Volkstümliche Kinderpoesie in Oschatz
Von Studienrat Emil Zeißig in Oschatz
Die Volkskunde erblickt im Kinderspiel ein Stück Volksleben, in der Kinderpoesie ein Reis der Volkspoesie. Daher ging schon oftmals von den in mehreren deutschen Ländern bestehenden »Vereinen für Volkskunde« die Anregung aus, volkstümliche Kinderreime aller Art ausfindig zu machen, die sich wie Volkslieder von Mund zu Mund, von Geschlecht zu Geschlecht forterben. Die Verse stammen, wie Hermann Dunger (Dresden), der Sammler der »Kinderlieder und Kinderspiele aus dem Vogtlande« meint, »zum Teil aus alter Zeit. Daher sind sie für die Kulturgeschichte von hohem Werte. Sie sind eine Quelle für die Kenntnis des Götterglaubens unsrer heimischen Vorfahren; uralte Gebräuche spiegeln sich darin noch ab, wie in den Wundersagen, den Blumenorakeln, den Ringelreihen, in denen wir Reste altheidnischer Tänze zu Ehren der Götter zu erkennen haben«. In verschiedenen Gegenden Deutschlands hat man die Kinderdichtungen zusammengesucht.
Zweitens schenkt die deutsche Sprachwissenschaft den Kindersprüchen Beachtung. Der Leipziger Sprachforscher Rudolf Hildebrand, der im Volkstümlichen den gesunden Boden auch für alle höhere Bildung fand, erkannte in den Kinderreimen einen köstlichen Schatz unsrer deutschen Volkspoesie. Er hat solche Reime (z. B. in der »Zeitschrift für deutschen Unterricht«) für seine Wissenschaft fruchtbar gemacht und daraus geradezu die Grundlagen echt deutscher Metrik und Rhythmik abgeleitet. Auch andren Vertretern des Deutschen wurde ein unscheinbares Verslein oft der Ausgangspunkt zu einer weit über Jahrhunderte hinreichenden sprachgeschichtlichen Untersuchung.
Endlich interessiert sich die Schule für die Kinderdichtungen. Sie strebt ja dahin, das kindliche Denken und Fühlen, Wollen und Handeln günstig zu beeinflussen. Die Lehrer müssen deshalb die Kinder vielfach beobachten, studieren. Das Innenleben des Menschen äußert sich nicht zum geringsten Teil im Sprechen, dessen Ausbildung und Pflege ja auch im Pflichtenkreise der Schule liegt. Das Kinderstudium[1] führt also unmittelbar zur Erkundigung des Sprachlebens. Wer fleißig auf die Kindersprache achtet, dem fällt unter anderm bald eine Menge altüberkommenes und in allen deutschen Gauen verbreitetes Volksgut in Form von Versen auf. Besonders seit 1910 haben mich (weniger volkskundliche und sprachwissenschaftliche Gründe als) schulische Zwecke veranlaßt, diejenigen Reime zu sammeln, die die Kinder der Oschatzer Seminarschule im Munde führten. Nicht wenige Abcschützen vermochten sechs und mehr solcher Verse vorzutragen. Vor allem bei dem Spiel, dem eigentlichen Lebenselement der Kinder, ergab sich mit der Zeit eine erkleckliche Zahl Reime. Manche Verse habe ich Kindern auf der Straße und Wiese abgelauscht. Nicht jedes Jahr waren dieselben »poetischen Gebilde« zu vernehmen. Auch hier gibts ein Kommen und Gehen.
Diejenigen Verse, die ich Jahr für Jahr seit 1910 in Oschatz vorfand, sollen so, wie ich sie gehört habe, hier geboten werden. Rohes, Anrüchiges bleibt unberücksichtigt. Die mundartlichen Ausdrücke sind meist im Hochdeutsch gegeben. Es mögen sich auch die Oschatzer Kinder und Erwachsenen im Reimschmieden ein wenig versucht haben, denn in manchen Straßen und Stadtteilen waren gewisse Verse nach Wortlaut und Länge verschieden, was die in Klammern eingefügten Worte zum Ausdruck bringen.
Wie schon gesagt, sind viele der ermittelten Kinderreime auch in anderen Gegenden unter der Jugend heimisch, wenn auch in abweichender Ausdrucksweise. Schon die Mundart führt zu sprachlichen Verschiedenheiten.
Nicht jeder Leser wird von der Kinderpoesie nach Inhalt und Form erbaut sein. In vielen Fällen mag der Zwang nach den Regeln: »Reim dich, oder ich freß dich« und »Reimt sichs nicht, so paßt es doch« maßgebend gewesen sein. Die ungereimtesten Dinge müssen sich eben reimen. Jedoch die Schuljugend allerorten findet größtes Wohlgefallen an bloßen Worten und Reimspielereien, am Mischmasch zusammengewürfelter Personen und Dinge, an tollen Gedankenverbindungen und logischen Flohsprüngen, nicht zuletzt am Schelmischen und Derben. Die Verse sind für die Kinderwelt weniger Gedanken- als Ohrenweide, ein unbewußter Genuß an Rhythmus und Reim. Sie enthalten ja auch mitunter wunderliche Wortbildungen, lose aneinandergereihte Laute, die sich überhaupt nicht erklären lassen, die aber für die Knäblein und Mägdlein ein Hauptspaß sind.
