Bürger, Elisa.
Eine Frau, welche durch ein aus der Ferne zugesandtes Liedchen unsern armen Bürger, den wahrhaft deutschen Sänger, zu fesseln und ihn in’s Ehejoch zu verlocken wußte, würde schon an und für sich auf dieses Plätzchen in vorliegender Sammlung Anspruch haben. Wer aber Tieck jemals von Angesicht gesehen, der muß überrascht werden durch eine Zeile im Briefe dieser Frau, die ihm eben niemals gegenüber stand, und dennoch die bedeutsamen Worte ahnend niederschreibt: „Dessen Augensterne ich wohl einmal funkeln sehen möchte, wenn ihn Begeisterung erfüllt!“ Etwas Treffenderes, deshalb Schöneres, dürfte schwerlich über seinen Anblick gesagt worden sein. Darin werden Alle übereinstimmen, deren Augen den seinigen begegnet sind.
Frkf. am Main den 22. May 1830.
Verehrtester Herr Hofrath!
Diese Zeilen sind die Ersten welche ich an Sie zu richten Veranlassung finde, und ich zage nicht bei dem Wagstück, denn ich erweise Jemand einen Dienst, und erreiche zugleich einen lang gehegten Wunsch. Mit welchen Empfindungen haben ihre Geistesflammen mich oft ergriffen, belebt, entzündet! Sie lesend lebte ich oft um Sie, und so schreibe ich jezt nicht an einen mir Fremden, sondern nur an einen Fernen, Hochgeachteten, dessen Augensterne ich wohl Einmal funkeln sehen mögte wenn ihn Begeistrung erfüllt! Doch ich hemme die vergeblichen Wünsche, um einem, vielleicht leichter zu erreichenden, eines Kunst-Sohnes zu genügen.
Das einliegende Schreiben ist von einem jungen Schauspieler, dem es ein rechter heiliger Ernst ist dem höhern Genius zu huldigen. Die Natur hat ihn mit einem Aeusseren begabt welches zu der Tragödie vollkommen paßt; Gros, schlank, hellbraun von Haaren, blaue Augen, einen feingeformten Mund mit blendend weißen Zähnen, hat er eine Aussenseite welche für ihn einnimmt, dabei ein kräftiges und wohltönendes Sprachorgan, jeder Modulation fähig. Unter Ihren Augen, von Ihnen beobachtet und zurecht gewiesen könnte er einem vorzüglichen Grad der Kunstweihe entgegen reifen. Er hat Gewandtheit und geistige Auffassung; sein Roderich im Leben ein Traum, sein Romeo, sein Don Cäsar sind treffliche Beweise seines Kunstberufs. Wird es ihm durch Ihre Fürsprache vergönnt in Dresden als Gast zu erscheinen, so sind seine schönsten Wünsche erfüllt wenn er Ihre Huld gewinnt. Aufs innigste bitte ich Sie, der schon so Manchem Wohlwollen bewies, es diesem Manne nicht zu versagen, und erwarte hoffend Ihre gütige Entschließung.
Mit unbegrenzter Verehrung
Ihnen
ergeben.
Elise Bürger.
(Theodora.)