Literarhistorische Anmerkung

Von Grabbe, dessen Werke nur wenige kennen, konnte der vorstehende Aufsatz nur einen ganz bestimmten Umriß geben. Man soll ja aber nicht nur über einen Dichter lesen, sondern diesen selbst. Wen ich dazu verlocken konnte, der wählt hierzu am besten die Ausgabe der sämtlichen Werke Grabbes im Verlag von Max Hesse, in der eine in der sachlichen Zusammenstellung vorzügliche Einleitung von Otto Nieten enthalten ist. Die früher bekannten Ausgaben von Grisebach und Oscar Blumenthal sind überholt, die zahlreichen, in Zeitschriften verstreuten Arbeiten von Duller, Hart, Poppenberg, Moeller v. d. Bruck, Krack, P. Friedrich u. a. sind in der Nietenschen Arbeit in ihren wesentlichen Teilen verwertet. Die zitierte Schrift von Karl Ziegler führt den Titel „Grabbes Leben und Charakter“ und ist wohl nur noch in Bibliotheken zu finden. Als Beispiel einer überheblichen Wissenschaftlichkeit, die wohl ihr Spezialgebiet kennt, aber den Zusammenhang mit dem Wesensganzen verloren hat, mögen die „Beiträge zum Studium Grabbes“ von C. A. Piper in den Munckerschen Forschungen zur neueren Literaturgeschichte warnend genannt sein. Desgleichen sei gewarnt vor den albernen Abstempelungen der Goedeke, Scherer, Gottschall und Bartels, die damit dem fluchwürdigen Brauch huldigten, quantitative Literaturgeschichte in konzentriert-aphoristischer Form zu treiben. Wer den deutschen Kerl Grabbe erfahren will, der — noch einmal sei’s gesagt — lese ihn selbst.

Im Herbst 1922.

M. G.