Schluß.

Einige Stunden früher schleppte sich der Kurierzug nach B. durch die verschneite Landschaft. Er machte seinem Namen heute wenig Ehre; zu gewaltig fielen die Schneemassen, zu heftig jagte sie der Wind in die Hohlwege, welche der Zug passieren mußte. So lange man durchs offene Land fuhr, konnten Kolonnen von Arbeitern die Schienen leidlich vom Schnee befreien, und wenn es auch viel langsamer ging als sonst und die Stationszeiten nirgends eingehalten werden konnten — es ging doch vorwärts!

In einem Coupé zweiter Klasse saß ein Herr mit noch jungem aber ernstem und gebräuntem Angesichte, das fast traurig in den Schneesturm hinausblickte, der seine kleinen, feinen Krystallsternchen so gegen das Fenster warf, daß man nur in einzelnen, seltenen Pausen einen Ausblick auf die Umgebung bekam; er zeigte auch nichts weiter, als ein großes weiß-graues Tuch, welches Häuser, Bäume, Felder und jede Ungleichheit des Terrains verhüllte und verdeckte. Die Wagen waren geheizt, aber man merkte nichts davon; der eisige Sturm drang durch alle Ritzen, und zwei Jünglinge, dem Pelzumhüllten gegenüber, schlugen mit den Armen übereinander, um sich zu erwärmen.

„Ob wir heute noch nachhause kommen, Alfred?“

„Wollen’s hoffen“, entgegnete der Gefragte; „es wäre ungemütlich, den Abend im Schnee zu verbringen statt unter dem Weihnachtsbaum.“

Der Ältere sah nach seiner Uhr: „Es ist schon fast zwei Stunden über die Zeit, auf dem Bahnhofe kann wohl niemand mehr sein.“

Da ertönte ein schriller Pfiff — Stationslichter — der Schaffner öffnet die Thür: „N., Aussteigen!“

Mit einem Satz, die bunten Studentenmützen fröhlich lüftend, waren die beiden Jünglinge draußen; man sah zwei vermummte Mädchengestalten und einen etwa zehnjährigen Knaben.

„Fritz, Elisabeth, Julchen, ihr alle hier? Na, kommt nur schnell nachhause! Da ist auch Heinrich mit dem Schlitten!“ Die Thür flog zu, der Zug dampfte weiter.

Der Reisende in der Ecke seufzte schwer: „Nachhause! Die Glücklichen gehen nachhause! O, wo ist mein Zuhause auf der ganzen weiten Welt?“

Heute vor fünf Jahren da hatte er zum letztenmal ein Zuhause gehabt; nicht bei Vater und Mutter, die lagen schon lange unterm Rasen, aber bei ihr; sie hatten zusammen unter dem brennenden Baum gestanden, sie hatten geträumt von einer süßen, gemeinsamen Heimat — und schon am anderen Morgen war alles zusammengebrochen! Als sich seine heißen Wünsche nicht gleich erfüllt hatten, da war er fortgestürmt in die Ferne ohne Abschied, Zorn und Stolz im Herzen und hochfliegende Hoffnungen und Erwartungen auf Glück und Reichtum. Übers Weltmeer war er gezogen, dort in Missouri wußte er eine Thür, daran durfte er nur klopfen, damit Fortuna ihr Füllhorn über ihn ausgoß; dort lebte der einsame Oheim, der sich nach seiner Hilfe und Gesellschaft sehnte und den er beerben sollte.

Nach mancherlei Fährlichkeiten zu Wasser und zu Lande stand er vor dem stattlichen Hause; der Oheim war ausgegangen; ein frisches, junges Weib, mit einem lustigen, kleinen Buben auf dem Arm, empfing ihn. Sie war nicht herzlos, nicht unfreundlich, auch der Oheim, als er heimkehrte, war es nicht; aber daß sich seine Aussichten hier völlig verändert hatten, das brauchte ihm ja niemand zu sagen.