Meine Zusammenstellung betrifft 1. Abzählreime, 2. Liedertexte, hauptsächlich für Spiele, und 3. Scherz- (Neck- und Spott-) Verse.
I. Abzählreime, die meistens zur Ermittlung des Haschers dienen.
1.
Jene, diene (titsche) tatschen,
Eine ins Gesichte (oder: auf die Backe) klatschen.
Eine noch dazu, und die kriegst du.
Kürzere Form:
Jene, diene, dinn,
Und du mußt (auch noch: ohne Widerrede) sinn.
2.
Auf einem See, See, See,
Da schwamm ein Reh, Reh, Reh,
Und auch ein Pferd, Pferd, Pferd,
Das schwamm verkehrt, kehrt, kehrt.
Jene, diene (sch)wapp, (sch)wapp, (sch)wapp,
Und du schiebst ab, ab, ab.
Einfache Weise:
Auf einem See, da schwamm ein Reh,
Jene, diene, wapp, und du bist ab.
3.
Eine kleine Kaffeebohne reiste nach Amerika.
Amerika war zugeschlossen,
Schlüssel, der war abgebrochen.
Wie heißt du?
Wen das Wort »du« trifft, der gibt seinen Knaben- oder Mädchennamen an, und der Abzählreim heißt nun beispielsweise weiter:
Wilhelm (oder: Lotte) wollte Locken haben,
Mußt er (oder: sie) erst den Papa fragen,
Papa sagte: »Nein.« Fing er (sie) an zu wein (oder: schrein)
Mama sagte: »Ja.« War die Freude (wieder) da.
4.
Ich und du, Müllers Kuh
Bäckers Esel, der bist du.
5.
Eine kleine Piepmaus ging ums Rathaus,
Wollte sich was kaufen, hatte sich verlaufen.
I, a, u, raus bist du.
Du bist nicht raus, sondern du.
6.
Wir machen nicht (oder: keinen) großen Mist,
Und du bist –.
7.
Auf ein’ Klavier, da steht ein Glas Bier.
Wer das trinkt, der stinkt.
8.
1 2 3 4 5 6 7,
Meine Mutter kochte (oder: schnitt die) Rüben.
Meine Mutter schnitt den Speck,
Kam die Katz (oder: Maus), und fraß ihn weg.
Erste Nebenform:
1 2 3 4 5 6 7,
Eine alte Frau kocht Rüben,
Eine alte Frau schnitt Speck,
Und du bist weg.
Zweite Nebenform:
1 2 3 4 5 6 7,
Geht nur nicht in meine Rüben
Sucht nur nicht die besten (oder: größten) raus
Sonst komm ich mit der Knute (oder: Rute, Stock, Peitsche) raus.
9.
1 2 3 4 5,
Strick mir ein Paar Strümpf,
Nicht zu groß und nicht zu klein,
Sonst mußt du der Haschmann sein.
10.
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13,
Wie hoch steht der Weizen?
So hoch wie ein Bauernhaus.
Zuckermännel, Zuckermännel (oder: Zuckernuttel), du bist raus.
Öfters heißt es von Zeile zwei ab:
Wie hoch steht das Taubenhaus?
Guckt die Mutter Maria raus.
I, a, u, raus bist du.
Andre sagen von Zeile zwei ab:
Wie hoch steht das Bauernhaus?
Da guckten drei schöne Mädchen raus.
Die erste spielt mit Kreide,
Die zweite spielt mit Seide,
Die dritte schließt den Himmel auf,
Da guckt Maria und Joseph raus.
11.
Eine kleine Dickmadam fuhr in einer Eisenbahn.
Eisenbahne krachte, Dickmadame lachte,
Lachte, bis der Schutzmann kam
Und sie mit zur Wache nahm.
Ix ax ennen, du kannst rennen.
12.
1 2 3 4 5 6 7,
In der Straße Nummer sieben
Wackelt das Haus, piept die Maus.
Hüpft der Frosch (oder: Floh) zum Fenster raus.
I, a, u, raus bist du.
Du bist nicht raus, sondern du.
Mitunter wurde von Zeile vier ab vorgebracht:
Hüpft der Frosch zum Fenster raus,
Hüpft er auf den Stein,
Bricht er das Bein.
Hüpft er auf die Brück,
Bricht er das Genick.
Hüpft er auf den Dreck,
Patsch, war er weg.
13.
In der Lonnewitzer Straße kam der Wurstelmann gesaust.
Warum kam er denn gesaust?
Weil er Würste hat gemaust.
Ix ax ennen, und du kannst rennen.
14.
6 mal 6 ist 36.
Ist der Mann auch noch so fleißig,
Ist die Frau sehr liederlich,
Geht die (ganze) Wirtschaft hinter sich.
I, a, u, raus bist du.
Du bist nicht raus, sondern du.
Mitunter wurde den Wörtern »hinter sich« noch angefügt:
Wollt die Mama den Kaffee kochen,
Hat die Frau den Topf zerbrochen.
Wollt der Mann den Zwieback holen,
Hat die Frau das Geld gestohlen.
15.
Schwarz, weiß, rot,
Und du bist tot.
16.
In einer Kanne Wasser,
In einer Kanne Rum,
Und du bist dumm.
17.
1 2 3, Butter auf das Brot,
Salz auf den Speck, und du bist weg.
18.
