II.
Winterthur, 17. Febr. 1829.
Ich habe, Verehrtester, etwas auf dem Herzen, das ich abladen muß. Schon Herr Reimer schrieb mir aus Dresden, daß Ihr Aufenthalt allhier Sie nicht nach Erwartung befriedigt habe, und Hr. Follen hat mir dieß neulich noch des weitern bestätigt. Da es mir nun schmerzlich wehe thäte, mein liebevoller Tieck, etwas von Ihrer Achtung zu verlieren, so fühle ich mich zu einiger Erklärung meiner scheinbaren Zurückhaltung gedrungen.
Von Kindheit an war ich ein sehr einsamer Mensch, wodurch ich mir eine anfängliche Verlegenheit unter Fremden zugezogen habe, die ich mir nicht mehr abgewöhnen kann. Sie hingegen sind ein in Gesellschaft verbreiteter Mann, von leichtem Umgange. Sie sprechen sehr gut; ich kann gar nicht sprechen, das macht mein Reden mir selbst langweilig, (weggerissen)... andern. Und so geht, ehe ich zum vertraulichen Worte komme, gewöhnlich die Zeit verloren.
Hätte ich Sie nur ein paar Tage allein bey mir, so würden unsre opposita, alsdann juxta se posita, statt schroffer sich zu zeigen, wahrscheinlich bald in Einklang kommen; denn im Grunde sind wir doch Eines Geistes (wenn auch nicht quantitativ), und der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch äußerlicher Angewöhnung ist wenig nütze, ist Unkraut, das wenn es auch heute noch stände, schon morgen in den Ofen geworfen seyn würde.
Ich hätte freylich auch gewünscht, länger mich mit Ihnen unterhalten zu können, aber da Sie äußerten, daß Sie nach Tische verreisen wollten, so mußte ich doch vor Tische gehen; ich besorgte überdies die Frauenzimmer zu geniren. Hätten Sie mir nur ein Wort vom Bleiben gesagt, wie gerne wär ich geblieben!
Nehmen Sie diese Herzenserleichterung auf, wie sie gemeint ist, theurer Mann, als den Wunsch, nicht in Ihrem freundschaftlichen Andenken verloren zu haben, und lassen Sie mir dasselbe ferner gewähren!
Ulrich Hegner.