Hermann Vogel dem Malerpoeten des Vogtlandes zum Gedächtnis
Von Karl Rödiger, Plauen i. V.
Die beigedruckten Bilder stammen »Aus den Fliegenden Blättern«, Braun & Schneider, München
»Bin kein Heimatkünstler im eigentlichen Sinne des Wortes, bin kein Vogtlandmaler«, schrieb mir Hermann Vogel in seiner kurzen, offenen Art, als ich mich vor etlichen Jahren an ihn gewendet hatte mit der Bitte, mir aus dem Reichtum seiner Bilder solche zu nennen, denen ein vogtländisch-heimatliches Motiv zu Grunde liegt. Und wer das gesamte Schaffen des Künstlers, der sich selbst einmal, auf dem Titelblatt seines »Bilder- und Geschichtenbuches«, als »romantisch-humoristischer Illustrator« bezeichnet hat, auch nur einigermaßen kennt, seine Illustrationen zu Scheffels Ekkehard, zu Wagners Deutschen Heldensagen, zu Schwabs Volksbüchern, zu der achtbändigen Weltgeschichte seines Lehrers Otto Kaemmel, seine wundersamen Bilder zu den Märchen der Brüder Grimm (1892/94), zu Rudolphis Märchen (1905), seine ungezählten Bilder und Gedichte, Tierfabeln und Geschichten in den Münchener »Fliegenden Blättern«, denen Hermann Vogel mehr als drei Jahrzehnte lang sein bestes Dichten und Können gewidmet hat, wer dies alles überblickt, der wird, erstaunt ob solcher Gestaltenfülle aus allen Zeiten und Völkern und Ländern, den Künstler nicht mehr in den engbegrenzten Begriff des Heimat- und des Vogtlandmalers hineinzwängen wollen.
Der Schatzgräber
Und doch, wer näher zusieht, wer als geborener Vogtländer wie ich von Jugend an leidenschaftlich gern Hermann Vogelsche Bilder aufgesucht und stundenlang betrachtet hat, der wird mit aufrichtiger Freude entdecken können, wie Hermann Vogel auch seiner Heimat, seinem Vogtland, immer und immer wieder reizvolle Motive für seine Bilder abzulauschen wußte.
Hexenküche
Kein Wunder. Denn in Plauen, im Herzen des Vogtlandes, am 16. Oktober 1854 als zweiter Sohn des Maurermeisters Traugott Wilhelm Vogel geboren, ist der Künstler zeitlebens ein rechter Vogtländer von echtem Schrot und Korn geblieben. Mit allen Fasern seines Herzens hing Hermann Vogel an seinem Vogtland. Mit seinen Landsleuten hat auch er, wie Julius Mosen, der Vogtlandsänger, im Eingang der »Erinnerungen« von sich sagt, immer die Anhänglichkeit an die heimatliche Erde des Vogtlandes gemeinsam gehabt. Ein doppeltes Heim hat Hermann Vogel besessen, ein Sommerheim an der Plattleithe im sonnigen Loschwitz bei Dresden und ein Winterheim in seinem obervogtländischen Dörflein Krebes beim Burgstein, zwischen Ruderitz und Gutenfürst. Sobald es zu herbsteln begann, sobald die ersten Schneeflocken herabwirbelten, litt es den Künstler nicht länger im wohligen Loschwitz. Das Heimweh trieb ihn hinauf in seine heimatlichen Vogtlandberge und Vogtlandwälder. Und hier, in der Weltabgeschiedenheit des Krebeser Waldes, in nie befriedigtem Selbststudium, in unablässigem Naturstudium hat er, den kein Kunstlehrer und keine Kunstakademie dauernd hatte fesseln können, mühevoll sich den Weg zu seiner Künstlereigenart gebahnt. Hier hat er am 22. Februar 1921 sein Künstlerauge für immer geschlossen. Hier haben wir ihn, den »Krebesaere«, auf seinen ausdrücklichen Wunsch in den mütterlichen Schoß seiner heißgeliebten Vogtlanderde gebettet. –
Mit Stift und Skizzenbuch hat Hermann Vogel sein Vogtland kreuz und quer durchstreift und, als Maurermeisterssohn, mit ganz besonderer Vorliebe architektonische Motive heimgetragen. Immer wieder ragen in seinen Bildern die zerfallenen Mauern der beiden romantischen Burgsteinruinen empor, die seinem Krebeser Heim und seinem Künstlerherzen so nah benachbart waren: in Maiensonntagsbildern die untere Burgsteinruine mit dem ländlich gemütlichen Kegelschub, im mondlichtüberflossenen Schatzgräberbild die obere Burgsteinkapelle, in dem köstlichen Waldmappenbild von der Märchen erzählenden Großmutter die altersgrauen Burgsteinmauern mit dem geheimnisdunklen Spitzbogentor im Hintergrund, im Bild vom grauen Männel, das den späten Gast vom Burgstein heimleuchtet, in zahlreichen Bildern der Ora-pro-nobis-Brüderschaft, deren Seele der Künstler gewesen, im Bild vom eingeschneiten Einsiedler, in der innigen Dornröschenkarte vom Burgstein, deren Geleitgedicht der Malpoet ausklingen läßt:
Hier schläft, umraunt von Wald und Wind,
Der Heimat Poesie.