Der Onkel hatte ihm unter die Arme greifen, ihm die Wege ebnen wollen zum Vorwärtskommen; er hatte alles in seinem Hochmut abgelehnt und sich auf seine eigene Kraft verlassen. Er wurde bald inne, daß er etwas Schweres unternommen hatte; er suchte eine Stelle als Landwirt — man bot ihm Knechtsarbeit; er wollte als Kaufmann auf einem Comptoir arbeiten — und fand keine Stelle.

Da kam die Not. Sein kleines väterliches Vermögen war ihm im Vaterlande sichergestellt, daran konnte und wollte er nicht rühren; an seinen väterlichen Freund zu schreiben, konnte er sich nicht entschließen; da ging es tief hinunter mit seinen hohen Gedanken.

Monatelang hatte er als Arbeitsmann sein Brot verdient, dann war er Sprachlehrer gewesen; er hatte sein Leben kärglich gefristet; aber erworben, irgendetwas erworben, das er ihr bieten konnte, das hatte er nicht.

Darum schrieb er ihr nicht; was sollte er ihr schreiben? In einer elenden Nacht, da sein ganzes Geschick sehr dunkel vor ihm lag, und ihres auch, da wurde es ihm klar: „Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbst eig’ner Pein läßt Gott ihm gar nichts nehmen, es muß erbeten sein!“

Und er lernte wieder beten; das verirrte Kind klopfte an des rechten Vaters Thür und der Vater that ihm auf und tröstete ihn.

Er war mit einem Deutschen zusammengekommen, der hatte ein herrliches Grundstück für ein industrielles Unternehmen und ein großes Kapital zum Anfang; aber ihm fehlte, was Siegfried besaß: Intelligenz, Kenntnisse, Thatkraft. Er bot eine namhafte Summe, wenn dieser ihm sein Geschäft in Gang bringen wolle, und fortdauernden Anteil am Gewinn.

Das Unternehmen gelang; sowie dies sich zeigte, hatte Siegfried an sie geschrieben, an seine Martha; er erhielt keine Antwort.

„Sie wollen ihr den Brief nicht zeigen“, dachte er, und als nach einem Vierteljahre keine Antwort kam, schrieb er noch einmal, diesmal an den Vater; wieder lange, lange keine Antwort. Endlich kam der Brief zurück: „Adressat seit Jahren tot, Angehörige verzogen.“

O Gott, wie wurde nun sein Herz so schwer! Sobald sich’s thun ließ, ging er nach Newyork, um dort womöglich Landsleute zu treffen; es gelang ihm; sie brachten die Schreckenskunde vom Konkurs und dem gleich darauf erfolgten Tode des Kommerzienrats; aber niemand, niemand wußte, wo die Seinigen geblieben waren.

Welche Qual! Er schrieb an den Onkel Konsul und erfuhr auch dessen Tod. Wie lang, wie endlos lang wurde ihm das Jahr, das er durchaus noch in Amerika verleben mußte, wenn das Unternehmen in sicheren Gang kommen sollte!

Nun war er in der Heimat, bei ungünstiger Jahreszeit in Sturm und Wetter herübergefahren, und schon wochenlang irrte er umher und suchte sie, ohne eine Spur von ihr entdeckt zu haben. Auf der Post wußte man nichts mehr von ihrer Adresse; die Angehörigen des Onkel Konsul waren nach dem Süden gezogen; entferntere Bekannte erinnerten sich, in irgendeiner Zeitung die Todesnachricht der Frau Feldwart gelesen zu haben; sie wußten nicht mehr, wann und woher, und die Zeitung fand sich nicht. Das war ihm gewiß: er mußte in der Heimat bleiben, mußte seine Nachforschungen fortsetzen; es mußte ja möglich sein, sie zu finden; wenn es gar nicht anders ging, durchs Einrücken in die Blätter.

Ach, wenn er doch damals in seinem Hochmut nicht fortgegangen wäre! Wie viel hätte er der Verlassenen sein können! Es konnte aber länger dauern, bis er sie fand, und er wollte sich einen Wirkungskreis schaffen, um nicht müßig zu sein, und hatte sich hier und da ein Besitztum angesehen, das seinen Mitteln und Ansprüchen entsprach.

