III.

Dresden, den 7. November.

Ich sende Ihnen, theurer verehrtester Freund, anliegend einen Brief den mir Dr. Minckwitz für Sie eingehändigt, um Ihnen ans Herz zu legen, Sie möchten seiner Uebersetzungen gedenken, falls nach der Antigone noch andre Sophocleische Trgödien zur Aufführung kommen sollten. Fast war mir’s leid als ich den Auftrag übernahm, denn er kam mir vor wie ein böses Omen: ich will mich immer noch nicht an den Gedanken gewöhnen daß Sie, dem zu Liebe ich recht eigentlich mich entschieden hatte manchen andern Rücksichten entgegen wieder nach Dresden zurückzukehren, vielleicht nun ganz in Berlin zu bleiben entschloßen sind. Wenn’s aber denn wirklich so wäre, so sollen Sie mein erster, u. Ihre hiesigen Freunde u. ich selbst mein zweyter Gedanke seyn, u. ich wünsche Ihnen Glück zu Ihrem gewiß sehr schönen u. erweiterten Wirkungs-Kreise.

Ich habe Ihnen von meiner Sommerreise her noch angelegentliche Grüße zu bestellen von Loebell, von dem vortrefflichen, Sophien u. mir sehr lieb gewordnen Immermann, u. von Herrn v. Uechtritz. Eben so trägt mir meine Frau das allerherzlichste für Sie auf, u. wird sich sehr oft mit mir nach Ihnen sehnen: wir beyde bitten uns der Gräfin, so wie Herrn v. Raumer, bestens zu empfehlen, u. Agnes zu grüßen. — Auf eine Antwort von Ihnen dürfen weder Minckwitz noch ich hoffen: sollten Sie aber Notiz von seinem Anerbieten nehmen, so schriebe vielleicht Agnes ein paar Zeilen? —

Mit treuster Freundschaft und Verehrung

der Ihrige

W. Baudissin.