Waldseeklause
Aus vielen, über alle Welt verbreiteten Bildern Hermann Vogels grüßen uns wie vertraute Freunde Dorfkirchen des Vogtlandes mit ihren runden Zwiebeltürmen: das Kirchlein von Krebes, von Kemnitz und Geilsdorf, die weit ins Land schauende St. Clara-Kapelle von Heinersgrün, die berühmte Bergkirche von Schleiz, eine der ältesten und denkwürdigsten Kultstätten des gesamten Vogtlandes. Alte Bauwerke, »Wohnungen der Frau Romantika«, Burgruinen, Kirchen, Tore, Türme und Schlösser, haben es ihm angetan: der zierliche Schloßturm des Rittergutes von Wiedersberg im oberen Vogtland, das Stadttor von Saalburg, der Wartturm von Ziegenrück, Schloß Ranis, das efeuumsponnene, im Pößnecker Kreis, vor allem das herrliche Schloß Burgk an der Saale in Sommersonnenglanz und deutscher Winterweihnachtspracht.
Wahr’ dich vor Waldschmieds Töchterlein!
Wie Eisen so stark, wie Gold so fein
Schwingt sie den Hammer wie Wieland gut,
Wie Kohle loht ihrer Augen Glut!
Und naht der Schmiede ein Reitersmann,
Der nicht mehr fechten und traben kann,
Dem bessert sie Harnisch und Huf zur Stund’,
Brennt aber auf ewig das Herz ihm wund!
Als begeisterte Anhänger und Vorkämpfer des Heimatschutzgedankens sind wir dem Künstler aber noch besonders dankbar, daß er bemerkenswerten Resten und Zeugen heimatlicher Bauweise so liebevoll nachgegangen ist und diese uns in vielen seiner Bilder erhalten hat: die schindelgedeckten Bauernhütten des Vogtlandes mit dem Rundbogenbalken über den kleinen Wohnfenstern, den kunstvoll mit Schiefer verkleideten Giebel der Waldschmiede in Heinersgrün, den altmeisterlichen Holzwerkgiebel ebendort (in dem Bild von der »Hochzeitsmusik«), das echt vogtländische Bauernhaus mit Holzgalerie (in Grimms Märchen von den klugen Leuten), das heimatliche Bauerngehöfte mit Taubenschlag und Bienenstöcken und Kleinod- (»Klaanet«) Garten (beim Märchen vom Frieder und Katerlieschen), die altvogtländische Bauernstube mit Spinnrad, vogtländischem Hauskalender und Kachelofen und volkskunsthandwerklicher Holzverkleidung (aus den Waldmappenbildern), den urwüchsigen Dorfbrunnen mit bretternem Brunnenhaus und wuchtigem Klotzhebel, im Volksmund »Leerl« genannt, (beim Märchen vom Fundevogel), den Wiedersberger Gasthof mit seinem Fachwerk und kunstschmiedeeisernem Wirtshausschild (im Märchen von dem, der das Fürchten lernen wollte) und endlich, nicht zuletzt, auch die weltabgeschiedenen Mühlen alle in den Waldbachtälern des Vogtlandes, vor allen die Kienmühle im Kemnitzgrund nahe dem Burgstein, zwischen Ruderitz und Geilsdorf, des Künstlers Lieblingsmühle, wo er so gern geweilt, die er in einem seiner schönsten Gedichte also preist:
Am Erlenbach, im engen Grund, du Mühle hast mir’s angetan,
Seit sich dein stiller Frieden mir zum ersten Male aufgetan.
Wie oft saß ich am Felsenhang, von Fichtenkronen rings umsäumt,
Und späht’ dein stilles Tal entlang, so heimatfröhlich und verträumt.
