XIV. Der Westrand von Offenburg bis Baden.

Schramberg. Von Offenburg bis zur Murg.

V

om südlichen und mittleren Schwarzwald unterscheidet sich der nördliche vor allen Dingen dadurch, daß er innerhalb der von uns gewählten Grenzen — Rheinebene, Kinzig- und Murgtal — nur aus einem einzigen von Süd nach Nord streichenden Hauptkamm besteht, der in der Hornisgrinde mit 1164 m seine höchste Erhebung hat und nur ziemlich kurze Querrücken nach Westen und Osten aussendet. Die Täler liegen alle sehr tief, die relativen Höhenunterschiede sind daher bedeutend, trotz der mit dem südlichen und mittleren Schwarzwald verglichen geringern absoluten Höhen. Abgesehen von der Gneislandschaft zwischen der Kinzig und dem Oberlauf der Rench findet der Granit hier eine sehr große Verbreitung, die Kämme sind zu allermeist von Buntsandstein bedeckt, dessen Blockmeere vielerorts Erstaunen und Bewunderung erregen, während er anderwärts zu ausgedehnten Moor- und Sumpfbildungen Veranlassung gegeben hat. Eine nicht unbedeutende Anzahl von kleinen Hochseen verleiht dem Gebirgsteile mehrfach ein ganz eigenartiges Gepräge. Da in der Umrandung nur auf die ziemlich kurze Strecke von Forbach bis Kloster Reichenbach im Murgtal die Eisenbahnverbindung fehlt, während in die Täler der Rench, Acher, Bühlott und Oos Nebenbahnen führen, ist die Zu- und Durchgängigkeit dieses Gebirgsabschnittes eine hervorragend günstige. Das wird uns an der dichten Besiedlung der Täler, an der glänzenden Wegsamkeit der Höhen und an dem lebhaften Verkehr der Niederungen wie der eigentlichen Gebirgsregionen deutlich zur Anschauung gebracht, ein Verkehr, zu dem die nahen Großstädte Straßburg und Karlsruhe und auch das etwas ferner liegende aber leicht zu erreichende Stuttgart natürlich sehr viel beitragen.

Abb. 130. Peterstal. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 128].)

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Ortenau.

Auf der Fahrt von Offenburg nach Norden haben wir bis zur Untern Murg hinab — die Obere Murg lernten wir im Hauensteiner Land kennen — ununterbrochen die prächtigsten Aussichten auf das Gebirge. So oft man auch diese Strecke durcheilen mag, immer wieder fesselt die schöne Landschaft zur Rechten mit ihrem in reichster Kultur prangenden Hügellande, das von den dunklen Waldhöhen überragt wird. Jeden Augenblick entdecken wir neue, überraschende Formen; die zahlreichen Täler, in die der flüchtige Blick vom Wagenfenster aus eindringt, erschließen in schneller Folge ungeahnte landschaftliche Schönheiten. Zunächst haben wir das gesegnete Obst- und Weinland der Ortenau vor uns, vom Ortenberger Schloß steigt das Gebirge in stolz geschwungener Linie zum Brandeckkopf mit seinem Turme auf, dann öffnet sich das Tal von Durbach mit dem Staufenberg, und bald ist die Station Appenweier erreicht. Hier mündet die große Westoststraße Paris-Wien von Straßburg her ein, nachdem sie bei Kehl den Rhein überbrückt hat, um die Hauptlinie, der wir folgen, erst bei Karlsruhe wieder zu verlassen und über Pforzheim nach Schwaben, Bayern und Österreich weiter zu ziehen.

Abb. 131. Bauernbursch aus dem Renchtal.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 128].)

Renchtal.

