XIII.

Sonnabend.

Ob Sie mich werden lesen können?

Ich will Ihnen Reue einflößen, mein theurer, edler Freund: ich will die geistreiche Gräfin zu Hülfe rufen, damit Sie mich beschüze. Während Dr. Ruthenberg, den die Polizei verfolgt, in der polytechnischen Gesellschaft meinen Kosmos, als eine „Naturbibel und als ein inspirirtes Erbauungsbuch“ vorliest, versagen Sie mir die Hülfe, um die ich flehe. Ich flehte um Bezeichnung durch einen symbolischen Seidenfaden, ohne allen schriftlichen Commentar (Schriftsteller schreiben bekanntlich ungern) von zwei Stellen des Calderon und eines gewissen Shakespeare, den Sie vielleicht auf dem Tische haben, in denen sich Naturgefühl und ein Hang zu Naturbeschreibung finden. Im Calderon soll dergleichen wunderschön, en boca de Segismundo, en la Vida es sueño stehen: „Los peces y las aves que gozan de la libertad son come rayos de un astro oscurecido etc.“ Das alles weiß man in der Oranienburger Straße, aber mein Flehen wiederholend, will ich kommen, Ihnen dehmütigst zu danken, wenn Sie den Zauber lösen wollen[1].

Mit alter Verehrung

der wüthende

A. v. Humboldt.

Oranienburger Str.

Nr. 67.

Meine Verehrung der theuren Gräfin.

Meine Unterhaltungen sind jetzt: zu begraben; du armer Wach! — und zu christnen (?) in Charlottenburg (2 Stunden Ehrenberg!). Da ist der Kampf der beiden Hofprediger in der Athalie, veuve Soram, doch unterhaltender.

Ein Prediger T., einst Pfarrer bei Chemnitz, der den Heiland in meinem Kosmos sucht und ihn vermißt, mir aber doch viel langweiliges über die Kartoffel-Seuche schreibt (Dresden, Lange Gasse Nr. 10 vier Treppen) trägt mir auf Sie innigst zu grüßen. Ich thue es um mich für Ihr Stillschweigen zu rächen.