Noch heute summt durch meinen Traum ein fernes Lied, so leis und lind,
So liebend, wie wenn in den Schlaf die Mutter singt ihr krankes Kind.
’s ist ein gar eigen, stilles Lied, so waldeskräftig, sonnenmild,
Bald fröhlich wie der Mühlenbach, wenn er um moos’ge Felsen quillt,
Und bald wie Waldesbrausen ernst, dem scheu der Sprung der Rehe lauscht:
Es ist der Heimat Zauberlied, das durch die Fichtenkronen rauscht.
Im Maien.
Wenn der Hans die Grete nimmt,
Die Musica auf’s Feinste stimmt;
Wenn der Hans die Grete hat,
Wendet sich das Notenblatt –
Nun toent’s bald sueß, wie Nachtigallsang
Bald, als keiften zwei Kater die Daecher entlang!
H. V. 1904
Der Heimatmühle tief drunten im Tal und dem Heimatwald hoch droben auf den Vogtlandbergen gehörte des Künstlers volle, treue Liebe.
Du Wald auf meiner Heimat Höh’n,
Mein ganzes Glück bist du!
bekennt er am Schluß des Geleitgedichtes zu seinem ergreifend schönen Heimatwaldbild. Tagelang und nächtelang ist er als Jäger durch den Krebeser Wald gestreift und durch die Wälder der Ruderitzberge und der Plattenberge, mit der Donnerbüchse über der Schulter. Nur selten hat er’s über sich vermocht, ein Wild des Waldes mit seiner Flinte wirklich tot zu schießen. Mit seinem Stift, dem treffsicheren, hat er die Tiere belauscht und im Skizzenbuch als Beute heimgebracht: den leichtflüchtigen Hasen, den listigen Fuchs, das keusche Reh (des Künstlers Lieblingstiergestalt), die gurrenden Holztauben, das übermütige Eichkätzchen und die nachtschwarzen Unglücksraben Wotans. (Hermann Vogel als Gestalter der heimischen Tierwelt ist ein besonders reizvolles Kapitel für sich allein.) Aber über die oft verblüffende Wirklichkeitstreue hinaus drängte es den Künstler, den heimatlichen Wald romantisch zu beleben, »märchenhaft und wunderbar«, mit Gnomen und Zwergen und Elfen und Nixen und Drachen und Hexen und Riesen. Die Bäume bekommen Gesichter, Arme und Hände. Hinter den Felsen lauern spukhafte Ungeheuer. Hänsel und Gretel, zwei vogtländische Bauerskinder, schreiten herzklopfend durch den verzauberten, nächtlichen Vogtlandwald. Hermann Vogel ist einer der bedeutendsten Märchenwaldmaler des deutschen Volkes. (Wer sich jemals in seine Waldbilder zu den Volksmärchen der Brüder Grimm und seine beiden Waldbildmappen vertieft, wird es bestätigt finden.)
Madonna im Walde
Als echter Malerpoet des Vogtlandes erweist sich Hermann Vogel auch in seiner Darstellung der vogtländischen Menschen, die er oft und gern in seine Bilder hineinführt. Echt romantisch ist es, wie er auch hier Märchentraum und Wirklichkeit oft seltsam zu verketten weiß. Wie wirklichkeitsscharf verkörpert er die junge Vogtländerin mit dem Leibgericht aller Vogtländer, den grünen Klößen (Griegenifften) in der runden Schüssel, und mit der alten, schönen Vogtlandtracht, der perlenverzierten Buckelhaube, dem reichbestickten Brusttuch, dem schwarzen Mieder, den kurzen, blütenweißen Hemdärmeln, dem langen, weiten Rock und der breiten, bunten Schürze. (Mit dem Künstler beklagen auch wir, daß die altheimische Tracht von den Dorfbewohnern im Vogtland nicht mehr getragen wird und nur noch in Museen, in Kästen und Truhen ein verborgenes Dasein fristet.) Was für altvogtländische Prachtgestalten sind die Mitglieder der Stammtischrunde in der Gutenfürster Waldschenke, wo auch Hermann Vogel gern gesessen und seinen Jagdabenteuerdurst gelöscht. Und dann der alte Nachtwächter, Totengräber und Bälgetreter von Krebes, des Künstlers liebvertrauter Freund, dem er in Bild und Vers ein dauerndes Denkmal geschaffen! »A’ schön’s Geld kriagt er aa’ … fufzig Pfenning für’n Tag. Und sei Spritzenhausstüberl hat d’feinste Lag’.« Nicht die Menschen der Großstadt, nein, die schlichten Menschen der weltfernen vogtländischen Dörfer, die arbeitgewohnten Männer und Frauen, die Alten, die Einsamen, sind des Künstlers liebster Umgang und Gesellschaft gewesen, und in den Bildern und Liedern des »Einsiedlers von Krebes« leben sie alle fort: die einsame Hirtin von Ruderitz, die einsame Waldfrau aus den Plattenberghäusern, weit im Umkreis als »Waldhex verschriern« und gemieden, der kranke Einsiedler, den das Märchen selbst in seiner Waldeinsamkeit besucht und tröstet, der eingeschneite Einsiedelmann auf dem wundervollen Burgsteinwinterbild, wo zwei Damen aus der Stadt im schicken Schikostüm den Eremiten mehr erschrecken, als es der dickste Vogtlandschnee vermag.