1 2 3, in der Ziegelei (oder: Ziegeldeckerei)
Wird ein kleines Kind geboren.
Wie soll es heißen?
Frieda Martha Rumpelkasten.
Wer will mir die Windeln waschen?
Ich oder du? Raus bist du.
19.
1 2 3 4 5 6 7,
Wo ist denn mein Schatz geblieben?
Ist nicht hier, ist nicht da,
Ist in weit Amerika.
I, a, u, raus bist du.
20.
1 2 3, Schieferdeckerei.
Schieferdeckerkompagnie, und du bist ein dummes Vieh.
Warum bist du fortgelaufen und schon wieder da?
Darum mußt du Strafe zahlen (oder: haben) 25 Jahr.
Um was woll’n wir wetten? Um drei (oder zwei) goldne Ketten
Um zwei Flaschen Wein. Wer soll der Haschmann sein?
Manchmal lauteten die letzten zwei Zeilen so:
Wir woll’n wetten um drei goldne Ketten,
Um ein Schöppchen Wein, und du mußt es sein.
21.
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10,
Was willst du sehn?
Sand oder Blut? Du bist dem Herrn Jesus gut.
22.
Auf einem (hohen) Berg, da zankten sich zwei Zwerg
Um einen halben Kloß. Da ging der Geier (oder: Teufel) los.
Hopp drüber weg, hopp drüber naus,
Und du bist raus.
Nebenform:
Auf einem Berg, da kampeln sich zwei Zwerg.
Um eine Lerch; das ist ein Gewärg.
I, a, u, raus bist du.
Du bist nicht raus, sondern du.
23.
1 2 3 4 5 6 7,
Wo sind die Franzosen blieben?
Zu Moskau in dem tiefen Schnee,
Da riefen alle: O weh, o weh!
Wer hilft uns aus dem Schnee?
Ix ax ennen, und du kannst rennen.
24.
Mein Vater wollt ein Rad beschlagen.
Wieviel Nägel braucht er dazu?
Rate, rate du, und schließ die Augen zu.
Das Kind, auf das »zu« kommt, nennt eine beliebige Zahl, die abgezählt wird, um den Hascher zu ermitteln.
25.
Ringel, Ringel, Rosen,
Was singen die Franzosen?
Guten Tag, Mama. Guten Tag, Papa.
Hippelda, huppelda, rassassa.
I, a, u, raus bist du.
26.
1 2 Polizei, 3 4 Osterei (Offizier).
5 6 alte Hex, 7 8 gute Nacht.
9 10 Wiedersehn, 11 12 Herr hilf.
13 14 blaue Schürzen, 15 16 weiß ich nicht.
17 18 kann ich nicht, 19 20 hatten die Soldaten einen Tanzig
I, a, u, raus bist du.
Ältere Kinder schoben nach »Tanzig« folgende Zeilen an:
Der Tanz fing an zu brennen,
Die Soldaten mußten rennen
Ohne Strumpf und ohne Schuh
Immer fest nach Frankreich zu.
In Frankreich war ein wildes Schwein,
Das biß dem Hauptmann sehr ins Bein.
Der Hauptmann schrie: O weh, o weh!
Mir tut das linke Bein so weh!
Da kam der dicke Hampelmann
Und klebt das Bein mit Spucke an.
Mehrere Male war zu hören:
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20.
Die Franzosen zogen nach Danzig.
Danzig fing an zu brennen;
Da mußten die Franzosen rennen
Ohne Schuh und ohne Strümpf nach ihrer Heimat zu.
Dort war ein Schwein,
Das biß dem Hauptmann in das Bein.
Da schrie der Hauptmann: O weh, o weh!
Mein linkes Bein, das tut so weh!
Da kam der Doktor Hampelmann
Und klebt es ihm mit Spucke an.
27.
1 2 3 4 5 6 7 8,
Ein Jäger ging auf die Jagd.
Wieviel Hasen schießt er tot?
Das Kind, das das Wort »tot« trifft, gibt irgendeine Zahl an, die zur Entdeckung des Haschers abgezählt wird.
28.
In einem Tintenfäßchen,
Da saß ein Herkuleschen.
Wie sah es aus?
Ein Kind nennt eine Farbe, z. B. grün. Das Weiterzählen folgt nach den Lauten grün.
Ab und zu war noch eine andere Form mit folgendem Wortlaut zu hören:
In einem Tintenfaß,
Da saß ein kleiner Nikolas.
Wie sah er aus? Und du mußt raus.
29.
Ein Soldat will Urlaub haben.
Muß er erst den Hauptmann fragen.
Hauptmann sagte: Nein. Eine Flasche Wein.
Eine Flasche Rum, und du bist dumm.
30.
Auf dem Berge Sinai
Wohnt der Schneider Kikriki.
Klopft sich seine Hosen aus,
1 2 3 und du bist raus.
Dann und wann lautete die Schlußzeile:
1 2 3, hüpft ein kleiner Floh heraus.
31.
Morgens früh um sechs kommt die alte Hex.
Morgens früh um sieben schabt sie gelbe Rüb’n.
Morgens früh um acht wird der Kaffee gemacht.
Morgens früh um neun geht sie in die Scheun.
Morgens früh um zehn holt sie Holz und Spän.
Feuert an um elf, kocht dann bis um zwölf.
