16. Heinrich Mann
Ein glänzender Blitz fährt durch Europa vom Süden herauf über Venedig, Genf, München, Paris, Stockholm. In den Städten ist grenzenlose Bläue. Landschaft mit schwebenden Gärten. Meer glüht, See oder Fluß bis in uferlose Berauschung. Die Luft ist erregend, im Blut nur zu verstehen und auszutragen. In der deutschen Achse steht Heinrich Mann, nicht umsonst ist die Leopoldstraße die schönste Gerade Deutschlands, nicht umsonst fällt auf die Dächer der Theatinerstraße schon italienischer Himmel. In Frankreich hätten sie Mann gefeiert, die Römer hätten ihm gehuldigt. Bis in sein fünftes Jahrzehnt haben ihn die Deutschen geschmäht. Er hatte Hohn nur auf die Bourgeoisie und empfing die Quittung. Auch haben seine Bücher einen Stil nach konzentrierter einsamer Größe, daß man, allein an Plumpuddings und Gelees gewöhnt, die breite Schärfe nicht begriff. Was an ihm schon ins Europäische wollte, hielten sie für französisch. Sie hatten nicht ganz unrecht. Er war wie eine Brücke aus dem Sumpf in die hellen Orchester einer jungen Generation, aber auch der Schwebebalken, den die absterbende große romanisch-demokratische Kultur tief in die deutsche Ratlosigkeit hinübersenkte.
Als Rembrandt, Poussin, Bernini starben, stand das Spätbarock den großen Meistern schon ohne Verständnis gegenüber. Wieland höhnte, als Bodmer sich an seinen Zöpfen erhing. Auch Heine hatte nicht viel übrig für die Romantik, die wiederum an den Klassikern nur Gefühle der Abneigung empfing. Seltsam, daß aber in der Zeit widerstrebender kleiner Kämpfe die großen Übergangsbegabungen gleichzeitig die Riesen waren und, noch halb verwirrt und oft ziellos nur im Instinkt, schon nach dem griffen, was der kommenden Generation als einzig sicheres, klares Bild vorschwamm. Wedekind, Strindberg, Heinrich Mann wurden plötzlich aus der Einsamkeit der nachnaturalistischen Zeit zu Mittelpunkten erhöht. Man kann ruhig auch Kerr hinzufügen. Es scheint heute, sie hätten die breiteren Achseln gehabt, während die Generation heut sehniger, aber schmäler ist. Bei den Schauspielern ist’s das gleiche. Bassermann, Steinrück, Wegener spielten den Kitsch ihrer Zeit, aber wen setzt die geisthafte junge Schauspielerschaft ihnen an Blutfülle, Erdkraft und Gewalt der Wirkung gegenüber? Heinrich Mann hatte vor drei Jahren die Liebe der Jugend, es ist möglich, daß es sich ändert. Sie erkannte an ihm im Instinkt den Kämpfer gegen Seitheriges und den angestrengten Arbeiter nach gemeißelter Form, den Erhalter des Dichterischen in der Prosa, als vogelweidhaft aufgeputzte Bürger und Beamte diese in ihre niederen Betten führten. Auch war sein Wuchs zu deutlich, sein Oeuvre das einzig Repräsentative in der neuen geistigen Haltung und Politik (wenn auch lange nicht so geschlossen wie das des Grafen Eduard Keyserling, doch um vieles sicher mächtiger im Können). Das Ausmaß dieses lange Alleinigen zog den Respekt an. Er war unter dem Ansturm einer ihn begeifernden Zeit sehr breit geraten. Auch die Griechen liebten die Eckpfeiler der Säulentempel ein Sechzehntel dicker zu nehmen wie die der Kolonnen, da, wie Vitruv sagt, die Ungeheuerlichkeit der Luftmasse sie dauernder attackiere wie die anderen, und sie nicht, wie die inneren Rohre der Sphinx, aneinandergelehnt und gesichert stünden.