Sneewittchen
Der Winter war des Künstlers liebste Jahreszeit. Bis ins beschwerliche Alter war es sein größter Spaß, mit Toni Kettner, seinem »Hausgeist«, seiner verständnisvollen Schwägerin und Pflegerin, auf Schneeschuhen über die Hochflächen und Talhänge des südwestlichen Vogtlandes hinzuflitzen. Winter und Hermann Vogel, einander innerlich verwandt, beide – Schwarzweißkünstler! Der Künstler ist nicht müde geworden, immer von neuem den Zauber des Winters in seinen Bildern festzubannen. Wintermärchenbilder und – Weihnachtsbilder, aus Vogtlandheimaterlebnissen geboren, sind wohl das Allerschönste, was Hermann Vogel, der herzinnige Kinderfreund, der kerngetreue Vogtlandsohn, der deutschfromme Mann, seinem Volk und Vaterland geschenkt und hinterlassen hat. Als urdeutscher Künstler überträgt er die Christnachtsgeschichte aus dem fremden Osten herein in seinen heimatlichen Vogtlandwald. Maria und Joseph sind vogtländische Bauersleute. Joseph, der Zimmermann, hat Herberg’ mit seinem vertrauten Weib in Wiedersberg, dem lieblichen, obervogtländischen Dorfidyll, gefunden. Durch den tiefverschneiten Krebeser Wald flieht die heilige Familie vor dem bösen König Herodes. In Vogtlandwaldesstille treu geborgen hält die heilige Familie Rast auf ihrem von echt vogtländischen Rindern gezogenen Schlitten. Vogtländische Bauern, Bäuerinnen und Kinder, vogtländische Hirten und Knechte drängen sich glückselig zum Christkind oder knien anbetend am Waldsaum. Engel bringen vom Himmel die Wiege des Christkindleins hernieder zur Erde, zum Schlosse Burgk an der Saale in seinem wundersamen Winterweihnachtskleid. Durch die Torbogen des Schlosses Burgk auf hölzernem Schlitten von Englein gezogen, hält das Christkind Einzug auf dieser armen, kalten Erde, die frohe Botschaft von Licht und Liebe, Wohlgefallen und Frieden verkündend. Eines der prächtigsten Vogtlandwinterbilder, die unserm Künstler gelungen, ist endlich noch das Neujahrsbild, das er für die Jahres- und Jahrhundertwende 1900 geschaffen: in zauberischem Mondlicht, von blendendem Schnee bedeckt, gleichsam wie Schneewittchen, atmet vor uns das Dörflein Krebes. (Wie wundersam zart die kahlen Bäume, Zaun und Hütten ihre Schatten auf dem weichen Schnee hinbreiten.) Und der treue Wächter des Dorfes mit seinem Horn und Spieß steht mitten in der Dorfstraße und blickt empor zu den jagenden Wolken, in denen der deutsche Erzengel Michael gegen drohende, feindliche Gewalten in den Kampf zieht. (Dies Traumgesicht des Künstlers ist im Weltkrieg furchtbare Wirklichkeit geworden.) Heimatliches und Vaterländisches sind in diesem, wie in vielen, vielen Bildern Hermann Vogels innig zusammengekettet. Heimat und Vaterland waren die Grundpfeiler seines Wesens und Schaffens. Mit dem heißgeliebten deutschen Vaterland ist auch ihm die schöpferische Kraft zusammengebrochen. In der Neujahrskarte 1919, die des Künstlers heimatlich-romantische Eigenart in Bild und Vers noch einmal ganz besonders klar wiederspiegelt, hat Hermann Vogel seinem bitteren Weh erschütternden Ausdruck gegeben:
Wir graben mit dem alten Jahr
Ein Grab dem, was uns heilig war.