So verlassen, so betrübt, so voll Sehnsucht hatte er sich noch nie gefühlt wie heute; zum erstenmale kam ihm der Gedanke, sie könne gestorben sein oder — was war schlimmer? verheiratet. Er dachte daran: „Es ist ja Weihnachten!“ Es fiel ihm der Engelgruß ein: „Siehe, ich verkündige euch große Freude!“ Ach, in seinem Herzen da war nur Leid; er bat den lieben Gott um einen Brosamen von der Freudenfülle, die sich heute über die ganze Welt ergoß, und sein Herz wurde stiller und ergebener, wenn es auch eben noch nicht fröhlich wurde.

Der Bahnzug fuhr jetzt langsam an einer kleinen Station vorüber; hier hielten die Kurierzüge nicht an, es ging weiter in die Nacht hinein. Da auf einmal ging es langsam, immer, immer langsamer; man sah an den Seiten schwarze, vermummte Gestalten mit Laternen und Schaufeln arbeiten; man hörte durch den Sturm hindurch die Unterhaltung der Schaffner mit den Leuten. Aber alle Anstrengungen waren vergeblich; immer höher baute sich die Mauer im Hohlwege, die der Zug nicht durchbrechen konnte; sollte er nicht ganz darunter begraben werden, mußte man zurückkehren zu der kleinen Station; es geschah.

Frierend stieg der Reisende aus und wollte eben in die Restauration treten, da klang es durch den Sturm wie Glockengeläute und durch das Schneetreiben schimmerte es auf einem nahen Hügel wie erleuchtete Fenster.

„Ist hier Christvesper?“ fragte er.

„Ja wohl, unsere Kinder wollen eben hin.“

Der Reisende fror, er hätte sich gern erst gewärmt, aber eine deutsche Christvesper — die heimelte ihn gar zu sehr an. Ach ja, es ward ihm auch innerlich warm und wohl, als er mitsingen durfte: „Dies ist die Nacht, da mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit!“ Er schmeckte den süßen Trost für alles Weh, der in der himmlischen Freudenbotschaft lag; aber er betete, betete aus vollem Herzen, Gott wolle ihm die wiederschenken, die vor fünf Jahren die letzte Christvesper neben ihm gefeiert.

Siegfried, siehst du sie nicht, die schlanke Gestalt, die gar nicht weit von dir neben dem Pfeiler sich über ihr Gesangbuch beugt? Nein, er sah sie nicht; sie kehrte ihm den Rücken, und ihre weiße Capote verhüllte den jugendlichen Kopf.

Als die Christvesper zu Ende war, trat er in ein Gasthaus, um sich zu erwärmen und etwas Speise zu sich zu nehmen; wenige Reisende fand er hier — sie waren heute alle zuhause!

Eine Stunde verging in gleichgültiger Unterhaltung; Siegfried trat ans Fenster: es hatte sich schon während des Gottesdienstes aufgehellt, jetzt war es völlig still. Er wollte nach dem Bahnhofe und sich erkundigen nach der Weiterreise. Ein schriller Pfiff der Lokomotive machte es ihm wahrscheinlich, daß es die höchste Zeit sei.

„Ist hier der nächste Weg nach dem Bahnhofe?“ fragte er eine vorübereilende Frau.

„Nein, gehen Sie hier durch die Schustergasse, das ist näher!“

Er ging weiter, aber er ging wie im Traum; er war mit seinen Gedanken bei dem Weihnachtsabend vor fünf Jahren; er dachte an Urgroßmutters Weihnachtslied: „Du wurdest arm, daß ich würd’ reich; nun gilt mir arm und reich sein gleich.“ Das wußte er noch, denn daran hatte er damals seinen Antrag geknüpft. O, wie wünschte er, das ganze Lied noch zu können, jetzt könnte er’s mit anderem Sinne singen!

Was war das? War es eine Geisterstimme? Hoch über ihm klang’s herab, und ach, mit welcher Stimme: „Sei mir gegrüßt, geweihte Nacht, die uns das höchste Gut gebracht; dich Gottessohn, dich Königskind, das man im Stall und Kripplein find’t.“

Einen Augenblick stand er wie in einen Traum versunken, dann kam Bewußtsein und Bewegung.

