II.
Hannover, d. 3t. April 45.
Hochgeehrter Herr Geheimrath!
Absichtlich habe ich es unterlassen Sie mit der Mittheilung meiner unerfreulichen Unterhandlungen mit dem Herrn Geheimrath v. Küstner über mein Gastspiel zu behelligen, doch nun, da dasselbe endlich zu Stande gekommen ist, nehme ich meine Zuflucht wieder zu Ihnen verehrter Gönner, und bitte Sie um Ihren gütigen Rath und Beistand. Die Aussichten auf einen glänzenden Erfolg meiner Darstellungen sind nur sehr schwach, weil die Zahl der mir bewilligten Rollen auf sechs beschränkt ist, und ich nicht Gelegenheit haben werde, meine Fähigkeiten im ganzen Umfang meines Wirkungskreises zu zeigen. Mein erstes Auftreten in „die Wahnsinnige“ und „der Diplomat“ hat nur den Zweck mich in zwey ganz verschiedenen Gattungen bey dem Publikum vortheilhaft einzuführen, doch wird gleich darauf als ernstere Prüfung der Hamlet folgen, und hierin habe ich von Ihrem strengen Urtheil alles zu fürchten und zu hoffen. Die beiden nächsten Rollen in „das Glas Wasser“ und „der Sohn der Wildniß“ sind wegen der Bequemlichkeit, mit welcher sie auf das Repertoir zu bringen waren, gewählt, sowie ich mich denn nicht rühmen kann, daß meinetwegen länger ruhende Stücke nachstudirt wurden. Eine Väterrolle muß ich aber in jedem Falle spielen, entweder den Wallenstein oder König Lear, wenn mein Vossischer Text mit der Kaufmannschen Uebersetzung zu vereinbaren ist. Vielleicht rathen Sie Herr Geheimrath auch zu dem Faust, vorausgesetzt daß ich dann schon wagen kann, eine blos schwierige aber nicht dankbare Rolle zu spielen. Die Weigerung des Herrn Hendrichs mich während meiner Abwesenheit hier als Gast zu ersetzen, ist auch der Grund, weshalb mein Urlaub nur sehr beschränkt ausgefallen ist, und dennoch werde ich auch dort diesen Herren sehr vermissen, weil ohne ihn weder „Donna Diana,“ worin ich den Perin spiele, noch Kaiser „Friedrich und sein Sohn,“ worin ich eine mir sehr zusagende Väterrolle hätte, aufgeführt werden kann.
Am 10t. werde ich mir sogleich die Ehre geben Ihnen meinen Besuch zu machen, und will nur wünschen daß Ihre Gesundheit Ihnen verstatten wird meinen Vorstellungen beizuwohnen.
Erhalten Sie mir nur Ihre wohlwollenden Gesinnungen und seien Sie meines unvergänglichen Dankes gewiß.
Mit inniger Verehrung und Hochachtung bin ich
Ew. Hochwohlgeboren
aufrichtig ergebener
Carl Devrient.