So entwickelte sich die Sache, doch ist die historische Form des Anfassens genau wie ihre Wahrheit wahrlich nicht de saison. Wie die Jungen Mann holten, werden sie ihn wieder abstoßen. Die Entwicklungen haben lange gezögert und sich dann überstürzt. Dem deutschen Publikum waren es lange Anaglyphen, was er edel und unentwegt forderte. In absolutistischer Zeit stritt er für Demokratie. Als der Zustand erreicht war und man seine Bedeutung plötzlich erkannte, war die Seele der Jugend weiter gerutscht und versuchte nicht mehr in Parlamenten und der Mehrzahl völkischen Wollens Gottes Finger an unserm Geschick zu erkennen. Die Distanzen werden sich vergrößern, er wird tatsächlich zwischen den Generationen stehen als ein Könner, der einzige Romancier Balzacschen Sinnes, ein großer Diener und Bewältiger der Idee einer imaginären Gerechtigkeit auf der Erde. Wahrscheinlich werden sogar die für Gestaltung unzugänglichen Literaturgeschichten nach uns dies de rigeur annehmen. Ich habe keine Lust, perpendikulär zu kommen. Aber es wäre möglich, daß durch eine Flankenbewegung in noch späterer Zeit Mann wieder Anschluß bekäme.
Denn die ganz ins Linke geflogene jüngere Generation könnte aus dem Versagen der Revolutionen sich zu einem souveränen Skeptizismus erheben, der wohl Bessern aufs Panier setzt, aber an die Verwirklichung nicht glaubt. Denn immer zog nach heftigsten Revolten die Anziehungskraft der Erde das Bestehende noch grausamer zurück. Die Menschheit war selbst in Ruhrepidemien, zur Blüte der Pestbeulen und in dreißigjährigen Kriegen zu träg und zu elend, sich vorbereiten zu lassen auf das irdische Paradies. Sie liebten ihre Peiniger, und je mehr die Dämonen ihnen das nackte Fleisch aus dem Körper fraßen, lobten sie ihren Biß. Als Dom Miguel nach seiner Verbannung am dreißigsten Juni Achtzehnhundertachtundzwanzig den Staatsstreich in Portugal machte und alles tierisch tyrannisierte, war es genau die gleiche Erscheinung und das nämliche Theater, das im gesegneten Jahr Neunzehnhundertundneunzehn in Budapest und München die Generäle der weißen Garden aufführten. Aber es ist vergessen worden. Auch sonstwo trifft sich in jeder Jahrhundertparzelle der Historie dasselbe Spektakel, nur daß Deutschland die raffinierte Würze hat, den Akt durch eine sozialistische Regierung in Szene gesetzt zu sehen. Immerhin glaubt und kämpft die europäische Jugend noch fest an einem Ziel, das über Manns Ideale der Demokratie weit hinausgeht. Selbst wenn es Utopie und Bürgerspaß bleibt, wird der Akkumulator der ethischen Energien es nicht umsonst sammeln und eines Tages zurückgeben aufgespeichert, gespannter und wie alles Gerade und Kühne nicht umsonst getan.
Die Menschen von ganz links sind die besseren, weil sie die ganz anständigen und idealistischen sind. Die von ganz rechts sind die Schlauen, weil sie auf festem Boden stehen und Kilometerstaffeln der Unterstützung durch alle Dummen und Trägen haben. Außerdem riskieren sie nur wenig. Vielleicht wird eine geistige Partei der optimistischen Skeptiker oder der schlauen Idealisten sich ergeben. Sie werden taktischer vorgehen. Vielleicht ist Heinrich Mann dann aber, wenn sie ihn wieder erreichen könnten, schon von Sturzböen der Zeit überschwemmt, und andere unvorhergesehenen Richtungsschwenkungen der Weltwagen machen dieses Problem hinfällig. Auch dies wäre Tragik. Doch darf man über das Ganze sich keiner Täuschung hingeben. Es ist ein komplizierter Vorgang.