In Appenweier zweigt eine Nebenbahn ins Renchtal ab, dessen Mineralbäder — meist Stahlwasser — seit lange eine große und berechtigte Anziehungskraft ausüben. Wir kommen zunächst nach Oberkirch (191 m), einem hübschen Städtchen von 4000 Einwohnern in ganz entzückender Lage. Die Schlösser Schauenburg, Ullenburg und Fürsteneck grüßen ins Tal hinab auf all den schwellenden Reichtum an Gartenland, Ackerfeld, Obsthainen und Rebhügeln. Die Kirschen des Renchtales sind weitum berühmt und geben in halbwegs guten Jahrgängen Ernten, die selbst in den kleineren Orten der Umgebung sich auf viele Tausende von Mark bewerten, die Kirschenmärkte von Oberkirch sind daher eine sehr wichtige Sache, und von dem vielen, guten Kirschwasser, das überall im Schwarzwalde gebrannt wird, ist das Renchtaler wohl das am meisten geschätzte. Die Oberkircher Weine endlich erfreuen sich im ganzen Lande berechtigten Rufes, und es kann nur empfohlen werden, selbst Probe zu halten, sei es an Klingelberger oder Clevener, sei es im Städtchen selbst oder in den freundlichen Landorten ringsum, in Ringelbach, Waldulm oder sonstwo.

Abb. 132. Partie bei Griesbach im Wilden Renchtal. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 128].)

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Weiter aufwärts verengt sich das Tal bald; an Lautenbach mit seiner spätgotischen, neuerdings glücklich restaurierten Kirche vorbei gelangen wir nach der einsamen Haltestelle Hubacker, wo ein schöner Weg nach dem in stillem Seitentälchen gelegenen Bade Sulzbach ([Abb. 129]) und weiter nach Allerheiligen abzweigt. Dann gelangen wir nach dem Städtchen Oppenau, dem Endpunkt der Bahn. Eine herrliche Straße führt von hier nach dem freundlich gelegenen Bade Antogast (484 m), eine andere durch das felsenge Lierbachtal nach Allerheiligen, wieder eine andere auf die Höhe des Kniebiskammes, der bei den Schanzen an der Zuflucht erreicht wird; die Talstraße endlich läßt uns am schäumenden Flüßchen entlang Bad Freiersbach und bald darauf das stattliche Dorf Peterstal erreichen ([Abb. 130]), den Hauptpunkt des oberen Renchtales, mit seinen Bädern, Gasthäusern, Kuranlagen und trefflich gepflegten, weit verzweigten Spazierwegen ein behaglicher Ruheplatz (394 m). Die Bevölkerung von Peterstal und seiner weiteren Umgebung hängt noch fest an der alten Tracht des Tales, und es gilt dies hier im Gegensatz zu manchen anderen Schwarzwaldgebieten nicht nur für die Frauen und Mädchen, sondern auch für die Männer ([Abb. 131]). Wie schmuck sieht es aus, wenn bei festlichen Anlässen die Peterstaler Miliz mit ihrer trefflichen Musik, in Tracht gekleidet, ausrückt! — Noch weiter oben im Tal, da wo die Wilde Rench von Norden herabgesprungen kommt ([Abb. 132]), liegt in ernster Talenge Bad Griesbach ([Abb. 133]), wo 1818 Großherzog Karl die Badische Verfassung gab. Auf dem nahen Kreuzkopf steht der „Habererturm“, ein Denkmal für den einst im Tale tätigen und um seine Bäder sehr verdienten Medizinalrat Dr. Haberer. Von allen Orten im Renchtal führen gute und interessante Waldwege auf die Höhen, die später zusammenhängend geschildert werden sollen.

Abb. 133. Bad Griesbach.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 128].)

Abb. 134. Das Edelfrauengrab.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 128].)

Kapplertal.



