II.

Hochverehrter Herr Hofrath!

Nehmen Sie mit Wohlgefallen diese Zeilen an, die Ihnen zu schreiben ein junger Student sich erkühnt. Die deutsche Sprache war mir noch sehr wenig bekannt, als der gelehrte Herr Dr. von Sinner, ein vortrefflicher und vielgeliebter Lehrer, Ihre reitzende Novelle, der Hexen Sabbath, mir in die Hände gab. Ich habe dieselbe zuerst mit höchstem Vergnügen, und dann vielmal wieder immer mit stets vermehrter Bewunderung gelesen. Kein anderes Buch konnte tauglicher seyn, an dieser schönen Sprache Geschmack mir einzuflößen, und derselben Kenntniß durch ein vortreffliches Muster mir zu verschaffen. Das Vergnügen, das ich in der Lesung dieses Buchs gefunden hatte, wollte ich den französischen Lesern mittheilen; so meinte ich meinen Landsleuten etwas Gefälliges und Nützliches zu thun. Aber die Furcht hielt mich zurück, ich könnte durch eine schlechte Übersetzung Ihre schöne Novelle entfärben. Doch endlich, durch den von mir höchstverehrten Herrn von Sinner ermuntert, habe ich, mit meinem Bruder, den Versuch gewagt. Wenn wir etwa gefehlt haben, so bitte ich Sie, uns, um der guten Absicht willen, zu verzeihen. Das Gefallen an dieser Arbeit hat uns fortgerissen; wir haben auch dadurch das Vermögen erworben, Ihre übrigen Werke und die andern Meisterstücke dieser so reichen Litteratur mit Leichtigkeit zu lesen. Ein gütiges Wort zu uns, von Ihrer Hand geschrieben, würde uns der tröstlichste Lohn seyn, den wir kaum zu hoffen und zu fordern wagen: und doch, muß ich gestehen, wir hoffen noch mehr, das heißt, einmal in Deutschland reisend, bei Ihnen vorgelassen zu werden, und das Gespräch des Mannes zu hören, dessen Schriften wir mit so viel Bewunderung gelesen haben, und dessen Umgang als nicht minder gefällig berühmt ist.

Ich habe die Ehre zu seyn

Euer Hochwohlgeboren

Hochachtungsvoll ergebenster Diener

Henri Martin,

Zögling der Normalschule in Paris.