Hagn, Charlotte von.

Wer diese zu ihrer Zeit so beliebte Schauspielerin noch in ihrer Wirksamkeit gesehen, und wer außerdem Neigung hat, Betrachtungen über Bühnen-Charaktere außerhalb der Bühne anzustellen, dem dürften diese zwei Briefe nicht unwichtig erscheinen; wenn er die kindliche Hingebung des ersten mit der fast vornehmen Fassung des zweiten vergleicht. Allerdings liegen zwölf Jahre, reich an Erlebnissen, dazwischen. Man lieset aus den Zeilen des letzteren leicht heraus, wie unnütz der berühmten Künstlerin die „Lehrstunde“ dünkte, welche Tieck ihr widmen wollte. Vielleicht hatte sie nicht ganz Unrecht? Für Jedweden „vom Handwerk“ wird der praktische Gewinn, der aus Unterweisungen hervorgeht, wie ein Mann (sey es der bedeutendste!) einer geistvollen und geübten Schauspielerin sie ertheilen kann, immer zweifelhaft bleiben. — Es war eine von Tieck’s größten Selbsttäuschungen, daß er an diesen seinen unmittelbaren Einfluß glaubte. — Ach, hätte er hören können, wie auch Diejenigen, die er sich als aufrichtigst ergeben wähnte, darüber sprachen!