Devrient, Carl.
Wenn Emil Devrient, der „ewige Jüngling,“ die bis in’s Alter blühende Macht des Schönen in theatralischer Kunst personificirt; wenn Eduard den Werth besonnen-wirkender theoretischer Studien zur Geltung bringt; dann dürfen wir Carl, der drei Brüder ältesten, (denn er schlug schon die Befreiungskriege mit, und kehrte von Wunden geziert wieder heim,) als den nächsten Erben seines Oheim’s im Genialen betrachten. Carl hat Rollen gehabt, — manchmal nur einzelne Scenen, — wo er, begeistert, zu wahrer Begeisterung hinriß. Aber seine Darstellungen waren ungleich. Er hing vom Augenblick, von dessen Stimmungen ab. Es ist vorgekommen, daß er bei Gastspielen als Räuber Moor — als Lear — als Hamlet in einem Akte die größten Reminiscenzen aller Theaterfreunde überbot, — daß er im andern, durch irgend welche Zufälligkeit gestört, wichtige Momente fallen ließ, und sich selbst nicht ähnlich blieb. Dennoch wird er mit vollem Rechte als eine Zierde des K. Hoftheaters zu Hannover geschätzt, und ist allgemein geachtet und beliebt wegen seines geraden, männlichen Charakters.