III.

Leipzig, 27ten Juli 1822.

Geliebter und verehrter Freund.

Hiermit erhalten Sie den Rest des Abdrucks Ihrer Erzählung. Ich wurde durch einige unangenehme Arbeiten jeden Posttag gehindert, Ihnen denselben zuzusenden. Und nun lesen Sie Allen, die es verdienen, zur erbauenden Unterhaltung das geistreiche Werk, das ich nun recht durch und durch kenne, und immer mehr als ein Ganzes zu erkennen genöthigt worden bin, mit der humoristischen Salbung vor, die Ihnen so schön von der Lippe strömt, und trösten Sie die gute Gräfin nun reichlich dafür, daß ich ihr das Manuscript noch rauchend entführte, worüber Sie mir (im Vertrauen nicht ganz mit Unrecht) böse war. — In diesen Tagen machte mich Jemand zu meinem großen Leidwesen darauf aufmerksam, daß Ihre Untersuchungen über Shakspeare, welche alle Kenner Ihres Geistes so lange vermissen, vielleicht durch Aufschieben des Abschlusses oder Ihrer öffentlichen Mittheilung an Neuheit und Interesse verlieren können, wenn nehmlich Ihre Ansichten durch Dritte, die sich damit viel wissen, und denen Sie sich vielleicht in geistiger Mittheilung hingeben, ins Publikum kommen.

Die Veranlassung zu dieser Bemerkung ist, daß Brockhaus ein Werk über alle Schauspiele Shakspeares ni fallor von Franz Horn angekündigt hat, welches in 3 Bänden nächstens erscheinen soll. Voraus wahrscheinlich steht eine Probe, welche über Makbeth handelt, im litterarischen Conversationsblatt 159 No.

Jener Jemand nun behauptete gegen mich, was dort über den Einfluß der Lady Makbeth gesagt sey, sey, soviel er wisse, Ihre Ansicht. — Ob sie auch von Ihnen sey, das wäre nun die Frage, die ich nicht entscheiden will, aber Ihnen vorwerfe, um die Reflexion in sich zu erwecken, welche die Frucht zur Reife bringen können.

Man sagt mir, daß heute die Klebepflanze A. Wagner genannt cum diligentia (das was vorauszusehen, daß er es nicht bis zur Kühnheit des Eilwagens werde bringen können) angelangt sey. Der soll mir viel von Ihnen erzählen!

Ihr

A. Wendt.