„Wer singt da?“ fragte er einen Schusterjungen, der eilends vorüberlief, um noch Schuhe wegzutragen, die beschert werden sollten.

„Es wird die neue Lehrerin, die Fräulein Feldwart, sein!“

Ach, da war im Nu der Fremde im Hause verschwunden; unten im Flur brannte ein trübes Lämpchen, das ihm die Treppe zeigte. Er wollte sehr leise hinaufgehen, aber oben war kein Licht; er trat fehl und die Stufen knarrten. Martha brach mitten im zweiten Vers ab und öffnete die Thür.

Fast erschrocken stand sie dem Manne im Reisepelz gegenüber; vorsichtig und schüchtern trat er näher.

„Erschrecken Sie nicht, Martha, es ist ein alter, treuer Freund!“

Ach, jetzt wußte sie, wer es war, jetzt hielt er sie umschlungen und mußte sie halten, damit sie nicht umsank, und dann hörte man lange, lange nichts anderes als leises Schluchzen; ja, dies Weihnachtsgeschenk war so groß, daß es das schwache Herz nicht gleich fassen konnte.

Aber dann tauschten sie ihre Erlebnisse aus, erst abgerissen und dann zusammenhängender, und sahen sich dabei an und fanden, daß wohl etwas von der Rundung und dem Schmelz der ersten Jugend aus den Zügen fort war, aber dafür etwas darin, was viel, viel schöner war; und die alte Liebe und Treue, die war geblieben, und daran hatten sie beide niemals gezweifelt.

„Und wo kommst du heute her, Siegfried?“

„Aus einem kleinen Orte, den du wohl kaum kennst, aus Weißfeld. Der Amtmann dort hat sich in Schlesien ein größeres Gut gekauft und will Weißfeld verkaufen; ich habe Lust, den Kauf abzuschließen; es gefiel mir dort gar manches.“

„Was gefiel dir, Siegfried?“ fragte Martha mit strahlenden Augen.

„Ach, es führte mich eine alte, krumme Frau herum; das war ein prächtiges altes Geschöpf; ich dachte mir’s so schön, die bis zum Tode zu pflegen. Und dann, Martha — ach, es ist fast ein bißchen sonderbar — aber du wirst es verstehen; es war da ein kleiner eiserner Tisch und eine Bibel darauf, und die Alte sagte, es rühre von einer früheren Besitzerin her, die habe gewünscht, daß es so bleiben möchte, das brächte dem Gute Segen. Das gefiel mir auch!“

Er wunderte sich, als er ihr Gesicht von Thränen überströmt sah.

„O Urgroßmutter! Urgroßmutter!“ rief sie aus.

Da war denn Siegfried voll Erstaunen, als er den Zusammenhang erfuhr.

„Ja“, sagte Martha, „‚denen, die mich lieben und meine Gebote halten, thue ich wohl bis ins tausendste Glied!‘ Das ist gewißlich wahr! O Siegfried! Siegfried! Es ist ein Zusammenhang da zwischen dem Betschemel der Urgroßmutter und dem Glück ihrer Urenkelin!“

Siegfried war auch bewegt.

„Das ist ein schöner Gedanke, aber auch ein ernster und verantwortungsvoller“, sagte er, „wenn man sich als ein Glied in einer so großen Kette betrachtet, beeinflußt von der Vergangenheit und weiter wirkend in die Zukunft hinein.“

Martha wunderte sich, daß er in Weißfeld nichts von ihr gehört habe; aber sein Aufenthalt war nur kurz gewesen — „und“, sagte Martha, „die Urgroßmutter hat uns gewiß selbst wieder zusammenführen wollen durch ihr Weihnachtslied.“

„Wie wird sich Suschen, mein liebes Suschen freuen, wenn ich dort einziehe! Aber eine Bitte habe ich noch, Siegfried, eine recht große. Nicht wahr, wir haben ein Stübchen übrig für meine alte, liebe Freundin Klug?“

Und als der glückliche Bräutigam vernommen, was diese seiner Braut gewesen war, da stimmte er mit Freuden zu; sie sollte sogleich zum Abendbrot gerufen werden und ihr Glück vernehmen.