Genau wie Werk und Figur des Mannes selber, der als ein glänzendes Bild des Mutes der unentwegten Gesinnung und des fast beispiellosen Könnertums dasteht. Immer schlingen sich aber Verwirrungen hinein. Eigentlich ist er eine Bestätigung von der ungewöhnlichen Prägungskraft der Form, zu der alles letzthin strebt, und die allein uns alles groß Menschlich-Gewagte zurückgibt. Dies starre, die Materie zermalmende Element fraß sich bei Manns Büchern allein durch die Unkultur seiner Jahrzehnte, ohne sie wäre alles ihm auseinandergefallen. In seinen ersten Vorstößen ist soviel Jugendstiliges, Breites, Kitschiges, daß nur die überlegene Gestaltung es hält. Später ist das klassizistische Suchen und Schwärmen in reinen italienischen Linien uns arg lugüber. Die Fäule des oberen Bürgertums zu detaillieren genügt noch nicht; auch wußte er anfangs nichts damit zu machen. Die minervischen Enthaltsamkeiten der Herzogin von Assy führen in einen geschlechtlosen Ästhetizismus. Es hält schwer, sich für diesen Marmor zu begeistern. Es ist interessanter, bei einem Gewitter einer Dame mit roten Seidenstrümpfen Alfred de Musset vorzulesen.
All das damals Geschaffte hält tatsächlich nur die Form. Doch steckt hinter ihr natürlich als Motor der unerbittliche Geist. Irgendwo kommt auch in den satirischen Büchern, wo’s mehr um Unterleib und Bürgerluxustapeten geht, die radikale, durchpfeifende Fanfare der Gerechtigkeit und des siegreichen Feldherrn Geist durch. Auch in der virtuosen Hanswurstiade von der „Kleinen Stadt“ krönt das schließlich. Gewöhnlich findet er für seine Bücher keine Schlüsse, da wird er tastend, unsicher, bricht in ganz neue Themen aus und kneift irgendwie in den anderen Stoff. Das ist natürlich bezeichnend für den Übergang, er ist sich noch nicht klar in der Welt, auch ein Wort wie Gerechtigkeit und Demokratie muß bis in die letzten Konsequenzen des Weltgefühls gestaltet werden können, wie Balzac aus einer Wiese, aus Blumen und Früchten Ursein machte. Bei ihm wird aber noch viel reflektiert und gedacht. Es ist da ein Zwiespalt. In den Essais ist die Lage fest erfaßt, doch geht es da um Denken und nicht um Stadt, Schwanz, Rasse und Gewächs. Das einzurangieren blieb auch dem nicht ganz erfüllt, der zweifellos der größte Geist der Epoche ist. Auch all das Scheitern sagt nichts dagegen.
Seine Novellen werden neben Kleist gesetzt werden, obwohl sie um etwas Hohles herum gemacht sind. Innen ist ein Krampf. Klopft man die Faßrundung ab, klirrt es nach Ungefülltem. Etwas fehlt. Einmal dekouvriert er sich: Er hat gekämpft jahrelang und manches erreicht, den Deutschen ein großes Oeuvre hingesetzt, für das selbst die Jugend hinter ihm her ihn liebt, wie es scheint. Aber er kennt den Spalt in seinem Wollen. Sein romanisches Mischblut vermag es oft glänzend zu überdecken. Er möchte alles tun, muß aber alles denken. Er muß sich entscheiden zwischen Leben und Schreiben. Er wählt das letzte. Er schreibt und krepiert vor Neid um den Tatmensch. Jene Entscheidung, die jedes Künstlers Zwiespalt ist und die der Instinkt eines jeden von selbst reguliert aus der Kraft heraus, die entscheidet bei Mann sich einseitig. Er geht nur auf das Nachschaffen des Lebens. Er asketisiert sich. In ungeheuren Gebilden phantasiert er Leben zurecht, aber er verzichtet selbst. Liberi aut libri! Er ist für die Bücher, aus ihnen soll der Geist hinausgehen, es wird ein entsetzlicher Krampf, wohl mit Ehre, Ruhm, Ansehen und Glück bekränzt. Spöttisch sieht er gegen die Wand, wo ein Condottieri im Rahmen steht, der nur mit Frauen und Raub sich befaßte, nie geistig Geronnenes in unsterbliche Phantasien schmolz.
Als sich die Blicke treffen, senkt sich der des Dichters.
