Proben aus Querkopf Wilsons Kalender:
Adam war bloß ein Mensch – damit ist alles erklärt. Ihn gelüstete nicht nach dem Apfel um des Apfels willen, es reizte ihn nur, zu thun was verboten war. Die Schlange hätte man verbieten sollen, nicht den Apfel – dann würde Adam die Schlange gegessen haben.
Durch den armseligsten Witz, mit dem man jemand lächerlich macht, läßt sich auch der beste Leumund zerstören. Nehmt zum Beispiel den Esel – sein Charakter ist beinahe makellos, er hat unter allen Tieren zweiter Klasse die herrlichste Gemütsart, aber, weil man ihn ins Lächerliche zu ziehen pflegt, ist er in Verruf gekommen. Statt daß ich mich geschmeichelt fühlen sollte, wenn man mich einen Esel nennt, weiß ich nicht recht, woran ich bin.
Mit den ›besonderen Fügungen‹ ist es eine eigene Sache: man weiß nie recht, wem sie zu gute kommen sollen. Bei der Geschichte vom Propheten Elias, den Bären und den Kindern zum Beispiel, hatten es die Bären viel besser als der Prophet, denn sie durften die Kinder fressen.
Wie heilig ist doch die Freundschaft! So süß, so beständig, so ausdauernd ist kein anderes Gefühl. Sie bleibt uns treu bis ans Lebensende – wenn wir sie nicht bitten, uns Geld zu borgen.
Mutig sein, heißt die Furcht überwinden und beherrschen, nicht von Natur furchtlos sein. Wer nicht ein gut Teil Feigheit in sich hat, den kann man füglich nicht tapfer nennen, es wäre eine ganz falsche Anwendung des Wortes. Den besten Beweis dafür liefert uns – der Floh. Wäre völlige Furchtlosigkeit gleichbedeutend mit Mut, so müßte man ihn für das tapferste Geschöpf Gottes erklären. Er verfolgt dich mit seinen Angriffen, ob du wachst oder schläfst, trotzdem du ihm an Kraft und Größe so weit überlegen bist, wie die vereinigten Heere der Welt einem zarten Säugling. Tag und Nacht lebt der Floh in beständiger Gefahr angesichts des drohenden Todes, doch fürchtet er sich so wenig, wie jemand der in eine Stadt kommt, die vor tausend Jahren vom Erdbeben bedroht war. Wenn wir von Helden wie Clive, Nelson und Blücher sagen: »sie kannten keine Furcht«, so sollten wir immer auch den Floh mit erwähnen, und ihn an die Spitze stellen. –
Wenn du zornig bist, zähle bis vier; bist du sehr zornig, so fluche.
Alle sagen, wie traurig es ist, daß uns der Tod nicht erspart bleibt! – Klingt das nicht seltsam im Munde von Leuten, denen das Leben nicht erspart geblieben ist?
Nichts bedarf so sehr der Reform, als die Gewohnheiten anderer Leute.
Der Narr spricht: »Lege deine Eier nicht alle in einen Korb!« – was nichts anderes heißen soll als: »Verteile dein Geld und deine Wachsamkeit.« – Aber der Weise sagt: »Lege alle deine Eier in einen Korb – und dann gieb recht acht auf den Korb.«
Was sollte wohl daraus werden, wenn alle Menschen gleicher Ansicht wären? Nur wo jeder eine andere Meinung hat, sind Pferderennen möglich.
Es giebt wenige Dinge, die unleidlicher sind und mehr ärgern, als ein gutes Beispiel.
Selbst der klarste und vollkommenste Indizienbeweis kann auf Täuschung beruhen und muß mit großer Vorsicht aufgenommen werden. Das läßt sich sehr deutlich an jedem Bleistift sehen, der von irgend einer Frau gespitzt worden ist. Hat man Zeugen, so werden diese aussagen, daß sie die Spitze mit einem Messer gemacht hat, urteilt man aber nur nach der Beschaffenheit des Bleistifts, so würde man meinen, sie hätte es mit den Zähnen gethan!
Wenn du einen halbverhungerten Hund findest und ihm zu fressen giebst, so beißt er dich nicht. Dies ist der Hauptunterschied zwischen einem Hunde und einem Menschen.
1. April. Dies ist der Tag, der uns daran erinnern soll, was wir an den übrigen dreihundertvierundsechzig Tagen sind.
Versuchen wir, so zu leben, daß bei unserem Tode sogar der Leichenbestatter trauert.
Die Entdeckung von Amerika war schon sehr wunderbar, aber noch viel wunderbarer wäre es gewesen, wenn man es nicht entdeckt hätte.