Der Märchenwald sein Hüter sei,
Der macht die Herzen wundenfrei.
Dann, Neues Jahr –
aus Not und Schand’
Schaff uns ein neues Vaterland!
Es war einmal
Es konnte und sollte in diesen Zeilen dankbaren Gedächtnisses nicht des Meisters gesamtes Lebenswerk umfassend gewürdigt werden, sondern, den Zielen des Heimatschutzes gemäß, nur insoweit, als es in der Vogtlandheimatscholle des Künstlers wurzelt, und auch da nur in knappen Andeutungen, Anregung gebend, selbst noch inniger und tiefer in das malerische und dichterische Schaffen unseres Hermann Vogel einzudringen.
Weihnachten
Ein einigermaßen abschließendes Urteil über ihn, den traumvollen Romantiker des Stiftes, wird erst dann möglich sein, wenn sein künstlerisches Vermächtnis in dem geplanten Hermann Vogel-Zimmer des vogtländischen Kreismuseums seiner Vaterstadt Plauen gesammelt vorliegt: seine frühesten Kinderzeichnungen, seine Illustrationen zu deutschen Helden-, Geschichts- und Märchenbüchern, seine Bilder und Gedichte für die »Fliegenden Blätter« und zahlreiche andere deutsche Zeitschriften, möglichst viele seiner Originale, unveröffentlichte auch aus Privatbesitz, seine Skizzenbücher, seine handschriftlichen Erinnerungen und Briefe (Hermann Vogel, Plauen ist ein unermüdlicher, geistvoller, humorvoller Briefschreiber gewesen) und seine hinterlassenen, zum Teil noch unvollendeten Werke. (Ein »Volksband« mit seinem Bildnis und Lebensabriß wird vorbereitet, und die Grimmschen Volksmärchen mit Hermann Vogels herzerquickenden Märchenbildern sollen von Braun und Schneider in München neu herausgegeben werden.)
Dann erst wird uns Hermann Vogels künstlerische Bedeutung und Stellung noch viel eindrucksvoller zum Bewußtsein kommen, namentlich sein inneres Verhältnis zu Moritz v. Schwind und Ludwig Richter, seinen beiden »Kunstheiligen«, denen er auf dem Titelblatt seines Bilder- und Geschichtenbuches (vgl. Kunstwart-Heft vom April 1921), in gestaltenreichen Gedenkblättern und zahlreichen Märchenbildern gemütinnige Ehrenmale geschaffen hat. Bemerkenswerte Kunstbekenntnisse Hermann Vogels enthält auch ein Bild, auf dem er in die Rinde des Eichbaums deutscher Kunst, der von modernen Stürmern gefällt werden soll, folgende Namen eingeschrieben hat: Dürer, Holbein, Cornelius, Rethel, Moritz v. Schwind, Spitzweg und Ludwig Richter. Ferner sein Spruch, in dem er seinen Meister Schwind zur Deutschen Kunst sagen läßt:
»Ob alt, ob neu, der Streit is umsunst:
Es gibt nur a gute und a schlechte Kunst!«
Heimat und Vaterland waren die Grundpfeiler seines Wesens und Schaffens. Heimat und Vaterland allein werden auch die unerschütterlichen Grundpfeiler sein, auf denen die Zukunft unseres deutschen Volkes neu aufgebaut werden kann. Darum ist uns Herzenswunsch und Hoffnung, was Ferdinand Avenarius in seinem Hermann Vogel-Nachruf ausspricht, daß kommende Geschlechter, wenn die »Richtungen« noch manchmal geschwenkt haben, sich zu Hermann Vogel, dem Bescheidenen, zurückfinden werden, vor allem unsere Jugend, unsere Kinder, die deutschen Jungen und Mädchen, und an seiner glühenden Liebe zu Heimat und Vaterland sich begeistern, so treu und deutsch zu sein wie er, von dem Fontanes Wort gilt:
»Der ist in tiefster Seele treu, wer die Heimat liebt wie du.«
Anmerkung. Auch für uns hat Hermann Vogel ein köstliches Blatt »Heimatschutz« geschaffen, das dem längst vergriffenen Bande I unserer Mitteilungen beigegeben wurde. Abzüge dieses Kunstblattes, auf weißen Karton gedruckt, können wir in beschränkter Anzahl zum Preise von 15 Mark noch abgeben. Für alle Heimatfreunde bildet das Blatt eine schöne Erinnerung an den gemütvollen Künstler. (Bestellung auf beigefügtem Bücherzettel erbeten.)