Fröschelein, Krebs und Fisch,
Hurtig, Kinder, kommt zu Tisch!
I, a, u, raus bist du.
Du bist nicht raus, sondern du.
Ix ax ennen, und du kannst rennen.
32.
1 2 3 4 5 6 7,
Peter, Paulus hab’n geschrieben.
Einen Brief nach Paris.
Er soll holen drei Pistolen.
Eins für mich, eins für dich,
Eins für’n Onkel Ludewig.
33.
1 2 3 4, der Knecht holt Bier.
Der Herr trinkt daraus, und du mußt raus.
34.
1 2 3 4 5 6 7,
Wo ist denn mein Mann geblieben?
Was hat er für Hosen an?
Blaue! Das ist mein Mann.
Jene, diene, wapp, wapp, wapp,
Und du bist ab.
35.
Jene, diene, danne,
Schwarze Kaffeekanne.
Einmal hin und einmal her,
Und du bist der (große) Zottelbär.
Kratz mir die Augen aus,
Und du bist raus.
36.
Ich ging einmal nach Enge(l)land,
Begegnet’ mir ein Elefant.
Elefant mir Gras gab,
Gras ich der Kuh (oder: Muh) gab,
Kuh mir Milch gab,
Milch ich der Mutter gab,
Mutter mir ein’ Dreier gab,
Dreier ich dem Bäcker gab,
Bäcker mir ein Brötchen gab,
Brötchen ich dem Fleischer gab,
Fleischer mir ein Würstchen gab,
Würstchen ich dem Hündchen gab,
Hündchen mir ein Pfötchen gab,
Pfötchen ich der Köchin (oder: Magd) gab,
Köchin mir eine Schelle gab,
Daß ich in der Ecke lag.
Von Zeile neun ab heißt es auch kürzer:
Brötchen ich dem Hündchen gab,
Hündchen mir ein Pfötchen gab,
Pfötchen ich der Köchin gab,
Köchin mir eine Schelle gab.
II. Liedertexte, die meist von Mädchen bei ihren Kreis- und Reihenspielen gesungen werden.
1.
Ringel, Ringel, Reihe,
Sind der Kinder dreie,
Sitzen unterm Hol(un)derbusch (auch: Hollerbusch)
Und machen alle: Husch, husch, husch.
2.
Es fuhr ein Bauer ins Holz,
Es fuhr ein Bauer ins Holz,
Heisa, Viktoria! Es fuhr ein Bauer ins Holz.
Der Bauer nahm sich ein Weib,
Der Bauer nahm sich ein Weib,
Heisa, Viktoria! Der Bauer nahm sich ein Weib.
Der Fortsetzung liegen folgende Sätze zugrunde:
Das Weib nahm sich eine Magd.
Die Magd nahm sich ein Kind.
Das Kind nahm sich ein’n Hund.
Der Hund nahm sich eine Wurst.
Die Schlußzeile lautet:
Heisa, Viktoria! Die Wurst wird ausgelacht.
3.
Ich sollt’ meiner Mutter eine Nähnadel holen.
Das tat ich nicht, das tat ich nicht.
Da kam der Stock und prügelte mich.
Da hüpft (hoppt) ich in die Höh’, da hüpft (hoppt) ich in die Höh’,
Auf einmal fiel ich hin.
4.
Taler, Taler, du mußt wandern,
Von dem einen zu dem andern.
O wie schön, o wie schön
Läßt sich dieser Taler drehn!
5.
Im Keller, im Keller soll’s finster sein,
Da scheint weder Sonne noch Mond hinein,
Setzt nieder, setzt nieder!
Hat’s schön gemacht, hat’s schön gemacht,
Drum wird sie auch nicht ausgelacht.
Oder:
Hat’s schlecht gemacht, hat’s schlecht gemacht,
Drum wird sie auch recht ausgelacht.
6.
Wir woll’n die Meißner Brücke bau’n.
Wer hat sie denn zerbrochen?
Der Goldschmied, der Goldschmied mit seinen sieben Töchterlein.
Kriechet alle, alle durch!
Der letzte soll gefangen sein mit Spießen und mit Stangen.
7.
Häschen in der Grube
Sitzt da und schlief.
Armes Häschen, bist du krank,
Daß du nicht mehr hüpfen kannst?
Häschen hüpf, Häschen hüpf!
8.
Ringel, Ringel, Rosen,
Schöne Aprikosen,
Veilchen und Vergißmeinnicht.
Alle Kinder setzen sich. Kikeriki!
9.
Ringel, Ringel, Rosenkranz,
Wir treten auf die Kette.
Daß die Kette klingen (oder: klingeln) soll.
Fräulein Ilse (oder: Gretel ...) dreht sich um.
So klar wie ein Haar,
(Oder: Rein und klar wie ein Haar)
(Oder: So zart wie ein Haar)
Hat gesponnen sieben Jahr.
Sieben Jahre um und um,
Fräulein Ilse dreht sich um.
10.
Ringel, Ringel, Rosenkranz,
Der Töpfer macht den Ofen ganz.
Er gießt in Topf viel Wasser rein,
Da fällt der ganze Ofen ein.
11.
Ringel, Ringel, Rosenkranz,
Setz ein Töpfchen Wasser rein,
Morgen woll’n wir waschen,
Große Wäsche, kleine Wäsche,
Allerhand sehr schöne Wäsche. (Kikerikiki!)
