Arnim, Bettina v. geb. Brentano.
Achims Gemahlin, Enkelin der Sophie La Roche, Clemens Brentano’s Schwester, geb. zu Frankfurt a. M. 1785, gest. zu Berlin 1859.
„Goethe’s Briefwechsel mit einem Kinde“ führte sie zuerst in die größeren Kreise der deutschen Lesewelt ein. Vielleicht lassen sich in den hier mitgetheilten an Tieck gerichteten Briefen leise Spuren entdecken, daß es nur an seiner Schreiblässigkeit lag, wenn wir nicht auch Seinen Briefwechsel mit jenem Kinde besitzen? Ein Kind ist Sie geblieben, bis in’s Alter, bis in den Tod. Aber gewiß ein hochbegabtes, ein Wunderkind. Mögen auch ihre späteren Schriften: die Günderode (1840) — dies Buch gehört dem Könige! (1843) — Ilius Pamphilius und die Ambrosia (1848) — in ihrer Wirkung auf’s Publikum jenes ihr erstes Buch bei Weitem nicht erreicht haben; merkwürdig sind sie doch, und zwischen Seltsamkeiten und Absonderlichkeiten blickt immer ein tiefgewaltiger Geist, ein reiches Herz, ein hoher Sinn für alles Große und Wahre daraus hervor. Die Sehnsucht zu gestalten beunruhigte sie und lockte sie aus den Grenzen, die herkömmliche Ansicht weiblichen Autoren zu ziehen pflegt. Sie erscheint bisweilen dem erstaunten Leser gleich einer Bildnerin, welche nur den Reichthum des Stoffes nicht zu binden, die Form nicht zu beherrschen gelernt. Ihre Phantasie ist mächtiger als der ordnende Verstand.
Ihre größte Dichtung dürfte deshalb im Gebiete der Plastik gesucht werden. Wenigstens hat ein Mann, dessen Urtheil über Sculptur — mag er daneben noch so sehr General, Diplomat, Historiker, Archäologe, Numismatiker und Poet sein! — dessen Urtheil, wie gesagt entscheidend ist, unverholen seine anerkennende Bewunderung ausgesprochen über Bettina’s Goethe-Monument: Prokesch-Osten nennt das plastisch entworfene Modell zu dieser grandiosen Idee ein erhabenes Vermächtniß. — Wer wird als Erbe eintreten?