Hier ist vieles verfehlt. Sein Bau zwar ist errichtet, doch in der Mitte ist Unerlebtes, aus Angst Versäumtes, einer Fischleiche nicht unähnlich, die nur die leere Blase aufrecht hebt. Mediziner und Betrachter niedrigen Rangs nannten es Hysterie. Es ist das Sichaufsparen einer nicht ganz genügenden Potenz für eine einzige Richtung. Manchen Tag wird er sagen: Roi ne puis, Duc ne veux, Rohan suis. Aber es wird eine Verlegenheit sein, die der Geist ihn taktisch zwingt zu gestalten. Er wäre wohl gern das eine und das andere und hätte nie wohl das Königliche vermieden, wäre es in Leben und Gestalten, in Fülle und Geist ihm verliehen worden.
Beschränkung und Verdoppelung kam so aus Schwäche. Indem er sich zurückzog in die Empfindlichkeit seiner Nerven, hat er nicht verfehlt, den Kontinent der Abenteuerlichkeit und der geistigen Navigation bis in die exotischsten Häfen anzulaufen. Er wird oft grausam in der Verhaltenheit, aber die tragischen Hügel seiner Wanderung erhalten eine Süße, als seien Madonnen und Ölbäume auf ihre karge Erhebung gepflanzt. Auch speit er und keift aus Haß gegen die Woge der Zeit, die an ihn heranschwemmt, Gründerjahre und Geld, die ihn manchmal verführen zu spielen, statt zu richten. Aber im einzelnen ist der Geist unfehlbar bei ihm.
Den Menschen erreicht er stets und treibt ihn an die Rampe mit wundervollen Triumphen. Die Gebärde des Stolzes ist spät aber byzantinisch im Goldton und demütig in der Verantwortung. Die Enttäuschung bei so breit angelegten Werken hält ihn nie auf. Plus je connais l’homme, j’aime le chien hat Pascal, nie ihn zur Flucht gewendet. Auch Skepsis wird ihn nie überwältigt haben, so sehr die romanischen Nischen seines Bewußtseins ihn dazu führen. Das verwechselt sich leicht mit Gerechtigkeit, die er sich konstruiert. Er wird nie Partei nehmen, auch nahm er sie nie. Etwas Ängstliches kommt dann ins Gesicht der Sätze. Er ist nicht für Tat und Konsequenz, mehr für Aufgabe. Und für den Egoismus, sich ihr zu erhalten. Vergeßt diese Reservatio nicht. Doch bleibt er, schaut nach einem langsamen Jahrhundert man zurück, ein Turm da, wo er stand. Er konnte viel. Vielleicht irrten, die ihm Plätze zuwiesen, an ihm mäkelten. Vielleicht wird man erst in zweien Säkulis das Hohle wieder hören, dann donnert es vielleicht. Die Zeiten trennen sich jedenfalls hier. Manche werden vielleicht von rückwärts aus der Jahrhundertiefe vor uns ihn reklamieren, etwa kann’s auch geschehen, daß er vom Zukünftigen vor und heftig verleugnet wird. Jedenfalls ist hier Küste. Manchmal stürzten Wachttürme ein und man vermißte sie später nicht.
Letzten Endes kann er immer die Lebenskonsequenzen nicht ziehen. Er hat sich faustisch dem Gerechtigkeitskompaß verschrieben. Das führt ihn zu Summen, die er nicht zu addieren, die er nicht zu gebrauchen vermag. Er weiß den Sinn zu predigen. Als er ans Soziale gelangt, zerbricht es ihm in der Hand. Er hat die Renaissance durchschweift, Seelen und Körper sich hingeben lassen an den Glauben und verschwendet wie kein Deutscher vor ihm. Aristokrat auch er und Gemeines hassend wie Pest. Nun soll er, muß er, geführt und geleitet von dem führenden Stern, die proletarische Kaste beschreiben, die er nicht versteht, deren Sinn ihm nebelhaft ist. Er weiß, das will herauf. Er sieht, wie Zola gigantisch sich gemüht. Er hätte vielleicht vermocht, in einer viel späteren Existenz die Seelengröße des Zeitalters, entfernt und voll innerer Kühle, zu geben wie keiner. Das genügt nicht mehr, er soll nun führen, Weg weisen, nicht Tragik der Tribunen geben. Ach, dieses Ufer ist nackt und ohne Farbe. Es bröckelt Sand ihm aus der Hand. Weiter nichts. Es bleibt vielleicht die Schilderung der Zeit, das Herzeigen der Konflikte, nicht ihre Überwältigung. Matt wird das Blut, dünn der Aufstieg. Auch hierin steht er zwischen der Zeit.