Nordwärts Appenweier wird an Renchen vorbei, wo der Dichter des Simplicissimus, Christoph von Grimmelshausen, als bischöflich Straßburger Schultheiß amtete und nun ein Denkmal besitzt, die Stadt Achern mit fast 4900 Einwohnern erreicht, die sich aller Vorzüge einer ebenso schönen als fruchtbaren Umgebung erfreut. Ins freundliche Kapplertal führt eine Nebenbahn nach Kappelrodeck am Fuß der Burg Rodeck und des Käferwaldkopfes mit seinem Aussichtsturm, und weiter bis Ottenhöfen (311 m), einen für Ausflüge jeder Art sehr günstig gelegenen und beliebten Sommerfrischort. Die nahe Schlucht des Edelfrauengrabes im Gottschlägtal ([Abb. 134]) und zahlreiche andere Punkte der näheren Umgebung bieten die lohnendsten Ziele, die man sich denken mag. Die mancherlei Wege zum Mummelsee, nach Allerheiligen und auf oder über die Kammhöhe, welche die Wasserscheide gegen das Murggebiet bildet, laden zu weiteren Wanderungen ein. Diese Höhen in der Umgebung der Hornisgrinde können von Achern aus auch sonst auf verschiedenen Pfaden erreicht werden, so an Illenau, der unendlich friedlich und stimmungsvoll gelegenen Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke, vorbei über Sasbachwalden, durch die Schlucht der Gaishölle und über die hoch aufragende Ruine des Brigittenschlosses, oder über Sasbach und Lauf. Der Platz bei Sasbach, auf welchem 1675 Marschall Turenne fiel, ist seit lange französisches Nationaleigentum. Ein französischer Invalide hütet das Denkmal des Gefallenen ([Abb. 135]). Das unfern stehende alte Denkmal trägt die Inschrift: „Hier ist Turennius vertödtet worden“, sowie deren lateinische und französische Übersetzung. Ob wohl ein deutscher Invalide auf französischem Boden auch ganz unbehelligt deutsche Heldengräber hüten dürfte? — Zwischen Achern und Bühl ist der Anblick des Gebirges geradezu großartig. Die mächtige Höhe der Hornisgrinde liegt in der Luftlinie kaum 10 km von der Bahn entfernt, ragt aber 1030 m über ihr empor und gewährt in ihrem massigen, steilen Aufbau ein imposantes Bild, besonders durch den schroffen Gegensatz gegen die unendliche Lieblichkeit des reich angebauten und dicht besiedelten Hügellandes im Vordergrunde. Bei Ottersweier mündet das freundliche Neusatzer Tal aus, durch das wir am hoch aufragenden Immenstein vorbei zum Hauptkamm gelangen können. Das hübsche Städtchen Bühl ([Abb. 136]) mit 3600 Einwohnern, das als Wein- und Obstmarkt ähnliche Bedeutung hat, wie Offenburg oder Oberkirch, ist besonders berühmt durch seine Frühzwetschgen. Welchen Wert dieselben im Wirtschaftsleben der Gegend haben, mag aus der Tatsache anschaulich werden, daß schon im Jahre 1900 die Bahnstation Bühl allein an Fracht für den Versand dieses Obstes den Betrag von Mk. 108328 einnahm; seither ist dieser Betrag ganz wesentlich gestiegen. Vom waldigen Berghang winkt die zweitürmige Ruine Windeck hernieder, zu der entzückende Wege durch die reichen Fluren des gesegneten Landes uns ansteigen lassen. Eine Nebenbahn führt nahe an Affental vorbei, wo der gefeiertste badische Rotwein wächst, ins schöne und reiche Bühlertal ([Abb. 138]), durch dessen obere Verzweigungen, besonders durch die großartig wilde, wasserfallreiche Gertelbachschlucht ([Abb. 137]), die prachtvollsten Wege zum Kamm hinauf führen, der hier in weitester Ausdehnung wunderbaren Hochwald trägt und seit einigen Jahren mit einer großen Anzahl von trefflichen Höhenkurhäusern geschmückt ist. Wir werden diese unvergleichliche Höhenwelt noch zu würdigen haben.

Abb. 135. Turenne-Denkmal bei Sasbach.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 129].)