12.
Ringel, Ringel, Rose,
Zucker in der Dose.
Eier in dem Kasten,
Morgen woll’n wir fasten.
Übermorgen Lämmchen schlachten,
Das soll rufen: Mäh.
13.
Ist die schwarze Köchin da? Ja, ja, ja!
Das eine Mal muß sie marschier’n,
Das zweite Mal den Topf verlier’n,
Das dritte Mal komm mit,
Du alter, böser Strick!
14.
Liebe Schwester, tanz mit mir.
Meine (Beide) Hände reich ich dir.
Einmal hin, einmal her,
Rund herum, das ist nicht schwer.
Ei, das hätt ich nicht gedacht,
Ei, das hast du schön gemacht.
Einmal hin, einmal her,
Rund herum, das ist nicht schwer.
Noch einmal das schöne Spiel,
Weil es mir so schön gefiel.
Einmal hin, einmal her,
Rund herum, das ist nicht schwer.
Kleinere Kinder singen oft nur die erste Strophe, größere fügten der zweiten Zeile jeder Strophe noch folgendes an.
Mit den Füßen trapp, trapp, trapp,
Mit den Händen klapp, klapp, klapp.
Einmal hin, einmal her,
Rund herum, das ist nicht schwer,
Mit dem Köpfchen nick, nick, nick,
Mit den Fingern tick, tick, tick.
Einmal hin, einmal her,
Rund herum, das ist nicht schwer.
15.
Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh,
Sie trinken ihr Fläschchen (oder: ein Schnäpschen) und machen’s dann so:
Erst dreht sich das Weibchen, dann dreht sich der Mann,
Sie fassen sich beide und tanzen zusamm’.
16.
Ri ra rutsch, wir fahren in der Kutsch.
Wir fahren nach Amerika.
Und wenn das große Wasser kommt,
Da kehr’n wir wieder um.
17.
Der Sandmann ist da.
Er hat so schönen weißen Sand
Und ist den Kindern wohlbekannt
Der Sandmann ist da.
18.
Auf der Altenburger marsch, marsch, marsch,
Bei Wind und Wetter. Herr Professor!
Still gestanden! Halt!
19.
Klinglingling (oder: Linglingling), die Post ist da!
Klinglingling, nach Afrika.
Klinglingling, noch einen Schritt,
Klinglingling, und du kommst mit.
20.
Auf der Eisenbahn wohnt ein schwarzer Mann,
Brennt ein Feuerlein an.
Kinderlein, Kinderlein, hängt euch dran!
Wer kein Geld hat, darf nicht mit.
21.
Blauer, blauer Fingerhut,
Steht der Ilse (oder: Hedwig ...) gar so gut.
Ilse, die soll tanzen
Auf dem grünen Rasen.
Ilse, die muß niederknie’n,
Und sich eine rüberziehn.
22.
Wir öffnen das Taubenhaus,
Die Täubchen, die fliegen so wonnig heraus.
Sie fliegen in die weite Welt,
Wo’s ihnen da draußen so wohl gefällt.
Und kehren sie heim zur süßen Ruh,
So schließen wir wieder das Taubenhaus zu.
23.
Der Zaun, der wird geflochten.
Meine allerbeste Freundin mein!
Willst du mir helfen flechten?
So komm und flecht’ mir mit.
24.
10 20 30 40 50 60 70 80 90 100.
Die Soldaten stehen still,
Wie’s der Hauptmann haben will.
25.
Alle meine Entchen schwimmen auf der See,
Schwimmen auf der See.
Kopf unter Wasser, die Beinchen in die Höh’.
Ältere Kinder setzen fort:
Alle meine Täubchen fliegen übers Dach,
Fliegen übers Dach.
Klippklapp, klippklapp! fliegen übers Dach.
Alle mein Püppchen haben Hungersnot,
Haben Hungersnot.
Bisch, bisch, bisch! Haben Hungersnot.
26.
Meine Mutter schickt mich her,
Ob der Kuchen fertig wär.
Ist der Kuchen noch nicht fertig,
Komm ich morgen wieder her.
Und ein schönes Kompliment,
Und die Kuchen sind verbrennt,
Und die ganze braune Butter
Ist im Ofen rumgerennt.
27.
Januar, Februar, März, April und Mai,
Da kühlet sich das Wetter ab und schlägt auch manchmal ei(n).
So ich doch ein Mädchen bin, das ist mir sehr fatal,
Wenn ich doch ein Knabe wär, würd ich General.
Links, rechts abmarschiert, schultert das Gewehr!
Und wenn ein schneid’ges Fräulein kommt,
So mach ich mein Honneur.
28.
Zeigt her eure Füßchen, zeigt her eure Schuh,
Und sehet den fleißigen Waschweibern zu!
Sie waschen, sie waschen den ganzen Tag.
Zeigt her eure Füßchen, zeigt her eure Schuh,
Und sehet den fleißigen Waschweibern zu.
Sie ringen, sie ringen den ganzen Tag.
Unter Wiederholung der ersten zwei Zeilen heißt es weiter:
Sie bleichen, sie bleichen den ganzen Tag.
Sie spülen, sie spülen den ganzen Tag.
Sie tanzen, sie tanzen den ganzen Tag.
Sie plätten, sie plätten den ganzen Tag.
Sie trinken, sie trinken den ganzen Tag.