Die Jungen nennen voll Ehrfurcht seinen Namen, übergehen Tadel gerne, weil es ihm geschuldet ist aus den tausend Wunden, die er voll Zähigkeit für sie trägt. Doch sehen sie ihn nur noch spielen mit Ideen und Formeln der Gerechtigkeit, nicht mit ihrem blühenden Fleisch. Als der letzte Große aus Rom kam, den Louvre zu bauen, empfing ihn der Hof des vierzehnten Ludwig mit den größten Ehren, die der Geist verlangte. Den Bau hat aber später ein Junger, Perrault, geschafft. Wundervoll die gespannte, innen tief verhaltene und verkrampfte Gebärde, mit der, wie niemand heute, Heinrich Mann, geistig und adlig, sein vielspaltiges und großes Werk zusammenhielt. Ohne diesen Ring bräche es auseinander wie eine aufgeschnittene Garbe. Es war Leuchte und Kraft in ödester Zeit. Man wird nicht aufhören, sich der Herzogin von Assy zu verneigen, die Süßigkeiten und Trauermärsche stolzen Seelenbewußtseins schwingend zu verspüren. Einer hat die Zeit wütend da gegeißelt, voll Distanz, und beherrscht, und ihr doch das Schöne gewiesen der Inseln der Schiffe, der Tapferkeit tief aus den Rinnen der Historie herauf. Ausschweifungen des Geistes fanden keinen strahlenderen Heros. Süden, Macht des gerechten Kampfes und Blutes sind um ihn. Seine Jacht ist um den Tierkreis und die Erde weit herumgelaufen, während er träumte, auch hat er gebaut, an manches gedacht und kolonisiert. Fahnen senken sich, Häupter sind entblößt vor der Leistung.
Manchmal wird nur gedacht, wo es hohl klinge in der Wölbung des Werks, sei vielleicht falsch gehört. Kein künstlerisches Vakuum sei im Zentrum, auch nicht allein das Versagen. Er habe vielmehr, indem er sich der einen Richtung des Geistes verschrieb, gegen das Menschliche versündigt und mehr gegeben, als er dafür nahm. Ruhm wohl empfangen auf dem Weg des Geistes, aber es sei ein dürrer Kranz. Wo er gegeizt habe wie ein Wucherer, wo er gespart und gefeilscht habe, vom Leben und der Tat immer wegnehmend und es ins Imaginäre der Idee setzend, um Kraft aus der Schwäche zu ziehen, da sei ein Fehler in das Zentrum gefahren, er habe das Wichtigste versäumt und mit schiefer Einstellung nur noch gesehen. Wo blutig das Herz schlüge, sei blaues Eis.
Er habe die Menschen nicht geliebt, sondern ihre Ideen.
Sei fanatisch, aber egoistisch gewesen, habe als schiefer Radikaler und verschobener Märtyrer nur der Pfunde gewaltet. Sei nie bis an die Menschen gekommen, habe, Hand über den Augen, tief denkend, an der letzten Küste gehalten.
Der Weg war indirekt.
Ob er es begriffe.
Am Kap Matifu, als er in Tunis strandete, schrie Karl der Neunte: Glück sei die Hure, die nur von Jugend karressiert sein wolle. Am Ufer sind Kämpfe weit von Mann, neue Generationen aufmarschiert mit anderen Losungen. Ob ihm ein Schleier reiße und er fühle, er habe eigentlich sie nie erreicht, nie erfaßt?
Edel in der Haltung, wird vielleicht er es nicht verstehen, nicht sehen, neuen Büchern zufahren, während die Zeit sich vollendet in seinem Rücken. Vielleicht aber ist jedes Wort falsch und jeder Schritt unrecht, den die am Ufer tun. Aber sie haben sich entschieden und haben aus heißer menschlicher Leidenschaft gehandelt. Doch auch das würde dem Wegfahrenden wohl nicht klar sein, denn es wäre zu nah für ihn. Er kann es aus dem Blut nicht verstehen, nur aus dem Geist. Der aber segelt ihn nur bis dahin, wo das Begreifen beginnt. Hier scheiden sich die Wasser, man muß es nicht deutlicher zeigen wollen, als es ist.