Am Bühler Rebland hin führt uns die Bahn nach dem Städtchen Steinbach. Seinem größten Sohn Erwin, dem Schöpfer des Straßburger Münsters, ist bei dem Ort, am Fuß der Yburg, die auf spitzem Porphyrkegel thront, ein Denkmal errichtet, von dessen Fuß der Blick hinüber schweift über die Ebene des Hanauerlandes zum Rhein, über den Erwins Wunderbau aufragt als Wahrzeichen deutschen Geistes und deutscher Kunst, weither sichtbar von den Höhen des Wasgaues, wie von denen des Schwarzwaldes, und so recht bestimmt dazu, das Symbol zu sein für die Einheit des ganzen gesegneten Oberrheingebietes zu beiden Seiten des Stromes von Basel bis Mainz. Wie ganz anders wirkt das Zeichen heute auf uns ein, als vor 1870, wo es nur an Schande und Schwäche gemahnte und in deutschen Herzen eine reine Freude an der herrlichen Welt zwischen Schwarzwald und Vogesen niemals recht aufkommen ließ.

Wenige Augenblicke, und wir befinden uns in Oos, von wo eine kurze Nebenbahn uns in einigen Minuten nach dem im Oostale gelegenen Weltbade gelangen läßt, das dem Lande Baden den Namen gab.

Baden-Baden.

Die heißen Quellen von Baden (Bahnhof 152 m, Neues Schloß 220 m) oder Baden-Baden, wie die Stadt zur Unterscheidung von anderen ihres Namens bei vielen heißt, kommen aus den Tiefen des Granits und spenden im Tag über 8500 hl Thermalwasser, das in der Brunnenstube 62,5° C mißt und als indifferente Therme mit geringem Gehalt an Kochsalz und anderen Mineralbestandteilen bezeichnet werden muß. Sie sind früh entdeckt und zu Heilzwecken benutzt worden; das römische Aquae, der Hauptort der civitas Aurelia aquensis, war, nach den Ruinen unter der Stiftskirche zu schließen, eine sehr ansehnliche Niederlassung, auf die vom nahen Waldberge, der heute noch den Namen Merkur trägt (670 m), ein Tempel des Handelsgottes herabsah. Das Merkur-Relief neben dem modernen Aussichtsturm erinnert an diese fern liegende erste Blütezeit unserer Bäderstadt. Diese kam nach mancherlei Geschicken um 1110 unter zähringische Herrschaft und gab dem Staate, dem sie seither ununterbrochen zugehörte, den Namen. 1689 ward sie von den Franzosen gründlich zerstört, und es dauerte danach über hundert Jahre, bis das gänzlich zerfallene Bad wieder aufzuleben anfing. Von 550 Gästen um 1790 stieg deren Zahl bis 1820 etwa aufs Zehnfache, 1860 waren es 40000, jetzt sind es über 70000 im Jahre; die Stadt zählt heute mit dem kürzlich eingemeindeten Lichtental 22000 Einwohner und steht an Trefflichkeit der Kureinrichtungen unerreicht und an Schönheit der umgebenden Landschaften unerreichbar da ([Abb. 140]). Das Klima ist überaus milde, die Wärmeschwankungen sind, mit anderen Orten des Rheingebietes verglichen, auffallend gering, rauhe Winde fehlen fast ganz, da sie durch die umgebenden Höhen abgehalten werden; die mäßig feuchte Luft — wohl eine Wirkung der ausgedehnten Wälder weit umher — ist weich und köstlich zu atmen. Daß ein von der Natur so glänzend ausgestatteter Kurort auch alles bietet, was ein aufs höchste verfeinerter Geschmack verlangt und was dem internationalen Badepublikum nun einmal geboten werden muß, das versteht sich von selbst. Aber neben den großen Palasthotels, die auch die unsinnigsten Ansprüche zu befriedigen in der Lage sind, besteht doch die Möglichkeit, auch bei bescheidenen Mitteln sich des Aufenthaltes in Baden zu freuen; und gerade hierin mag ein Hauptvorzug des Ortes liegen, der neben den wertvollen Kurmitteln und neben der reizvollen Lage das Geheimnis des stets wachsenden Besuches erklärt.

Abb. 136. Bühl.
Nach einer Photographie von A. Lohmüller in Bühl. (Zu [Seite 129].)

Abb. 137. Gertelbachfälle.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 130].)