Sie nähen, sie nähen den ganzen Tag.
29.
Mariechen saß auf einem Stein, einem Stein, einem Stein,
Mariechen saß auf einem Stein, einem Stein.
Sie kämmte sich ihr goldnes Haar, goldnes Haar, goldnes Haar
Und als sie damit fertig war, fertig war, fertig war,
Da fing sie an zu weinen, weinen, weinen
Da fing sie an zu weinen, weinen.
Da kam ihr Bruder Karl herein ...
»Mariechen, warum weinest du?«
»Ich weine, daß ich sterben muß.«
Da kam der Bruder Heinrich rein,
Der stach Mariechen in das Herz,
Mariechen ward ein Engelein,
Und Heinrich ward ein Bengelein.
30.
Lasset die Berge Feuerflammen schlagen
Und die Bummderassassassa
Unsere Lotte (oder Else ...), die soll leben
Und mit ihr das ganze Lott’sche Haus!
Schenket ein Bier und Wein!
Morgen soll die Hochzeit sein.
31.
Machet auf das Tor, machet auf das Tor!
Es kommt ein goldner Wagen.
Wer sitzt darin, wer sitzt darin?
Ein Mann mit langen Haaren.
Was will er denn, was will er denn?
Er will die Tochter haben.
Was hat sie denn gemacht, was hat sie denn gemacht?
Sie hat ein Kind gestohlen.
Zietsche, zietsche aus, zietsche, zietsche aus,
Du hast ein Kind gestohlen.
32.
Wollt ihr wissen, wollt ihr wissen,
Wie’s die kleinen Mädchen machen?
Püppchen wiegen, Püppchen wiegen,
Alles dreht sich herum.
Wollt ihr wissen, wollt ihr wissen,
Wie’s die kleinen Jungen machen?
Peitschen knallen, Peitschen knallen,
Alles dreht sich herum.
Wollt ihr wissen, wollt ihr wissen,
Wie’s die feinen Damen machen?
Löckchen brennen, Löckchen brennen,
Alles dreht sich herum.
Wollt ihr wissen, wollt ihr wissen,
Wie’s die feinen Herren machen?
Schnurrbart drehen, Schnurrbart drehen,
Alles dreht sich herum.
33.
Es kommt ein Herr mit zwei Pantoffeln. Ade, ade, ade!
Was will der Herr mit zwei Pantoffeln? Ade, ade, ade!
Er will sich eine Braut aussuchen.
Wer soll denn die Braut sein?
Gretel (oder: Anna ...) soll die Braut sein.
Die geben wir nicht, die geben wir nicht.
Die hol’n wir uns, die hol’n wir uns.
Da schließen wir die Läden zu.
Da brennen wir das Haus an.
Da holen wir die Polizei.
Die Polizei hat gar nichts zu sagen.
34.
Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald,
Es war so finster und auch so grimmig kalt.
Sie kommen an ein Häuschen
Von Pfefferkuchen fein.
O weh! Da schaut eine alte Hexe raus.
Sie lockte die Kinder ins Pfefferkuchenhaus.
Sie streichelte sie gar lieblich.
Ihr Kinder, welche Not!
Sie wollte sie braten und buk dazwischen Brot.
Als nun die Hexe zum Ofen hineingeschaut,
Ward sie geschoben von unserm Gretelein.
Nun ist das Märchen von Hänsel und Gretel aus.
35.
Wenn ich Sonntags früh aufsteh,
Einen Schornsteinfegermeister seh,
Schau ich hin, und schau ich her,
Ob noch was zu fegen wär.
Trallalala, trallalala!
Schau ich hin, und schau ich her,
Ob noch was zu fegen wär.
Schwarz ist mein Gesicht wie Kohle
Von dem Scheitel bis zur Sohle.
Aber’s Herz ist frisch und frei,
Wie’s beim Schornsteinfegermeister sei.
Trallalala, trallalala!
Aber’s Herz ist frisch und frei,
Wie’s beim Schornsteinfegermeister sei.
III. Scherzverse (Neck- und Spottreime), die bei passenden und unpassenden Gelegenheiten mehr singend als sprechend vorgebracht werden.
Wie von vielen Orten mit der Endsilbe witz im Namen (z. B. Schmannewitz bei Dahlen, Sörnewitz bei Meißen, Bannewitz bei Freital Bezirk Dresden, Leipzig-Connewitz), so heißt es von unserm nahen Lonnewitz:
1.
In Lonnewitz, da hat’s geblitzt,
Da sind die Weiber (oder: Bauern) ausgeflitzt.
(Oder: Da hab’n die Weiber Blut geschwitzt)
Da hab’n sie sich ein Haus gebaut
Aus Leberwurst und Sauerkraut.
Hin und wieder ist der Zusatz zu vernehmen:
Und als es wieder eingekracht,
Da hab’n sie sich halb tot gelacht.
Einige Ruprechtsverse:
2.
Ruprecht, Ruprecht, Besenstiel,
Deine Kinder fressen viel,
Jeden Tag ein Vierpfundbrot
(Oder: An jedem Tage vier Pfund Brot),
Morgen sind sie mausetot.
(Oder: Morgen sind sie alle tot.)
Öfters heißt es weiter:
Liegen unterm Tische
Wie gebratne Fische.
3.
