ERZÄHLUNG DER KLEINEN ALLYS
Ich kann nicht mehr gut laufen, weil wir in einem heißen Lande sind, wohin uns zwei schlechte Männer aus Marseille geführt haben. Und zuerst wurden wir an einem finsteren Tage mitten unter Blitzen auf dem Meere hin und her geschüttelt. Aber mein kleiner Eustachius hatte keine Furcht, denn er sah nichts und ich hielt seine beiden Hände. Ich liebe ihn sehr und bin seinetwegen hierher gekommen. Denn ich weiß nicht, wohin wir gehen. Wir sind schon so lange Zeit fort. Die anderen erzählten uns von der Stadt Jerusalem, die am Ende des Meeres liegt und von unserem Heiland, der dort sei, um uns zu empfangen. Und Eustachius kannte unseren Herrn Jesus gut, aber er wußte nicht, was Jerusalem ist, noch was eine Stadt oder das Meer ist. Er ist fortgegangen, um Stimmen zu gehorchen und er hörte sie in jeder Nacht. Er hörte sie in der Nacht, weil es dann still ist, denn er kann die Nacht nicht vom Tage unterscheiden. Und er fragte mich wegen dieser Stimmen, aber ich konnte ihm nichts sagen. Ich weiß nichts und ich habe nur Kummer Eustachius’ wegen. Wir gingen immer mit Nikolaus, Alain und Denis zusammen; aber sie sind auf ein
anderes Schiff gestiegen und kein Schiff war mehr da, als die Sonne wieder aufging. Ach, was ist aus ihnen geworden? Wir werden sie wiederfinden, wenn wir bei unserem Heiland ankommen. Das ist noch sehr weit. Man spricht von einem großen König, der uns zu sich kommen läßt und der die Stadt Jerusalem beherrscht. In dieser Gegend ist alles weiß, die Häuser und die Kleider, und das Gesicht der Frauen ist von einem Schleier verhüllt. Der arme Eustachius kann diese Weiße nicht sehen, aber ich erzähle ihm davon, und er freut sich. Denn er sagt, das ist das Zeichen vom Ende. Der Herr Jesus Christus ist weiß. Die kleine Allys ist sehr müde, aber sie hält Eustachius bei der Hand, damit er nicht fällt und sie hat keine Zeit, an ihre Müdigkeit zu denken. Heute abend werden wir uns ausruhen und Allys wird wie immer nahe bei Eustachius schlafen und wenn die Stimmen uns nicht ganz verlassen haben, wird sie versuchen, sie in der hellen Nacht zu hören. Und sie wird Eustachius an der Hand halten bis zum weißen Ende der großen Reise, denn sie muß ihm den Heiland zeigen. Und ganz sicher wird der Heiland Mitleid mit der Geduld Eustachius’ haben und wird erlauben, daß Eustachius ihn sieht. Und vielleicht wird dann Eustachius die kleine Allys sehen.