, Festländer und Meere. — Floericke, Einheimische Fische. - Koelsch, Der blühende See. — Zart, Bausteine des Weltalls. — Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat.

1914 Bölsche, Wilh., Tierwanderungen in der Urwelt. — Floericke, Dr. Kurt, Meeresfische. — Lipschütz, Dr. A., Warum wir sterben. — Kahn, Dr. Fritz, Die Milchstraße. — Nagel, Dr. Osk., Romantik der Chemie.

1915 Bölsche, Wilh., Der Mensch der Zukunft. — Floericke, Dr. K., Gepanzerte Ritter. — Weule, Prof. Dr. K., Vom Kerbstock zum Alphabet. — Müller, A. L., Gedächtnis und seine Pflege. — Besser, H., Raubwild und Dickhäuter.

4. Gruppe 1916–1920. Brosch. M 68.80, gebunden M 106.25.

1916 Bölsche, Stammbaum der Insekten. — Dekker, Dr., Heilen und Helfen. — Floericke, Dr., Bulgarien. — Weule, Krieg in den Tiefen der Menschheit (Doppelband).

1917 Besser, Natur- und Jagdstudien in Deutsch-Ostafrika. — Floericke, Dr., Plagegeister. — Hasterlik, Dr., Speise und Trank. — Bölsche, Schutz- und Trutzbündnisse in der Natur.

1918 Floericke, Forscherfahrt in Feindesland. — Fischer-Defoy, Schlafen und Träumen. — Kurth, Zwischen Keller und Dach. — Hasterlik, Dr., Von Reiz- und Rauschmitteln.

1919 Bölsche, Eiszeit und Klimawechsel. — Zell, Neue Tierbeobachtungen. — Floericke, Spinnen und Spinnenleben. — Kahn, Die Zelle.

1920 Fischer-Defoy, Lebensgefahr in Haus und Hof. — Francé, Die Pflanzen als Erfinder. — Floericke, Schnecken und Muscheln. — Lämmel, Wege zur Relativitätstheorie.

Alle 4 Gruppen auf einmal bezogen: brosch. M 226.50, geb. M 352.—

Einzeln bezogen kostet jed. Band brosch. M 4.20, geb. M 6.60 (für Nichtmitgl. je M 5.20 bezw. M 7.80). Die Jahrgänge 1904–1916 (je 5 Bände) kosten für Mitglieder brosch. je M 18.—, geb. je M 28.20. Die Jahrgänge 1917–1920 (je 4 Bände) kosten für Mitglieder brosch. je M 14.40, geb. je M 22.40.

Vom Kosmos-Handweiser sind noch geringe Vorräte von 1910, 1911, 1913, 1914, 1915, 1917, 1918, 1919, 1920 vorhanden. Jeder Band kostet für Mitglieder brosch. M 10.—, geb. M 19.50 (für Nichtmitglieder brosch. M 12.—, geb. M 24.—).

Feuererzeugung bei den Gauchos der Pampas
(Probebild aus Weule, Kultur der Kulturlosen)

Schriften über
Völkerkunde u. Völkerforschung

von

Prof. Dr. Karl Weule:

Die Kultur der Kulturlosen

Ein Blick in die Anfänge menschlicher Geistesbetätigung

Mit 3 Tafeln und zahlreichen Abbildungen.

Kulturelemente der Menschheit

Anfänge und Urformen der materiellen Kultur

Mit 4 Tafeln und zahlreichen Abbildungen.

Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge

Mit zahlreichen Abbildungen.

Vom Kerbstock zum Alphabet. Urformen der Schrift

Mit zahlr. Abbild. nach Originalaufnahmen u. Originalzeichnungen

Der Krieg in den Tiefen der Menschheit.

Mit zahlr. Abbildungen nach Originalzeichnungen. (Doppelband).

Jeder Band (Januar 1921) geb. M 5.20, gebd. M 7.80

Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart

STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI
HOLZINGER & Co., STUTTGART