Ruprecht, Ruprecht, mit dem Sack,
Hast du uns was mitgebracht?
Hast du was, da setz dich nieder,
Hast du nichts, da pack dich (oder: geh gleich) wieder.
4.
Ruprecht, Ruprecht, guter Mann,
Sieh mich nicht so böse an.
Hast du was, so setz dich nieder.
Hast du nichts, dann gehst du wieder.
5.
Ruprecht, Ruprecht, böser Mann,
Guck mich nicht so finster an.
Hau mich nicht mit deinem Besen,
Bin ein gutes Kind (oder: böser Bub) gewesen.
6.
Ruprecht, Ruprecht, frommer Gast!
Wenn du was im Sacke hast,
Komme rein und setz dich nieder.
Hast du nichts, da gehst du (oder: pack dich) wieder.
7.
Ruprecht, Ruprecht, böser Wicht,
Komme nicht, wenn’s finster ist.
Komme lieber bei Mondenschein,
Wirf viel Äpfel und Nüsse rein.
8.
Ruprecht, Ruprecht, Ständerbesen,
Bist du in der Stadt gewesen?
Hast du mir (oder: uns) was mitgebracht?
O, du alter Pfeffersack!
9.
Ruprecht, Ruprecht, guter Mann,
Siehe, was ich alles kann!
Schreiben, singen, rechnen, lesen,
Bin auch immer recht artig gewesen.
Stell die Rute an die Wand,
Und gib mir Nüsse in die Hand!
Sonstige Weihnachtssprüche:
10.
Lieber, frommer, heil’ger Christ,
Ich weiß nicht, wo mein Messer ist.
Ich wollt ein Stückchen Stolln abschneiden,
Derweile muß ich Hunger leiden.
11.
Lieber, guter Weihnachtsmann,
Guck mich nicht so böse an,
Steck deine Rute ein,
Will auch immer (recht) artig sein.
(oder: Ich will ein braves Kindlein sein).
12.
Wenn Weihnachten ist, wenn Weihnachten ist,
Da kommt zu uns der heilige Christ.
Da liegt eine Muh, da liegt eine Mäh,
Da liegt eine schöne Tschingtärätätä (oder: Zinktärätätä).
Gewisse Berufsarten:
13.
Böttcher, Böttcher, bum, bum, bum,
Mach (oder: Schlag, Hau) mir meine Nase krumm.
Mach mir sie wieder gerade,
Bist auch mein Herr Pate.
14.
Schneider, Schneider, meck, meck, meck,
Schneid mir meine Nase weg.
Der Essenkehrer wird besonders viel besungen:
15.
Essenkehrer schwarzer Wicht,
Kehr mir meine Esse nicht.
Kehr sie nicht zu reine,
Kriegst sonst krumme Beine.
16.
Feuerrüpel, Katzenschnübel,
Kehre deine Esse aus.
Aber nicht zu reine,
Sonst kriegst du schwarze Beine.
17.
Essenkehrer obenaus,
Steck (oder: gib) mir ’n Stückchen Kuchen (oder: Stolln) raus.
Nicht zuviel und nicht zuwenig,
Sonst bist du ein kleiner (oder: alter) König.
18.
Essenkehrer, Schornsteinfeger,
Du hast bloß ein’ Hosenträger.
Familiennamen:
19.
Pietsch und Lehmann ging’ in Laden,
Wollt’n für ’n Dreier Käsemaden.
Käsemaden gab es nicht
(Oder: Käsemaden hab’n wir nicht)
Pietsch und Lehmann drückten sich.
20.
Jakob, wo bist du?
Bei der Großmutter im Handschuh.
Vornamen der Knaben und Mädchen:
21.
Paul, steck’ die Wurst ins Maul!
Steck’ sie nicht daneben, sonst bleibt sie kleben.
Steck’ sie nicht zu tief, sonst da kommt ein Brief.
In dem Brief, da steht geschrieben:
Paul soll seine Liebste lieben.
22.
Fritz mit der Mütz in Holzpantinen (oder: Holzpantiten)
Geht beim Bäcker und maust Rosinen.
Bäcker spricht: Wer war denn das?
Fritz mit der Mütz in Holzpantinen.
Andere Sprechweise:
Fritz mit der Zippelmütz
Geht beim Bäcker und maust Rosin’,
Geht die Straße auf und ab,
Bettelt den Kindern Wurstzippel ab.
23.
Hans mit dem langen Schwanz
Kommt die Treppe runter getanzt.
24.
Ernst, morgen wird gefernßt,
Übermorgen wird lackiert,
Wird der Ernst mit reingeschmiert.
25.
Ilse, Bilse, niemand will se,
Kam der Koch und nahm sie doch.
26.
Rosa ist ein schöner Name, Rosa möcht ich heißen,
Rosa hin, Rosa her, Rosa ist ein Zottelbär.
27.
Gudrun, Gudrun, dein Finger blut’.
Steck ihn in die Ohr’n, da wird er wieder gut.
28.
Hilde, Wilde, (Eingebilde), ausgestopfter Puppenbalg.
29.
Hanne mit der Kaffeekanne.
30.
Lene hat krumme Beene.
Mit Vorliebe bedient man sich einer Spottform, die auf alle Taufnamen angewendet wird. z. B.
Hans bittewans,
Konditor Kondans.
Krummbeeniger Hans.
