I.

Halle, 25. Mai 1840.

Verehrter Herr Hofrath!

Es geschieht mir so sehr selten, daß von mir Gedrucktes irgend sich eignete, Ihnen angeboten zu werden, daß ich die beifolgenden Bogen, die ein uns gemeinsam theures Land betreffen, schnell, wie sie als Aushängebogen ohne Inhaltsangabe u. s. w. mir gestern zugekommen sind, zusammenpacke, um einen Vorwand zu gewinnen, mich Ihnen wieder in’s Gedächtniß zu rufen. Daß ich wünschte, Sie könnten Sich entschließen, ein wenig von dieser Speise zu kosten, das kann ich freilich nicht läugnen; verzeihn Sie mir aber, wenn ich, um ihr einen etwas neapolitanischen Geschmack zu geben, ein Paar Flaschen Calabreser Wein (Diamante), den ich kürzlich aus Italien zum Geschenk erhielt, mit beipacke.

Noch habe ich ein Geständniß Ihnen abzulegen: Vor wenig Tagen habe ich einen, nun fast 11 Wochen alten, Knaben taufen, und ihm in der Taufe den Namen Ludwig beilegen lassen. Wollen Sie es, theurer Herr Hofrath, genehm halten, daß der Knabe, hoffentlich nach manchem Jahrzehend, sich stolz erinnere, daß er diesen Namen von dem Manne trägt, den noch manches kommende Geschlecht eben so innig verehren wird, wie ich es thue. Daß diese Bitte nicht minder die meiner Frau als die meinige ist, darf ich wol nicht erst aussprechen, da Sie ihre Gesinnung kennen.

Zum 31. Mai wäre ich dies Jahr, wo die Communication erleichtert ist, und der Tag auf einen Sonntag trifft, sehr gern nach Dresden gekommen, Ihnen mündlich meine Verehrung und meine Wünsche zu sagen, die beide gleich innig sind. Ich fühle indeß, wie Viele an diesem Tage Sie umgeben werden, die Ihnen näher stehn und denen mich beizuzählen mir nicht ziemt. —

Meine Frau und ich, wir haben uns Ihres gütigen Andenkens, von dem Professor Erdmann uns berichtet, sehr gefreut. Die Erstere geht mit zweien der Kinder in den nächsten Tagen nach Kösen in das Bad. Hoffentlich führt noch der Sommer uns, oder doch Einen von uns nach Dresden.

Der gnädigen Gräfinn und Ihren Fräulein Töchtern empfehlen wir Beide uns angelegentlich, ich aber bin mit der innigsten, Ihnen wohlbekannten Verehrung

Ihr

ergebner

Karl Witte.