IV.
Braunschweig, den 9ten September 1840.
Verehrtester Herr Hofrath!
Es trifft sich seltsam, daß ich eben jetzt, wo ich in voller Bewunderung Ihres Genius Ihre jüngste Dichtung lese, von einer Freundin, die nach Dresden zu reisen gedenkt, ersucht werde, sie durch einige Zeilen bei Ihnen einzuführen. Dieses Anliegen wie die Lectüre der Vittoria Accorombona erregt mir selbst den leidenschaftlichen Wunsch, nach so manchen Jahren wieder in Ihrer Nähe sein zu können; ich werde ihn befriedigen müssen. Nehmen Sie mich dann gütig wie früher auf, und gönnen Sie jetzt der Dame, die Ihnen meinen Gruß bringt, das beneidenswerthe Glück, Sie von Angesicht zu sehen.
Madame des Marrès gehört nicht allein zu Ihren begeistertsten Verehrerinnen, sie ist auch eine begabte Dichterin, ob sie gleich ihr schönes, bescheidenes Talent vor der Welt verbirgt, und nur im Kreise ihrer vertrautesten Bekannten sichtbar werden läßt. Sie und ihr Gatte, ein Mann voll Sinn und Geschmack, werden Ihnen unendlich verpflichtet sein, wenn Sie ihnen erlauben, einer jener Vorlesungen beizuwohnen, wodurch Sie Ihren Zuhörern einen so einzigen Genuß verschaffen, daß sich ihm nichts, selbst nicht die vollkommenste scenische Darstellung eines Dichterwerks, vergleichen kann.
Wie wohl thut es mir schon, an Sie zu schreiben! Bald hoffe ich, Ihnen gegenüber zu stehen.
Mit unwandelbarer Liebe und Verehrung
Ihr
ergebenster
Köchy.