Am Wege vom Bahnhofe in die Stadt, dem jetzt die elektrische Trambahn nach Lichtental folgt, fällt uns an einer rechts abzweigenden Nebenstraße zuerst die Trinkhalle auf ([Abb. 139]), unmittelbar am Walde gelegen, aus dessen Düster die goldstrahlende Kuppel der griechischen Kirche hervorschimmert. Die Gegenstände der vierzehn Fresken in der offenen Säulenhalle sind dem Sagenschatze von Badens näherer und weiterer Umgebung entnommen. Das Konversationshaus mit seinen vornehmen Gesellschaftsräumen, vor ihm die Anlagen der Promenade und die an der Oos hinziehende Lichtentaler Allee ([Abb. 141]) mit ihren wunderbar schönen alten Bäumen, meist Ahorn und Linden, aber auch Eichen, bilden den eigentlichen Mittelpunkt des eleganten Badelebens. Dem Heilzweck dienen das im Inneren nach dem Muster altrömischer Badeanlagen gehaltene und nur von Männern zu benutzende Friedrichsbad ([Abb. 142]), im Jahre 1877 vollendet, und das noch jüngere Kaiserin-Augustabad (für Frauen). Beide Bauten sind Vertreter der italienischen Renaissance, hervorragend schön und in ihrer inneren Einrichtung so trefflich ausgestattet, daß sie jedem Bedarf und Anspruch entsprechen. Auch das Landesbad und das Ludwig-Wilhelm-Pflegehaus dienen Kur- und Erholungszwecken. Dazu kommen nicht wenig Privatsanatorien mit Einrichtungen allerart für jede Form von Heilmethoden. Baden ist eben tatsächlich nicht nur der Luxusort, als der es einem flüchtigen Besucher erscheinen könnte, es ist wirklich eine Kurstätte allerersten Ranges. Daß dem Kranken die zahlreichen, prächtig gepflegten Wege zum Fahren und Gehen zwischen den ungezählten schönen Villen und ihren Gärten, in der Talebene wie an den sanften Gehängen ihrer Einrahmung, in Anlagen voll reichster künstlicher Vegetation vielfach ganz südlichen Charakters, endlich im stillen, majestätischen Wald und auf den aussichtsreichen Höhen zu allen Seiten mit ein Hauptgenesungsfaktor sind, wie sie dem nicht erholungsbedürftigen Gaste dieses Paradieses zur unerschöpflichen Fundgrube immer neuer, immer schönerer Landschaftsbilder werden — das versteht sich von selbst. Ob wir vom Garten des Großherzoglichen Schlosses oder vom Turm der alten Burg Hohenbaden ([Abb. 143]) ins Tal herniederblicken, ob wir durchs Labyrinth der Felsen steigen, die Umgebung der Engels- und Teufelskanzel oder den höheren Merkur besuchen, um von hier ins nahe Murgtal abzusteigen, ob wir im Wald am Friesenberg umherschlendern oder uns über den Beutig zum Fremersberg oder zur Yburg wenden, um etwa durch die villenbesäten Tälchen von Tiergarten oder Gunzenbach zurückzukehren, ob wir Kloster Lichtental und die waldeinsame Fischkultur ([Abb. 144]) aufsuchen, oder irgendeinen anderen der vielen abwechslungsvollen Pfade einschlagen, überall ist dieselbe milde Schönheit über die Welt vor unseren Augen ausgebreitet, und je öfter wir all das genießen, desto lebhafter wird der Wunsch nach der Wiederkehr in diese lieblichen Gefilde. Ob Baden sich in der milden Herbstfärbung oder in strahlender Sommerpracht oder im Blütenschmuck des Frühlings am herrlichsten offenbare, wer wollte das entscheiden? Glücklich, wem es vergönnt ist, ab und zu still beglückte Tage oder auch nur Stunden in diesem Eden zu verleben und die Reize der einzelnen Jahreszeiten und ihrer Stimmungen gegeneinander abzuwägen.

Abb. 138. Oberbühlertal. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 129].)

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