„Aber erst will ich alles festlich herrichten!“ sagte Martha.

Sie steckte neue Lichter an das Weihnachtsbäumchen, sie deckte den Tisch mit einem reinen, weißen Tuch und besetzte ihn mit Judiths guten Gaben, denen „mein Georg“ einige Flaschen Rotwein beigefügt. Dann stand das Brautpaar vor der alten Freundin, die sehr überrascht und bewegt, aber voll Liebe und treuer Wünsche war.

„Und nun müssen Sie mit uns essen“, drängte Martha, „ich muß ja doch eine Brautmutter haben!“

Und an der fröhlichen Abendtafel da trug man ihr die schönen Zukunftspläne vor. Es war ihr zuerst zu neu und wunderbar, dann faltete sie ihre Hände wie zu einem stillen Gebete: „Ja, Kinder, wenn mir nicht der liebe Gott ein anderes Altenstübchen anweist, so gehe ich mit; ich will euch, so er hilft, nicht zur Last sein!“

„Was werden meine Kinder, meine lieben Kinder sagen?“ ging wehmütig durch Marthas Seele; aber sie tröstete sich: „Bis Ostern bin ich noch bei ihnen, und Agnes, Helene und Eva müssen jedenfalls meine Brautjungfern sein!“

Das Abendbrot war verzehrt, die Uhr zeigte auf zehn.

„Und nun, Martha“, sagte Siegfried, „bevor ich gehe —“

Sie fiel ihm ins Wort: „Nun, Siegfried, singen wir noch einmal zusammen Urgroßmutters Weihnachtslied!“

„Ja, Martha, und mit mehr Verständnis als vor fünf Jahren.“

Die Lichter am Baume strahlten, die Augen glänzten noch heller und die Herzen schlugen in heiliger Weihnachtsfreude, als sie sangen:

Sei mir gegrüßt, geweihte Nacht,

Die uns das höchste Gut gebracht,

Dich Gottessohn, dich Königskind,

Das man im Stall und Kripplein find’t.

Daß ich empfinge Kindesrecht,

Wohnst du wie ein geringer Knecht;

Drum will ich gern veracht’t und klein,

Herr, Dir zu Lieb’ und Ehren sein.

Dein war des Himmels Herrlichkeit,

Aller Welt Schätze weit und breit;

Du wurdest arm, daß ich würd’ reich,

Nun gilt mir arm und reich sein gleich.

Du kamst aus lichtem Himmelssaal

Und gingst für mich durchs dunkle Thal;

Ich bin zum Leid nun auch bereit,

Da du es durch dein Leid geweiht.

Für mich, mein Lebensfürst und Gott,

Gabst du dich hin in Todesnot;

Daß ich dem Tod verfall’nes Kind

Durch dich das ew’ge Leben find’.

Ich kniee an dein Kripplein hin

Und fasse nicht das Wunder drin,

Und bitte dich: O Herr, verleih,

Daß dies mein Bitten ernstlich sei!

Du giebst dich mir, Herr Christ, ich hab’

Nur mich als arme Gegengab’.

O nimm mich hin, Rat, Kraft und Held,

Und mach aus mir, was dir gefällt.

Ja, jetzt war ihr Bitten ernstlich; sie wußten, der Herr mußte noch viel an ihnen thun und viel mit seiner Liebe zudecken, wenn sie ihm gefallen sollten; sie wußten auch, daß er sie zu diesem Ende noch auf manchen sauern Weg und manche rauhe Bahn führen werde; aber sie waren getrost. Sie verließen sich nicht mehr auf sich selbst oder andere menschliche Stützen, sondern auf den, der sie mit seinen Augen geleitet durch alle die schweren Jahre, und:

Herr Gott Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verläßt!


Druck von Friedr. Andr. Perthes in Gotha.