Lene bittewene,
Konditor Kondene.
Krummbeenige Lene.
Sonstige Personen:
31.
Bumbumbum, die Schützen kumm,
Der Vater trägt die Fahne.
Die Mutter trägt das Kümmelfaß,
Da wer’n die ganzen Schützen naß.
Andere Weise:
Rumbumbum, die Schützen kumm,
Und hinter ihn’n die Lausejung’n.
32.
Mann und Frau wer’n getraut
Mit einem Topf voll Sauerkraut.
33.
Zwei Mädchen wollten Wasser holen,
Zwei Knaben wollten plumpen.
Da guckt der Herr zum Fenster raus
Und sagt: Ihr seid Halunken.
34.
Schlaf, Kindchen, schlaf,
Im Garten steh’n zwei Schaf,
Ein schwarzes und ein weißes.
Und wenn das Kind nicht schlafen will,
Da kommt das schwarze und beißt es.
Tierwelt:
35.
Bische, bische, bische,
Morgen gibt es (oder: koch’n wir) Fische,
Übermorgen Schweinebraten,
Da wird das Kindchen eingeladen.
36.
Maikäfer flieg! Dein Vater ist im Krieg.
Deine Mutter ist im Pommerland,
Pommerland ist abgebrannt,
Steht bloß noch das halbe Land.
(Oder: Steht bloß noch die halbe Wand.)
37.
Schacke, schacke, Rillechen,
Wir reiten auf dem Füllichen.
Wenn wir großer werden,
Reiten wir auf Pferden.
38.
Muh, muh, muh,
Das spricht die alte Kuh.
Sie gibt uns Milch und Butter,
Und wir geb’n ihr das Futter.
Muh, muh, muh,
So spricht die alte Kuh.
39.
Kaninchen, Karnickelchen,
Ich wette was drum.
Trotz großer Aug’ und großer Ohr’n,
Du bist e bissel dumm.
40.
A b c, die Katze lief im Schnee.
Als sie wieder raus kam,
Hatt’ sie weiße Stiefel an.
Ging sie aufs Rathaus,
Guckte sie zum Fenster raus.
Kam sie wieder runter,
Hatt’ sie schwarze Stiefel an.
Zweite Art:
A b c, die Katze lief im Schnee.
Wo sie wieder raus kam,
Hatt’ sie weiße Stiefel an.
Ging sie in den Keller,
Holt sie sich paar Teller.
Ging sie auf den Boden,
Holt sie sich paar Schoten.
Ging sie in die Kammer,
Holt sie sich paar Klammern.
Ging sie in die Stube,
Holt sie sich paar Schuhe.
Ging sie in die Küche,
Holt sie sich paar Fische.
41.
Storch, Storch, Langbein,
Bring mir ein klein Brüderlein.
Storch, Storch, Langbein,
Bring mir ein klein Schwesterlein.
Außerdem ist zu hören:
Klapperstorch, du Guter,
Bring mir einen Bruder,
Klapperstorch, du Bester,
Bring mir eine Schwester.
Zum Schlusse von den drei vorgefundenen sogenannten Kinderpredigten mit ihren Kettenreimen und ihrem Sachallerlei nur die kürzeste Weise:
Hört, meine Herren!
Äpfel sind keine Birn’.
Birn’ sind keine Äpfel,
Die Wurst hat zwei Zipfel.
Zwei Zipfel hat die Wurst.
Der Bauer hat großen Durst.
Großen Durst hat der Bauer.
Das Leben wird ihm sauer.
Sauer wird ihm das Leben,
Der Weinstock trägt viel Reben.
Viel Reben trägt der Weinstock,
Die Maus ist kein Ziegenbock.
Kein Ziegenbock ist die Maus,
Und die Geschichte ist aus.
»Kraft- und saftloses Reimgeklingel!« werden manche Leser ausrufen. Doch die Kinderwelt findet ihre helle Freude daran. Wer viel mit Kindern umgeht und diese beobachtet, weiß übrigens, daß oft schon die Schulneulinge dichterische Veranlagung offenbaren, auf dem Pegasus Versuche wagen, besonders wenn sie sich streiten und zanken. Mit Vorliebe hängen die Kinder den Namen ihrer Gespielen und Klassengenossen ähnlichklingende Wörter an, und der Reim ist fertig, der gleich Anklang findet und allgemein gebraucht wird. Einige von mir gelegentlich aufgeschnappte Rufe sind:
Minkwitz, Stinkwitz.
Kühne, Biene, Eisenschiene.
Müßler, Stißler.
Richter mit dem Trichter.
Emil, Besenstiel.
Max, Fax (auch: Dachs, Gax).
Paul ist faul.
Otto, Hotto.
Elfriede, Zuckertüte.
Lotte, Motte.
Ferner sucht man durch Entstellung der Namen Mitschüler zu necken. Auch hier einige Beobachtungen: Teubert-Täubchen, Peschke-Depesche, Thomas-Domino, Klauß-Klöße, Dippmann-Dippfrau. Alle diese Schöpfungen beruhten selten auf einer glücklichen Eingebung, denn sie trafen fast gar nicht das Wesen oder eine Wesensseite ihres Trägers. Die Spitznamen haben für die Kleinen ebenso wie die von mir aufgetischten zahlreichen Abzählreime, Liedertexte und Scherzverse einen onomatopoetischen Reiz.